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Faire Mode inmitten der Massen-Ketten

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 38Seit 2010 führt Christiane Pfundt den Modeladen „Grünschnabel“, anfangs in der Könneritzstraße, seit einem Jahr direkt in Leipzigs Innenstadt im Oelßner’s Hof. Gestartet ist die Unternehmerin ohne einen Cent, aber mit einer klaren Vorstellung davon, welche Mode sie verkaufen möchte. Inmitten von Handelsketten, immer größer werdenden Shoppingmalls hat sie sich mittlerweile in der Leipziger City etabliert. Denn nur fair produzierte Ware geht hier über den Verkaufstresen, ausschließlich aus ökologisch produzierten Materialien. Dass die Ladenbesitzerin Spaß an diesem Geschäftszweig hat, ist ihr anzumerken.

    LZ: Frau Pfundt, wie kam es eigentlich zu der Idee, nachhaltige Mode zu verkaufen?

    Pfundt: Ich hatte bis 2008 als Buchhalterin bei Unister gearbeitet und auch die Abteilung geleitet. Dann ging ich in Elternzeit und mir war schon klar, dass ich etwas anderes machen möchte. Die Idee resultiert aus einem Artikel über nachhaltigen Konsum in der GEO, den ich beim Arzt las. Ich habe bei meinen darauf folgenden Recherchen begriffen, dass ökologische Mode nun keine Einschränkung mehr heißen muss. Es gab schon viel mehr Vielfalt, als die Klischees besagten, nur waren diese schönen Dinge nicht überall und nicht so einfach zu haben. Das wollte ich Menschen ein wenig leichter machen.

    LZ: Wann ging es denn mit dem eigenen Laden richtig los?

    Pfundt: Eröffnen konnte ich zur Herbstsaison 2010, das ist bei einem Modegeschäft schon wichtig, dass man den Saisonstart erwischt. Eingekauft und nach einem Ladenlokal gesucht hatte ich schon seit März, anfangs auch noch ohne gesicherte Finanzierung. Es hat einfach unheimlich lange gedauert, bis die erste Bank mal eine Zusage aussprach, in der Zeit hatte ich dann schon eine von der zweiten. Geholfen hat außerdem ein KfW-Kredit (Kreditanstalt für Wiederaufbau), eigenes Kapital hatte ich damals keines investiert.

    LZ: Banken wollen in solchen Fällen ja eine ganze Menge Konzepte und Finanzpläne vorgelegt bekommen, woher kam die Sicherheit das alles aufzustellen?

    Pfundt: Betriebswirtschaftliches liegt mir einfach, obwohl ich Fremdsprachenkorrespondentin gelernt habe. Tolle Unterstützung hatte ich außerdem vom damaligen Betriebsberater des Handelsverband Sachsen. Den ersten Businessplan musste ich drei bis vier Mal überarbeiten, dann stand ein Kredit.

    LZ: Zunächst ging es los in der Könneritzstraße, was sprach für den Standort?

    Pfundt: Mein Sortiment bestand zu Beginn hauptsächlich aus Kindermode, da ich mir die jungen Eltern als bewusste Käufer am besten vorstellen konnte. Ich habe dann auf die Demographie geschaut und in Schleußig wohnten schon damals viele junge Familien. Das ließ sich auch wieder gegenüber der Bank als schlüssig darstellen.

    Ein bisschen Glück war aber auch dabei. Den Laden habe ich in einem Haus eröffnet, das saniert werden sollte, erst einmal mit Mietvertrag nur für ein halbes Jahr. Die Miete war sehr günstig, die Anbindung an der Ecke Oeserstraße mit dem Nahverkehr sehr gut. So konnten wir auch kompensieren, dass wir dort nicht so viel Laufkundschaft hatten.

    LZ: Was bedeutete das für die Entwicklung des Geschäfts?

    Pfundt: Viele Kunden kamen auch aus anderen Stadtteilen, weil es das Konzept so sonst nicht gab. Ab dem dritten Jahr schrieb der Laden schwarze Zahlen, auch der Online-Shop half. Oft sagten Leute: „Ich habe im Internet dieses ganz schöne Teil gesehen, das wollte ich mir mal angucken.“ Ich kann nur jedem Jungunternehmer empfehlen, auch online zu handeln. Das ist zwar auch mit Aufwand verbunden, da jedes halbe Jahr wieder andere Mode einzupflegen ist, aber man vertut sich ja auch mal beim Einkauf. Werden wir einige Teile nicht in Leipzig los, kauft sie vielleicht jemand aus Stuttgart. Die Geschmäcker sind schon regional verschieden.

