Kulturkampf von Rechts – Eine Streitschrift

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug aus der Ausgabe 53Wohin die Reise in die zukünftige Vergangenheit der deutschen Gesellschaft aus nationalistischer Sicht gehen soll, ist spätestens seit dem 18. März 2018 auf der Leipziger Buchmesse deutlich ausgesprochen worden. In einer Debatte zwischen den beiden rechten Verlegern und Publizisten Jürgen Elsässer (Compact Magazin) und Götz Kubitschek (Antaios Verlag und „Institut für Staatspolitik“) formulierte der gebürtige Pforzheimer Elsässer wörtlich: „Aufgabe der oppositionellen Medien ist, zum Sturz des Regimes beizutragen – und da gehen wir Schulter an Schulter.“ Kubitschek retournierte fast schon mäßigend, es gehe erst einmal darum, dass sich mehr Menschen öffentlich zur AfD bekennen.

Die Frage, die bei aufmerksamen Zuhörern entstand: Das ist extrem rechts. Aber sind Titulierungen wie „Regime“ für die repräsentative Demokratie mit all ihren Parlamenten, gewählten Vertretern und den vielfältigen politischen Strömungen im Land und die AfD-Empfehlung eines Rechtspopulisten nicht eigentlich schon „Mainstream“ geworden? Sicher nicht, doch wenn es nach den beiden Diskussionsteilnehmern vom 18. März geht – noch nicht. Und nicht grundlos formuliert der gebürtige Ravensburger und Wahl-Sachsen-Anhaltiner Kubitschek als Stichwortgeber der neuen Rechtsbewegung aus Identitären, Neonazis und gemäßigten Rechten seine Antwort, wie er sie eben formuliert. Die AfD soll die Mehrheiten in den Parlamenten gewinnen, auch bei PEGIDA ruft man dazu auf.

Framing für die Mitte der Gesellschaft

Das politische Framing der Rechten soll sich im Alltagssprachgebrauch festsetzen, maßgeblich beteiligt an der Strategie neben der AfD auch Götz Kubitscheks „Institut für Staatspolitik“ und das Compact Magazin Jürgen Elsässers. Worte wie „Altparteien“, „das System“, „die (Mainstream-, Lügen-, Pinocchio-)Presse“, die „Merkel-Diktatur“, „Umvolkung“, „Widerstand“ und „Überfremdung“ sind in heroisierenden Kampfreden wie in der frühen Zeit der NSDAP auf Straßen und Parteitagen zu einer eigenen Wortwelt herangewachsen. Eine Atmosphäre, die auf Spaltung setzt und welche – wie Götz Kubitschek anlässlich der Debatte zwischen Uwe Tellkamp und Durs Grünbein über „Meinungsfreiheit“ am 8. März bei einer Veranstaltung in Dresden aus dem Publikum formulierte – noch vertieft und ausgebaut werden soll.  

Vor allem die mannigfaltigen verbalen Diffamierungen „des Islam“ sind in Worten wie „die Musels“ und „Kameltreiber“ überaus vergleichbar mit „dem Juden“ von einst geworden. Der Geflohene wird zudem zum „Bereicherer“, was auf angeblich massenhafte Vergewaltigungen deutscher Frauen hinweisen soll. Ist übrigens ein Täter Deutscher, lässt das mediale Interesse auf rechter Seite stark nach. Das Vokabular von PEGIDA und „Compact“, den Identitären genauso wie der „Patriotischen Plattform“, zu welcher nun auch Jurist und Höcke-Fan Jens Maier gestoßen ist, wird Schritt um Schritt in der AfD salonfähiger.

Was bei der NPD noch „Kameraden“ hieß, nennt sich heute weit anschlussfähiger „Verfassungspatriot“.

