Wenn Leipziger träumen: Mark Gärtner, Sächsischer Flüchtlingsrat „In Leipzig gibt es Politik. In Sachsen keine Selbstverständlichkeit“

Für alle LeserLeipzig ist die der drei großen Städte in Sachsen, in der der Sächsische Flüchtlingsrat e.V. kein Büro hat. Was bedauernswert ist. Man könnte meinen, wir erfahren gar nichts aus der größten Stadt des Bundeslands. Ist aber nicht so. Weil es wahnsinnig viele Geflüchtete wie Unterstützer*innen gibt, die aktiv sind, beraten und protestieren. Luan Zejneli und seine Mitschüler*innen haben in diesem Jahr mit einer Petition für Luans Bleiberecht gesorgt. Die Geflüchtetenselbstorganisation Zendegi und das Aktionsnetzwerk Protest LEJ haben im Juni und Oktober gegen Abschiebungen protestiert.

Nachdem die Abschiebung nach Afghanistan im Juni verschoben wurde, hielten sie sich auf Standby. Als dann im Oktober wieder Menschen in das vom Krieg zerrüttete Land überführt wurden, stand dann das ganze vier Tage währende Protestcamp auf dem Augustusplatz. Mit dem Initiativkreis Menschen.Würdig haben wir die, die Duldung ersetzenden, alternativen Dokumente problematisiert. Sie sind auch aus Leipzig noch nicht verschwunden – zumindest kam von offizieller Stelle kein entsprechender Kommentar. Aber die Widersprüche, in die sich die offiziellen Stellen verfangen haben, lassen sich auch nicht mehr einfangen.

Wenn es um das Träumen geht, dann wäre ein kritischerer Blick auf den Flughafen Leipzig/Halle erstrebenswert. Der steht inzwischen an fünfter Stelle der deutschen Abschiebeflughäfen. Was am Rande der Stadt im Jahr 2016 2.157 Menschen passiert ist, waren Rückführungen gegen den Willen von Menschen. Was dort passiert, ist von Interesse. Leipzig/Halle sollte eine Abschiebebeobachtung erhalten. Abschiebungen laufen nicht glatt ab, können sie auch nicht.

Wenn sie schon geschehen, dann müssen sie auch durch eine Öffentlichkeit kontrolliert werden. Damit die Öffentlichkeit weiß, was sie zu verantworten hat. Ich denke, eine politisierte Stadt wie Leipzig kann sich mit dieser Verantwortung auseinandersetzen und die Debatte darüber führen.

Die dezentrale Unterbringung betreffend: Da hinkt Leipzig im sächsischen Vergleich hinterher. Lediglich die knappe Hälfte der Menschen im Asylverfahren ist in Wohnungen untergebracht und kann dort selbstbestimmt leben. Progressive Stimmen, die Alternativen zur Scheinlösung Gemeinschaftsunterkünfte vorschlagen und dennoch den angespannten Wohnungsmarkt nicht vergessen, gibt es. Auch hier ist der sicher nicht unrealistische Traum, dass ihre Stimmen wieder mehr Gehör finden.

Leipzig ist eine aktive Stadt, in der Probleme nicht totgeschwiegen werden. In Leipzig gibt es Politik. Und das ist in Sachsen keine Selbstverständlichkeit. Dass Leipzig sich einmal unabhängig erklären könne – den Gedanken fand ich, als ich selber noch Leipziger war, nicht unwitzig. Heute, als Dresdner und nach was auch immer das in Katalonien war, kann ich nur sagen: Bitte nicht! Oder zumindest erst nach der Landtagswahl 2019. Als Sächsischer Flüchtlingsrat e.V. muss auch hinzugefügt werden: Nicht noch mehr Fluchtgründe schaffen! Burkhard Jung mit Asyl in Belgien … wünscht man ja keinem.

Alle Träume, welch bereits veröffentlich sind, finden Sie ab sofort hier in steigender Anzahl unter dem Tag l-iz.de/tag/traeume.

Eine Reihe kehrt zurück: Wenn Leipziger träumen

Träume
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Grüne berantragen die Schaffung eines Kompetenzzentrums Ökolandbau für Sachsen
Getreidefeld bei Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDer Umstieg von der konventionellen zur ökologischen Landwirtschaft ist nicht einfach. Man muss die ganze Produktionsweise umstellen, man muss jede Menge bürokratischer Vorschriften einhalten, man riskiert auch vorübergehende finanzielle Einbußen – und man muss sich jede Menge Wissen zulegen. Da braucht der Bauer jede Menge Unterstützung, gerade in Sachsen, finden die Grünen.
Pläne der TU Dresden: Studium für Landärzte in Sachsen
Barbara Klepsch, Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz. Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserIn Sachsen fehlen derzeit mehr als 250 Allgemeinmediziner – vor allem auf dem Land. So ist in einigen ländlichen Regionen jede fünfte Praxis nicht besetzt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, planen einige Bundesländer eine Landarztquote. In Sachsen sucht man offenbar nach anderen Lösungen: Die TU Dresden möchte laut einem Medienbericht in Chemnitz einen Studiengang speziell für Landärzte ansiedeln.
„Rückkehr zur Lagerpolitik abgeschlossen“: Sächsischer Flüchtlingsrat kritisiert geplante Gesetzesänderung
Im Landtag Sachsens. Foto: Sächsischer Landtag / Steffen Giersch

