Gastkommentar von Christian Wolff:

Bedient jetzt auch „Die Zeit“ ein AfD-Narrativ?

Für alle LeserMan reibt sich verwundert die Augen: „,Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute‘“ – so titelt die Wochenzeitung „Die Zeit“ ihre aktuelle Ausgabe. Die Headline ist zwar in Anführungszeichen gesetzt, aber geht im Hintergrundbild mit rote Tücher schwenkender junger Menschen unter. Damit wird das AfD-Narrativ: heutiges Deutschland = DDR, Merkel = Honecker, demokratischer Rechtsstaat = Diktatur durch „Die Zeit“ geadelt. Muss das sein?

Selbst wenn die Zeit-Umfrage als Ergebnis gezeitigt hat, dass „58 % (der Ostdeutschen) sagen, dass der Schutz vor staatlicher Willkür schlechter geworden ist oder sich kaum verändert hat“ – rechtfertigt das, dass sich „Die Zeit“ dieser Geschichtsklitterung mehr oder weniger anschließt, diese zumindest verstärkt? Wo ist da noch der Unterschied zum Thema einer Veranstaltung, die am 7. Oktober 2019, zu DDR-Zeiten der „Tag der Republik“, in der Alten Handelsbörse Leipzig stattfinden soll: „30 Jahre – und die DDR ist zurück!“.

Veranstalter ist dann die AfD-nahe „Gustav-Stresemann-Stiftung“, die sich aber seit heute laut Gerichtsbeschluss so nicht mehr nennen darf. Die Enkel Stresemanns hatten gegen den Missbrauch des Namens durch die AfD geklagt.

Nun könnte man zugunsten der Zeit einwenden: Journalisten haben die Aufgabe, Ergebnisse von Meinungsumfragen ungeschminkt zu veröffentlichen. Das ist nicht nur richtig, es ist notwendig. Das geschieht auch auf Seite 2 der aktuellen Zeit-Ausgabe. Aber die journalistische Auswertung der Umfrage durch den Redaktionsleiter „Zeit im Osten“, Martin Machowecz, und Heinrich Wefing bleibt sehr in der scheinbaren Unterfütterung des gefährlichen Narrativs stecken. Denn die Frage „Was ist in den letzten 30 Jahren schiefgegangen?“ dringt nicht zum Wesentlichen vor. Wichtige Faktoren werden nicht benannt. Ich nenne einige:

  1. Dass die Demokratie in Ostdeutschland ein Akzeptanzproblem hat, ist seit Anfang der 90er Jahre offensichtlich. Der „Aufbruch zur Demokratie“, der mit der Friedlichen Revolution verbunden war, wurde 1989 nur von einer Minderheit vollzogen und wenige Wochen nach dem 9. Oktober 1989 überlagert von dem Wunsch der Massen, möglichst schnell am wirtschaftlichen Wohlstand in einem vereinten Deutschland teilhaben zu können.In der Folgezeit wurde aber die politische und Demokratiebildung vor allem in den Bildungseinrichtungen völlig vernachlässigt und die systematische Wühlarbeit des organisierten Rechtsextremismus Westdeutschlands in Ostdeutschland vollkommen unterschätzt. Schon in den 90er Jahren hörten Schüler/innen aus dem Mund ihrer Lehrer/innen nicht selten, dass das neue System auch nicht viel besser sei als die DDR.
  2. Eine der Langzeitfolgen des verordneten Kollektivismus und der zwanghaften Volksgebundenheit (Volkseigene Betriebe, Volkssolidarität, Volkspolizei, Volksarmee) ist, dass heute die individuellen Interessen mit dem „Volkswillen“ verwechselt werden und gesellschaftliche, kulturelle Pluralität als Bedrohung empfunden wird.
  3. Es wird viel über die westdeutschen Dominanz in Ostdeutschland nach 1990 gesprochen. Über eine der politischen Voraussetzungen dieser Dominanz wird aber kaum ein Wort verloren: der doppelte Aderlass des Bürgertums in Ostdeutschland durch die Judenvernichtung in der Nazi-Zeit und durch die Übersiedelung bzw. Flucht aus der DDR in die BRD West zwischen 1949-1989. Dieser personale Transfer hat Westdeutschland stark gemacht und die DDR zu einer Diktatur des Mittelmaßes verkommen lassen.
  4. Derzeit wird viel über die schwierige Zeit der Deutschen Einheit nach 1990 diskutiert, aber nur sehr wenig über die 40 Jahre DDR vor 1989. Wieso beschränkt sich diese Debatte über die DDR-Zeit fast ausschließlich auf die Stasi? Warum so wenig Reflexion darüber, wie das System von Entmündigung und Bevormundung Menschen geprägt hat und bis heute nachwirkt? Warum so wenig kritische Aufarbeitung? Warum eine durchweg äußerst unkritische, bewusst beschönigende Würdigung des kürzlich verstorbenen Sigmund Jähn?Kaum ein Wort darüber, dass er als Nationalheld ein wichtiger Stabilisator des DDR-Systems war. Warum wird die Generationen übergreifende kritische Befragung der Eltern und Großeltern nicht viel stärker eingefordert? Stattdessen wird die mangelnde Anerkennung der Lebensleistung beklagt – so als ob vor 1989 alles ganz normal gewesen wäre.

