Wenn Leipziger träumen: Dorothee Dubrau „Wieder anknüpfen an die Kraft der Neunziger Jahre“

Für alle LeserDer Ort, an dem ich am besten Träumen kann, ist mein Balkon. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Balkon mit Aussicht habe. Auf der einen Seite sehe ich den Turm des Rathauses, auf der anderen Seite den Turm der Thomaskirche. Und dazwischen sind die Dächer der Innenstadt, darüber ganz viel Himmel. Jeden Tag hat er eine andere Farbe. Mal ist er blau, dann wieder kräftig rot und manchmal auch ganz grau.

Und wenn ich am Morgen auf dem Balkon stehe und in die Weite schaue, dann wünsche ich mir, dass diese wunderschöne Stadt, in der ich jetzt schon seit über vier Jahren lebe, sich in der Zukunft genauso positiv entwickelt, wie in den letzten Jahren. Wenn ich durch die Straßen laufe, freue ich mich an den zahlreichen Menschen, die shoppen gehen, im Restaurant sitzen, auf dem Weg sind zur Arbeit oder auch ins Theater gehen – viele wirken fröhlich, scheinen sich in ihrer Umgebung wohl zu fühlen.

Es sind Leipziger. Aber es sind auch viele Touristen darunter, die inzwischen aus der ganzen Welt kommen und neues Leben in die Stadt bringen.

Ich freue mich an jedem Haus, an dem ein Gerüst steht, das anzeigt, dass saniert oder neu gebaut wird. In den Fenstern wird bald Licht sein und Menschen hier wohnen oder arbeiten. Wir brauchen viele Wohnungen, denn es werden immer mehr Menschen, die hier ihr Zuhause finden wollen. Denn der Ruf, dass Leipzig eine tolle Stadt sei, ist inzwischen in der ganzen Welt angekommen. Es ist nicht nur das neu gestaltete Zentrum, es sind die Parks und Flüsse, die Kultur, aber vor allem auch die vielfältigen Arbeitsplätze, die die Menschen anziehen.

Es ist auch die Gemeinschaft, die Sicherheit, ein Gefühl von Heimat.

Man sieht die Leistungen derjenigen, die in den letzten Jahrzehnten am Aufbau der Stadt gearbeitet haben. Das sind sowohl diejenigen, die politische Verantwortung übernommen haben, als auch die der Stadtgesellschaft.

Vergleicht man die heutige Stadt mit der aus dem Film „Ist Leipzig noch zu retten“, so ist unglaublich, was erreicht wurde. Das war nur möglich, weil sich die meisten Menschen in dieser außergewöhnlichen Stadt gemeinsam mit den Herausforderungen identifiziert und außergewöhnliche Ideen aufgegriffen wie ganz neue Visionen und Projekte entwickelt haben.

Es ist Wunsch und Traum für mich, dass das Gefühl, gemeinsam die Zukunft zu gestalten, wieder mehr an Einfluss gewinnt. Gerade angesichts der vielen positiven Aussichten sollte das für alle Leipziger Lebensperspektive sein.

Es wird auch weiterhin viel Kraft brauchen, dass bei den zukünftig notwendigen Veränderungen nicht die Besitzstandswahrung einzelner, sondern die Gemeinwohlorientierung an erster Stelle steht. Nicht alles wird mit den bisherigen Vorstellungen, Zielen und Konzepten „so wie schon immer“ zu entwickeln sein. Das Thema Verkehr mag hierfür exemplarisch stehen.

Was bekommt in Zukunft den Vorrang, die vielfältige urbane Qualität des öffentlichen Raumes für alle, die am Verkehr teilnehmen? Oder die Leitidee der autogerechten Stadt? Die meisten großen Städte in Europa haben sich schon für die „Mobilität für alle“ entschieden und ich bin fest überzeugt, dass auch in Leipzig diese Konzeption in die Zukunft weist.

Aber warum bin ich nicht immer glücklich in dieser Stadt. Es ist nicht das Problem, dass es noch so viel zu tun gibt. Neue Aufgaben anzupacken, neue Wege zu suchen, Mitstreiter zu finden hat mir immer viel Freude bereitet.

