Wirtschaftsdezernat nimmt Stellung zum Antrag von SPD- und Linksfraktion

Gegen den „Megatrend im Pressemarkt“ kann auch Leipzig nichts ausrichten

Für alle LeserWelchen Einfluss hat Leipzigs Verwaltung eigentlich auf so etwas wie die geplante Schließung der LVZ-Druckerei in Stahmeln? Im November versuchten Linksfraktion und SPD-Fraktion im Stadtrat, das Thema auf die Handlungsebene der Verwaltung zu hieven. Die Stellungnahme, die das Wirtschaftsdezernat jetzt vorgelegt hat, verrät nur allzu deutlich, dass die Konzernentscheidung schon längst gefallen ist und der Einfluss der Stadt minimal ist. Und die Sozialpläne hat sich die Druckerei-Belegschaft mittlerweile selbst erstreikt.

„Leipzig ist Buch-, Druckerei- und Verlagsstadt – zu dieser historischen Tradition gehört auch die Druckerei der LDVG GmbH in Leipzig-Stahmeln. In der Druckerei sind direkt 260 Personen beschäftigt, und weitere hunderte Arbeitsplätze sind in direkter Folge vom Produktionsstandort in Leipzig abhängig, daher ist der Erhalt unverzichtbar“, hatten die beiden Fraktionen ihr Anliegen formuliert.

„Gerade vor dem Hintergrund, dass der Standort vor erst 25 Jahren aufwendig mit Fördermitteln gebaut worden ist, ist eine Schließung nicht zu vermitteln. Stattdessen ist es an der Zeit, zu investieren und diesen traditionsreichen ostdeutschen Druckereistandort zu erhalten und für neue Herausforderungen fit zu machen.“

Aber daran denkt im Hause Madsack niemand, auch wenn das Leipziger Wirtschaftsdezernat noch ein wenig hofft, irgendwie würden noch ein paar Leute miteinander reden.

Und so stimmt man zwar dem Vorschlag der beiden Fraktionen zu: „Der Oberbürgermeister und die Ratsversammlung setzen sich für den Erhalt der Druckerei der Leipziger Druckerei- und Verlagsgesellschaft (LVDG) GmbH in Leipzig-Stahmeln ein.“

Aber im Detail ist da eigentlich nichts mehr zu machen, so das Wirtschaftsdezernat: „Dem Vorschlag wird zugestimmt. Dabei sollte bedacht werden, dass die geplante Schließung das Ergebnis einer seit Jahren andauernden, überregionalen Entwicklung und von mehreren Faktoren geprägt ist. Der wirtschaftliche Druck auf Verlagshäuser bzw. insbesondere auf Druckereien im Zuge des digitalen Wandels und des sich verändernden Mediennutzungsverhaltens steigt zunehmend. Printmedien – und besonders Tageszeitungen – verlieren an Auflage. Die Digitalisierung beeinflusst als Megatrend nicht nur die Wirtschaft, sondern auch unseren Alltag, den Umgang mit Informationen und damit den Pressemarkt – auch den Leipziger.“

Und dann klingt es fast wie direkt aus der Geschäftsleitung des großen Zeitungskonzerns: „Gefragt sind daher neue Geschäftsmodelle und neue Technologien im Druckbereich. Auch um den langfristigen Fortbestand der LVZ sicherstellen zu können, wurde daher an die Verantwortlichen appelliert, zukunftsfähige und wirtschaftlich tragfähige Konzepte zu eruieren.“

Die ganzen Umbauten im Hause Madsack haben damit zu tun.

Aber kann Leipzig den Druckereistandort retten? Immerhin hatten beide Fraktionen formuliert: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, mit der Geschäftsführung der LDVG GmbH und der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG Gespräche über einen Verbleib am Standort zu führen. Sollte dies unter keinen Umständen möglich sein, soll der Konzern zur Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft bewegt werden.“

Das Wirtschaftsdezernat wurde schon aktiv.

„Dem Beschlussvorschlag wird bereits nachgekommen. Nach Bekanntwerden der Schließungsabsichten nahm die Stadt Leipzig Kontakt zum Geschäftsführer der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft (LVDG) auf, um mögliche Szenarien für den Standort anzusprechen. Der Oberbürgermeister steht in Kontakt mit dem Vorsitzenden der Konzerngeschäftsführung der MADSACK Mediengruppe. Es wird angestrebt, Gespräche zwischen der Mediengruppe, der LVZ Geschäftsführung sowie Großauftragnehmern zu arrangieren.“

Eigentlich weiß man, dass die Schließung beschlossen ist. Aber irgendwie klammert man sich noch an einen Strohhalm Hoffnung: „Sollte die Standortschließung aus Sicht der MADSACK Mediengruppe ohne Alternative sein, muss die Entwicklung eines entsprechenden Sozialplans höchste Priorität haben. Die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft kann dabei ein Szenario darstellen. Diesen Standpunkt hat der Oberbürgermeister bereits gegenüber dem Vorsitzenden der Konzerngeschäftsführung formuliert. Gleichlautend hat sich Dr. Schimansky als Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung gegenüber der Geschäftsführung der LVDG geäußert.“

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StahmelnLVZ
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