Man kann die in der Zeit veröffentlichten Umfrageergebnisse auch sehr anders lesen*: als Ausdruck eines äußerst unkritischen Umgangs, einer Glorifizierung der DDR-Zeit – nach dem Motto: Da hatten wir nicht die Probleme von heute. So scheint es, dass jede konfliktreiche Situation heute die Verhältnisse der DDR in der Rückschau aufhübscht – und schon stimmt das Narrativ: Damals ging es uns eigentlich gar nicht so schlecht, vielleicht sogar besser.

Wie dem zu begegnen ist?

Sicher nicht allein mit den beiden Maßnahmen, die Machowecz und Wefing empfehlen: Angleichung der Löhne und Grundrente auf der einen und das Lieblingsthema von „Zeit im Osten“ auf der anderen Seite: mehr Ostdeutsche in den Führungsetagen.

Da ist aber die Frage, wer darf sich denn 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution als „Ostdeutscher“ bezeichnen? Der, der in Ostdeutschland geboren wurde, aber als Kleinkind in Westdeutschland aufgewachsen ist? Oder die, die 1991 als Kind von westdeutschen Eltern in Plauen geboren wurde? Oder der 60-Jährige, der in Schwerin geboren wurde und ab dem 10. Lebensjahr in Stuttgart aufgewachsen ist und nun Rektor einer ostdeutschen Hochschule werden will?

Vielleicht ist etwas anderes wichtiger: Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau (1931–2006) hat als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen den sehr erfolgreichen Slogan kreiert „Wir in Nordrhein-Westfalen“ (und nicht etwa „Wir Nordrheinwestfalen“). Damit waren der Wuppertaler Bäckermeister, der sein Geschäft in der dritten Generation führt, wie der türkische Hochofenarbeiter in Duisburg, die koreanische Krankenschwester in Detmold wie der Brieftaubenzüchter in Dortmund, der japanische Unternehmer in Düsseldorf wie der Landwirt im Sauerland gemeint.

Darum: Wir in Deutschland, nicht: Wir Deutsche; Wir in Sachsen, nicht: Wir Sachsen; Wir in Leipzig, nicht: Wir Leipziger. Auch Sprache dient der Integration und Inklusion und verändert das gesellschaftliche Klima.

Doch an einem führt kein Weg vorbei

Die in der „Zeit“ aufgeführten Umfrageergebnisse zeigen an, welche Versäumnisse jetzt durchschlagen und vor welchen Herausforderungen wir stehen. Die sich daraus ergebenden Aufgaben sind auch ohne diese Umfrage klar (und werden durch die Ergebnisse nur noch dringlicher): Wir müssen endlich daran gehen, die Demokratie, die Vielfalt in einer freien Gesellschaft, die Gestaltungsmöglichkeiten eines jeden Bürgers wertzuschätzen, offensiv darzulegen, zu verteidigen und einzufordern.