Von hier aus finden die Begrifflichkeiten Eingang in die Reden und Aktionen von eben jenem Björn Höcke oder André Poggenburg. Vor allem mit ihnen hat das radikal rechtsnationale Denken in den Landtagen vor allem im Osten Deutschlands Platz genommen, sie führen den „Widerstandskampf“ gegen „das Regime“ verbal und innerparlamentarisch an.

Über ihre Partei soll der von Jürgen Elsässer am 18. März formulierte „Schulterschluss“ bis ins Bürgertum hinein gelingen. Bereits im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 war sein „Compact Magazin“ zum Wahlwerbeblatt der AfD geworden.

Zurück in die Zukunft – Part I

Wo Rechtsradikale und Rassisten früher nur die bei Wahlen weitgehend chancenlose NPD, das offene „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ ankreuzen konnten, hat sich mit dem Aufstieg der AfD eine scheinbar bürgerliche „Alternative“ aufgemacht, die Republik unter anderem mit „Muslime raus“ und einer fragwürdigen wirtschaftspolitischen Vorstellung erobern zu wollen. Eine Alternative, die zu suggerieren versucht, dass der Rückweg in die Zeit des „Wirtschaftswunders“ vor allem über den Nationalismus führt. Wenn man bedenkt, dass der Zeit des starken Wirtschaftswachstums der 1950er und 1960er Jahre in ganz Europa, also nicht nur in Westdeutschland, ein (weiterer) verheerender Weltkrieg vorausging, eine merkwürdige Alternative.

Ein Nachkriegsboom also als Lösung für Probleme heutiger globaler Wirtschaftskreisläufe? Die Formulierung lautet dabei natürlich anders: es ginge angeblich um die soziale Marktwirtschaft, um Ludwig Erhard und die fast schon zum Wunderglauben gewachsene Leistung des passionierten Zigarrenrauchers in dieser Zeit. Dass man enorme Wachstumszahlen in einer Volkswirtschaft und auch auf privaten Konten hat, wenn man fast vom Nullpunkt starten muss, wird irgendwie nie erwähnt.

Dass Frauen nicht legal abtreiben, nicht ohne Genehmigung ihrer Männer arbeiten durften, der wachsende Konsumhunger in den meist unternehmergeführten Betrieben und ein amerikanisches Konjunkturprogramm namens Marshallplan alles rasend schnell vorantrieb und die horrenden deutschen Staatsschulden nach 1945 erlassen wurden, auch nicht. Die benötigten Arbeitskräfte beschaffte man sich aus dem Ausland, vor allem Türken und Italiener kamen und wurden „Gastarbeiter“ genannt. Integration fand ausschließlich über die Nutzwertbemessung am Arbeitsplatz statt, noch bis in die 70er und 80er Jahre tobte der Meinungskampf, ob sie nun wieder „nach Hause“ zurückmüssten, bei Wahlen verzichtete man lieber auf ihre Stimmen.

Eine Nachkriegs-Männerwelt also, voller Ungerechtigkeiten, die die 68er begannen zu attackieren. Heute verachtet die neue Rechte bis hin zur AfD sie längst offen dafür. Ein Denken, was – betrachtet man die Prozente der AfD zum Beispiel in Sachsen – offenbar besonders gründlich im Osten Fuß fasst.

Abwertungen sind die Antwort am Stand von Antaios und Compact. Foto: Luca Henze

Abwertungen sind die Antwort am Stand von Antaios und Compact. Foto: Luca Kunze

Zurück in die Zukunft – Part II

Als der Dresdner Schriftsteller und Arzt Uwe Tellkamp („Der Turm“) am 8. März 2018 nur wenige Tage vor der Buchmesse im „Kulturpalast Dresden“ in einer Debatte auf den Philosophen Durs Grünbein trifft, ist er selbst bereits randvoll mit AfD-Vokabeln. Wenig überraschend taucht in der Debatte die „soziale Marktwirtschaft“ und damit die guten alten Zeiten auf. Dicht gefolgt von der Angst vor dem Kollabieren der Sozialsysteme durch Zuwanderung und Geflüchtete, welche er unverblümt und bis heute nicht zurückgenommen, in die hysterische Fehleinschätzung verpackt: „Die meisten (Flüchtlinge, d. Red.) fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“

