Christoph Wonneberger: Endlich eine Biografie über den wichtigsten Pfarrer der Friedlichen Revolution

Knapp 25 Jahre haben völlig gereicht, um die Friedliche Revolution 1989 in der DDR mit einem Dickicht von Legenden und Mythen zu umgeben. Einer dieser Mythen ist, dass das alles, was da im Herbst 1989 geschah, irgendwie spontan entstand. Oder diese Revolution gar "aus der Kirche heraus" kam. Oder dass sie gar gewaltlos war. Das Jahr 2014 bringt einige Bücher, die diesen Legenden zu Leibe rücken. Dies hier ist eines davon.

Es hat die Qualitäten, die man am ehemaligen Chefreporter der LVZ Thomas Mayer zu schätzen weiß. Sensationsheischende Reportagen waren nie sei Ding. Er war bekannt für sein beharrliches, freundliches aber vor allem auch kenntnisreiches Nachfragen. Er ist es immer noch. Nur dass er jetzt seine Zeit nicht mehr für die Zeitung dranbindet, sondern solche Bücher machen kann, die in Leipzig fehlen. Und es fehlen viele Bücher. Auch zum Herbst 1989, zu dem hier gleich die nächste Legende zu hinterfragen wäre: Ist die DDR und die Friedliche Revolution längst „überforscht“? Die Antwort lautet: Nein. Im Gegenteil.

Sonst wären einige Leute auch wesentlich vorsichtiger, immer wieder die Kirche in der DDR als Ausgangspunkt der Protestbewegung zu bezeichnen. Das war sie nie. Auch hier: im Gegenteil. Denn wenn es nicht mutige Pfarrer wie Rainer Eppelmann in Berlin, Christoph Wonneberger in Dresden und dann in Leipzig noch Rolf-Michael Turek gegeben hätte, es hätte diese friedliche Revolution so nicht gegeben. Nicht in dieser Form. Auch nicht in ihrer Friedfertigkeit. Und gerade Christoph Wonneberger musste immer wieder erleben, dass er von der Kirchenhierarchie nicht wirklich viel Unterstützung bekam. Die war auf Dialog mit der Staats- und Parteiführung aus und reichte die unwirsche Kritik der Staatsmächtigen zumeist einfach nach unten durch. Denn wenn Pfarrer wie Christoph Wonneberger begannen, das Evangelium politisch auszulegen, dann wurden sie unbequem. Nicht nur für die allwaltende Partei und ihren Staatssicherheitsdienst, die beide immer wieder versuchten, auch den Raum der Kirche zu durchdringen und zu durchwalten.Und das ist der Punkt, an dem sie ihre Grenzen fanden. Denn bis zum Schluss stellte Kirche trotzdem einen Schutzraum dar. Pfarrer waren keine Staatsangestellten und genossen deshalb auch eine gewisse Handlungsfreiheit. Die die wenigsten von ihnen nutzten. Zu diesen Wenigen gehörte Christoph Wonneberger, der auch deshalb Pfarrer wurde, weil er hier von staatlicher Indoktrination frei war und seine Vorstellungen von einem christlichen Leben umsetzen konnte. Schon während seines Studiums in Rostock fiel er als aufmüpfiger Bursche auf. Und der 1944 Geborene teilte mit vielen Menschen in der DDR einen Traum: dass dieses Land und diese Gesellschaft zu verändern sei. So wie es die Kommunisten in der CSSR 1968 taten. Und gerade als es dort heiß her ging, reiste Wonneberger hin und brachte dann auch die Fotos von den sowjetischen Panzern in den Straßen Prags mit. Später reiste er genauso neugierig immer wieder nach Polen.

Und als die DDR-Staatsführung Anfang der 1980er Jahre die Militarisierung der Gesellschaft verschärfte, war es Wonneberger, der von Dresden aus die Aktion zum „Sozialen Friedensdienst“ startete. Es war genau dieses Motiv des Friedens und der Gewaltlosigkeit, das wie ein Motto über seinem Leben steht. Und mit dem er schon in Dresden gründlich aneckte. Die Leipziger Kirchenleitung um Superintendent Friedrich Magirius wusste also, wen sie sich da 1985 nach Volkmarsdorf holte. Einen nicht ganz einfachen Kirchbezirk. Aber in den nächsten vier Jahren entwickelte sich die Lukaskirche zum Zentrum der Leipziger Protestbewegung, die dann 1986 auch auf die Nikolaikirche übergriff, wo Wonneberger die Gestaltung der Friedensgebete übertragen bekam und sie zu einem Politikum machte. Erst jetzt wurden die Friedensgebete zu jener politischen Bühne, auf der sich all jene äußern konnten, die mit ihren Wortmeldungen zu Menschenrechten, Umweltschutz, Friedenspolitik außerhalb der Kirche keinen Raum mehr hatten. Der Schutzraum Kirche wurde zum Zufluchtsort für den Protest der DDR.