Daran sollte sich „Die Zeit“ auch in der Auswertung einer Umfrage beteiligen. Es ist schon auffällig, dass in den vergangenen Wochen in der Berichterstattung von „Zeit im Osten“ die Demokratiebewegung, die es Gott sei Dank in Ostdeutschland gibt, kaum Beachtung gefunden hat.

Dafür in mehreren Ausgaben Lobeshymnen auf den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der seinen Wahlerfolg am 1. September 2019 nicht zuletzt denen verdankt, die seit Jahrzehnten gegen den Widerstand der CDU Sachsens für die Akzeptanz der Demokratie und gegen die Verharmlosung des Rechtsextremismus kämpfen. Manchmal ist eben doch das Engagement einzelner aufrechter Demokrat/innen aussagekräftiger und wichtiger als irgendwelche Meinungsumfragen.

* Siehe den Kommentar zu den Umfrageergebnissen von Christian Bangel auf „Zeitonline“.

Mut zum Protest: 14 Porträts von Menschen, die sich ihren Widerstandsgeist nicht austreiben ließen

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider (!) nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

* Kommentar *AfDDeutsche EinheitDDR
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Silvester in Connewitz: Anwalt beklagt rechtswidrige Untersuchungshaft
Polizeieinsatz am Connewitzer Kreuz in der Silvesternacht. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDrei Männer befinden sich aktuell in Untersuchungshaft, weil sie sich an den Ausschreitungen in der Silvesternacht in Connewitz beteiligt haben sollen. Der Rechtsanwalt eines Betroffenen bewertet die U-Haft für seinen Mandanten als rechtswidrig. Der zuständige Ermittlungsrichter sei befangen gewesen; es fehle zudem ein wichtiges Dokument. Außerdem beruhe der Tatverdacht lediglich auf den Aussagen zweier Polizisten – doch diese seien nicht besonders vertrauenswürdig.
Absage der Absage: OB-Wahlveranstaltung der AfD darf in städtischer Immobilie stattfinden
Christoph Neumann (AfD) kann seine OB-Wahlveranstaltung in der "Großen Eiche" durchführen. Eine Entscheidung, die nun auch für alle anderen OB-Wahl-Bewerber/-innen gilt. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDa gab es aber ein ordentliches Hin und Her seit dem gestrigen Donnerstag auf den heutigen Freitag, 17. Januar. Erst sprach das Dezernat Wirtschaft eine Kündigung gegenüber dem Vermieter des soziokulturellen Zentrums „Große Eiche“ wegen einer Wahlkampfveranstaltung mit Alexander Gauland (AfD) und Christoph Neumann (AfD) aus, woraufhin sich die AfD wehrte. Von einer möglichen Schadenersatzklagedrohung ist unter der Hand die Rede. Auch das Rechtsamt der Stadt Leipzig schaltete sich ein und am Ende stand eine durchaus wegweisende Entscheidung für derzeitige Wahlkämpfe.
Sachsen muss sich jetzt schon auf einen viel früheren Kohleausstieg vorbereiten
MIBRAG-Tagebau Peres im Kohlerevier Vereinigtes Schleenhain. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Mann, der eigentlich den Fachkommentar zum am Donnerstag, 16. Januar, formulierten Kohleausstiegs-Zeitplan der Bundesregierung aus dem Sächsischen Landtag hätte liefern können, ist mittlerweile ja Staatsminister im Umweltministerium: Dr. Gerd Lippold, der Kohlespezialist der Grünen, der nun qua Amt Sachsens Ausstieg aus der Kohle managen muss. Doch am Donnerstag merkte auch die Linksfraktion den Pferdefuß in diesem teuren Peter-Altmeier-Kompromiss.
AfD-Wahlveranstaltung mit Alexander Gauland findet nicht mehr in der Großen Eiche statt + Update
Alexander Gauland (hier am 21.11.2017 im Bundestag) will am 17. Januar 2020 Christoph Naumann bei seiner OB-Kandidatur in Leipzig unterstützen. Foto: Bilderdienst des bundestag.de, Fotograf: Achim Melde