    LZ: Wie sieht es eigentlich mit den Preisen aus? Ist die faire Mode so teuer, wie mancher sicher vermutet?

    Pfundt: Natürlich kann man die Preise nicht mit den großen Ketten vergleichen, die vor allem auf niedrige Preise aus sind. Aber teurer als normale Markenkleidung ist die faire Mode nicht. Zwischen 100 und 140 Euro für eine Jeans oder 30 Euro für ein bedrucktes T-Shirt zahlt man auch bei vielen Marken. Besonders wenn ein faires Label größer wird und gewisse Stückzahlen produziert, sinken die Stückkosten und die Preise. Vielleicht kaufen meine Kunden aber dadurch auch etwas bewusster ein. Besonders wir Frauen haben doch sowieso meist zu viel Kleidung. Außerdem haben wir auch immer preisreduzierte Ware für den schmalen Geldbeutel.

    LZ: Mit dem Umzug in die Innenstadt waren doch sicher auch wieder Risiken verbunden, oder?

    Pfundt: Das Ganze hat schon eine andere Dimension bekommen und es musste natürlich auch noch mal investiert werden. Der Umzug und die Einrichtung haben einiges gekostet. Zwei neue Mitarbeiter sind aufgrund der längeren Öffnungszeiten hinzugekommen. Die Lagerhaltung wurde optimiert. Ein Jahr mit schwarzen Zahlen war das erste hier jedenfalls nicht. Aber das hatte ich auch nicht erwartet.

    Anfangs wollte ich auch gar nicht ins Zentrum. Ich habe auf der Karl-Heine-Straße gesucht und rund um den Ring herum, aber eben knapp außerhalb. Spaßeshalber habe ich im frisch sanierten Oelßner`s Hof angefragt. Sicher ist die Miete höher, dafür habe ich statt 100 nun 150 m² Verkaufsfläche in einem architektonisch wunderschönen Ambiente und noch dazu in zentraler Lage, gut erreichbar für alle Leipziger.

    Die meisten Stammkunden aus Schleußig sind uns treu geblieben und dazu kommt natürlich, dass es in der Stadt viel mehr Laufkundschaft gibt. Außerdem können wir hier auch Touristen im Geschäft begrüßen, die den Weg in die Könneritzstraße nicht gefunden hätten. Nun gibt es in der Leipziger Innenstadt endlich eine faire Alternative zum allgemeinen Mode-Shopping-Wahnsinn und darauf bin ich schon ein bisschen stolz!

    LZ: Kann man denn als Händler überhaupt prüfen, dass die eingekaufte Ware auch aus fairer Produktion stammt?

    Pfundt: Eine 100-prozentige Sicherheit kann ich nicht haben. Aber ich kaufe von Labels, bei denen ich merke, dass die Leute das mit Überzeugung machen. Dazu lese ich viele Blogs über grüne Mode, gäbe es da irgendeinen Skandal, käme das sicher heraus. Aber ein wenig muss man sich auch auf die Zertifikate verlassen können und das von den entsprechenden Stellen die Fabriken beaufsichtigt werden.

    LZ: Was steht noch auf dem Plan für den „Grünschnabel?

    Pfundt: Ach, Ideen gibt es viele. Als nächstes ist eine Überarbeitung des Online-Shops dran. Der sieht immer noch aus wie am Anfang. Und dann gibt es eine lange Liste über der steht „Wenn mal Zeit ist“. Mir macht das Ganze auf jeden Fall Riesenspaß, auch wenn ich bisher fast alle Profite wieder reinvestiert habe.

    LZ: Dann vielen Dank und eine erfolgreiche Vorweihnachtszeit.

    Dieser Artikel erschien am 16.12.16 in der aktuellen Ausgabe 38 der LEIPZIGER ZEITUNG. An dieser Stelle zum Nachlesen auch für L-IZ.de-Leser. Dieses und weitere Themen finden sich in der aktuellen LZ-Ausgabe, welche neben den normalen Leipziger Presseshops hier im Szeneverkauf zu kaufen ist.

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