Foto: Sächsischer Landtag / Steffen Giersch

Für alle LeserAsylbewerber müssen in Sachsen künftig bis zu zwei Jahre in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben – so möchte es zumindest die Koalition aus CDU und SPD. In den Massenunterkünften wohnen mehrere hundert Menschen. Am Dienstag, den 11. Dezember, soll der Landtag über die Gesetzesänderung abstimmen. Der Sächsische Flüchtlingsrat äußert Kritik an diesem Vorhaben und den jetzt schon existierenden Zuständen in den Unterkünften.
Das Arbeitsvolumen steigt, die Zahl der Teilzeitjobs ebenfalls
Arbeitsvolumen nach Bundesländern. Grafik: Freistaat Sachsen, Landesamt für Statistik

Grafik: Freistaat Sachsen, Landesamt für Statistik

Für alle LeserWenn in jüngster Zeit immer wieder neue Zahlen zum schrumpfenden Pro-Kopf-Arbeitsvolumen der Deutschen veröffentlicht werden, darf man durchaus skeptisch sein. Die Zahlen besagen oft nicht das, was behauptet wird. Schon gar nicht, dass die Deutschen für besseres Geld kürzer arbeiten dürfen. Auch dann nicht, wenn statistisch mehr Menschen das gleiche zeitliche Volumen arbeiten.
An den Chancen für diesen Stadtteil war die Stadtverwaltung überhaupt nicht interessiert
Blick vom Naundörfchen zur Hauptfeuerwache. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 28. November meldete sich Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Leipziger Stadtrat, mit einem Leserbrief zu Wort, in dem er vor allem den Linke-Stadtrat Siegfried Schlegel und dessen Position zum Pleißemühlgraben verteidigte. Am Mittwoch, 12. Dezember, steht ja bekanntlich die Entscheidung zur Offenlegung des Pleißemühlgrabens an der Hauptfeuerwache im Stadtrat an. Für Heinz-Jürgen Böhme Anlass, auf Sören Pellmanns Leserbrief zu antworten und aus Sicht des Neue Ufer e.V. auch die wichtige Rolle der Öffnung für das alte Naundörfchen zu benennen.
Anti-Aging: Tipps für gesündere Haut
Foto: Deedee86

Foto: Deedee86

Gerade die Sparte der Anti-Aging-Produkte verspricht uns, bis ins hohe Alter eine gesunde Haut zu behalten. Tatsächlich verweist die Wissenschaft inzwischen auf bedeutende Einflussgrößen, die sich für den Erhalt der Jugend nutzen lassen. Wir werfen einen Blick auf die gesundheitlichen Grundlagen, die dabei eine Rolle spielen.
Am 15. Dezember im Anker: Wolf Maahn & Band – Weihnachtsshow 2018
Wolf Maahn. Foto: Angelika Maahn

Foto: Angelika Maahn

Seine Alben erreichten bereits in den 80ern Kultstatus und bis heute landen sie regelmäßig in den Verkaufscharts. Wolf Maahn gilt als einer der einflußreichsten und beständigsten Musiker des Landes. Über 1200 Live Shows und etliche Festivals unter anderem mit Bob Marley, Fleetwood Mac oder Bob Dylan machten den Linkshänder und gebürtigen Berliner zu “einer der größten deutschen Live-Legenden“ (wdr.de).
Auch die Zauneidechse wird den Bau des Harthkanals nicht verhindern
Aufgeschüttetes Gelände für den künftigen Harthkanal. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn vier Anfragen hat der grüne Landtagsabgeordnete Wolfram Günther versucht herauszubekommen, ob der vorzeitige Baubeginn am Harthkanal, der Zwenkauer und Cospudener See einmal verbinden soll, eigentlich rechtmäßig ist – oder ob dieses 80 Millionen Euro teure Kanalbauwerk eigentlich eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung gebraucht hätte. Aber aus Sicht der Staatsregierung trifft das nicht zu. Und die Zauneidechse habe man auch nicht wieder gefunden.
Wie kam ein Angeklagter der Freien Kameradschaft Dresden in der JVA an Internetzugang und Ermittlungsdetails? + Update
Valentin Lippmann, Landtagsabgeordneter der Grünen in Sachsen. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm 7. November machte ein kleiner Skandal in Sachsen Furore: Das MDR-Nachrichtenmagazin „exakt“ berichtete über einen Vorfall, wonach einer der Angeklagten des Prozesses gegen die Freie Kameradschaft Dresden (FKD) über sieben Monate über einen illegalen Internetzugang aus der JVA heraus Kontakt zu Mitangeklagten und Kameraden pflegen konnte, um Zeugenaussagen zu beeinflussen und Verfahrensinterna weiterzugeben.
Untersuchungen für die Leipziger Auenwiedervernässung sind weiter nicht öffentlich
Das neu gebaute Nahleauslasswerk - im Vordergrund die Neue Luppe. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWer nichts tut, macht auch nichts verkehrt. So ungefähr muss man wohl in Leipzigs Stadtverwaltung denken, wenn es um den Auenwald geht. Auch wenn es sich auf den ersten Blick nicht so liest, ist die jüngste Antwort von Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Wolfram Günther eine Bestätigung dafür, dass in Leipzigs Rathaus nicht das geringste Interesse daran besteht, den Leipziger Auenwald zu retten.
Was tun, wenn tatsächlich ein infiziertes Wildschwein in Sachsen gefunden wird?
Die etwas seltsam formulierte Postkarte zur ASP. Motiv: Freistaat Sachsen, SMS

