Am Maschendrahtzaun (1): Das LZ-Interview mit SV Wacker Leipzig-Vorstand Holger Drendel

Für alle LeserJan Böhmermann würde vielleicht sagen, es gäbe gerade mächtig Beef auf dem Sportgelände am Mariannenpark. Und Stefan Raab wohl die Begleitmelodie anstimmen. Wenn es nicht so ernst wäre und nun (nach dem Interview) nicht auch noch der aufgestellte Container des FC Inter gebrannt hätte. Scheinbar unversönlich stehen sich mit dem SV Wacker und dem FC Inter Leipzig zwei Pächter seit nun einem Jahr mehr oder minder unfreundlich gegenüber. Zuletzt ging nun auch das Sportamt der Stadt Leipzig dazwischen und kündigte Pächter Holger Drendel vom SV Wacker zum 28. April 2017 seine Pachtvertrag für zirka drei Viertel des Gesamtgeländes. Die LZ hat ihn interviewt, so wie auch den FC Inter Leipzig, um Licht ins Dunkel zu bringen. Herausgekommen sind ein langer Beitrag in der LZ Nr. 42 und zwei Interviews, hier Teil 1, die Sicht des SV Wacker.
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Herr Drendel, wie viele Fußballer hat zurzeit Wacker Leipzig in wie vielen Mannschaften?

Der SV Wacker selbst hat 53 Fußballer, aber wir stellen den Platz für 250 Sportlerinnen und Sportler zur Verfügung. Das hat den Grund, dass wir nicht wollen, dass jemand seine Identität aufgeben muss, nur um in einer Sportstätte unterzukommen. Sport zu treiben und das jedem zu ermöglichen, ist unser erklärtes Satzungsziel. Somit kommen bei uns Frauen und Männer unter, die aber nicht im gleichen Verein spielen wollen.

Auch hat sich Rugby im Mariannenpark zu einer ernstzunehmenden Größe entwickelt, was nicht von Anfang an klar war. Hier funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos.

Wenn in einem Verein ein großes Fest geplant ist, kommen alle Abteilungen und der Stress geht los. Es wird diskutiert, weil die eine Abteilung mehr und die Andere weniger Kosten verursacht. So etwas gibt es, bzw. gab es im Mariannenpark nicht, bevor der FC Inter kam.

Jetzt müssen alle für die Kosten aufkommen, die im Mariannenpark entstehen, nur der FC Inter nicht. (Kein Regenwasser, keine Müllabfuhr), wir bezahlen alles. Diese Tatsache hat Frau Kirmes vom Amt für Sport nicht nur billigend in Kauf genommen, sie ändert es trotz Aufforderung seit Juni 2016 nicht. An Stelle einer Klärung, gibt es jetzt eine Kündigung für den SV Wacker.

Seit wann ist Wacker Pächter des Geländes?

Seit 2011.

Wie ist der aktuelle Sachstand zum Plan der Stadt, Wacker zum 28. April vom Platz haben zu wollen?

Das wissen wir nicht. Wir gehen davon aus, unseren Pachtvertrag weiter zu erfüllen. Der Rest wird – wohl oder eher übel – über Anwälte geklärt werden.

Was wird Ihnen vorgeworfen und wie begegnen Sie diesen Vorwürfen?

Vorwurf 1: Nichtzahlung der Steuer. Steuerschuldner ist aber die Stadt und nicht wir. Wir haben in den vergangenen Jahren immer diese Steuer gezahlt. In diesem Jahr gab es  die – schriftlich Anfang des Jahres zugesagte – zweite Rate der Pflegegelder nicht, somit können wir auch nicht auf Kosten des Vereins die Steuern der Stadt für das Gelände zahlen. Wir haben es jetzt trotzdem erstmal für den Mariannenpark getan.

Vorwurf 2. Eine aus Sicht des Amtes für Sport unkorrekte Abrechnung korrigierten wir nicht fristgemäß. Zu jeder Aufforderung zur Abrechnung gab es von uns kurzfristig eine Antwort, wir haben sogar Originalbelege zur Ansicht abgegeben. Selbst wenn nun die letzte Aufforderung nicht fristgemäß beantwortet wurde, was auch einen Grund hatte, ist dies wohl kein Kündigungsgrund.

