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Bruder des Opfers über mutmaßlichen Auwald-Mörder: „Ich mochte den nicht“

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    Am Mittwoch sagte vor dem Leipziger Landgericht der Bruder der vor über einem Jahr im Leipziger Auwald getöteten Myriam Z. aus. Dabei geriet er auch mit dem Anwalt des wegen Mordes angeklagten Ex-Partners seiner Schwester aneinander. Von Letzterem hatte er schon lange vor der Gewalttat keinen guten Eindruck. Das lag auch an einem Schlüsselerlebnis.

    Für Yacine Z., der als Nebenkläger im Prozess um den gewaltsamen Tod seiner Schwester Myriam vor über einem Jahr auftritt, war es ein schwerer Gang. Im Zeugenstand gab der 41-Jährige Auskunft über seine getötete Schwester Myriam Z., die am 8. April 2020 während eines Spaziergangs mit ihrem erst wenige Wochen alten Kind im Auwald brutal attackiert und tödlich am Kopf verletzt wurde, während das Baby unversehrt blieb. Die Sozialarbeiterin wurde gerade einmal 37 Jahre alt.

    Seit Oktober 2020 sitzt ihr Ex-Partner Edris Z. (31) unter anderem wegen Mordes auf der Anklagebank – und schweigt bisher zu den Vorwürfen. Laut Staatsanwaltschaft hatte er seine frühere Freundin bereits im August 2018 am Fockeberg bespuckt und beschimpft, ihrem Begleiter (25) gar einen Teil des Ohrs abgebissen, als der einschreiten wollte.

    Problembeladene Partnerschaft und Psychoterror

    Nur wenige Meter neben dem mutmaßlichen Mörder seiner jüngeren Schwester schilderte Yacine Z. am Mittwoch ihren Lebensweg. Die junge Frau war, wie auch er, in Schkeuditz geboren, hatte vorübergehend in Algerien gelebt und nach dem Abitur soziale Arbeit studiert. Bei ihrer Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe hatte sie den jüngeren Kollegen Edris Z. getroffen. Auch er hatte eine Fluchtgeschichte, war als Kind mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und besaß seit 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft.

    Ende 2015 kamen beide zusammen, bis die Partnerschaft Anfang 2018 auseinanderbrach. Wer sie beendet hatte, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Auch Yacine Z. wusste dies nach eigener Aussage nicht genau – sehr wohl bekam er jedoch das ständige Auf und Ab in der Beziehung mit, die offenbar immer wieder von Problemen geprägt war.

    Allerdings habe seine Schwester viele Details ab einem gewissen Punkt immer für sich behalten: „Sie hat sich Sorgen um die Familie gemacht und auch ein Stück weit geschämt“, meinte Yacine Z. dazu. Als nach der Trennung laut Zeugen ein regelrechter Psychoterror eingesetzt haben soll – nächtliches Klingeln, Hundekot in Myriams Briefkasten – rieten ihr die Angehörigen, die Vorfälle zu dokumentieren und zur Polizei zu gehen. Nach der dramatischen Begegnung am Fockeberg telefonierte Myriam mit ihrem großen Bruder, war völlig aufgelöst, sagte er.

    „Für mich war wichtig, wie es meiner Schwester geht“

    Den Angeklagten habe er am Anfang der Beziehung kurz kennengelernt und später nur wenige Male getroffen, erinnerte sich Yacine Z. Aufgefallen sei ihm vor allem der schlechte Umgang mit seinem Hund. So soll Edris Z. das Tier grob angefasst, an den Ohren gepackt und an der Schnauze gehalten haben. Für Yacine Z. ein Schlüsselerlebnis, das seine Abneigung begründete. Zwar habe er den Freund seiner Schwester bei den wenigen Treffen nicht aggressiv erlebt, dennoch war für ihn klar: „Ich mochte den nicht und mag den nicht. Das habe ich auch gezeigt, denke ich mal.“

    Manchmal erzählte Myriam, dass Edris auffallend in sich gekehrt war und Probleme hatte. Yacine Z. sagte, dies habe ihn nicht interessiert. „Für mich war wichtig, wie es meiner Schwester geht.“

    Dies galt umso mehr, weil sich das Ex-Paar, das nahe beieinander wohnte, immer wieder in der Leipziger Südvorstadt über den Weg lief. Myriam hatte nach dem Ereignis am Fockeberg ein Annäherungs- und Kontaktverbot gegen Edris Z. erwirkt, das allerdings nach einiger Zeit ablief.

    Verteidigung hat Chatgruppen im Visier

    Georg K. Rebentrost, Wahlverteidiger von Edris Z., hatte zahlreiche Fragen an den Bruder des Opfers, die sich unter anderem auf seinen E-Mail-Kontakt mit einem namentlich benannten Kripobeamten bezogen, der in dem Fall ermittelte, sowie die Existenz diverser Chats, in denen das Umfeld von Myriam Z. regelmäßig miteinander schreibt.

    Yacine Z. bestätigte die Existenz einer solchen Gruppe im Kanal Telegram. Hier habe man vor allem über die Beerdigung von Myriam und ihren Nachlass geredet, auch seien Medienberichte über den Prozess geteilt worden. Um diesen nicht zu gefährden, war jeder explizite Austausch darüber jedoch tabu, so Yacine Z. „Die Gruppe ist rein informativ gegründet worden, um nicht alle einzeln anrufen zu müssen.“ Die Verteidigung hatte im Prozess mehrfach gemutmaßt, die Chats könnten auch zur gezielten Absprache von Aussagen vor Gericht dienen.

    Zudem habe er auch dazu aufgerufen, sich gegebenenfalls als Zeuge zur Verfügung zu stellen, und die Namen an die Kripo weitergeleitet. Alles andere sei dann jedoch Sache der Polizei gewesen.

    Zeuge weist Verteidiger zurecht

    Mehrfach kam es zu Spannungen zwischen Yacine Z. und der Verteidigung. Als Anwalt Rebentrost wiederholt nachbohrte, von welchen Freundinnen des Opfers er über das chaotische Ausmaß der Beziehung seiner Schwester erfahren habe, antwortete Yacine Z.: „Da können Sie hundertmal die Frage stellen, ich kriege es nicht mehr zusammen, wer was erzählt hat.“ Schließlich sei seine Schwester gestorben. „Ich hatte andere Sachen im Kopf.“

    Nach mehreren Stunden unterbrach das Gericht die Vernehmung. Yacine Z. muss voraussichtlich Ende Mai ein weiteres Mal zur Aussage antreten.

    Der Prozess wird kommenden Montag fortgesetzt.

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