Lehrer-Leben: Lernen in der Coronakrise

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 78, seit 24. April im HandelDie Umfrage war nicht sonderlich repräsentativ, aber immerhin: Ich hatte verschiedene Geschlechter und verschiedene Altersstufen gefragt. „Herr Hofmann, ich vermisse die Schule“, „Herr Hofmann, ich hätte nie gedacht, dass ich mal lieber in die Schule will“, „Ich hab Schule nie so zu schätzen gewusst, wie jetzt“. Das sind nur drei von circa 13 ähnlichen Antworten, die ich von den 20 9., 11. und 12. Klässern erhalten habe, die ich fragte, wie es denn zu Hause mit dem Lernen klappt.

Mit dem Telefon in der Hand oder dem Gesicht vor der Webcam versuchte ich eine Art Seelsorge zu betreiben. Lehrer-Leben in der Coronakrise eben. Kommen die Schüler nicht zur Schule, muss die Schule eben zu den Schülern. Und Schule, das ist, wer weiß das besser als die Lehrer und die Schüler, nicht nur Lernen.

Daher ist auch nicht davon auszugehen, dass die Schüler grundsätzlich Sehnsucht nach dem Lernen in den Gemäuern ihrer Schule hatten. Vielen ging es auch um den sozialen Kontakt mit Freunden, um Späße, Gossip, gewissermaßen um Spannung im eigenen Alltag. Schule ist dahingehend wie ein Überraschungsei.

Aber wenn das so ist, hat die Coronakrise eine ganze Stiege Eier für Pädagogen und Schüler geliefert. Home-Office, Social-Distance-Learning, E-Learning, Zoom, Jitsi, LernSax, Skype und Captura. Corona hat die Schulwelt auf den Kopf gestellt und wenn Lehrerverbände fordern, dass das bitte nicht mehr so lange anhält und erklären, dass das vor allem benachteiligten Schülern sowie Eltern Probleme bereitet, dann haben diese Damen und Herren einfach nur recht.

Recherchen im Kollegen- und Schülerumfeld anderer Schulen haben zudem ergeben, dass Schule aus verschiedenen Gründen nicht heimarbeitstauglich ist.

Mit dem 16. März ist Sachsen in diese Phase unbekannten Lernens eingetreten. Erfahrungswerte, wie Lernen von zu Hause ablaufen kann, hatten allenfalls Privatschulen oder staatliche Vorreiterschulen bei der Digitalisierung. Die Unterrichtsstunden einfach online zu verlegen, war zu jeder Zeit ein Traum.

Da sind Schüler, die sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern müssen, weil die Eltern arbeiten sind, und da sind die, denen es an den infrastrukturellen Voraussetzungen fehlt: Hat jeder einen Laptop und eine leistungsfähige Internetverbindung und auch die Zeit für den Unterricht? So blieb nur die Distribution von Aufgaben in verschiedenen Formen und auf verschiedenen Wegen.

Die Lernplattform des Landesamts für Schule und Bildung war mehrere Tage überlastet, aber immerhin: es gab diese Plattform. An den technischen Möglichkeiten, um Unterricht via Aufgaben irgendwie sinnvoll zu simulieren, fehlte es vor allem in der ersten Phase der Schulpause vielen Schulen. Sachsen hat nach wie vor im Durchschnitt eine ältere Lehrerschaft mit einem Altersdurchschnitt um die 50 Jahre.

Der Computer und das Internet sind zwar gewohnte Arbeitsmittel, aber gewissermaßen nur zum Eigenbedarf. Im normalen Hamsterrad des täglichen Lehrer-Daseins bleibt keine Zeit, die Chancen dieser Medien zu erkunden und warum auch: Lernen fand ja bisher in der Schule statt. Wer zufällig bei einer Fortbildung einschlägige Hilfsmittel und Informationen abgegriffen hatte, hatte nun einen Vorteil.

Ansonsten hieß es zunächst für Schulleiter und Lehrer, einen strukturierten Arbeitsalltag zu erstellen, der allerdings auch die Bedürfnisse des Datenschutzes berücksichtigt. Zahlreiche Schulen griffen auf bestehende Lernplattformen zurück, über die Schüler Aufgaben abrufen konnten.

Andere verschickten Aufgaben per E-Mail, was vor allem bei den von Schülern zurückgeforderten Lösungen einen hohen Zeitaufwand bedeutete, denn alle Anhänge müssen auf dem eigenen Computer oder in einer Cloud gespeichert werden und sind nicht „irgendwo“ hinterlegt. Allein die technische Umsetzung von Social-Distance-Learning kostet(e) Nerven und vor allem Zeit.

Ein pädagogisches Freudenfeuerwerk entstand bei Lehrern ebenfalls nicht

Rückmeldungen an die Schüler zu ihren Aufgaben kosteten noch mehr Zeit. In einem gewöhnlichen Unterrichtsumfeld lassen sich Verstehen und irgendwie gearteter Nachholbedarf verschiedentlich überprüfen, aber in jedem Fall für die Masse zeitsparend ermöglichen.