Was ich manchmal vermisse, sind die offene und ehrliche Diskussion, das gegenseitige Zuhören, das gemeinsame Ringen um eine Lösung und der notwendige aber konstruktive Streit.

Ein freier Blick über Leipzig. Foto: Privat

Ein freier Blick über Leipzig. Foto: Privat

Das wünsche und erhoffe ich mir fürs nächste Jahr

Ich träume davon, dass genau dieses und nicht Schläge unter die Gürtellinie, die den „Feind“ beschädigen sollen, wieder den Umgang miteinander prägen wird.

Wir müssen anknüpfen an die Kraft der Neunziger Jahre, an die damaligen Gemeinsamkeiten. Nur dann kann es uns gelingen, dass die sozialen und kulturellen Ziele, die wir uns gesteckt haben, für das nächste Jahrzehnt erreichbar sind. Und damit der Geist der Leipziger, der mit der „Leipzig Charta der kompakten europäischen Stadt“ im Jahr 2007 auf ebenso europäischer Ebene beschlossen wurde, tatsächlich hier verwirklicht werden kann.

Denn Stadt ist Heimat für viele Menschen, das Arbeiten, das Wohnen, die Kultur, die Freizeit – alles findet hier statt. Für alles braucht man Räume. Gemeinsam können wir es schaffen, die positive Stimmung der Stadt voranzutreiben und die weitere Entwicklung im gemeinsamen Dialog mit den Bürgern zu erarbeiten.

Davon träume ich, dies hoffe und erwarte ich.

Alle Träume, welch bereits veröffentlicht sind, finden Sie ab sofort hier in steigender Anzahl unter dem Tag l-iz.de/tag/traeume.

Eine Reihe kehrt zurück: Wenn Leipziger träumen

Träume
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Eskalierte Abschiebung in der Hildegard: Polizei hat keine Erkenntnisse über verletzte Rettungskräfte
Gegen Abschiebungen in der Hildegardstraße. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn der Nacht auf den 10. Juli kam es im Leipziger Osten zu einem heftigen Gewaltausbruch. Menschen, die zuvor eine Abschiebung verhindern wollten, warfen Flaschen auf Polizisten. Diese setzte unter anderem Pfefferspray ein. Beide Seiten klagten über zahlreiche Verletzte. Das Innenministerium Sachsen behauptete hinterher, dass Rettungskräfte behindert oder angegriffen worden seien. Zumindest letzteres kann die Polizeidirektion Leipzig nicht bestätigen.
André Poggenburg, Klappe – die Vierte: Endlich Connewitz!
Der erste echte Versuch auf dem Simsonplatz: Traut vereint bei der deutschen Hymne (vlnr.): Alexander Kurth, Egbert Ermer, Markus Beisicht, André Poggenburg und „Jan“ von „Pro Chemnitz“. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserWenn es am Mittwoch, 17. Juli 2019, für André Poggenburg mit seiner AfD-Absplitterung ADPM erstmals eine Kundgebung an der Selneckerstraße/ Ecke Brandtstraße geben wird, liegt die Ursache in mehreren Punkten. Natürlich zuerst bei André Poggenburg, der seinen vermeintlichen Kampf gegen den Linksextremismus mittlerweile zu einer Grundrechtsfrage nach dem Standort seiner Mini-Kundgebung im sagenumwitterten „Süden Leipzigs“ gemacht hat. Maximal 27 Teilnehmer fanden sich am 5. Juni 2019 noch auf dem Simsonplatz ein. Zum LinXXnet jedoch zieht es den Rechtspopulisten, als ginge es um eine Teufelsaustreibung. Gut möglich, dass er da ab 18 Uhr mit noch weniger Unterstützung rechnen darf als bei den ersten drei Versuchen.
29. Elbhangfest 2019: Ausstellung Wörtersee verlängert
Quelle: Elbhangfest e. V.

Quelle: Elbhangfest e. V.

