Neonazi sitzt nach Angriff gegen kurdischen Gastronom auf der Anklagebank

LeserclubLetzte Woche saß Tahsin M. (46) im Landgericht auf der Anklagebank. Am Dienstag nahm der Leipziger mit Anwältin Rita Belter als Nebenkläger neben dem Staatsanwalt Platz. Der Rechtsextremist Michael P. (32) soll den ehemaligen Gastwirt in Grimma regelrecht tyrannisiert haben. Der 32-Jährige muss sich in dem Prozess vor der Großen Strafkammer wegen rekordverdächtiger 14 Anklagen verantworten.

Mit der Justiz kennt sich Michael P. bestens aus. Der Kleinkriminelle ist erheblich vorbestraft. Die letzte Verurteilung datiert jedoch aus dem Jahr 2011. Seither wurde der Grimmaer von den Gerichten nicht mehr behelligt. Möglicherweise war der mangelnde Verfolgungsdruck einer der Gründe, warum P. seit 2010 wiederholt straffällig wurde.

Staatsanwalt Eike Gildemeister legte dem bulligen Angeklagten 18 Einzeltaten zur Last. Zwei Wohnungseinbrüche, Trunkenheitsfahrten mit dem Fahrrad, Körperverletzungen und Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Gegenüber Tahsin M. soll er am 24. August 2012 im Beisein von Kameraden den Arm zum Hitler-Gruß gestreckt und „Heil Hitler“ gebrüllt haben. Anschließend bedrohte er sein Opfer. „Der Mann hat gesagt, wenn jemand von unserer Partei ins Gefängnis gebracht wird, dann werden wir dich finden, egal wo du wohnst.“

Einen Tag später entwickelte sich vor M.’s Lokal eine tätliche Auseinandersetzung. Michael P. provozierte den Kurden mit Beleidigungen, die er mittels Megafon skandierte. Der Wirt kam auf die Straße, es fielen Beschimpfungen. Schließlich griff der Betreiber einer Shisha-Bar zum Pfefferspray. Für die Attacke sitzt der Gastronom seit vergangener Woche in zweiter Instanz auf der Anklagebank.

Michael P. soll zwar die Polizei alarmiert haben. Doch als die Beamten am Tatort eintrafen, ging er selbst auf den Täter los. Der gelernte Maler schlug sein Megafon gegen Tahsin M.’s Kopf. So heftig, dass das Gerät dabei zerstört wurde.

„Das mit dem Megafon stimmt. Das streit‘ ich nicht ab“, gab Michael P. am Dienstag mit lallender Stimmlage zu Protokoll. Der Angeklagte hat hörbar ein massives Alkoholproblem. Ein Trinkkumpan erzählte dem Gericht, der Grimmaer konsumiere seit Ende der Neunziger regelmäßig alkoholische Getränke. Vor allem Bier, seit zwei bis drei Jahren aber auch Hochprozentiges. Ein Gutachter soll deshalb beurteilen, ob der Grimmaer ein Fall für die Entzugsklinik sein könnte.

Das Gericht hat drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird am 2. Juni erwartet. Tahsin M. hat längst kapituliert. „Ich will aus Deutschland weg wegen den Nazis“, erzählte er mit bebender Stimme. „Nazis machen mich tot.“

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