Noch immer gibt es einige tausend Stromsperren in Leipziger Haushalten

Für alle LeserDie Zahlen differieren, aber die Aussage bleibt im Grunde dieselbe: Ob es einer Stadt gutgeht, kann man nicht an Einkommensdurchschnitten ablesen. Die Not merkt man erst dort, wo es den Menschen ans Elementarste geht – an Wohnung, Strom, Wärme. Und auch 2018 hat sich nichts daran geändert, dass Leipzig die Stadt in Sachsen ist, wo besonders viele Menschen ihre Not auch mit abgedrehtem Strom bezahlen.

„Durch den Anstieg der Strompreise haben Verbraucher mit niedrigem Einkommen zunehmend Schwierigkeiten, ihre Stromrechnungen zu bezahlen. Laut Verbraucherschutzverbänden kämpfen inzwischen 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung damit, ihre Energiekosten zu finanzieren.

Besonders betroffen sind Menschen, die wenig Geld haben, aber relativ viel Zeit zu Hause verbringen, etwa Hartz IV-Empfänger, Rentner oder Studierende. Dadurch fällt ihr Energieverbrauch höher aus. Gleichzeitig können sie sich aber keine neuen, effizienteren Geräte leisten“, hatte die Linksfraktion in ihrer Anfrage zu diesem Thema formuliert.

Das Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule hat geantwortet.

Wie viele Stromabschaltungen bei Privathaushalten wurden im Jahre 2017 und bis 31. August 2018 in Leipzig vorgenommen?

In 2017 wurden 4.185 Anlagen (Haushalte) im Netzgebiet der Netz Leipzig GmbH gesperrt. Im Zeitraum vom 01.01.2018 bis 31.08.2018 wurden 2.938 Anlagen (Haushalte) im Netzgebiet der Netz Leipzig GmbH gesperrt. Die im Zeitraum von Januar 2018 bis August 2018 erfolgten Sperrungen können nicht linear auf ein volles Kalenderjahr hochgerechnet werden, da vor Weihnachten (Weihnachtsfrieden) keine Sperrungen erfolgen.

Wie viele davon wurden von den Stadtwerken veranlasst?

Die Sperrungen im Netzgebiet der Netz Leipzig GmbH wurden fast ausschließlich von den Leipziger Stadtwerken (2017: 4.157; bis 08/2018: 2.920) veranlasst, da die Leipziger Stadtwerke im Netzgebiet der Netz Leipzig GmbH Grundversorger sind. An diesen fallen automatisch all jene Kunden, deren Stromverträge beispielsweise aufgrund mangelnder Zahlungsmoral oder -fähigkeit durch ihren Lieferanten gekündigt wurden.

Als Grundversorger bieten die Leipziger Stadtwerke verschiedene Möglichkeiten, um Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten Wege aufzuzeigen, zu einer vertragsgemäßen Begleichung von Rechnungen und Abschlägen zurückzufinden. Gute und einvernehmliche Lösungen können beispielsweise mit Ratenzahlungsvereinbarungen oder der Verschiebung von Zahlungsfälligkeiten gefunden werden. Auch sehr kurzfristig können Sperrung mit dem Online-Bezahldienst „barzahlen.de“, den die Leipziger Stadtwerke ihren Kunden anbieten, abgewendet werden.

Entwicklung der Stromsperren in den drei sächsischen Großstädten. Grafik: Linksfraktion Sachsen

Entwicklung der Stromsperren in den drei sächsischen Großstädten. Grafik: Linksfraktion Sachsen

***

Der Freistaat hatte – auf Anfrage der Linksfraktion im Landtag – noch 4.373 Stromabschaltungen in Leipzig für das Jahr 2017 gemeldet. Also ein paar mehr als jetzt die Stadt Leipzig selbst. An der Tatsache, dass damit in Leipzig trotzdem landesweit die meisten Stromabschaltungen erfolgten, ändert das freilich nichts.

Und auch nicht daran, dass sich die Zahl der Abschaltungen seit 2010 halbiert hat. Einige tausend Haushalte haben es also geschafft, sich aus der Schuldenfalle herauszuarbeiten. Vielleicht, weil man endlich auch etwas besser bezahlte Jobs bekam.

Aber über 4.000 Abschaltungen im Jahr bedeuten eben doch, dass in ebenso vielen Haushalten die sozialen Sicherheiten nicht gegeben sind und das Geld zu knapp ist, dass man wichtige Rechnungen wie die Stromrechnung nicht bezahlen kann. Zumindest für 2017 gilt also, dass die finanzielle Not in einigen tausend Haushalten nicht gelindert wurde, sondern – trotz aller Konjunkturverheißungen – weiter bestand.

Eine Muntermacher-LZ Nr. 61 für aufmerksame Zeitgenossen

 

Stromabschaltungen
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Grafik: IHK zu Leipzig

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