Der »Sächsische Wörtersee« im Schlosspark Dresden-Pillnitz ist noch rund vier Wochen länger zu sehen: Aufgrund der positiven Resonanz darf der »See«, der sich neben dem Schloss-Hotel gegenüber dem »Fliederhof« befindet, noch bis Mitte August erhalten bleiben.
Crowdfunding soll auch ein reiches Rahmenprogramm zur Ausstellung mit Fotos von Hanns Weltzel finanzieren
Angehörige der Familien Ansin, Thormann und Laubinger/Steinbach Mitte der 1930er Jahre in Dessau-Roßlau. Foto: Hanns Weltzel, Quelle: University of Liverpool Library

Foto: Hanns Weltzel, Quelle: University of Liverpool Library

Für alle LeserVom 28. August bis 6. September soll es im Felsenkeller wieder eine eindrucksvolle Ausstellung mit Fotografien von Hanns Weltzel geben. Zwischen 1932 und 1939 fotografierte Hanns Weltzel mitteldeutsche Sinti und Roma in Dessau-Roßlau. Doch auch die diesjährige Ausstellung soll noch ein attraktives Rahmenprogramm bekommen. Dafür sammeln die Veranstalter noch Geld über Visionbakery.
Ist es überhaupt schlimm, wenn Sachsen 187.000 Arbeitskräfte verliert?
Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Weltbevölkerungstag, 11. Juli, beschäftigte sich Sachsens Arbeitsagentur mal wieder mit einem Problem, das ungefähr seit 2010 offen auf dem Tisch liegt und den Unternehmen im Land zunehmend Sorgen macht: Die Bevölkerung wird immer älter, der junge Berufsnachwuchs fehlt. Da erstaunt es schon, dass die Arbeitsagentur bis 2030 nur mit dem Verlust von 187.000 Arbeitskräften rechnet.
Programm zum Klimacamp: Mit Kohleausstieg fängt Klimagerechtigkeit erst an
Nachrichten auf dem Asphalt: Pödelwitz - Demonstration und Klimacamp im August. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie Kohle unter Pödelwitz wird überhaupt nicht gebraucht. Der deutsche Kohleausstieg wird auch im Kraftwerk Lippendorf viel früher das Ende der Kohleverbrennung bedeuten, als bislang geplant. Und trotzdem macht die MIBRAG Druck auf die letzten Bewohner des Dorfes, ihre Häuser zu verlassen. Schon 2018 fand deshalb ein Klimacamp in Pödelwitz statt. Im August gibt es das nächste.
Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof: AfD geht gegen Listenkürzung vor
Landgericht Leipzig und Sitz des Verfassungsgerichtshofes Sachsen an der Harkortstraße. Foto: Martin Schöler

