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Mal was ohne Titel für die Ergrimmten und Beleidigten

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    Es gibt Leserbriefe, die veröffentlichen wir nicht. Aus gutem Grund. Viele davon erreichen uns in der Regel nach stattgefunden oder abgesagten Pegida-Legida-OfD-AfD-und-anderen-Demonstrationen. Meist schwingt ein beleidigter Tonfall mit, wenn es nicht gleich grimme Angriffslust ist: "Warum berichten Sie so und nicht anders! Anders ist richtig! Wenn sich das nicht ändert, lese ich hier nicht mehr!"

    Das ist jetzt kein Originalton, der ist in der Regel nicht veröffentlichungsreif. Aber es geht im Grunde immer um Dasselbe: dass ein paar Leuten nicht gefällt, was wir berichten. Sie bezweifeln nicht mal, dass wir schon die richtigen Fakten und Ereignisse schildern. Aber sie bemängeln, dass wir es nicht aus ihrer Perspektive tun, aus der Perspektive von Leuten, die Ausländer, Asylsuchende, Gutmenschen und Angela Merkel nicht mögen und das gern öffentlich sagen wollen dürfen. Nebst ein paar anderen Dingen, die ihnen nicht gefallen und die sie ganz schnell weg haben wollen.

    Und dabei überschreiten sie als Redner, Briefschreiber und Kommentator manche Grenze – Mancher so weit, dass es ein Fall für die Staatsanwaltschaft wird. Andere kommen richtig ins Schwitzen, wenn sie ihren Eiertanz mit dem „Ja, aber …“ aufführen.

    Was macht man da? Löscht man das einfach, hält sich lieber zurück, das ganze öffentlich vorgetragene Zeug zu kommentieren und einzuordnen?

    Wer die L-IZ kennt, weiß, dass wir uns längst entschieden haben. Eigentlich schon 2004. Die richtig treuen Leser erinnern sich noch. Da haben wir für alle zum Nachlesen aufgedröselt, was eigentlich objektiver Journalismus sein kann in einer Zeit, in der immer mehr große Konzerne unterwegs sind, die zwar alles mögliche Zeug veröffentlichen, aber keine verlegerische Verantwortung mehr übernehmen wollen. Das war 2004 schon so, auch wenn einige Blitzmerker erst 2015 gemerkt haben, dass Facebook & Co. sich derart unverantwortlich verhalten.

    Die „Ich bin doch kein Verlag“-Webportale sind damit nicht allein. Es gibt noch ein paar große und etwas kleinere Kaliber dieser Art im Web und außerhalb, die sich dann zumeist auf ihre Freiheit der Berichterstattung berufen. Und trotzdem weitermachen.

    Auch 2004 stand da die Frage: Und wer bietet in dieser Flut von Nachrichtenfetzen, in der alles miteinander schwimmt – harte Fakten neben seichtem Promi-Klatsch, Lügen, Mythen, Banalitäten, aufgeblasenem Nonsens, Reportagen, Talk, falsch eingeordneten Zitaten und billigen Kraftmeiereien – wer bietet da eigentlich noch so eine Art Orientierung? Einen Kompass, der wenigstens die Himmelsrichtung anzeigt?

    Oder das, was man als eine Art „Wert“ definieren könnte, wäre dieses Wort in der aktuellen Debatte nicht derart verbrannt worden.

    Brauchen Journalisten Werte? Hat das was mit diesem gepriesenen Abendland und den Zehn Geboten aus der Bibel zu tun?

    Nein.

    Ganz sachlich: Nein.

    Aber es hat etwas mit unserer Gesellschaft zu tun und der Frage: Wie wollen wir denn wirklich leben? Was ist wirklich wichtig? Und was davon kann Maßstab sein?

    Wer diese Fragen stellt, der denkt auch anders über das tägliche Schreiben nach. Und fragt sich: Was ist wirklich wichtig? Was sollten die Leser eigentlich wirklich wissen? Vielleicht doch ein paar Hintergründe und Zusammenhänge?

