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Bilanz der VNG 2020: Wieder 46 Millionen Euro Gewinn und wichtige Fortschritte im Bereich grüner Gase

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    Die im Leipziger Nordosten heimische Verbundnetz Gas AG hat sich in den letzten Jahren nicht nur zu einem zentralen Anker beim Umbau der mitteldeutschen Energielandschaft entwickelt. Sie hat auch ihre Geschäfte so stabilisiert, dass selbst das Corona-Jahr ihr die Bilanz nicht verhageln konnte. Dabei hatte der Vorstandsvorsitzende Ulf Heitmüller im April 2020 zu Recht befürchtet: „Die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate werden Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben.“

    Die hatten sie auch. Doch dass die VNG diesmal einen nicht ganz so hohen Gewinn ausweist wie im Vorjahr, hat mehr mit Zinszahlungen in einem Steuerverfahren nach dem Kauf der polnischen Gas-Tochter HANDEN zu tun als mit den Folgen von Corona.

    Trotz der Herausforderungen infolge der Corona-Pandemie zog die VNG am Dienstag, 13. April, eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2020. Der Gaskonzern mit Hauptsitz in Leipzig konnte das adjusted EBIT auf 179 Millionen Euro steigern und somit an die sehr gute operative Geschäftstätigkeit des Vorjahres anknüpfen. Das ist natürlich noch nicht der Gewinn, sondern das Unternehmensplus, aus dem dann auch Steuern, Zinsen und Abschreibungen abgehen.

    Am Ende verzeichnet VNG für 2020 dann trotzdem einen Konzerngewinn in Höhe von 46 Millionen Euro und erzielte gleichzeitig substantielle Fortschritte bei der Umsetzung der Konzernstrategie „VNG 2030+“, wie VNG-Vorstandvorsitzender Ulf Heitmüller am Dienstag erklärte: „Wir blicken auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 zurück. Alle Geschäftsbereiche haben zum wiederholten Mal positive Ergebnisbeiträge erzielt und die Erwartungen teilweise deutlich übertroffen.“

    Es ist nun das fünfte Geschäftsjahr hintereinander, in dem die VNG ein deutlich positives Konzernergebnis bekannt geben konnte.

    Personal und Zukunftsstrategie

    Die europaweit aktive VNG beschäftigte zum 31.12.2020 insgesamt 1.305 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (2019: 1.155) und verzeichnete für das Geschäftsjahr 2020 einen abgerechneten Umsatz von 9,8 Milliarden Euro (2019: 10,5 Milliarden Euro).

    „Wir sind sehr froh darüber, bislang vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen zu sein. Gleichzeitig können wir mit Blick auf 2020 konstatieren, dass wir in schwierigen Situationen handlungsfähig und wirtschaftlich erfolgreich waren. Dabei blicke ich insbesondere auf die substantiellen Fortschritte bei der Umsetzung unserer Zukunftsstrategie ‚VNG 2030+‘. Wir sind unserem Ziel, basierend auf unserer Kernkompetenz Gas, grüner und digitaler zu werden, ein ganzes Stück nähergekommen. Das haben wir nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken“, betont Heitmüller, der seit 2016 an der Spitze des VNG-Konzerns steht.

    Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG mit Hauptsitz in Leipzig (Copyright: Eric Kemnitz / VNG AG)
    Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG mit Hauptsitz in Leipzig (Copyright: Eric Kemnitz / VNG AG)

    Mit 392 Millionen Euro hat VNG das Volumen ihrer Investitionen im Vergleich zum Vorjahr (345 Millionen Euro) nochmals gesteigert. Der größte Anteil an Investitionen floss in die Geschäftsbereiche Transport und Biogas.

    So wurde insbesondere im Biogasgeschäft ein deutlicher Wachstumsschub verzeichnet und das Anlagenportfolio der Biogas-Tochtergesellschaft BALANCE Erneuerbare Energien GmbH (BALANCE) weiter stark ausgebaut: Die Zahl der betriebenen Biogasanlagen wuchs bis Ende 2020 – von 26 Anlagen mit einer Leistungsfähigkeit von 95 Megawatt Feuerungswärmeleistung (MWFWL) in 2019 – auf 35 Anlagen und 136 MWFWL.

    Einen weiteren Investitionsschwerpunkt stellte der Erwerb der Gas-Union GmbH mit Sitz in Frankfurt/Main dar, der das Handels- und Vertriebsgeschäft der VNG zusätzlich gestärkt hat.

    „Im Rahmen unserer Konzernstrategie ‚VNG 2030+‘ haben wir unsere etablierten Geschäftsbereiche weiter optimiert und gleichzeitig den Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder vorangetrieben. Zudem haben wir den klimafreundlichen Energieträger Wasserstoff strategisch fest verankert. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass grüne Gase in naher Zukunft einen entscheidenden Beitrag zur Erfüllung der Klimaschutzziele leisten“, so Heitmüller.