Foto: Martin Schöler

Für alle LeserDie Entscheidung des sächsischen Landeswahlausschusses, nur die ersten 18 Plätze der AfD-Landesliste für die Sachsenwahl am 1. September zuzulassen, sorgt immer noch für Diskussionen. Nun hat die Partei eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof eingereicht. Die Initiative „Zukunft Sachsen“, welche für eine Schwarz-Rot-Grüne Koalition kämpft, veröffentlicht unterdessen eine Umfrage unter allen 60 CDU-Direktkandidat/-innen. Bislang haben 47 von ihnen eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.
Grüner Bundestagsabgeordneter aus Sachsen heizt dem Bundesverkehrsminister beim Thema Pkw-Maut ein
Stephan Kühn. Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Für alle LeserDas größte Problem Angela Merkels ist ihre falsche Besetzung der Ministerposten. Um den komplizierten Proporz nach Landesverbänden, Flügeln und Geschlecht hinzubekommen und auch noch die machtsüchtige CSU zu bedienen, wurde kaum ein Ministerposten der Union kompetent besetzt. Das eklatanteste Beispiel für inkompetente Besetzung bietet derzeit Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Sein Tricksen und Täuschen will sich jetzt ein Grünen-Abgeordneter aus Sachsen nicht mehr gefallen lassen.
Shortest Way Home: Die politische Autobiografie des Bürgermeisters und möglichen Präsidentschaftskandidaten Pete Buttigiegs
Pete Buttigieg: Shortest Way Home. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNatürlich geht es um Heimat. Und zwar nicht in der jämmerlichen romantischen Variante, sondern in der harten. Die Demokraten in den USA haben es im Präsidentschaftswahlkampf 2016 erleben können, was für eine Wucht Heimat entfalten kann, wenn Millionen Menschen das Gefühl haben, dass ihre Region „die da oben“ überhaupt nicht mehr interessiert. Pete Buttegieg kommt mitten aus so einer Region. Er ist dort Bürgermeister.
Stadt hat das Bußgeldverfahren für die Floßgraben-Exkursion zum Auensymposium 2017 eingestellt
Paddler im Floßgraben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVielleicht ändert sich ja etwas mit dem neuen Leiter im Umweltschutzamt und die Prioritäten ändern sich endlich – weg vom „Wassertourismus“, hin zum Umweltschutz. Und nicht nur der NuKLA findet in diesem Amt wieder Ansprechpartner, mit denen man über Lösungen sprechen kann, sondern alle Naturschutzvereine. Der NuKLA ist heute wieder Thema, weil er auch ein bisschen „alten Kram“ hinter sich gelassen hat, wie dessen Vorsitzender Wolfgang Stoiber meint.
Lässt sich Leipzigs Verkehr auch mit weniger Auto denken?
Warnanlage am Cottaweg. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserZur Ratsversammlung im Juni stellte der Leipziger Tim Tauer einmal eine etwas ungewöhnlichere Frage. Denn während einige Medien immer wieder das große Geheul anstimmen, Leipzigs Verkehrspolitik richte sich immer nur gegen die Autofahrer, hat er als passionierter Radfahrer einen völlig anderen Eindruck. Denn er fühlt sich in für Kraftfahrzeuge gebauten Straßen immer wieder an den Rand gedrängt. „Warum immer für den Verkehr, und nicht einmal gegen ihn?“
Was darf auf den Wiesen im Vogelschutzgebiet eigentlich passieren und wer sucht den Wiesenknopf?
Weiden an der Möncherei. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWenn man mit dem Rad zum Markkleeberger See fährt, kommt man südlich vom Agra-Park durch die Möncherei, ein Gebiet, bei dem man eigentlich gar nicht mehr das Gefühl hat, noch im Vogelschutzgebiet Leipziger Auwald zu sein. Ist man aber. Und eigentlich sollte mit den Wiesen hier sehr sorgsam umgegangen werden. Wird es das aber?
Sachsens SPD zieht mit Grundrente, kostenloser Kita und Landesverkehrsgesellschaft in den Wahlkampf
Martin Dulig: „Respekt vor dem Geleisteten.“ Foto: SPD Sachsen

Foto: SPD Sachsen

Für alle LeserWie die sächsische SPD im Landtagswahlkampf punkten möchte, machte sie am 8. Juli öffentlich. Da stellte die Partei ihre Wahlkampagne vor. „Die Kampagne der SPD ist eine Wahlkampagne der Herzen, die den Menschen in Sachsen ihr Lächeln zurückgeben möchte“, erklärte die Parteispitze ihren Ansatz. „Im Mittelpunkt der Kampagne steht Spitzenkandidat Martin Dulig, der wie kein anderer Politiker in Sachsen für Zuversicht, Hoffnung und eine neue Aufbruchstimmung steht.“
Die Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen in Sachsen haben sich seit 2008 mehr als verdoppelt
Getreidefeld bei Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 26. Juni machte es die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) wieder zum Thema, wie es Bauern unter Druck bringt, wenn nichtlandwirtschaftliche Investoren sich einkaufen in Landwirtschaftsbetriebe. In diesem Fall war ein großer Autohausbesitzer Ziel ihrer Aktion. Dieser Zugriff finanzstarker Investoren sorgt auch dafür, dass die Preise für landwirtschaftliche Flächen exorbitant steigen. Der Effekt ist auch Sachsen zu sehen.
Klimawandel leugnen als Regierungsprogramm? Ehrlich?
Das Kraftwerk Boxberg in der Lausitz. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAm Donnerstag, 11. Juli, veröffentlichte der Student/-innenRat der Uni Leipzig die Nachricht, er stelle sich auf Streik gegen Schwarz-Blau ein. Ein entsprechender Beschluss wurde am Dienstagabend, 9. Juli, von den Vertreter/-innen der Fachschaften mit großer Mehrheit im Plenum des StuRa gefasst. Anlass für die Entscheidung sind die zu erwartenden hohen Wahlergebnisse für die AfD bei den kommenden sächsischen Landtagswahlen am 1. September 2019 sowie bei den ebenfalls im Herbst stattfindenden Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen.