Bundesweit haben sich mehr als 10.000 Menschen an den „Ostermärschen“ beteiligt. In Leipzig gingen etwa 500 Personen auf die Straße. Außerdem: Im Lene-Voigt-Park ist der Tauschschrank zum zweiten Mal abgebrannt und im thüringischen Nordhausen brannten Autos mit ukrainischen Kennzeichen. Die LZ fasst zusammen, was an Ostern in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Mehr als 10.000 Menschen haben sich in den vergangenen Tagen bundesweit an sogenannten Ostermärschen beteiligt. Die größte Demonstration fand in Berlin statt, wo laut Polizei am Samstag etwa 3.500 Menschen zusammenkamen. Teilnehmer*innen der Ostermärsche forderten Frieden in der Ukraine und im Nahen Osten. Sie sprachen sich dabei gegen Waffenlieferungen in diese Regionen aus.

Blickt man auf die Geschichte der „Ostermärsche“ und die Vielzahl aktueller Konflikte und Kriege, wirkt die Beteiligung eher gering. In den 80er Jahren waren Hunderttausende auf die Straßen gegangen. In Leipzig waren es am Samstag etwa 500 Personen. Redner*innen forderten unter anderem den Austritt Deutschlands aus der Nato und mehr Geld für Bildung statt Militär. Gefordert wurde auch „Freiheit für Palästina“.

Die propalästinensische Gruppe „Handala“, die in den sozialen Medien das Hamas-Massaker an israelischen Zivilist*innen glorifiziert hatte, erhielt einen „Friedenspreis“. Veranstalter Mike Nagler hatte gegenüber der LVZ erklärt, dass die Gruppe den Preis erhalte, weil sie sich für die Einhaltung von Menschenrechten engagiere.

Das Bündnis „Leipzig gegen Krieg“, das die Demonstration veranstaltet hat, ist innerhalb des linken Spektrums umstritten. Die linke Stadträtin Juliane Nagel, die den „Friedenspreis“ vor mehr als zehn Jahren selbst erhalten hat, sprach auf Twitter von „völlig abgedrifteten Gruppen“. Kritik gibt es auch an den Russland-freundlichen Positionen, die am Samstag erneut vertreten wurden.

Ulbrich bleibt Teil der Leipziger AfD

Selbst Teile der AfD gehen mittlerweile auf Distanz zum ultrarechten Leipziger Stadtrat und sächsischen Landtagsabgeordneten Roland Ulbrich. Zumindest in der Leipziger Ratsfraktion und bei den anstehenden Kommunalwahlen ist der Rechtsanwalt dennoch weiterhin willkommen, berichtet die LVZ.

Der Stadt- und Fraktionsvorsitzende Siegbert Droese, ebenfalls ein Ultrarechter, sagte der Zeitung, dass man das Parteiausschlussverfahren abwarten wolle, bevor man etwas entscheide. Ulbrich hatte jüngst parteiintern eine Grenze überschritten, indem er sich auf das Reichsbürgergesetz der Nazis bezogen und bestritten hat, dass der Begriff „arisch“ der Rassenideologie zuzuordnen ist. Eine Konsequenz: Er ist nicht mehr Mitglied der Landtagsfraktion.

Für die AfD war es kurz vor der Landtagswahl und angesichts eines möglichen Parteiverbotsverfahrens offenbar ein Grenzübertritt zu viel. Schon früher war Ulbrich mit abstoßenden Äußerungen zum rechtsterroristischen Attentat in Halle und zum Gedenken an Todesopfer rechter Gewalt aufgefallen.

Tauschschrank im Lene-Voigt-Park wieder abgebrannt

In der Nacht zum Karfreitag ist „Lenes Tauscho“ im Lene-Voigt-Park erneut abgebrannt. Wer für den Brand verantwortlich ist, ist bislang nicht geklärt. Erst im vergangenen Juli hatte der Tauschschrank seinen Betrieb wieder aufgenommen, nachdem etwa 3.000 Euro an Spenden gesammelt worden waren. Zwei Monate vorher war „Tauscho“ zum ersten Mal abgebrannt.

„Wir sind geschockt und traurig über den mutwilligen Vandalismus“, schreiben die Initiator*innen des Projekts auf Instagram. Ziel sei es aber, den Tauschschrank wieder aufzubauen. Dafür seien erneut Spenden nötig.

In den Kommentaren äußern Nutzer*innen aber auch Zweifel, ob das wirklich sinnvoll ist. „So gut die Idee prinzipiell ist, viele Leute sind nicht in der Lage, den Tauscho entsprechend zu nutzen“, schreibt eine Person. Konkret wird beklagt, dass der Tauschschrank häufig als Müllablage genutzt werde. „Gefühlt der halbe Osten schleppt kaputte Schuhe, angeschlagenes Geschirr und versiffte Bettwäsche da rein“, lautet ein weiterer Kommentar.

Worüber die LZ an Ostern berichtet hat:

über einen Antrag der Linksfraktion, der Rassismus bei der „Haus Garten Freizeit“ thematisiert,

über den Umgang mit Bildern von tödlichen (Bus)Unfällen und

über Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadtverwaltung und Kreiselternrat hinsichtlich eines neuen Schulbezirks im Leipziger Westen

Was an Ostern außerdem wichtig war: Im thüringischen Nordhausen haben in der Nacht zu Karfreitag drei Autos mit ukrainischen Kennzeichen gebrannt. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Die drei Brände entstanden offenbar innerhalb weniger Minuten, aber an unterschiedlichen Standorten.

In Leipzig ist am Ostersonntag ein 3-jähriges Kind bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Junge war laut Polizei auf der Georg-Schwarz-Straße unter eine Straßenbahn geraten, aus der er zuvor ausgestiegen war.

Am Ostermontag beteiligten sich etwa 50 Personen an einer Cannabis-Demonstration in Leipzig. Reden kamen unter anderem von Jürgen Kasek (Grüne), Irena Rudolph-Kokot (SPD) und Juliane Nagel (Linke). Kiffen war auf der Demonstration übrigens verboten.

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