Die anschließende Debatte in den Medien zeigte vor allem eins: Meist ging es nur noch um die Höhe der Prozente, Anerkennungsquoten, Duldungen und Asylgewährungen in Deutschland – nicht mehr aber um den inhumanen Kern der Aussage selbst und die nicht ausformulierte „Lösung“. Dieser Kern unterstellt gleich mehrere von Tellkamp nur nicht explizit ausgesprochenen Dinge: Frieden in einem Land ist für ihn und immer mehr Deutsche 73 Jahre nach 1945 und 28 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR bereits wieder die Abwesenheit akuter Bombardierung ganzer Landstriche und Städte.

Anerkennbare Verfolgung, Unterdrückung und ständige Bedrohung durch Nachbarn (wie derzeit der Kurden) und eigene Mitmenschen ist für ihn nur individuell denkbar (Asylgrund) und betrifft niemals ganze Bevölkerungsgruppen, wie in Syrien, Nigeria, Afghanistan, Somalia oder Myanmar. Weshalb er auch die Duldung und den subsidiären Schutz in seinem denkwürdigen Satz vergisst. Somit handelt es sich für rechte Nationalisten bei Flucht nahezu ausschließlich um wirtschaftliche Beweggründe, das Ziel ist angeblich das unter dem Hartz IV-Satz liegende Almosen in Deutschland und wahrscheinlich auch das gute Wetter.

Dass Flucht aus – Kriegen, Umweltkatastrophen und nicht demokratischen Regimen immer innewohnender – Zerstörung wirtschaftlicher Zukunft und wachsende Perspektivlosigkeit in der Heimat stattfindet, müssten eigentlich gerade ehemalige DDR-Bürger wie Tellkamp oder der zuletzt ebenfalls in die Kritik geratene Kabarettist Uwe Steimle verstehen. Wenn sie nicht die Vor-1989-Formulierung der „Verräter am Sozialismus“ für „Republikflüchtlinge“ im Kopf haben und die Zeit von SED, Staatssicherheit, Überwachung und Zersetzung von DDR-Gegnern zu einer bonbonfarbenen Ostalgiewolke verdichtet haben.

Steimle begrüßt sein Publikum gern mal mit einem „Seid bereit“ und aus dem (Ost)Publikum folgt für gewöhnlich ein augenzwinkerndes „Immer bereit“. Der scherzhafte DDR-Pioniergruß sitzt, dass es eine baugleiche Organisation wie die Hitlerjugend war, nicht.

Überdies scheint bei vielen, die ab 1990 in der oft eher widerwilligen Übernahme westdeutscher Regeln, Gesetze und Kulturunterschiede selbst zu Neuankommenden, also Einwanderern ohne Ortsveränderung und deutlichem Kulturunterschied wurden, verdrängt zu sein. Dass sie selbst in den 90ern erschreckend oft erst einmal in die Sozialsysteme des wieder zusammengeworfenen Deutschland „einwanderten“, auch.

Und die in der DDR bis zur völligen Aushöhlung des Begriffs geforderte (Zwangs)Solidarität (mit den Waffenbrüdern), hat der neoliberale Kapitalismus vielen längst restlos ausgetrieben. Es war auch leicht; wer zur Solidarität gezwungen wird, wird sie kaum wirklich empfinden.

