Das Schlimmste ist überstanden, das war die Hauptbotschaft am 1. Juni, als die Leipziger Gruppe im Neuen Rathaus ihre Bilanz für das Rumpeljahr 2022 vorstellte. Die ab Sommer in die Höhe schnellenden Gaspreise sorgten gerade bei den Leipziger Stadtwerken für eine Alarmstimmung. Die Kunden spürten es mit drastisch erhöhten Energiepreisen. Doch jetzt konnten die Stadtwerke wieder eine erste Preissenkung ankündigen.

„Trotz der massiven Verwerfungen durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit einer daraus folgenden Energiemarkt-Krise sorgte der kommunale Unternehmensverbund im Jahr 2022 für eine sichere Daseinsvorsorge – und investierte weiter in Leipzigs nachhaltige Entwicklung“, so formulierte es die Konzermutter LVV.

„Wir alle dachten, nach Corona endlich in ruhigere Fahrwasser zu kommen. Der brutale Angriffskrieg gegen die Ukraine brachte jedoch neben unfassbarem menschlichen Leid auch wirtschaftlich so noch nicht gekannte Herausforderungen“, sagte bei der Gelegenheit Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Gruppe.

„Das Jahr 2022 hatte es in sich: Es war geprägt vom Wegfall des Gas-Bezugs aus Russland, einer Gasmangellage, bundesweiten Energiespar-Anstrengungen, Rohstoff-Engpässen, einer Energiemarkt-Krise mit zwischenzeitlich astronomischen Preissteigerungen und einer Inflation, die bis heute anhält. Aber wir haben es gemeinsam geschafft: Auf die Versorgung mit Energie, Wasser und Mobilität konnten sich die Leipzigerinnen und Leipziger jederzeit verlassen. Das ist angesichts der historischen Umstände eine nicht zu unterschätzende Leistung. Sie zeigt einmal mehr: Leipzig funktioniert – auch in der Krise. Die schwierige Zeit haben wir gut gemeistert.“

Jung: Leipzig ist robust

Vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine kostete eine Megawattstunde Strom im Börsenhandel etwa 50 Euro, Ende August war der Preis auf 1.280 Euro hochgeschnellt. Als die Energiebörsen verrückt spielten, stellte die Stadt der Leipziger Gruppe schnell Liquiditäts-Sicherheiten in Höhe von 400 Millionen Euro zur Verfügung. Die außergewöhnliche Maßnahme in der Ausnahme-Situation wirkte erfolgreich, so die LVV.

„Wir haben gezeigt, wie belastbar die robuste Achse Stadt Leipzig und Leipziger Gruppe ist, und konnten so die Leistungen der Leipziger Gruppe für die Bürger fortsetzen“, sagte Jung und betonte, dass der Modernisierungskurs der Gruppe auch 2022 fortgesetzt werden konnte.

„So können die Leipziger Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Wasserwerke weiter ihre wichtigen Beiträge zum Erreichen der Klimaneutralität in Leipzig leisten.“

353 Millionen Euro investiert

„Die Investitionen in eine stabile Daseinsvorsorge von Morgen haben wir sogar erneut gesteigert“, betonte Karsten Rogall, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Gruppe.

Im zurückliegenden Jahr investierte die Leipziger Gruppe 353 Millionen Euro (2021 waren es noch 331 Millionen Euro). „Damit stärken wir vor Ort unsere Versorgungssicherheit in Sachen Energie, Mobilität und Wasser – und machen unsere Region noch attraktiver. Als Akteur zur Verwirklichung der Leipziger Klimaschutzziele treiben wir systematisch nachhaltige Maßnahmen voran.“

Soeben erschien der zweite gemeinsame Nachhaltigkeitsbericht der Leipziger Gruppe, der alle gruppenweiten Aktivitäten in diesem Bereich versammelt. Der Bericht ist auf www.L.de/nachhaltigkeit zu finden.

Auch die LVB investierten weiter

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) investierten für die Mobilitätswende in neue Fahrzeuge sowie in die Modernisierung der Infrastruktur und nutzten auch den Schwung des neuen Deutschland-Tickets. Erfreulich sei die Trendumkehr der Fahrgastzahlen: Waren es 2021 noch 103 Millionen gezählte Fahrgäste, so betrug die Zahl im vergangenen Geschäftsjahr 135 Millionen.