Foto: Bilderdienst des bundestag.de, Fotograf: Achim Melde

Für alle LeserAm Morgen warb die Leipziger AfD auf ihrer Facebook-Seite noch mit dem Konterfei von Alexander Gauland für eine Veranstaltung in der Großen Eiche in Böhlitz-Ehrenberg. Doch der Fraktionsvorsitzende der Rechtsaußen-Partei und sein Leipziger Parteifreund Christoph Neumann, der OBM-Kandidat der AfD, müssen sich woanders ein Plätzchen suchen, um über die „Wende für Leipzig“ zu philosophieren. Denn die „Große Eiche“ ist ein städtisches Gebäude.
Von Kohlekraftwerken, kirchlichen Kassenbüchern und Klimamodellen
Dicke Dampfschwaden über den Kühltürmen. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserAngesichts der großspurigen Ankündigungen von Donald Trump und den politischen Weichenstellungen seiner Ministerien müsste man eigentlich meinen, dass die amerikanische Kohleindustrie gerade goldene Zeiten erlebt. Tut sie aber nicht. Denn immer mehr Kohlekraftwerke müssen schließen – und sie tun es in einem immer schnelleren Tempo.
Jetzt können die Leipziger zeigen, ob sie auch in selbst organisierten Veranstaltungen miteinander ins Gespräch kommen können
Die ersten Besucher zur Eröffnung des LeipzigZimmers am 16. Januar. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOrigami-Kurs, Schreibwerkstätten und neues aus dem Naturkundemuseum: Die ersten Interessenten haben sich schon angemeldet für das LeipzigZimmer in der Stadtbibliothek Leipzig, das am Donnerstag, 16. Januar, offiziell eröffnet wurde. Es soll mehr sein als ein üblicher „Ort der Begegnung“. Eher sogar ein Experiment: Wie lässt sich das Miteinander der Leipziger Bürger wieder beleben in einer Zeit, in der scheinbar überall die Aggressionen zunehmen?
Über 5.000 Unterstützer fordern mehr Artenschutz im Leipziger Stadtgebiet
Trauriger und viel zu häufiger Anblick: Wie hier in Leipzig sind Baumfällungen in Sachsen an der Tagesordnung. Foto: Karsten Peterlein

Foto: Karsten Peterlein

Für alle LeserLeipziger Naturschutzverbände hatten im März 2019 unter dem Titel „Bauen und Natur erhalten! Artensterben stoppen! Wertvolle Grünflächen für LeipzigerInnen schützen!“ eine Petition gestartet, die auf der Plattform openPetition online gestellt wurde. Sie hat inzwischen mehr als 5.500 Unterstützer. Da die Petition das notwendige Quorum erreicht hat, wurde sie am 14. Januar 2020 beim Stadtrat eingereicht, meldet der NABU.
Auch das Kraftwerk Lippendorf soll nach den Vorstellungen der Bundesregierung bis zum 31. Dezember 2035 weiterlaufen
Landschaftsidylle Braunkohletagebau mit Kraftwerk Lippendorf. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserSeit Donnerstag, 16. Januar, hat Deutschland so etwas wie einen Ausstiegspfad aus der Kohle. „Die Bundesregierung hat den Ministerpräsidenten der Länder Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt einen Stilllegungspfad für die Braunkohlekraftwerke in Deutschland vorgestellt, den sie beabsichtigt mit den Betreibern der Braunkohle-Kraftwerke und -Tagebaue vertraglich festzulegen. Die Ministerpräsidenten stimmen diesem Stilllegungspfad zu“, meldete die Bundesregierung. Ein Kompromiss mit jeder Menge Fragezeichen.
Theaterkollektiv subbotnik singt und spielt „Die weiße Insel“
Die Schaubühne Lindenfels in der Karl-Heine-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Die Performanceformation subbotnik präsentiert in einer Mischung aus Lesung, Live- Hörspiel und Bühnenmusik einen Abend über drei Forscher, die sich 1897 in den Weiten der Arktis verlieren. Das Gastspiel zeigt die Schaubühne Lindenfels in ihrer Reihe „Expedition 4x6“, deren zweite Etappe die „Polarzeit“ thematisiert.
Der Tag: Fridays for Future widerspricht Ministerpräsident Kretschmer beim Kohlekompromiss
Fridays for Future Leipzig ist mit dem neuen Kohlekompromiss nicht zufrieden. Archivfoto: L-IZ.de

