Nur einen Tag nach dem letzten Skandalbericht bestätigt ein Sprecher des für die Abfallwirtschaft zuständigen Umweltministeriums (SMUL) gegenüber dem Leipziger Radio Mephisto 97.6, dass tatsächlich Radioaktivität in einer Ladung italienischen Mülls gemessen wurde.
Diese wurde im Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg "thermisch verwertet“. Im Interview mit Mephisto 97.6 versucht Andreas Kunze, Sprecher des SMUL, den Vorfall herunterzuspielen. Schließlich handele es sich nicht hochradioaktiven Atommüll, sondern lediglich um Abfälle aus Krankenhäusern und Arztpraxen.
Das macht die Sache aber nicht besser, kritisiert der Ökolöwe Leipzig, dem das Gemauschel um die illegalen Müllimporte aus Italien nach Westsachsen so langsam stinkt. „Denn für diesen Müll gelten ebenfalls sehr strenge Vorschriften, über deren Einhaltung das Ministerium wachen sollte", sagt Philipp Steuer, Geschäftsführer des Ökolöwen Leipzig. „Dieses scheint dabei aber nicht besonders ambitioniert, sondern stellt sogar fest, dass dieser von ihm zu kontrollierende Verstoß 'nicht unüblich' sei. Eine Einladung an illegale Entsorger, die mit der Umdeklaration eine Menge Geld sparen – also verdienen – können."
Denn die Entsorgung auf dem vorgeschriebenen Weg koste natürlich ein Vielfaches der Entsorgung von Hausmüll – und genau das mache das Geschäft für die Mafia interessant.
„Übrigens vermutlich auf Kosten der sächsischen Steuerzahler", so Steuer. „Im letzten Umweltausschuss beantragte die Regierung die Einstellung von Mitteln für die Beseitigung von schwach radioaktivem Abfall, der angeblich in sächsischen Wäldern aufgetaucht sei."
Dazu käme, dass die MBA Cröbern als Empfänger und Weiterleiter bzw. Behandler der Abfälle nicht einmal die Genehmigung besitzt, solche Abfälle anzunehmen, zu behandeln und zu beseitigen. Außerdem sei sie auch gar nicht für den Umgang mit radioaktivem Müll ausgestattet. In der 75 Millionen Euro teuren Anlage existierten nicht einmal Messgeräte, um Radioaktivität nachzuweisen.
„Der Umgang des SMUL mit dem Problem ist äußerst fragwürdig", bilanziert Steuer. " Als zuständige Kontrollbehörde hat sie sorgfältig auf die Einhaltung der geltenden Vorschriften zu wachen – und nicht abzuwiegeln und damit indirekt die herrschende Praxis zu rechtfertigen!“
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