Die Wasserwerke sicherten mit ihren umfangreichen Maßnahmen Netze und Anlagen langfristig für eine zuverlässige und umweltschonende Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung, so Rogall. Und die Stadtwerke seien weiter Treiber der Strom- und Wärmewende.

„In diesem Rahmen ist das neue, potenziell wasserstofffähige Heizkraftwerk (HKW) Leipzig Süd ein Meilenstein. Wir haben es trotz der überaus angespannten Rahmenbedingungen pünktlich im Jahr 2022 in den Dauerbetrieb gebracht – und sind dabei im Budget geblieben.“

Zudem realisierten die Stadtwerke Solar-Projekte in Priestewitz (Landkreis Meißen) und Wittenberg. Ein Solarpark in Zschepplin und die Solarthermie Leipzig-Lausen wurden auf den Weg gebracht.

Die gesamte Leipziger Gruppe habe 2022 sehr gut gewirtschaftet, unterstreicht Rogall. „Die schnelle Einrichtung des Schutzschirms war dabei ganz wichtig. Dafür bedanken wir uns bei der Stadt und dem Stadtrat. Unser Dank geht aber vor allem auch an unsere rund 5.000 Mitarbeiter, die unseren Investitions-Kraftakt gestemmt haben.“

12 Millionen Euro Gewinn

Im zurückliegenden Geschäftsjahr stieg das operative Ergebnis des Konzerns, gemessen am EBITDA, um 27 Millionen Euro auf 252 Millionen Euro (2021 waren es 225 Millionen Euro). Der EBITDA-Wert beschreibt den aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens erwirtschafteten Gewinn ohne Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Der Konzernumsatz stieg ebenfalls – auf 4.160 Millionen Euro (2021: 2.398 Millionen Euro), was besonders auf den Energiehandel in den außergewöhnlichen Monaten zurückzuführen ist.

„Unterm Strich haben wir angesichts der Marktverwerfungen sehr gut gegengehalten“, erklärt Volkmar Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Leipziger Gruppe. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir 1,5 Milliarden Euro in Leipzigs Lebensadern investiert – ein gelungener Kraftakt. Aufgrund der gestiegenen Abschreibungen – zum Teil außerplanmäßig, zum Teil durch verkürzte Nutzungsdauer – und steigende Zinsaufwendungen wird unser konsolidiertes Konzernergebnis aber gemindert.“

Es liegt bei 12 Millionen, 2021 waren es 41 Millionen Euro.

Stadtwerke senken Strompreis in der Grundversorgung ab 1. August

Im Ergebnis dieser Entwicklung können jetzt die 2022 stark erhöhten Energiepreise wieder gesenkt werden.

Das betrifft die Tarife L-Strom.basis (Grundversorgung), Ersatzversorgung Strom und Basisversorgung Strom.

„Wir freuen uns, diese Preisentwicklung ab 1. August weitergeben zu können“, erklärt Karsten Rogall, der auch Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke ist. Neben den gesenkten Strompreisen in der Grundversorgung haben Kunden die Möglichkeit, in den günstigeren Online-Tarif L-Strom.pur zu wechseln.

Ab 1. August sinkt der Arbeitspreis in der Grundversorgung Strom von derzeit brutto 52,12 Cent je kWh auf 39,40 Cent je kWh. Der jährliche Grundpreis von brutto 167,65 Euro bleibt unverändert. Damit liegt der neue Strompreis für Stadtwerke-Kunden, die jährlich bis 30.000 kWh verbrauchen, unter der Strompreisbremsen-Grenze von 40 ct/kWh brutto, betonen die Stadtwerke.

Weitere Details zu den neuen Preisen, Auswirkungen auf die Abschläge und Entlastungsbeträge der Strompreisbremse findet man unter www.l.de/energie-aktuell.

Stolz ist Rogall aber auch noch auf eine andere Aktion der Stadtwerke: „Mit unserer Ukraine Crowdfunding-Aktion konnten wir 609.069 Euro sammeln und bis Ende 2022 komplett auszahlen. Dies ist die erfolgreichste Crowd-Aktion im gesamten Verband Kommunaler Unternehmen.“

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