    Und man kommt ziemlich schnell dahin, dass es auch im Journalismus um gesellschaftliche Teilhabe geht, Barrierefreiheit, Unabhängigkeit, sachliche Kritik und – na hoppla – Achtung vor dem Menschen. Vor jedem Menschen, gerade vor dem Schwächeren.

    Das hat auch etwas mit dem Wort zu tun, das wir von Anfang an ganz groß über unsere Berichterstattung geschrieben haben: Nachhaltigkeit.

    Ein gern missbrauchtes Wort. Auch regionale Politik verwechselt es gern mit Harmonie und Oberflächlichkeit.

    Aber bei Nachhaltigkeit geht es immer um Zukunft und – wenn man es auf das Gesellschaftliche herunterbricht – um die künftige Stabilität unserer Welt.

    Oder unserer kleinen Gesellschaft, hier, in dieser Stadt. „Nachhaltige  Stadt“ ist so ein Schlagwort – die Leipziger sind ja seit dem 20. November eingeladen, da mitzudiskutieren.

    Und erstaunlicherweise war das Überthema, das da am 20. November in der Kongresshalle ziemlich klar zum Vorschein kam: Eine nachhaltige Stadt wird Leipzig nur, wenn es auch eine „Stadt für alle“ wird. Das Stichwort in fast allen Einzelthemen: Integration. Integration von Flüchtlingen genauso wie Integration von Älteren, Behinderten, Schwächeren, Ärmeren. Eine Stadt, die ganze Menschengruppen abweist, weil sie „nicht reich“ sind, ist nicht nachhaltig. Die wird zu einem Moloch.

    Auch deshalb haben wir von Anfang an Leipzig in den Fokus gerückt. Kein Rumschwadronieren über die Aufreger-Themen der „großen Medien“. Nachhaltigkeit ist immer konkret – auch wenn die Verantwortlichen dann oft zu drucksen anfangen, weil sie wieder nur an enge Budgets oder den Unmut in ihrer Partei gedacht haben.

    Ziemlich schnell werden Entscheidungen dann hart und – „alternativlos“.

    Letzteres nicht unbedingt, weil das so gewollt war, sondern weil jemand aufgehört hat, in Alternativen zu denken.

    Was auch immer heißt: Das Mögliche denken.

    Und das Mögliche muss zwingend human sein. Wer Inhumanität als alternativlos denkt, der hat es nicht begriffen. Und bei einigen dieser Leserbriefschreiber haben wir so das vage Gefühl: Die werden es auch nimmer begreifen.

    Und sie glauben sich durch die kleine Informationsblase, in der sie leben, bestätigt. Dort begegnen sie – den Segnungen der a-sozialen Medien sei Dank – nur noch Ihresgleichen. Und dann tauchen sie mal auf der L-IZ auf und begreifen nicht mehr, dass man Journalismus auch machen kann mit der konsequenten Haltung: In-Humanität geht nicht, in keiner Form ist sie akzeptabel.

    Das ist nicht nur ein roter Faden – das ist eine dicke feste Leitplanke. Und es ist – da staunt der Laie – ein Filter. Denn dem muss alles genügen, was Menschen und Mächtige tun. Wo sie die Planke überklettern und auch noch mit Leichenbittermiene verkünden, das müssten sie tun, „die Stimmung“ sei so, bekommen sie Kritik. Von uns. Von wem denn sonst?

    Denn eine Politik nach „empfundener Stimmung“ braucht unser Land nicht, sondern eine humanistische Politik, die vor allem Eines wieder lernt: die Schwachen, Armen und Machtlosen zu respektieren, zu integrieren und mitzunehmen.

    Kleiner Hinweis: Die Links unten sind alle nur zufällig ausgewählt aus einem Meer von über 25.000 Artikeln, die wir derzeit online haben, zufällige Streiflichter rund um das Mega-Thema Nachhaltigkeit – und vielleicht eine kleine zusätzliche Anregung, über das Thema nachzudenken.

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    1 KOMMENTAR

    1. Für mich seid ihr seit fast acht Jahren die Besten. Und das wird sich die nächsten acht Jahre bestimmt nicht ändern.
      Danke dafür dass ihr so seid wie ihr seid.;0)

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