Somit scheint es für Uwe Tellkamp und für viele andere, die ja nachweislich bis zum Mauerfall keine gefährliche Flucht oder den sofort mit sozialer Abstufung und Überwachung geahndeten Ausreiseantrag versuchten, irgendwie ein gutes Land gewesen sein: diese BRD vor 1968 und die DDR irgendwie auch. Letztere zwar verachtet, aber je größer der Abstand wird, umso blasser werden scheinbar Erinnerungen an drei Jahre Friedensdienst in der NVA, Anpassung und eingeforderte und strikt durchgesetzte Obrigkeitshörigkeit – vor allem bei normalen Arbeitern. Dass es schon zu DDR-Zeiten auch Eliten gab, wird ja gern vergessen.

Integrative Gesellschaft?

Der Satz Tellkamps unterstellt zudem etwas, was man das Fehlen des aufgeklärten Humanismus nennen könnte: die vollkommene Negierung von Integrationskraft der deutschen Gesellschaft und vor allem den Willen dazu. Statt – ebenfalls aus ostdeutscher Perspektive betrachtet – die absolut nötige Frage in den Raum zu stellen, ob die deutsche Gesellschaft nach unzähligen Asylrechtsverschärfungen schon in den 90ern bis heute, Abwertung und Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen durch Hartz IV, Leiharbeit und der weltweit bekannten fast schon frenetischen Hinwendung zu Arbeit als Lebensziel wirklich eine „integrative“ ist, bleibt hier nur das visions- und ideenlose „Ausländer raus“.

Höflicher, bildungsnäher formuliert, aber in der Konsequenz eben das, was bei PEGIDA und AfD-Aschermittwochsveranstaltungen der laute Ruf „Abschieben, Abschieben“ ist, schon wenn ein nicht deutsch klingender Name auf der Bühne gesagt wird. Statt den Konkurrenzdruck gerade für die Ärmsten zu lindern und beispielsweise ein echtes Wohnungsbauprogramm zu fordern, geht’s zurück in die „Wirtschaftswunderjahre“.

Es ist der Ruf aller Rechten in diesem Lande. Sie kämpfen angeblich für Frauenrechte, fordern Meinungsfreiheit für sich – als ob diese durch eine Gegenmeinung bedroht wäre – in jedes der vielen hingehaltenen Pressemikrophone und vor allem treibt sie eine Vision von der Zukunft um, die eine aus der Vergangenheit ist. Wenn aus diesen Kreisen ein „Einwanderungsgesetz“ gefordert wird, ist eine weitere Verschärfung der Regeln gemeint – kein modernes Gesetz in einer lebhaften Welt.

Der rechte Weg zur Mitte

Es war kurz vor Redaktionsschluss der LZ-Ausgabe März 2018, als im Internet die „Erklärung 2018“ veröffentlicht wurde. Der kurze Text lautet: „Mit wachsendem Befremden beobachten wir, wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt wird. Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die friedlich dafür demonstrieren, dass die rechtsstaatliche Ordnung an den Grenzen unseres Landes wiederhergestellt wird.“

In Kombination mit dem Titelbild wird deutlich, dass es sich dabei um eine Solidarisierung mit den rassistischen „Frauenmärschen“ handelt, eine darauf demonstrierende Frau steht zudem mit der Terrorgruppe Freital in Zusammenhang. Die Organisatoren und Teilnehmer dieser Märsche – meist überwiegend Männer – interessieren sich wie bereits beschrieben in der Regel nur dann für sexuelle Gewalt gegen Frauen, wenn diese von Ausländern oder Migranten ausgeht. Ein solcher „Frauenmarsch“ ist nach derzeitigem Stand auch für den 21. April in Leipzig geplant.

Am Tag nach der Veröffentlichung der Erklärung fanden sich auf der Homepage 36 Unterzeichner, darunter Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin, Matthias Mattussek, Vera Lengsfeld und Eva Herman. Eine Mischung aus Publizisten, Journalisten, ehemaliger DDR-Bürgerrechtlerin und Ex-Tagesschau-Sprecherin also.

