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Das Wochenende, 18./19. September 2021: Antifa-Demo und autofreier Ring + Videos

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    Unterschiedlicher hätten die beiden Tage dieses Wochenendes kaum sein können. Während am Samstag rund 5.000 Antifaschist/-innen auf recht martialische Weise durch den Leipziger Süden liefen, konnten sich am Sonntag viele Familien auf dem Innenstadtring austoben, ein Gehzeug-Weltrekord aufgestellt werden und so mancher den vielen Platz bewundern, weil dieser für den Autoverkehr gesperrt war. Außerdem: Geflüchtete protestieren in Schneeberg und im KSK gibt es neue „Einzelfälle“. Die LZ fasst zusammen, was am Wochenende, 18./19. September 2021, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

    Es dürften rund 5.000 Antifaschist/-innen gewesen sein, die am Samstag dem Aufruf der Kampagne „Wir sind alle LinX“ gefolgt waren (Livebericht mit Videos/Bildern), um gegen Rechtsruck, autoritäre Tendenzen in den Sicherheitsbehörden und den Prozess gegen Lina E. zu demonstrieren.

    Der Aufzug startete am Johannisplatz, zog zu einer Kundgebung am Wilhelm-Leuschner-Platz und von dort weiter bis zum Connewitzer Kreuz.Die wohl größte Demonstration dieser Art in Leipzig seit vielen Jahren war das, was viele Teilnehmende anschließend als „entschlossen“ und „kraftvoll“ bezeichnen sollten. Gemeint waren damit allerdings nicht nur lautstarke Parolen und ein geschlossenes, von vielen Spruchbändern geschmücktes Bild, sondern auch Angriffe auf die Polizeidirektion und mehrere Banken.

    Ziel von Farbbeuteln am 18. September 2021: Die Polizeidirektion Leipzig an der Dimitroffstraße. Foto: LZ
    Ziel von Farbbeuteln am 18. September 2021: Die Polizeidirektion Leipzig an der Dimitroffstraße am 19.9.2021. Foto: LZ

    Alles nur Satire?

    Vor allem ein Banner, das sich gegen einen hochrangigen Polizisten richtete, sorgte anschließend für Diskussionen. Während viele darin einen Mordaufruf sahen und auch die Kampagne „Wir sind alle LinX“ sich davon distanzierte, betonten andere den satirischen Charakter, der sich aus dem Kontext mit den benachbarten Plakaten ergebe.

    Diese spielten auf konservative Warnungen vor einer neuen RAF an – und auf genau jene 1970 entstandene Terrorgruppe wiederum spielte das Kofferraum-Banner an.

    Die Drohung auf dem Demo-Banner zieht die Strafverfolgung durch die Polizei nach sich. Foto: LZ
    Die Drohung auf dem Demo-Banner zieht die Strafverfolgung durch die Polizei nach sich. Foto: LZ

    Dass eine Woche vor der Bundestagswahl kein Platz für Zwischen- und Grautöne ist, zeigte unter anderem eine Wortmeldung des CDU-Direktkandidaten Jens Lehmann (MdB).

    Der Bundestagwahlkandidat bezeichnet Lina E. unter Verzicht auf die Unschuldsvermutung als „Linksterroristin“ und behauptete, dass Nina Treu und Sören Pellmann (beide Linke) auf einem Foto „stolz auf dieser Demo für linke Gewalt posieren“ würden – dabei war jenes Foto zu Beginn der Versammlung, also vor den Ausschreitungen, entstanden.

    Innenministerium schießt gegen Demoanmelderin

    In den Wahlkampfmodus schaltete aber auch das sächsische Innenministerium, das auf Twitter eine Distanzierung der Linkspartei von Demoanmelderin Juliane Nagel forderte. Inwiefern eine solche Wortmeldung einer staatlichen Institution eine Woche vor der Bundestagswahl angemessen oder gar zulässig ist, bleibt zu hinterfragen.

    Ziemlich wenig Aufmerksamkeit erhielt bislang das aggressive Auftreten der Polizei – sowohl gegen vollkommen unbeteiligte Personen in Connewitz als auch gegen Journalist/-innen, die unter dem Hashtag #le1809 unzählige Beleidigungen, körperliche Übergriffe und Behinderungen bei der Arbeit aufzählten und teilweise dokumentierten.

    Deutlich harmonischer ging es dann aber am Sonntag in Leipzig zu. Im Rahmen der internationalen Mobilitätswoche und auf Beschluss des Stadtrates war für einen Tag der Innenstadtring weitgehend für den Autoverkehr gesperrt.

