Radioaktiver Ersatzbrennstoff aus Sachsen: Gefahr besteht nicht, Quelle bleibt unklar
Ralf Julke
20.04.2011

Radioaktiver Restmüll sorgt für Aufregung.
Montage: L-IZ
Dass nicht gerade atomarer Abfall aus Fukushima oder Asse in den Restbrennstoffen der Deponie Cröbern auftauchen würde, war eigentlich schon klar, als die Papierfabrik Eisenhüttenstadt radioaktive Belastung bei gelieferten Ersatzbrennstoffen aus Westsachsen meldete. "Strahlenbelastung bei Ersatzbrennstoffen ungefährlich", meldete denn auch das sächsische Umweltministerium am Abend des 18. April.
Aber darum ging es ja bei der Alarmmeldung aus Eisenhüttenstadt auch gar nicht. Radioaktive Stoffe haben im Restmüll prinzipiell nichts zu suchen. Krankenhausabfälle ebenfalls nicht.
Im Fall der schwach radioaktiv belasteten Ersatzbrennstoffe, die in der vergangenen Woche von der Mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) Cröbern über die Kreiswerke Delitzsch an die Papierfabrik Eisenhüttenstadt geliefert wurden, liegen jetzt die Ergebnisse der Untersuchung vor, teilt das Umweltministerium mit. Eine Messung durch den TÜV Rheinland hat eine Belastung von 0,14 Mikrosievert/Stunde ergeben, die für die menschliche Gesundheit ungefährlich ist. Bei dem strahlenden Material handelt es sich um Jod 131, das eine Halbwertzeit von acht Tagen hat.
„Lieferungen von belastetem radioaktivem Material aus Cröbern müssen in Zukunft verhindert werden“, betont Umweltminister Frank Kupfer. „Die Landesdirektion Leipzig wird von mir aufgefordert, mit dem Betreiber der MBA über den dauerhaften Einsatz eines Messgerätes auf Radioaktivität zu sprechen. Nach 2008, als schon einmal radioaktiv belastete Ersatzbrennstoffe aus Cröbern nach Brandenburg geliefert wurden, ist das jetzt der zweite Vorfall. Auch wenn beide Male keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit ausgegangen ist, sollen die Fachbehörden die rechtlichen Möglichkeiten für die permanente Installation eines solchen Messgerätes finden.“
Die Experten vermuten, dass die Kontamination aus dem medizinischen Bereich stammt. Die genaue Ursache lasse sich allerdings nicht mehr eindeutig klären, weil der Ersatzbrennstoff sehr fein zerkleinert sei, heißt es aus dem Umweltministerium. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Johannes Lichdi, vermutet in der jetzigen Lieferung einen weiteren Restbestand der italienischen Müllimporte, die schon vor drei Jahren für eine Reihe von Unklarheiten und nicht nachvollziehbaren Verwertungswegen gesorgt haben.
Das jetzt gefundene belastete Material könne aufgrund der kurzen Halbwertzeit nach ein paar Tagen Wartezeit in der Papierfabrik Eisenhüttenstadt als Ersatzbrennstoff eingesetzt werden, stellt das Umweltministerium fest.
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