Wie aber bei Social-Distance-Learning? Klar, man könnte eine Art Quiz oder Test erstellen, was aber auch wieder zeitintensiv ist, denn auch diese Ergebnisse müssen gesichtet werden. Und selbst wenn Schüler Inhalte offensichtlich nicht verstanden haben, so kann es dafür verschiedentliche Gründe geben, es sei denn, der Schüler meldet sich direkt per Mail und erklärt sein Problem. Dann steht man in direktem Kontakt, das Problem wurde vom Eleven erkannt und los geht’s.

Wobei: Los geht’s? Nicht jeder kann Zehn-Finger-Tippen und eine Sprachnachricht über soziale Netzwerke zu verschicken ist datenschutzrechtlich grenzwertig. Da ist er wieder, dieser Datenschutz. Eine heiße Diskussion entspann sich in der Anfangsphase um den Wert des Datenschutzes im Vergleich zum Lernerfolg.

Ist es weiser, den Datenschutzrichtlinien zu folgen oder ist es wichtiger, das Lernen sicherzustellen und beispielsweise per Whatsapp mit Schülern zu kommunizieren (ob man seine Handynummer dafür hergeben möchte, wäre eine weitere Diskussionsrunde wert).

Der Lernerfolg hängt in gewissem Maße auch von der Aufgabenmenge ab, die sich für eine Unterrichtsstunde einigermaßen abschätzen und ohnehin im Laufe der Stunde verändern lässt. Irgendwie ist die Stunde schlicht zu Ende und was nicht geschafft wurde, war dann entweder nicht wichtig oder muss bis zur nächsten warten.

Wo ist dieses Korrektiv in Zeiten von Social-Distance-Learning?

Es existiert nicht und dies öffnete Frustration Tür und Tor ohne dass die Rückkopplung von überlasteten Schülern, die im Unterricht möglich ist, tatsächlich existierte.

Diese Überforderung könnte ein Grund sein, warum sich manche Schüler nie bei ihren Lehrern zurückgemeldet haben. Ob die Schüler zu Hause tatsächlich gearbeitet haben, ließ sich ohnehin nicht überprüfen und so hilft diese Zeit auch den angespannten Kollegen, zu akzeptieren, dass sie in dieser Phase erst recht nicht Lernen bis ins kleine Detail planen und kontrollieren können.

Es findet immer noch im Kopf des Schülers statt und zwar wie immer in dem Maße wie er es zulässt. Sanktionsmöglichkeiten für die Nichterledigung von Aufgaben existieren nur der Form halber, auch wenn es Kollegen gibt, die Corona vor allem dafür genutzt haben, Schüler mit Abgabefristen und Notenvergaben zu drangsalieren.

Die Freude in den Elternhäusern soll entsprechend groß gewesen sein. Die Frage, ob in dieser Zeit wirklich Noten wichtig sind, beantwortet offenbar jeder anders, vor allem abhängig vom Familienstand. Wer selbst schulpflichtige oder sogar kleinere Kinder im Haushalt hat, weiß, wie mühsam das Lernen zu Hause für Schüler und Eltern ist und muss Abstriche bei den eigenen Ansprüchen machen.

Der ruhige Arbeitsraum, den die Schule bietet, ist zu Hause nicht vorhanden. Nur die Hartgesottenen können da ihr Programm durchziehen – oder die ohne Verpflichtungen, oder die, die mit Schule schon abgeschlossen haben. So gab es auch Lehrer, die ihren Schülern noch mal eine Hausarbeit aufs Auge gedrückt haben, die sie dann bequem vier Wochen später zurückverlangten. So kann man natürlich die Zeit auch für sich nutzen.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Ohne Lehrer geht es nicht. Die Digitalisierung, wie sie in Deutschland und Sachsen derzeit gedacht wird, ist nicht auf eine Notlage wie in der derzeitigen Situation übertragbar und flächendeckend sind Schulen, Schüler und Lehrer methodisch-didaktisch und technisch-infrastrukturell noch nicht bereit, Lernen auch mal nach Hause zu verlagern.

Digitalisierung ist mehr als der flächendeckende Kauf von Hardware für die Klassenzimmer. Es ist auch Medienkompetenz für Schüler und Lehrer in Verbindung mit angemessenem pädagogischen Handeln. Man kann den Wissens-Trichter füllen, aber wenn darunter die Schüssel überläuft, ist der Weg dennoch nicht richtig.

Unter diesen Voraussetzungen bleibt nur zu hoffen, dass kurzfristig alle Schüler wieder in der Schule lernen können. Corona hängt die Kleinen, die Unstrukturierten und die Schwachen ab. 30 Jahre nach dem Mauerfall könnte es nach den wendegeschädigten Schülern alsbald coronageschädigte geben.

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 78: Wie Corona auch das Leben der Leipziger verändert hat

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© Bundesarchiv

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©Son

Am kommenden Samstag, 8. August, wird das bisher gut besuchte BachOrgelFestival in der Thomaskirche Leipzig mit zwei identischen Konzerten um 15:00 und 17:00 Uhr fortgesetzt. Die Kirchgemeinde St. Thomas schätzt sich glücklich, dass dem berühmten Organisten der Kathedrale Notre Dame von Paris – Olivier Latry – die Anreise aus Frankreich möglich ist. An der Bach-Orgel, die dieses Jahr Ihr 20. Jubiläum feiert, erklingen Werke von Johann Sebastian Bach und Bert Matter.
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Foto: PR

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