Motiv: Freistaat Sachsen, SMS

Für alle LeserEs ist nicht nur der Klimawandel, der uns vor Augen führt, wie unfähig heutige Regierungen sind, überhaupt nur gedanklich die Verbindung herzustellen zwischen regionalen Versäumnissen und ihren globalen Folgen. Oder mal so gesagt: National denkenden Regierungen fehlt völlig der Sinn für die Folgen dessen, was wir so leichthin „Globalisierung“ nennen. Selbst die Wildschweine sind dafür ein lebendiges Beispiel.
Der „Supersommer“ 2018 hat gezeigt, wie verletzlich eine Stadt auf dem Trockenen ist
Sonnenscheindauer in Leipzig. Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 3 / 2018

Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 3 / 2018

Für alle LeserDie Veröffentlichung des Quartalsberichts Nr. 3/2018 nutzte Andreas Martin auch zu einem eher seltenen Beitrag in Leipziger Quartalsberichten: Er beschäftigte sich mit dem „Supersommer 2018 in Leipzig“, ein Sommer, der so war, wie früher eher selten einer war. Er übertraf auch noch den bisherigen „Rekordsommer“ 2003. Und das gleich mehrfach.
EVG-Bahnstreik: Auswirkungen auch in Leipzig und Sachsen + Update
Am Montag 10. Dezember 2018 von 5 bis 9 Uhr Warnstreik bei der Deutschen Bahn. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserVideoNach dem Abbruch der Verhandlungen am gestrigen 8. Dezember zwischen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Deutschen Bahn (DB AG) steht nun ab Montag, 10.12., zwischen 5 und 9 Uhr ein erster Warnstreik ins Haus. Nach anfänglichen Meldungen, dieser bliebe wohl auf Nordrhein-Westfalen begrenzt, sind nun deutschlandweite Beeinträchtigungen zu erwarten, denn die EVG hat ihre Mitglieder nun zum deutschlandweiten Ausstand aufgerufen. Kunden der Bahn müssen morgen mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen, auch in Leipzig und Sachsen. Man sollte das Infoportal der DB nutzen.
1. FC Lok Leipzig vs. Viktoria Berlin – #LokVik ohne Happyend
So sehr sich Matthias Steinborn (Lok) auch streckt, ein Treffer gelang im Spiel gegen Viktoria nicht. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserDas Regionalliga-Jahr hat der 1. FC Lok Leipzig mit einem 0:0 gegen den FC Viktoria Berlin beendet. Gegen die zuvor fünfmal siegreichen Berliner, die jeweils ohne Gegentor blieben, hätte Lok in der Schlussphase sogar mehr verdient gehabt. Nicky Adler verpasste mit der letzten Aktion den Sieg. Das zweite 0:0 für Lok in Folge war wie in der Vorwoche gegen Meuselwitz keineswegs langweilig.
SC DHfK holt einen Punkt gegen Tabellennachbarn Lemgo
Patrick Wiesmach (DHfK) kommt frei zum Torwurf. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserDer SC DHfK Leipzig kann sich zunehmend auf seine bekannten Stärken verlassen: bewegliche Abwehr, wurfgewaltiger Rückraum und variables Angriffsspiel. Nach einer ereignisreichen ersten Halbzeit mit fünf Führungswechseln und Gelben Karten gegen beide Cheftrainer, konnten die Hausherren eine 11:9-Führung herausspielen. Die Führung wechselte munter weiter, Lemgo hielt gut dagegen und erstritt ein gerechtes Unentschieden.