Ein anderes Bundesland, die gleichen Probleme

Auch Sachsen-Anhalt hat das Nachwuchsthema für das benötigte Lehrerpersonal gründlich vergeigt

Für alle LeserWir geben nicht alle MDR-Sendetipps weiter. Aber der für Mittwoch, 13. September, von 20:45 Uhr bis 21:15 Uhr im MDR-Fernsehen in der Reihe „exakt – Die Story“ dürfte auch in Sachsen eine Menge Leute interessieren. Betitelt ist er: „Land ohne Lehrer – Schulen in Not“. Nein, diesmal geht es nicht um Sachsen, wo das Thema seit 2011 so gründlich vertrieft und vergeigt wurde. Diesmal geht es um Sachsen-Anhalt. Da hat man es auch nicht besser gemacht.

Das Problem ist hüben wie drüben dasselbe: Wie plant man das Personal für einen Landesdienst, der 1990 einen gewaltigen Umbruch und danach etliche Jahre des Einstellungsstopps erlebt hat – und den wie zu erwarten (und zu berechnen) in ein riesiges Loch hineinsteuert, weil die älteren Lehrerjahrgänge, die 1990 die „Wende“ schulterten, jetzt nacheinander in Rente gehen?

Da hätte man eigentlich vorsorgen können, nicht wahr? Das war absehbar.

Denn wichtig sind diese Frauen und Männer ja irgendwie. Im Ton des MDR klingt das so: „Mal ist sie Seelentrösterin, mal Sekretärin, mal Netzwerkadministratorin und Hygiene-Beauftragte, dann auch noch Stundenplanmacherin und Lückenfüllerin. Und irgendwann dazwischen bringt sie ihren Schülern das kleine Einmaleins bei: Ina Herfurth ist Klassenlehrerin und Schulleiterin der Siedlungsgrundschule in Bad Dürrenberg. Das alleine ist schon ein Vollzeitjob. Aber wenn sie in Bad Dürrenberg fertig ist, fährt sie weiter nach Kötzschau an die Thomas-Münzer-Grundschule. Auch dort hat sie vertretungsweise die Schulleitung übernommen – gezwungenermaßen. Es war einfach niemand da, der hätte einspringen können.

Das Beispiel von Ina Herfurth steht exemplarisch für den Lehrermangel in Sachsen-Anhalt: An jeder zehnten Grundschule im Land kann aktuell die Schulleiterstelle nicht besetzt werden. In den anderen ostdeutschen Bundesländern sieht es nicht besser aus. Die krankheitsbedingten Langzeit-Ausfälle von Lehrern häufen sich – die Kollegien sind im Durchschnitt über 50 Jahre alt. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) geht davon aus, dass in den kommenden Jahren jeweils 650 Lehrer pro Schuljahr neu eingestellt werden müssen. Die Opposition spricht angesichts steigender Schülerzahlen von mindestens 1.000.“

Die MDR-Redakteure kommen zu denselben Schlussfolgerungen, die auch für Sachsen gelten. Die zuständige Politik hat nicht vorausschauend geplant. Denn dass die älteren Lehrerinnen und Lehrer jetzt in großen Zahlen ins Rentenalter kommen, wusste man auch schon vor fünf oder zehn Jahren. Da hätte man vorsorgen müssen.

Übrigens: gemeinsam.

Denn wenn alle ostdeutschen Länder dieselben Probleme haben, dann wären sie von Natur aus auch verdonnert, sie gemeinsam zu lösen. Egal, ob mit Länderfusion oder mit einer gemeinsamen Bildungspolitik, die sich nicht nur auf die gemeinsamen Abituraufgaben beschränkt.

Aber das Format hatte in Mitteldeutschland augenscheinlich niemand. Zumindest niemand in Regierungsverantwortung.

Der vom MDR befragte Bildungsforscher Axel Gehrmann von der TU Dresden beklagt ein klares Versagen der Politik: „Man hat die Lehrerschaft kollektiv altern lassen und zu wenig Nachwuchs ins System gebracht.“

Viele Lehramtsabsolventen seien bis vor ein paar Jahren ganz selbstverständlich in die alten Bundesländer abgewandert, weil sie im Osten keine Perspektive gehabt hätten. Auch in Sachsen. Zumindest für Sachsen steht fest, dass genug junge Lehrer ausgebildet wurden – und halbe Jahrgänge mit Ablehnungen aus den Bildungsagenturen regelrecht frustriert wurden. Das wären genau die Jahrgänge gewesen, mit denen man den seit 2015 aufklaffenden Löchern in der Personalbesetzung hätte vorbeugen können. Doch wie in Sachsen hat man auch in Sachsen-Anhalt lieber auf die sinnfreie „schwarze Null“ gestarrt und tausende junger Pädagogen einfach ziehen lassen.

Das ist – politisch betrachtet – fahrlässig und verantwortungslos. Man wusste um den kommenden Bedarf.

Das Schuljahr 2016/2017 sei gemessen an Vertretungs- und Ausfallstunden das schlimmste aller Zeiten gewesen, sagen Kritiker der Bildungspolitik der Landesregierung, kommentiert der MDR.

„Es wird derzeit alles dafür getan, dass das ganze System der Unterrichtsversorgung haltlos ins Rutschen kommt“, warnt Thomas Lippmann (Die Linke), Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt.

Einige Fragen zu diesem Thema will der MDR dann in „exakt – Die Story“ beantworten, etwa: Warum fallen so viele Stunden aus? Woher kommt der Lehrermangel und inwieweit war er voraussehbar? Und die Reporter wollen die Verantwortlichen mit der Frage konfrontieren: Wie sollen die Lücken geschlossen werden?

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