Wichtiger sind aber die nicht ganz so bekannten Namen wie Götz Kubitscheks Lebensgefährtin und Mitstreiterin Ellen Kositza (Name wurde kurz danach wieder entfernt) und Dieter Stein. Bei der einen handelt es sich um eine Redakteurin der Zeitschrift „Sezession“ und bei dem anderen um den Chefredakteur der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Wer auf dieser Liste steht, arbeitet also offiziell mit der „Neuen Rechten“ zusammen.

Die Dresdner Uwe Steimle und Uwe Tellkamp haben ebenfalls unterschrieben. Götz Kubitschek, Jürgen Elsässer und die AfD dürften sich gefreut haben.

Weitere Artikel zum Thema finden sich unter l-iz.de/tag/buchmesse & l-iz.de/tag/rechtsextremismus

Künstler antworten mit Demokratie und Menschenrechten auf die „Erklärung 2018“

RechtsextremismusBuchmesseLeipziger ZeitungErklärung 2018
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Wie Leipzigs Verwaltung Anfang März in den Corona-Krisen-Modus überging
Leipzig im Standby-Modus. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserVor wenigen Tagen war die Welt in Leipzig scheinbar noch in Ordnung. Bekanntlich entschied sich ja die Leipziger Messe erst auf den allerletzten Drücker, die Buchmesse abzusagen. Dass in den nächsten Tagen noch ganz andere Dinge abgesagt und geschlossen werden würden, war noch nicht in diesem Ausmaß abzusehen, als sich die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat mit einen Fragenpaket an die Rathausspitze wandte. Die Antworten wollte man gern am 25. März hören zur Ratsversammlung. Aber auch die wurde abgesagt.
Die Umweltbibliothek des Ökolöwen steht vor den gleichen Finanzproblemen wie schon 2014
VorLeseLust in der Umweltbibliothek. Foto: Ökolöwe -Umweltbund Leipzig e.V.

Foto: Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V.

Für alle LeserMan fühlt sich an die Jahre 2014 und 2015 erinnert, als die Umweltbibliothek des Ökolöwen schon einmal um eine bessere Förderung durch die Stadt kämpfte. Seit Jahren war die Fördersumme für die Bibliothek im Haus der Demokratie konstant geblieben, obwohl die ganz normalen Fixkosten gestiegen waren. Die 35.000 Euro Förderung reichte nicht mehr zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Und jetzt meldet der Ökolöwe mitten in der Corona-Krise: Die Bibliothek steht vor dem Aus.
Münchhausen: Der echte Lügenbaron und die Männer, die seine Geschichten berühmt gemacht haben
Erik Gloßmann: Münchhausen. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNach Sachsen hat es ihn wohl nie verschlagen, dafür nach Russland, Lettland und Finnland, diesen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den berühmtesten aller Münchhausen, auch wenn er für seinen Nachruhm eigentlich nichts kann. Für den haben andere gesorgt. Aber am 11. Mai wäre der erzählfreudige Baron aus Bodenwerder 300 Jahre alt geworden. Wer hat seine Geschichten nicht im Bücherschrank stehen?
Gastkommentar von Christian Wolff: Der Exit aus dem Shutdown – nicht das „Wann“, das „Wie“ ist entscheidend
Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Shutdown. Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserMenschen im Ausnahmezustand werden schnell ungeduldig. Kaum sinkt das Fieber, möchte der Kranke wieder aufstehen. Kinder wollen nach einer Grippe so schnell wie möglich wieder zum Spielen nach draußen. Die Arbeit ruft, auch wenn das Herz noch schmerzt. So werden auch noch in der Krankheit die STOP-Signale überfahren. Genau dieses jedem Menschen sehr vertraute Verhalten spiegelt sich in der seit Tagen entbrannten Diskussion darüber wieder, wann der sogenannte „Shutdown“, also das systematische Herunterfahren des öffentlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Lebens, beendet werden kann.
Samstag, 28. März 2020: Der Tag in Bildern
Alle wollen raus bei dem Wetter. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDer Samstag, 28. März 2020, war wohl nur deshalb an sich interessant, weil er der erste nach den sächsischen „Ausgangsbeschränkungen“ war. Diese hatten zu vielzähligen Debatten geführt, das Sitzen auf Parkbänken wurde infrage gestellt, eine Definition von „Wohnumgebung“ zu „bitte nicht allzu weit aus der Stadt hinaus“ und als letzte Maßnahme schloss die Stadt Leipzig diverse Parkplätze an Ausflugsorten. Das Ergebnis heute: Radler/-innen, Sonne, leere Fernverkehrsstraßen und volle Parks und Seeufer.
Ein Spiel auf Zeit: Die neue Leipziger Zeitung zwischen Ausgangsbeschränkung, E-Learning und dem richtigen Umgang mit der auferlegten Stille
Leipziger Zeitung Nr. 77: Spiel auf Zeit. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDa haben wir schon heftig hin und her überlegt: Bringen wir die neue Ausgabe der „Leipzige Zeitung“ jetzt raus oder unterlassen wir das lieber aufgrund der Covid-19-Pandemie? Immerhin muss sie ja gedruckt werden, ausgefahren, in Haushalte und noch offene Verkaufsstellen verteilt werden? Aber was wäre die Alternative? Brauchen die Leipziger/-innen, die wegen der Corona-Epidemie zu Hause bleiben müssen, nicht gerade jetzt eine Zeitung, die sie auch ernst nimmt, aber keine Panik verbreitet?
Gesundheitsamt sieht Gabenzäune skeptisch: „Im Sinne der Hygienevorgaben problematisch“
Am 22. März erstmals am Connewitzer Kreuz entdeckt: Ein Gabenzaun am Streetball-Platz. Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Foto: Birthe Kleemann, L-IZ.de

