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Gastkommentar von Christian Wolff: … unsere Art zu leben

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    Es war ein Angriff auf unsere Art zu leben. So die Kurzanalyse in unzähligen Kommentaren in Medien und Statements von Politikern nach den Terroranschlägen in Paris am Abend des 13. Novembers 2015. Wenn Menschen genau da ermordet werden, wo sie Vergnügen, Ablenkung, Zerstreuung suchen: in Cafés, bei einem Rock-Konzert, vor dem (und beabsichtigt im) Fußballstadion, dann soll damit unsere Art zu leben getroffen werden – die Freiheit, da zu verweilen, wo man möchte; sein Leben zu gestalten, ohne auf religiöse oder politische Normen zu achten; immer auch das Gegenteil von dem tun zu können, was andere erwarten. Aber erschöpft sich darin unsere Art zu leben?

    Täglich verübt der gleiche IS, der in Paris 130 Menschen exekutierte, Terrorakte in Gesellschaften, in denen es unsere Art zu leben nicht gibt, in denen fast ausschließlich Moslems leben, die nichts dabei finden, dass das ganze gesellschaftliche Leben wie das Staatswesen von der Religion bestimmt, ja beherrscht wird. Auch diese Menschen werden vom IS auf grausamste Weise umgebracht – und wir reagieren, wenn wir das überhaupt wahrnehmen, mit unserer Art zu leben meist sehr einsilbig. Spätestens da müssen wir erkennen, dass das Erklärungsraster zu kurz greift.

    Aber die Erklärung der Terroranschläge als Angriff auf die sogenannte westliche Lebensweise erweist sich auch deswegen als unzureichend, weil unsere Art zu leben eben nicht nur aus Essen, Kultur und Sport besteht. Unsere Art zu leben hat eine, nein: mehrere Kehrseiten: Wir bedienen uns wie selbstverständlich der ganzen Welt (man schaue nur auf’s Etikett der Hose oder des Rocks), ohne im entferntesten damit zu rechnen, dass diese für uns grenzenlos gewordene Welt nun zu uns kommt, um uns ziemlich unsanft bis brutal unsere Art zu leben in Rechnung zu stellen.

    Unsere Art zu leben hat auch etwas damit zu tun, dass wir uns vergnügen – aber was heißt: wir? Dass sich ein Teil des Wir einer Gesellschaft vergnügen kann und dieses „Wir“ merkt nicht (mehr), dass ganze Gruppen der Gesellschaft abgehängt sind und mit unserer Art zu leben nichts mehr zu tun haben. In Frankreich tritt es schon seit Jahren besonders krass zu Tage: die manifestierte Ungleichheit in den Banlieus, der Nährboden für religiöse Radikalisierung und politisch motivierten Terror. Auch das gehört zur Kehrseite – wie die Flüchtlinge, die nach Europa drängen, um an unserer Art zu leben teilzuhaben, ohne zu ahnen, dass die Kehrseiten dieser Art eine der Ursachen ihrer Flucht ist.

    Es ist zweifelhaft, dass die Terroristen das alles im Blick hatten und haben.

    Sie folgen wahrscheinlich dem gleichen plumpen Weltbild, das manch einfachem Pegida-Gemüt bei uns gar nicht so fremd ist: Wenn alle sich an das halten, was wenige als richtig vorschreiben und deswegen diktatorisch verordnen, dann gibt es keine Probleme – und dann hat man die Welt im Griff. Um das aber zu erreichen, bedarf es der totalen Kontrolle und Absicherung. Diese lassen sich nur dadurch durchsetzen und rechtfertigen, dass die Vereinheitlichungsnormen politisch-religiös überhöht und rigoros angewandt werden.

    Dieses Bestreben gepaart mit einer entfesselten Machtgier setzt die zerstörerischen Kräfte frei, die aus Menschen Monster machen – jedenfalls im Augenblick ihres terroristischen Handelns. Im nächsten Moment aber können sie – wie der KZ-Wächter – wieder zum tierliebenden Kinderfreund oder frommen Gottesanbeter werden, der bei „Stille Nacht, heilige Nacht“ unter dem Weihnachtsbaum zu Tränen gerührt ist.

    Wie aber können wir diesem Terror begegnen?

