Geblubber statt Fakten

NPD und AfD eingeladen: Klimadiskussion in Dresden nach Kritik abgesagt

Für alle LeserDie Klimadiskussion unter dem Titel „Fakten statt Geblubber“, die am Freitagabend, den 23. August, in Dresden stattfinden sollte, ist abgesagt. Die Organisatoren, die Dresdner Gruppen von „Parents for Future“ und „Scientists for Future", reagierten damit auf massive Kritik, nachdem unter anderem die rechtsradikalen Parteien AfD und NPD eingeladen waren.

Noch am Montag, den 19. August, vermeldete die NPD, dass Peter Schreiber, ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 1. September, an einer Podiumsdiskussion der Dresdner Ortsgruppen von „Parents for Future“ und „Scientists for Future“ teilnehmen werde. Drei Tage später beklagte die Neonazipartei ihre Ausladung und forderte ihre Anhänger dazu auf, dennoch zu erscheinen: „Spucken Sie den Vertretern der Ökodiktatur ins Fischglas uns versalzen Sie diesen die Suppe.“

Mittlerweile ist klar, dass die für Freitagabend geplante „Fishbowle“-Veranstaltung mit dem Titel „Fakten statt Geblubber“ gar nicht mehr stattfinden wird. Nach deutlichen Protesten sagten die Organisatoren die Podiumsdiskussion ab und räumten Fehler bei der Planung ein.

Obwohl die „Parents for Future“ bereits vor einer Woche öffentlich kommuniziert hatten, dass sowohl die NPD als auch die „Blaue Partei“ der ehemaligen AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry zugesagt haben, folgte die massive Kritik erst am Mittwoch dieser Woche. Alle in Sachsen zur Landtagswahl zugelassenen Parteien waren zur Veranstaltung eingeladen worden.

Kein Dialog mit Nazis

Mal mehr, mal weniger freundlich reagierten Menschen in den Sozialen Medien auf die Ankündigung. Der Konsens lautete vor allem wegen der NPD-Einladung: „Mit Nazis redet man nicht.“ Ebenfalls am Mittwoch positionierte sich „Fridays for Future Dresden“ öffentlich: „Wir lehnen ein gemeinsames Podium sowohl mit der NPD als auch mit dem ADPM ab.“ Letzteres ist die von Ex-AfD-Politiker André Poggenburg zu Beginn des Jahres gegründete Partei, von der er sich kürzlich abgewendet hat.

„Es widerspricht unserem demokratischen Verständnis mit Parteien mit verfassungsfeindlichen Zielen zu reden“, heißt es in der Erklärung der Jugendlichen weiter. An der Organisation der Veranstaltung sei man nicht beteiligt gewesen.

Ebenfalls am Mittwoch luden die Veranstalter die NPD und den ADPM wieder aus. Es sei ausgeschlossen, dass diese den Regeln für die Veranstaltung zustimmen würden. Dazu zählte das Bekenntnis, dass der Mensch erheblich für den Klimawandel verantwortlich ist. Auch bezüglich einer AfD-Teilnahme zeige man sich skeptisch – ohnehin fehlte von dieser Partei bis dahin jedoch noch eine Rückmeldung.

AfD auch raus

Noch am selben Tag vermeldeten dann die „Scientists for Future“, dass auch die AfD ausgeladen wurde. Die Ortsgruppe der „Fridays for Future“ hatte zuvor erklärt, dass eine Diskussion mit dieser Partei wohl nicht zielführend sei, sie in Sachsen – im Gegensatz zu den anderen Parteien – jedoch eine relevante Größe sei, der man nicht die „Opferrolle“ überlassen wolle.

Am späten Mittwochabend folgte schließlich die Absage der kompletten Veranstaltung. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass eine sachliche Diskussion aufgrund der gemachten Fehler nicht mehr möglich sein wird“, hieß es in einem Statement. Zudem betonten die Organisatoren, dass für „rechtsextremistisches, menschenverachtendes und wissenschaftsfeindliches Gedankengut“ kein Platz sei. Man wolle die Fehler zunächst in kleiner Runde analysieren.

"Unteilbar"-Werbung für den 24. August 2019 in Dresden am 6. Juli 2019 in Leipzig. Foto: L-IZ.de

„Unteilbar“-Werbung für den 24. August 2019 in Dresden am 6. Juli 2019 in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Lob für die Absage

Die Reaktionen auf diese Stellungnahme waren überwiegend positiv. Insbesondere lobten viele Kritiker die Bereitschaft zur Selbstreflexion und das Eingeständnis eines Fehlers. Ähnliches hatte beispielsweise der MDR nicht zu Papier gebracht, als er kürzlich eine Diskussionsrunde in Chemnitz absagte, an der sich ursprünglich ein Rechtsradikaler beteiligen sollte.

Auch ohne die Veranstaltung werden die kommenden Tage für die Klimaaktivisten nicht langweilig. Am Freitag möchte „Fridays for Future“ auf einer Pressekonferenz seine Forderungen für Sachsen veröffentlichen und am Samstag findet in Dresden die „unteilbar“-Großdemonstration statt. Dort wird es unter anderem einen „Klimablock“ geben.

Das Programm von „Unteilbar“ am 24. August 2019 in Dresden (PDF)

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