In der LVZ war zu lesen, Sie nähmen an, die Stadt versucht den Verein rauszuekeln, damit der FC Inter einen Platz hat. Was gibt Ihnen Grund zu dieser Annahme?

Ich habe unseriöse Angebote erhalten, den Platz für den FC Inter zu räumen aber ich bin nicht käuflich und jeder der mich in Leipzig kennt, weiß dies auch. Nachdem wir dieses klarstellten, begannen unverzüglich die Auflagen durch Mitarbeiter vom Amt für Sport. Die Zahlung des Pflegekostenzuschusses, die bis zum 31.3.2016 hätte erfolgen müssen, wurde am 14.4.2016 verweigert, da angeblich Verfehlungen in der Pachtvertragserfüllung vorlagen.

Diese „Verfehlungen“ waren angeblich schon länger zu beobachten, wurden aber erst am 14.4.2016 persönlich von Mitarbeitern in unseren Briefkasten gesteckt. Genau ein Tag, nachdem am 13.4.2016 die Entscheidung von Wacker getroffen wurde, die Einfahrtsrechte für den FC Inter nicht zu gewähren. So mussten wir z. B. mitten in der Spielsaison die Torräume neu einsäen, so dass auch der Fünf-Meterraum des Torwarts schön grün ist. Dies bedeutete, dass wir unsere Punktspiele auswärts spielen mussten.

Im Wackerbad stand u. a. eine Schaukel ca. 20 Meter zu weit rechts und musste nach links gerückt, bzw. durch einen Stuhl ersetzt werden. Mit diesen Maßnahmen verzögerte man die Auszahlung der ersten Rate so lange, dass keine Vorbereitungen für die Badsaison mehr möglich waren und damit das Wackerbad für Schulen und Einwohner geschlossen bleiben musste. Hier geht es um ein Bad, dass der Verein mit ganzen 8.000 Euro Zuschuss der Stadt betreibt, während alle anderen Bäder Millionen an Zuwendungen erhalten.

Auch der FC Inter selbst wurde „aktiv“. Nach der Untersagung der Mitbenutzung des Sozial- und -sanitärtraktes nutzte man kurzerhand unsere Sportanlage teilweise als „Vereinstoilette“. Schulden des FC Inter an den SV Wacker, auch Grund für die Untersagung der Weiternutzung des Traktes, sind bis heute nicht gezahlt. Die Brunnenpumpe wurde auf Veranlassung von Herrn Tiefensee ausgebaut und entsorgt. Seitdem vertrocknen unsere Plätze im Sommer.

Wir haben alle übergeordneten Stellen (Ober- und Sportbürgermeister) mehrfach um Gespräche gebeten, in denen diese Differenzen eventuell hätten geklärt werden können. Leider ohne Erfolg. Nur das Amt in Persona Frau Kirmes gab irgendwann einen Gesprächstermin, zu dem der Vorstand allein erscheinen sollte. Gesprächspartner, wie Stadträte und der SSB wurden von ihr ausgeladen. Solche Gespräche gab es schon in der Vergangenheit, hier wurden grundsätzlich nur Forderungen gestellt und im Nachhinein an „geeigneten“ Stellen Unwahrheiten verbreitet. Dies wurde uns von dort ebenfalls vertretenen anderen Mitgliedern zugetragen. Deshalb haben wir diesen Termin nicht wahrgenommen.

Welche Lösungsvorschläge haben sie der Stadt schon unterbreitet?

Wir müssen der Stadt keine Vorschläge machen, die Pachtverträge sind klar geregelt und nicht wir haben ein Gelände verpachtet, welches gar keine Infrastruktur hat, sondern das Amt für Sport. (Eine Unterverpachtung an FC Inter war ja angeblich nicht möglich, deswegen die Ausgliederung des Platzes). Im Nachhinein wissen wir nun auch, dass dies eine unzutreffende Behauptung des Amtes war. Also muss das Amt für Sport nach Lösungen suchen. Die einfachste ist es natürlich dem SV Wacker zu kündigen.