    Wie können wir unsere Art zu leben so verteidigen, dass diese nicht in ihr Gegenteil verkehrt wird? Ganz sicher ist eines: Wenn der IS-Terror sich gegen unsere Art zu leben richtet, dann sollten, dann dürfen wir auf keinen Fall seine Art zu leben in dem, wie wir ihn bekämpfen, kopieren. Doch genau in diese Falle scheinen sich Frankreich und mit ihm Europa so zu verrennen, wie es die USA nach 9/11 getan hat. Wer jetzt von „Krieg“ spricht, wer diesen wie manche französische Intellektuelle als totalen fordert, und diesen dann auch führt, ohne sich Rechenschaft darüber abzulegen, welche Art des Lebens er denn für den Nahen Osten erbomben will, der macht aus unserer Art zu leben das, was uns in die Sackgasse des Terrorismus geführt hat – die Kehrseite.

    Wem jetzt nichts anderes einfällt, als eine irrwitzige Aufrüstung der Zerstörungspotentiale in Gang zu setzen, der hat nicht begriffen, dass genau diese seit Jahrzehnten als Kehrseite von unserer Art zu leben diese gefährdet. Wenn wir wollen, dass diese unsere Art zu leben anerkannt und geteilt wird, dann werden wir andere, uns fremde Lebensweisen anerkennen und teilen müssen – nicht deren Kehrseiten, aber ihre Lebensseiten. Schließlich sollten wir daran denken, dass die Glaubensüberzeugung von der Einzigartigkeit eines jeden Menschenlebens notwendig beinhaltet, dass wir sehr verschiedene Menschen sind, die sich jeden Tag neu über ihre Art zu leben verständigen müssen.

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    3 KOMMENTARE

    1. @Monika
      Dies ist das allgemeine Bittgebet (Litanei) und soll Sonntags, Mittwochs und Freitags nach dem Morgen-Gebet gebraucht werden.
      Gestern war Mittwoch und ich schlug es nach dem Text von CW einfach mal vor.

      Seine Worte lesen sich schön, keine Frage, sind wir doch alle vernünftige Menschen und die unvernünftigen werden sich von CW nicht aufhalten lassen.
      Also, wie jede Woche, nur Perlen vor die Säue geschüttet.

      Abgesehen vom Wohlklang der Worte, ihrer perlenhaften Aneinanderreihung, bleibt die Frage nach der Substanz, die Nachhaltigkeit derer.

      Es gibt genug Menschen, die bei aller Ehrfurcht und Vernunft wohl ahnen, dass die Alliierten vor 70 Jahren mit schönen Worten, Absichtserklärungen, Wimpeln und Fähnchen, nichts gerettet und von Nazideutschland hätten befreien können.

      Das Leben ist hart und Geschichte wiederholt sich…

    2. Auch wenn ich nicht immer mit Herrn Wolff einer Meinung bin, so ist dieser Artikel sehr nachdenkenswert und trifft den Kern eher, als der Schrei nach Krieg.

      Und beim Kommentar von JG: Hier komme ich nicht ganz mit, was Sie mit Ihren Zeilen bezwecken wollen! Ist das nun ehrlich gemeint oder zynisch?