    Die Ziele für 2020 übertroffen

    „Trotz des allgemein schwierigen Umfelds konnten wir unsere Ergebnis- und Finanzziele letztlich deutlich übertreffen, sodass wir vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen“, sagt Bodo Rodestock, VNG-Vorstandsmitglied für Finanzen und Personal. „Glücklicherweise haben die pandemiebedingten Auswirkungen bisher keine signifikante Rolle für unser Gesamtergebnis gespielt. Dabei kamen uns erneut eine starke operative Performance, die wir mit 179 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr (2019: 133 Mio. Euro) sogar noch steigern konnten, und ein hohes Kostenbewusstsein zugute.“

    Gasspeicher der VNG in Bad Lauchstädt. Foto: VNG / Torsten Proß
    Gasspeicher der VNG in Bad Lauchstädt. Foto: VNG / Torsten Proß

    Im Geschäftsjahr 2020 konnten die Konzerntöchter ONTRAS Gastransport GmbH (ONTRAS), VNG Gasspeicher GmbH (VGS), VNG Handel & Vertrieb GmbH (VNG H&V) sowie BALANCE und somit alle Geschäftsbereiche einen positiven Ergebnisbeitrag beisteuern. Mit 46 Mio. Euro liegt das Konzernergebnis aufgrund von negativen Einmaleffekten unter dem des Vorjahres. Unter dem Strich steht aber zum fünften Mal in Folge ein positives Jahresergebnis.

    ONTRAS mit positivem Ergebnisbeitrag und prägend bei Wasserstoffentwicklung

    Der Geschäftsbereich Transport – heißt: der Betrieb des Fernleitungsnetzes – bleibt eine unverändert tragende Säule im VNG-Konzern. Das Gesamtergebnis der dafür verantwortlichen ONTRAS liegt über dem Vorjahresniveau.

    „Als unabhängiger Fernleitungsnetzbetreiber hat ONTRAS nicht nur einen großen Anteil am aktuellen Geschäftserfolg, sondern trägt maßgeblich zur Versorgungssicherheit und zum Hochlauf grüner Gase bei“, sagt VNG-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Polk, in dessen Zuständigkeitsbereich die Bereiche Infrastruktur und Technik fallen.

    „Dabei stehen wir auch vor der Herausforderung, eine nationale und europäische Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen. In diesem Zusammenhang leistet der VNG-Konzern über Studien und erste Pilotprojekte Pionierarbeit.“ Im Rahmen der Netzentwicklungsplanung sowie als Mitglied der „Gas for Climate“-Gruppe, die den „European Hydrogen Backbone” entwickelt, beteiligt sich ONTRAS am Aufbau eines nationalen und europäischen Wasserstoffnetzes.

    Auch die für die Gasspeicher zuständige VGS gestaltete das Geschäftsjahr wieder positiv. Verschiedene Faktoren begünstigten das Marktumfeld und sorgten dafür, dass die Speicherfüllstände lange Zeit überdurchschnittlich hoch waren.

    „Besonders erfreulich ist, dass VGS sich ergebende vergleichsweise hohe Sommer-Winter-Spreads erfolgreich für sich nutzen konnte“, so Polk. „Zudem profitierte VGS von optimierten Kostenstrukturen und Einsparungen, die wir bereits seit Jahren konsequent verfolgen. Unter dem Strich legt unsere aus Netzen und Speichern bestehende Infrastruktur die Basis für die Transformation des Energieträgers Erdgas hin zu erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen wie Biogas und Wasserstoff.“

    Der Gasabsatz der VNG belief sich mit 599 Milliarden Kilowattstunden (kWh) erneut über dem Vorjahreswert (rund 516 Milliarden kWh). Der Anstieg ist neben den Erfolgen im Großhandel auf die Ausweitung der Vertriebsmengen im B2B-Bereich zurückzuführen.

    Der Absatz im B2C-Bereich (private Haushalte und Gewerbe/Handel/Dienstleistungen) verlief auf dem Niveau des Vorjahres. Im B2B-Vertrieb wurde der Absatz gegenüber dem Vorjahr vor allem durch den Erwerb der Gas-Union, die Gewinnung neuer Industriekunden sowie den Ausbau zusätzlicher Vertriebskanäle in Deutschland gesteigert.

    Wachstumskurs im Bereich Biogas und bei Grünem Wasserstoff

    Durch Zukäufe und Übernahmen ist der Bestand an Biogasanlagen in der Unternehmenstochter BALANCE im Jahr 2020 weiter gewachsen auf mittlerweile 35 Anlagen bis 31.12.2020. 2021 sind bereits zwei weitere Anlagen durch eine Fertigstellung in Sachsen und einen Erwerb in Thüringen hinzugekommen, wodurch sich die Anzahl der Anlagen auf derzeit 37 Biogasanlagen erhöht. Seit 2018 hat sich der Umfang des BALANCE-Portfolios somit mehr als verfünffacht. Mit einer installierten Feuerungswärmeleistung von nunmehr rund 150 MWFWL gehört BALANCE inzwischen zu den führenden Biogasanlagenbetreibern Deutschlands.