Und auch diese Friedensgebete waren zeitweilig in Gefahr, weil auch hier die Staatsmacht über die Kirchenleitung durchgreifen wollte. Das war dann das Verdienst von Nikolaipfarrer Christian Führer, der die Friedensgebete in veränderter Form bewahrte. Und damit all jenen, die in der DDR-Öffentlichkeit nicht (mehr) sprechen durften, weiter einen Schutzraum bot. Der ja dann spätestens ab dem 25. September 1989 die Kirche sprengte. Seit diesem Tag drängte der Leipziger Protest auf den Ring. Und es war weiterhin das Gemeindebüro der Lukaskirchgemeinde, wo die Fäden zusammenliefen, wo auch die Kontakte zu den so wichtigen Westmedien geknüpft wurden. Denn Internet gab es ja noch nicht. Und die Zeitungen der DDR berichteten über die Proteste nicht. Nur über das Westfernsehen und den Westrundfunk erfuhren die DDR-Bürger von den Vorgängen im eigenen Land. So war es auch am 9. Oktober, als die Leipziger Bürgerrechtler die Kamerabilder der Montagsdemo noch am Abend in den Westen schmuggeln ließen.

Thomas Mayer zeichnet sehr einfühlsam das Porträt eines Mannes, der ganz lutherisch lebt und handelt nach dem Leitspruch: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Das hat Konsequenzen. Die eine ist natürlich der Erfolg dessen, was Christoph Wonneberger anstrebte: Er wollte das Land verändern, so sehr, dass ihn nach dem 9. Oktober dann sogar das Gefühl überraschte, dass er nun auf einmal überflüssig sein könnte, denn er hatte ja erreicht, was er wollte. Eine andere Konsequenz war der Raubbau an seiner Gesundheit. Wer jahrelang immer auf Hochtouren läuft und sich auch keine Zeit für Erholung und Familie nimmt, der bekommt irgendwann die Quittung.Manche erleben das dann als Burnout. Christoph Wonneberger erlitt am 30. Oktober einen Schlaganfall. Was dem folgte, war ein langer, schwerer Weg zur Genesung. Aber auch das Vergessen. Als es um die Gestaltung einer neuen Gesellschaft in Leipzig ging, war er nicht mehr da. Im Gegenteil. Selbst die Kirche versuchte ihn schnellstmöglich loszuwerden, ein Punkt, an dem sich Friedrich Magirius noch heute schuldig fühlt.

Und so verschwand Wonnebergers Name auch fast gänzlich aus der Erinnerung an die Friedliche Revolution. Und damit auch in großen Teilen die Erinnerung an all das, was er und seine engsten Mitstreiter vor diesem 9. Oktober 1989 getan hatten, um die Sache überhaupt ins Rollen zu bringen. Es waren die Leipziger Bürgerrechtler, die immer wieder Anlauf nahmen, Wonneberger wieder den ihm gebührenden Platz in der Diskussion zu verschaffen.

Wirklich gelungen ist es ihnen erst ab 2009. Seitdem arbeiten sie auch intensiver an der Aufarbeitung der Friedlichen Revolution und aller ihr vorhergehenden Etappen. Und auch an der Hinterfragung all der Mythen – etwa um Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der in den vergangenen Jahren zu einer Art Ersatzordensträger für den Leipziger Herbst geworden ist. Im Grunde nur für diesen kleinen, am 9. Oktober verfassten und verlesenen „Aufruf der Sechs“, der dazu beitrug, dass es am 9. Oktober nicht zu Gewalt kam.

Aber wie wichtig war der Aufruf, den die Bürgerrechtler um Christoph Wonneberger schon am Tag zuvor verfasst hatten und zu Tausenden in der Stadt verteilten und der wirklich zu Gewaltlosigkeit aufrief, als die staatlichen Stellen noch Gerüchte von Leichensäcken, Blutkonserven und bereitstehenden Pferdeställen als Gefängnis streuten?

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Der nicht aufgibt
Thomas Mayer, Evangelische Verlagsanstalt 2014, 9,90 Euro

Thomas Mayer ist ein lebendiges Porträt dieses Mannes gelungen, den die Leipziger beinah vergessen hätten. Er zeigt Wonneberger als einen, der nicht aufgibt. Auch nach seinem Infarkt nicht, der ihm für Jahre die Stimme nahm und damit sein wichtigstes Instrument zum Mitstreiten. Mayer lässt Lebens- und Weggefährten zu Wort kommen, leuchtet auch in die Pfarrersfamilie hinein, in der der schmale renitente Bursche aufwuchs. Und er zeigt, wie sich der 70-Jährige herausgekämpft hat aus seinem Tief und nun seit Jahren mit dem Rad unterwegs ist bei Friedens-Fahrten in ganz Europa. Denn das ist nach wie vor seine Botschaft. Die so aktuell ist wie 1981, als sich die hochgerüsteten Armeen aus Ost und West an der Nahtstelle Deutschland gegenüberstanden und ihre Lager mit atombestückten Kurzstreckenraketen auffüllten. Heute liegt diese Nahtstelle in der Ukraine – und die politisch Handelnden haben augenscheinlich nichts dazu gelernt. Es ist wieder an der Zeit, Sticker zu verteilen mit der Botschaft „Frieden schaffen ohne Waffen“.

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