Die besonders in der Querdenken-Szene beliebte Band „Weimar“ ist womöglich ein Neonazi-Projekt. Außerdem ist bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr der CDU-Fraktionsvorsitzende eines sächsischen Stadtrates zurückgetreten. Und nach einer Drogen-Razzia in Dresden sitzen zwei Männer in U-Haft. Die LZ fasst zusammen, was am Donnerstag, dem 9. Februar 2023, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Thüringer Metal-Gruppe „Weimar“ als Neonazi-Band entlarvt

Bei der deutschen Newcomer-Metal-Band „Weimar“, die besonders in der Querdenken-Szene beliebt ist, handelt es sich möglicherweise um ein Neonazi-Projekt. Das haben Recherchen des Spiegel-Magazins ergeben. Laut dem Spiegel stammen mehrere Bandmitglieder aus der Thüringer Neonazi-Szene. „Weimar“ steht beim größten Musikkonzern der Welt, Universal, unter Vertrag und landete mit seinem Debütalbum „Auf Biegen & Brechen“ im vergangenen Jahr auf Platz 5 der deutschen Albumcharts.

Die für März und April angekündigte Tour wurde nach den Spiegel-Enthüllungen heute abgesagt. Auch in Leipzig wollte „Weimar“ spielen, und zwar im Täubchenthal. Das Veranstaltungshaus hat den Termin mittlerweile von seiner Website genommen.

Offenbar waren einige Bandmitglieder dem Thüringer Verfassungsschutz bekannt, tauchten um die Jahrtausendwende in dessen Akten auf. Dennoch ist es den Männern gelungen, einen Vertrag bei einem Major-Label zu bekommen und eine Deutschlandtournee zu planen. Universal äußerte gegenüber dem Spiegel, die „Beziehung zur Band“ nach den Enthüllungen „sofort beendet zu haben“.

Die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Die Linke) kritisierte heute die aus ihrer Sicht unzureichende Arbeit des Verfassungsschutzes. Das Frühwarnsystem Verfassungsschutz habe wiederholt versagt, erklärt König-Preuss. Auch zeigt sie sich fassungslos darüber, wie die Universal Music Group Verstrickungen der Bandmitglieder in der Neonazi-Szene übersehen haben will.

Ein ausführlicher Bericht über die vorerst beendete Karriere von „Weimar“ ist an dieser Stelle zu lesen.

Nach Rücktritt in Dresden: Auch Kamenzer CDU-Fraktionschef gibt Posten auf

Es ist bereits die zweite Personalkonsequenz in den Reihen der sächsischen CDU innerhalb einer Woche: Der Kamenzer Stadtrat und stellvertretende Oberbürgermeister Mike Weise (CDU) hat nach mehreren rechtsoffenen Auftritten und Aussagen den CDU-Fraktionsvorsitz abgegeben. Weise hatte mehrmals als Versammlungsleiter der Kamenzer „Montagsspaziergänge“ fungiert, auf denen unter anderem rechtsradikales Gedankengut und Verschwörungsmythen verbreitet wurden.

Am 23. Januar hatte Weise auf einer dieser Demonstrationen auf dem Kamenzer Marktplatz eine Rede gehalten, neben ihm ein Plakat mit der Aufschrift „Wir fordern Nürnberg 2.0“. Die Forderung bezieht sich auf die sogenannten Nürnberger Prozesse kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, bei denen Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen verurteilt wurden.

Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung hat der Rechtsanwalt Weise nun seinen Rücktritt als Fraktionsvorsitzender angekündigt. Er gibt an, das Plakat am 23. Januar nicht gesehen zu haben. Er bleibt allerdings Stadtrat und stellvertretender Oberbürgermeister, außerdem Vorsitzender der CDU Kamenz. Ferner sitzt er im Kreisrat.

Erst Ende Januar war der Dresdner CDU-Fraktionschef Peter Krüger von seinem Amt zurückgetreten, nachdem er unter anderem die FDP-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, als „elende Kriegstreiberin“ bezeichnet hatte. Auch er bleibt Stadtrat.