Für alle LeserZur Debatte um die Aufstellung von „Gabenzäunen“, also Orte, an denen zum Zwecke der scheinbaren Versorgung Obdachloser und Bedürftiger mildtätige „Gaben“ aufgehängt werden, gibt es nun ein Statement der Stadt Leipzig. Auf Anfrage von L-IZ.de haben sich Gesundheits- und Sozialamt zur Einrichtung der Gabenzäune eher negativ geäußert, mit der Kontrolle der wild entstehenden Stellen in der Stadt kommt man offenbar nicht hinterher. Die sprunghafte Verbreitung der Idee der Gabenzäune hatte vor wenigen Tagen vor allem in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Berlin begonnen.
Ökolöwe schreibt an Baubürgermeisterin: Schaffen Sie Platz für Radfahrer/-innen!
Radfahrer-/Fußgängerampel am Martin-Luther-Ring. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sieht die Folgen der Ausgangsbeschränkungen in der Covid-19-Pandemie als Chance, im Leipziger Straßenverkehr endlich ein paar Verbesserungen durchzuführen, die im vorherigen Gedränge einfach nicht durchzusetzen waren. Der ADFC bekommt jetzt Schützenhilfe vom Leipziger Ökolöwen: Schaffen Sie mehr Platz zur Kontaktvermeidung auf Rad- und Fußwegen, Frau Bürgermeisterin!
Wie kam es überhaupt zu den verschärften Ausgangsbeschränkungen in Sachsen?
Verlassene Innenstadt. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit dem 23. März gelten in Sachsen verschärfte Ausgangsbeschränkungen, teilweise schärfere als in anderen Bundesländern. Manchmal so unscharf formuliert, dass selbst die Polizei nicht weiß, wo sie nun eine vernünftige Grenze ziehen soll. Die Allgemeinverfügung liest sich für die linke Landtagsabgeordnete Juliane Nagel wie mit heißer Nadel gestrickt. Und so richtig rechtskonform scheint ihr die Sache auch nicht zu sein.
Leipziger Resolution zur Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus griechischen Flüchtlingslagern und linke Unterstützung für Mission Lifeline
Neues Rathaus in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit 2015 hat es die EU nicht hinbekommen, eine gemeinsame Flüchtlingspolitik auf die Beine zu stellen. Immer „kam irgendwas dazwischen“ – der Brexit z. B., dessen Zirkuspirouetten noch immer nicht zu Ende sind, nun die Corona-Epidemie. Da ging auch völlig unter, dass in Leipzigs Stadtrat seit Dezember darüber debattiert wurde, Minderjährige aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Fünf Stadtratsfraktionen haben jetzt die Nase voll und veröffentlichen eine Resolution.
„Ich bin irgendwie so unruhig, Mama“: Gedanken einer Leipziger Mutter
Die geschlossene „Märchenwiese“ im Lene-Voigt-Park im Corona-März 2020 - Zeit für Alpträume? Foto: Luise Schöpflin