    3. O Gott Vater im Himmel: Erbarme Dich über uns arme Sünder.

      O Gott Vater im Himmel: Erbarme Dich über uns arme Sünder.
      O Gott Sohn, der Welt Heiland: Erbarme Dich über uns arme Sünder.
      O Gott Sohn, der Welt Heiland: Erbarme Dich über uns arme Sünder
      O Gott Heiliger Geist, der vom Vater und vom Sohne ausgehet: Erbarme Dich über uns arme Sünder,
      O Gott Heiliger Geist, der vom Vater und vom Sohne ausgehet: Erbarme Dich über uns arme Sünder.
      O heilige, hochgelobte und herrliche Dreieinigkeit, drei Personen und ein Gott: Erbarme Dich über uns arme Sünder.
      O heilige, hochgelobte und herrliche Dreieinigkeit, drei Personen und ein Gott: Erbarme Dich über uns arme Sünder.
      Gedenke nicht, Herr, unsrer Missethaten, noch der Missethaten unserer Väter; strafe unsere Sünden nicht in Deinem Zorn; verschone uns lieber Herr; verschone Dein Volk, das Du erlöset hast mit Deinem theuersten Blute; und zürne mit uns nicht ewiglich.
      Verschone uns lieber Herr.
      Vor allem Übel und Unfall; vor Sünde; vor der Lift und den Anläufen des Teufels; vor Deinem Zorn und vor der ewigen Verdammniß;
      Behüt uns, lieber Herr.
      Vor aller Verblendung des Herzens, vor Stolz, Hoffart und Heuchelei; vor Neid, Haß und Bosheit und vor aller Unbarmherzigkeit:
      Behüt uns, lieber Herr.
      Vor allen unmäßigen und sündlichen Begierden; vor allem Betrug der Welt, des Fleisches und des Teufels:
      Behüt uns, lieber Herr.
      Vor Sturm und Ungewitter; vor Seuche, Pestilenz und theurer Zeit; vor Krieg und Blutvergießen; vor bösem, schnellem Tod:
      Behüt uns, lieber Herr.
      Vor Zwietracht, Verschwörung und Aufruhr; vor aller falschen Lehre; vor Ketzerei und Abfall; vor Verstockung des Herzens und Verachtung Deines Wortes und Gebotes:
      Behüt uns, lieber Herr.
      Durch das Geheimniß Deiner heiligen Menschwerdung; durch Deine heilige Geburt und Beschneidung; durch Deine Taufe, Fasten und Versuchung.
      Behüt uns, lieber Herr.
      Durch Deinen Todeskampf und blutigen Schweiß; durch Dein Kreuz und Leiden; durch Dein theures Sterben und Grablegung; durch Deine herrliche Auferstehung und Himmelfahrt; und durch die Einkehr des Heiligem Geistes:
      Behüt uns, lieber Herr.
      In all unsrer Trübsal; in guter Zeit in unsrer letzten Roth und am jüngsten Gericht:
      Behüt uns, lieber Herr.
      Wir Sünder bitten Dich, o lieber Herr und Gott, Du wollest uns erhören, und Deine heilige allgemeine Kirche auf rechtem Wege führen und regieren
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, alle christlichen Regenten und Beamten zu segnen und zu erhalten, damit ihnen Gnade werde, Gerechtigkeit auszuüben und Wahrheit zu erhalten
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, alle Bischöfe, Priester und Diakonen zu erleuchten mit rechtem Wissen und Verstehen Deines Wortes, damit sie dasselbe in reiner Lehre und heiligem Wandel verkündigen
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, treue Arbeiter in Deine Ernte zu senden:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, Dein Volk zu segnen und zu behüten:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, allen Völkern Frieden und Eintracht zu verleihen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, uns ein Herz zu geben, welches Dich liebt und fürchtet und mit Eifer Deinen Geboten nachlebt:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, Deinem Volke immer reichere Gnade zu verleihen, damit sie Dein Wort mit Sanftmuth hören, mit reiner Liebe aufnehmen und des Geistes Früchte bringen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, alle Irrende und Verführte auf den Weg der Wahrheit zurückzuführen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, die in der Gnade stehen, darinnen zu bestärken; schwachen Herzen beizustehen und zu trösten; Gefallene aufzurichten und endlich Satan unter unsre Füße zu treten:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, Allen, so in Gefahr, Roth und Trübsal sind, mit Trost und Hilfe zu erscheinen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, alle Reisenden. zu Lande oder Wasser; alle Frauen in Kindesnöthen, alle Kranken, und zarten Kindlein zu erhalten; und aller Gefangenen Dich gnädig anzunehmen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, alle Wittwen und Waisen, alle Trostlosen, und Bedrückten zu beschirmen und versorgen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, Dich aller Menschen zu erbarmen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, unsern Feinden, Verfolgern und Lästerern zu vergeben und ihren Sinn zu ändern:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, die mancherlei Früchte des Feldes uns zu Nutze zu geben und bewahren, damit wir dieselben zu seiner Zeit in Dankbarkeit genießen mögen:
      Wir bitten Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Daß es Dir wohlgefallen möge, uns rechtschaffene Buße zu verleihen; all unsre Sünde, Trägheit und Unwissenheit zu vergeben; und uns mit der Gnade Deines Heiligen Geistes zu begaben, daß wir unser Leben bessern mögen nach Deinem
      heiligen Wort:
      Wir bitten, Dich, erhör uns, lieber Herr.
      Sohn Gottes, wir bitten Dich, erhör uns.
      Sohn Gottes, wir bitten Dich, erhör uns.
      O Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt:
      Gieb uns Deinen Frieden.
      O Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt:
      Erbarm Dich über uns.

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