Drogen-Razzia in Dresden: Drei Festnahmen

Bereits am gestrigen Mittwoch hat die Polizei im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens im Bereich Drogenkriminalität insgesamt neun Objekte in Dresden durchsucht. Dabei wurden drei Männer im Alter von 33 bis 37 Jahren festgenommen. Darüber informierte die Staatsanwaltschaft Dresden heute.

Die Einsatzkräfte nahmen bei der Durchsuchungsmaßnahme unter anderem Bargeld in Höhe von rund 28.000 Euro, 78 Gramm Crystal, 670 Gramm Cannabisprodukte und verschiedene Datenträger mit. Einer der Beschuldigten befindet sich wieder auf freiem Fuß, die beiden weiteren sitzen nun in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt sieben Männer. Ihnen wird der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und in einem Fall gar das bewaffnete Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vorgeworfen.

Leipzig will „Zero-Waste-City“ werden

Leipzig wird unter dem Motto „Mein Leipzig schon’ ich mir! Ressourcen sparen, Zukunft wagen“ Teil des Zero-Waste-Europe-Netzwerks und strebt den zertifizierten Status einer „Zero Waste City“ an. Eine einschlägige Erklärung wurde am Donnerstag im Neuen Rathaus durch Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke), der den kurzfristig verhinderten OBM vertrat, sowie Jack McQuibban, Head of Local Zero Waste Implementation, unterzeichnet.

Mit dem Beitritt in das Netzwerk strebt Leipzig jetzt im Sinne von Abfallreduktion und Klimaschutz bis 2035 die Verringerung des Restmüllaufkommens um zehn Prozent an, außerdem soll das Gewerbe bei der Abfallreduktion unterstützt und eine Recyclingrate von 90 Prozent erreicht werden.

Besonders der letzte Punkt, die Implementierung und Stärkung lokaler Wiederverwertungs-Kreisläufe, spielt in dem Zero-Waste-Konzept eine bedeutende Rolle.

Hier gehts zum ausführlicheren Bericht.

Antrittsbesuch des neuen Ukraine-Botschafters in Dresden

Worüber die LZ heute außerdem berichtet hat:

über eine Fachaufsichtsbeschwerde zu den Gustav-Esche-Brücken

über das Artenvielfaltskonzept der Neuplanung des Wilhelm-Leuschner-Platzes

über die Zukunft der Wärmeversorgung der Leipziger/-innen

Was heute außerdem wichtig war: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich heute in Dresden erstmals mit dem neuen ukrainischen Botschafter Oleksii Makeiev getroffen. Makeievs Vorgänger Andrij Melnyk hatte Kretschmer wegen seiner Russland-Positionen stark kritisiert und ihn zur Persona non grata in der Ukraine erklärt. Das heutige Treffen scheint von mehr Harmonie geprägt gewesen zu sein, sowohl Kretschmer als auch Makeiev äußerten sich im Nachgang gegenüber der Presse positiv.

Was morgen wichtig wird: Am Freitag werden die Fahnen im Dresdner Regierungsviertel auf halbmast wehen, um der Opfer der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Syrien zu gedenken. Der Freistaat Sachsen tut es damit dem Bund gleich, der für morgen eine Trauerbeflaggung an den Dienstgebäuden der obersten Bundesbehörden in Berlin und Bonn angeordnet hat.

Mittlerweile ist die Zahl der Todesopfer auf über 19.000 angestiegen, wie die Tagesschau berichtet. Am frühen Montagmorgen hatte ein Erdbeben der Stärke 7,8 den Süden der Türkei und den Norden Syriens erschüttert.

Zuletzt hatte der Freistaat am 5. Januar Trauerbeflaggung angeordnet – anlässlich des Todes von Benedikt XVI. Der emeritierte Papst, in Bayern geboren, war am 31. Dezember im Vatikanstaat hochbetagt verstorben.

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