    Menschen erobern den Ring & Gehzeug-Rekord

    Impressionen vom autofreien Ring am 19. September 2021. Video 1: LZ

    Stattdessen zeigten sich dort ungewohnte Bilder: Menschen auf den Straßen, zu Fuß, mit dem Fahrrad, tanzend, spielend. An vielen Stellen auf dem Ring gab es Informationsangebote, beispielsweise von den LVB, zum Großprojekt Matthäikirchhof, zu Wasserknappheit und zu den Wahlversprechen mancher Parteien.

    Einen Höhepunkt bildete dabei sicherlich die größte Gehzeugparade der Welt. Mit 106 beteiligten Gehzeugen wurde nach Angaben der Veranstalter/-innen der Weltrekord gebrochen. Ziel dieser Gehzeugparade ist es, mittels selbstgebauten Holzkonstruktionen darauf aufmerksam zu machen, wie viel Platz die Autos im öffentlichen Raum einnehmen – vor allem dann, wenn sich nur eine Person darin befindet.

    Die LZ war heute den ganzen Tag unterwegs und hat in Fotos und Videos zahlreiche Impressionen gesammelt, auch von der „Kidical-Mass“ und dem Lastenradrennen. Zu sehen ist auch ein Redebeitrag von Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim (Video 2).

    Redebeiträge zum autofreien Tag in Leipzig

    Video 2: ua. mit Redebeitrag von Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim.

    Kürzungen, Fluglärm und Katastrophenalarm

    Worüber die LZ am Wochenende berichtet hat: über Kritik an den Kürzungsplänen von Finanzbürgermeister Torsten Bonew, über Neuigkeiten zur Fluglärm-Diskussion und über die Frage, wie Leipziger/-innen vor einer möglichen Flutkatastrophe gewarnt werden würden.

    Was heute außerdem wichtig war: Es wird mal wieder gegen KSK-Soldaten ermittelt. Diesmal sind es zwei Personen. Die Vorwürfe: Eine Person soll eine Reichsflagge gehisst haben, die andere in einer rechtsradikalen Chat-Gruppe gewesen sein. Außerdem: In Schneeberg haben Asylbewerber/-innen für bessere Lebensverhältnisse in der Erstaufnahmeeinrichtung demonstriert. (via MDR)

    Was morgen passieren wird: Fachschaftsräte der Universität wollen ab 17 Uhr auf dem Augustusplatz dagegen demonstrieren, dass Verträge von Mitarbeiter/-innen angeblich nicht verlängert werden. Zudem hat die rechtsradikale „Bürgerbewegung Leipzig 2021“ wieder eine Demonstration angekündigt. Gegenprotest ist bislang – ähnlich wie vor einer Woche – offenbar nicht geplant.

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      2 KOMMENTARE

      1. Und mal wieder wird die unrelevante Twitterblase in die Wahrnehmung der Vielen gehieft…
        „Aufs Brutalste“ ; „Geschlagen“. Spracheskalation und Hineinsteigern vom Feinsten. So läuft es dort, aber warum muss das immer wieder in die Welt der „normalen“ Berichte geschleppt werden? In roten großen Großbuchstaben, im Layout größer als manches Bild im Artikel?

        Ja, was dem Mann dort passiert ist, trotz dass er sogar Helm trug (warum fiel der plötzlich vom Kopf?) und damit gewissermaßen auf die Situation vorbereitet war, natürlich nicht toll.

        Es heißt dann immer, diese Leute sind „für uns“ dort, um zu berichten. Muss man dafür aber so nah am Geschehen stehen? Mit einer Art GoPro, die für ihre Weitwinkelobjektive bekannt ist? Also ich brauche nicht das hunderste wackelige Handyvideo von ganz nah dran.

        Der Mann lief inmitten einer Maßnahme ohne sich umzudrehen in diese rennende Polizeitruppe hinein. Er wurde in dem Videoausschnitt auch nicht „brutalst“ (wie nennen wir dann Dinge für Themen wie Folter oder schwere Gewalt an Kindern, wenn wir unsere drastischen Vokabeln schon für so einen Vorfall verbrauchen?) behandelt oder geprügelt. Er erlitt sicherlich Schmerzen, aber er hat daran offensichtlich Mitschuld.

      2. Wer den Eigenschutz mitten in einer polizeilichen Maßnahme missachtet, der muss halt mit den Konsequenzen leben.
        Ich würde nicht mal ausschließen, dass er sich da absichtlich in den Weg gestellt hat, um solche Bilder zu provozieren. Denn derjenige, der „zufällig“ dort rumstand um das Geschehen zu filmen, hat es ja offenbar unbeschadet überstanden, weil an den Eigenschutz gedacht.

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