    „Im gesamten VNG-Konzern haben wir den Anspruch, die Energiewende erfolgreich mitzugestalten und zum Erreichen der Klimaziele beizutragen. Biogas und aufbereitetes Biomethan spielen dabei eine wesentliche Rolle, denn sie leisten schon heute einen großen Beitrag zur Dekarbonisierung und sind zugleich flexibel einsetzbar, speicherbar und grundlastfähig“, erklärt Polk. „Unser Tochterunternehmen BALANCE befindet sich auf einem ambitionierten Wachstumspfad. Im Rahmen der Grüngas-Strategie der VNG wollen wir BALANCE weiter zu einem der führenden deutschen Branchenvertreter auf diesem kleinteiligen Markt entwickeln. Gleichzeitig stärken wir den ländlichen Raum, indem wir wertvolle Arbeitsplätze erhalten und den Landwirten durch eine regionale und zugleich nachhaltige Kreislaufwirtschaft langfristige Einnahmequellen bieten.“

    Exemplarisch für die Transformation der VNG hin zu einem grünen, gasbasierten Unternehmensverbund steht der „Energiepark Bad Lauchstädt“. Dort beabsichtigt VNG mit ihren Tochtergesellschaften VGS und ONTRAS – gemeinsam mit weiteren Partnern – erneuerbaren Strom aus einem Windpark mittels einer Großelektrolyse-Anlage mit einer Leistung von bis zu 30 MW in Wasserstoff umzuwandeln. Über eine durch ONTRAS umzuwidmende Erdgasleitung soll der grüne Wasserstoff der chemischen Industrie im benachbarten Leuna zugeführt werden.

    Die Zwischenspeicherung des produzierten Wasserstoffs ist in einer eigens dafür ausgestatteten, knapp 180 Meter tiefen Salzkaverne der VGS vorgesehen. Im Dezember 2020 haben die Verantwortlichen des beteiligten Unternehmenskonsortiums den finalen Antrag für die Förderung als „Reallabor der Energiewende“ beim Projektträger Jülich/Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) eingereicht. Polk blickt mit großer Vorfreude auf die weitere Entwicklung dieses großtechnischen Power-to-Gas-Projekts „Energiepark Bad Lauchstädt“ im mitteldeutschen Chemie- und Energiedreieck: „Wir rechnen Mitte 2021 mit dem positiven Bescheid und wollen dann mit der Umsetzung beginnen.”

    „Wir sind sehr glücklich darüber, dass unsere eigentliche Arbeit voraussichtlich ab Sommer 2021 starten wird. Mit diesem Vorzeigeprojekt wollen wir demonstrieren, dass die großvolumige Herstellung, die unterirdische Speicherung, der Transport über Pipelines und die sektorenübergreifende Anwendung von grünem Wasserstoff in Mitteldeutschland im industriellen Maßstab möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist“, so Polk weiter.

    „Mit dem ,Energiepark Bad Lauchstädt‘ können wir dazu beitragen, grünen Wasserstoff als Zukunftstechnologie weiter zu erforschen und zur Marktreife zu bringen. Gleichzeitig ist es unser Ziel, wichtige Impulse für die Region zu setzen und Mitteldeutschland zu einer technologisch starken sowie zukunftsorientierten Wasserstoffregion und somit zu einem wichtigen Nukleus der ostdeutschen Wasserstoffwirtschaft zu entwickeln. Dabei haben wir neben der Daseinsvorsorge und dem Gemeinwohl in unserer Region auch stets einen Blick auf den anstehenden Strukturwandel, den wir als VNG gezielt begleiten wollen.“

    Ausblick 2021: Dekarbonisierte Geschäftsfelder weiter im Fokus

    Auch 2021 will die VNG das strategische Ziel weiterverfolgen, eine wesentliche Rolle in der Wertschöpfungskette klimaneutraler Gase einzunehmen. Bevor diese Entwicklung aber greift, setzt auch die VNG weiter auf Erdgas als idealen Partner der Erneuerbaren Energien. Grüne Gase werden aber absehbar mittel- bis langfristig weiter an Bedeutung gewinnen.

    „Als VNG wollen wir mit einem gesunden wirtschaftlichen Wachstum auch einen Beitrag zum Gelingen einer erfolgreichen Energiewende hin zu einer CO2-armen und perspektivisch CO2-freien Gesellschaft leisten“, ergänzt Heitmüller. „Hierbei ist uns eine Fokussierung auf skalierbare und zugleich nachhaltige Geschäftsfelder wie Biogas sehr wichtig. Darüber hinaus findet sich der klimafreundliche Energieträger Wasserstoff seit Mitte 2020 noch stärker und mit einer langfristigen klimaneutralen Perspektive in unserer Strategie verankert. Bis 2025 wollen wir unsere Geschäftsbereiche ,H2-ready‘ aufstellen.“

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