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Schwarwels Fenster zur Welt: Essen

Satire - Jetzt täglich!
Text: Ilse Schnickenfittich / Sekretariat
Irgendwie passt doch alles zusammen. Begreift man natürlich nicht, wenn man heute sein Abi macht, da fehlt das Kontextlernen. Was also haben volle Mülltonnen mit bewegungsverkrüppelten Kindern und der verrotteten Frischware im obersten Fach der heimischen Kühleinheit zu schaffen? Und der Frage aller Fragen: Wie kam eigentlich Mirácoli in unser Leben?

Es kam mit dem Zucker, kurz nach dem lila Fabelwesen und dem kackbraunen Flockenbiber zum Frühstück. Schon die weißen Zähne eine clevere Lüge. Auch im Bier voll drauf, damits malziger schmeckt, in der Schmiersoße auf einem gehäckselten Rindsrücken zwischen zwei Pappoblaten und als Pressschaum in einer Schnitte, die niemals Milch, dafür Alkohol ins Kinderzimmer schleppte.

Zucker, Zucker, Zucker oder eben Alkohol als Geschmacksträger – in der Cola, in der Fertigmarinade beim schnellen Frühlingssteak, in jeder geöffneten Büchse Fertigfraß mit Weltumrundungsgarantie bei den Zutaten.

Das zwar viele Kochen schauen, aber kaum noch einer kochen kann, liegt nicht an Lafer, Mälzer oder gar Schuhbeck oder anderen Industriebütteln mit weißer Spitzmütze. Es ist die Faulheit angesichts der scheinbar einfachen Bedürfnisbefriedigung. Und wer nur in sich stopft, was schnell erlangbar ist, der scheint doch dumm? Nun, nach kapitaler Ansicht nicht – es ist der gute Konsument, der das Büchschen tatsächlich erhitzt, was andere ihm eingebraut haben. Wenn er krank wird, nennt man das Bedarfsverschiebung - hin zum Konsum von „Gesundheitsleistungen“.

Und gut gefüttert wird er sehr alt und dement, genau der Zustand, in dem man schon immer leben wollte. Dann frisst man endlich ohne Erinnerung an den letzten Bissen.

Was also lernen die Bälger dabei? Schau, Mutti ist voll auf Zucker, Gemüse ist was für die Feiertage, Brot muss nach einem Tag entsorgt werden und Fleisch gibt’s als Instantdrink an der Frutti-Theke.

Irgendwann rufen wir „Mirácoli ist fertig“ und die nachbarliche Gartenlaube explodiert. „Was für ein Schicksal“ werden wir über das drin gefundene, unter dem Eigengewicht detonierte Kind denken. „Er war doch erst 10 Jahre alt.“

Ganz so, als ob explodieren in höherem Alter schöner wär.

All das denk ich jedes Mal, wenn mich mal wieder so ein Kinder-Wesen aus den fettumwölkten Kuhaugen treu anschaut. Und ich in der eigenen Hoffnung auf Ruhe inmitten eines hektischen Lebens sage: Da hast Du einen Keks. Nein. Du musst ihn nicht sofort aufessen. Ich will einfach nur meine Ruhe.



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