Foto: Luise Schöpflin

Für alle Leser„Ich bin so unruhig, Mama...“, sagte mein Sohn beim Zubettgehen, etwas, was er noch nie sagte. Es ist der Freitag der ersten Woche der Corona-Ausgangsbeschränkung. Wir durchleben die „virologische Bedrohung“ meistens im Garten im engsten Kreis der Familie. Was sage ich meinem Sohn, meinen Kindern, zur Beruhigung?
Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich: Was zu Wagner damals in Leipziger Zeitungen stand
Peter Uhrbach: Wagners Werk und Wirkung im Deutschen Kaiserreich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle Leser1883 starb Richard Wagner in Venedig. Mit dem Jahr 1883 endete auch die 2018 erschienene Dokumentation von Peter Uhrbach „Richard Wagners Werk in Leipzig“, in der es natürlich nicht um Wagners Werk ging, sondern um dessen Rezeption in Leipziger Zeitungen und Zeitschriften. Denn wie ein Komponist mit seinen Werken bei den Leuten ankommt, das beeinflussen bis heute die Medien. Auch wenn sich die Redakteure oft uneins sind, ob sie nun Hosianna oder „Alles ganz schrecklich“ schreiben sollen.
Freitag, der 27. März 2020: Polizei wegen angeblicher Corona-Verstöße im Dauereinsatz und Wochenendvorbereitungen
„Coronatime“ - Die Zeit spiegelt sich längst auch in den Graffitis in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Deutschland wird gerade ganz genau beobachtet, wie sich der Nachbar verhält. Galt die Aufmerksamkeit früher dem neuen Auto oder der schicken Frisur, ruhen die Blicke nun auf großen Gruppen und anderen „verdächtigen“ Aktivitäten. Die Polizei hatte 58 Einsätze innerhalb von 24 Stunden – nicht immer lagen tatsächlich Verstöße gegen die Allgemeinverfügung vor. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 27. März 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
In der (Corona-)Krise: Toilettenpapier für mehr persönliche Kontrolle
Prof. Dr. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig, SUK

Foto: Universität Leipzig, SUK

Für alle LeserWarum bunkern Menschen in der Corona-Krise Toilettenpapier und Nudeln? Wie kann es gelingen, die sozialen Herausforderungen durch die Ausgangsbeschränkungen zu meistern? Und wie lange kann das alles noch gutgehen? Die L-IZ befragte dazu Prof. Dr. Immo Fritsche. Er ist Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig.
In der (Corona-)Krise: Kultusminister meldet sich mit Brief: Sächsisches Abitur soll durchgezogen werden
Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Für alle LeserDer sächsische Kultusminister Christian Piwarz will das Abitur 2020 mit allen Mitteln durchziehen. Das teilte er den Abiturienten am Freitag per Brief mit. So sei ein Notabitur eine Lösung, die man den Schülern ersparen will. Stattdessen werden verschiedene Szenarien diskutiert: Auch ein Abitur zum Nachtermin ist möglich.