Dass der FC Inter seine angeblichen Kinder und steigenden Mitgliederzahlen permanent erwähnt, ist sein gutes Recht. Aber in unserem Pachtvertrag steht nicht, dass wir 280 Personen sein müssen und Kinder in Hülle und Fülle brauchen. Inter hat von Anfang an gewusst, dass sie nur einen Platz haben. Wenn sie nicht mit ihren Kindern wissen wohin, müssen sie sich einmieten oder Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen gründen. Dieses kann aber nicht zu Lasten des SV Wacker, seiner Unterpachtvereine und seiner Philosophie gehen.

Wie war das Verhältnis zur Stadt bevor Inter kam?

Erstklassig. Die damalige Sachbearbeiterin (Frau Rerich) ist eine intelligente und kompetente Frau, die sich für den Sport und die Vereine einsetzte. Sie kam jedes Jahr mindestens einmal die Sportstätten kontrollieren. Es gab sowohl hier, als auch bei den Abrechnungen nie Beanstandungen und sie wurden im Übrigen auch von den Vorgesetzten bis dahin grundsätzlich als korrekt abgezeichnet.

Wenn unser Steuerbüro eine Frage hatte konnte man Frau Rerich anrufen und bekam immer eine Antwort. Sie hatte schon damals große Bedenken, was das Verpachten an FC Inter im Mariannenpark betraf, da dieser einen besonderen Schutz genießt.

Der Sacharbeiter jetzt schreibt uns, dass er nicht sofort springt, wenn man ihn um etwas bittet. (Es ging allerdings darum, dass er die erste Bitte um Herausgabe der Unterlagen einfach mal gar nicht gelesen hatte). Dieses „Sofort“, dauerte dann einen Monat und es handelte sich um unsere Originalakten, die wir für die vom Amt geforderte Abrechnung benötigten, um sie zu „korrigieren“. Dafür haben wir jetzt die Kündigung erhalten, mit dem Grund der nicht rechtzeitig gelieferten Abrechnung.

In einem Artikel des LVZ wird erwähnt, Wacker lasse sich von einem Rechtsanwalt aus der rechten Szene vertreten. Wer ist dieser Mann und was ist aus Ihrer Sicht dran an dieser Behauptung?

Da müssen Sie die LVZ fragen, wen sie meinen. Wir werden von einem in Leipzig zugelassenen Anwalt vertreten, er ist Fachanwalt für Medizinrecht, Steuerrecht, Verwaltungsrecht. Sein Name ist Arndt Hohnstädter. Ob er rechts, links oder gerade aus ist, weiß ich nicht und es ist auch für mich nicht relevant.

Warum sollten wir bei der Anwaltssuche nach solchen Kriterien gehen?! Macht ihn das besser oder schlechter? Wir waren von der Idee eines Integrationsvereins schließlich anfänglich auch angetan. Aber da ging es eben auch nur um Sport und die beiden Gründungsmitglieder Heiner Backhaus und Christian Meyer und ihre an sich ja gute Idee. Die Probleme kamen doch erst auf, als Herr Tiefensee die Bühne betrat und mit der CG-Gruppe sich nicht an den Kooperationsvertrag hielt.

Genau solche Fragen nach Gesinnungen sind es, die alles zu diesem Politikum machen. Ich bin für politikfreien Sport – sie hat im Sport nichts verloren. Auch dafür lohnt es sich. Dass die LVZ nun die „Nazi-Karte“ zieht, ist bedauerlich. Hier versucht man wohl eher vor der eigenen Courage zurückzurudern. Schade.

Am Maschendrahtzaun (2): Das LZ-Interview mit FC Inter Leipzig-Vorstand Christopher Siebenhüner

Einen ausführlichen Bericht über die Konflikte im Mariannenpark lesen Sie in der Ausgabe 42 der Leipziger Zeitung. Für Mitglieder des L-IZ.de-Leserclubs gibt es den vollständigen Artikel auch online: Am Maschendrahtzaun: FC Inter „baut“, SV Wacker soll gehen

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Inhalte der LEIPZIGER ZEITUNG vom 21. April 2017, jetzt in Leipzig zu kaufen

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