Archivfoto: L-IZ.de

Für alle LeserWährend Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer den neuen „Kohlekompromiss“ als vernünftige Lösung bezeichnet, bewertet Fridays for Future Leipzig die Vereinbarung „eher als Skandal“. Zudem ermittelt die „Soko LinX“ erneut wegen eines abgebrannten Baggers. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hingegen ermittelt wegen eines Hitler-Darstellers nicht mehr. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 16. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Klimacamp-Anreise über Mibrag-Gelände: Aktivist/-innen wegen Hausfriedensbruch vor Gericht
Schriftzug über dem Haupteingang des Leipziger Landgerichts. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserDas Amtsgericht Borna hatte im vergangenen April zwei Aktivist/-innen freigesprochen, die bei der Anreise zum Klimacamp in Pödelwitz über Mibrag-Gelände gefahren waren. Die Staatsanwaltschaft bewertet das Geschehen jedoch weiter als Hausfriedensbruch. Am Landgericht Leipzig ist deshalb am Dienstag, den 14. Januar, der Berufungsprozess gestartet.
Leipzig bekam 2019 wieder über 380 Millionen Euro an Investitionen einfach nicht am Markt platziert
Geplante Investitionen und tatsächlicher Mittelabfluss. Grafik: Stadt Leipzig, Finanzbericht

Grafik: Stadt Leipzig, Finanzbericht

Für alle LeserNoch ist es kein fertiger Jahresabschluss, was Finanzbürgermeister Torsten Bonew am 15. Januar vorgelegt hat, sondern erst einmal nur der Finanzbericht zum Stand 30. September. Aber zwei Dinge zeichnen sich schon deutlich ab. Erstens wird Leipzig auch das Jahr 2019 mit einem kleinen Überschuss von 11 Millionen Euro abschließen. Und zweitens wird es der Stadt genauso ergehen wie Bund und Land: Auch Leipzig bekommt seine Investitionen einfach nicht am Markt platziert.
Leipzig muss endlich das Personal einstellen, das die Klimaschutzpläne auch umsetzt
Demo am 31. Oktober vorm Neuen Rathaus. Foto: Tobias Möritz

Foto: Tobias Möritz

Für alle LeserAm 31. Oktober beschloss der Leipziger Stadtrat, in Leipzig den Klimanotstand auszurufen. Beantragt hatte das ursprünglich das Jugendparlament. Dennoch wurde am 31. Oktober heftig über die Begriffswahl diskutiert, als würde das Wort den Sinn des Antrags völlig konterkarieren. Aber auch einige Stadträte hätten wohl lieber einen Klimawandel, bei dem sie ihr eigenes Verhalten nicht ändern müssen. Oder gar reagieren müssen auf das Anliegen von Fridays For Future.
“Klang der Wende” – ein szenisches Chorstück über die Friedliche Revolution
Klang der Wende Logo

Klang der Wende Logo

Die Peterskirche Leipzig und die St. Katharinenkirche Hamburg möchten in diesem Jahr gemeinsam ein Chorprojekt mit 60 Laien-Sängern und -Sängerinnen aus Leipzig und Hamburg umsetzen, das sich mit Friedlicher Revolution, Wende und Wiedervereinigung beschäftigt. Über die Klänge der Zeit – Kirchenlieder, Pop und Punk, aber auch Improvisationen der Sprechchöre der Leipziger Montagsdemonstrationen – werden die Erlebnisse dieses einen Jahres deutscher Geschichte für die Teilnehmenden ebenso wie für das Publikum noch einmal spürbar gemacht.
Arbeitslose und prekär Beschäftigte bezahlen für die deutschen Arbeitsmarktreformen mit dauerhafter Verschuldung
Schuldnerquoten in Westsachsen. Karte: Creditreform

Karte: Creditreform

Für alle LeserNachdem Creditreform im November schon die aktuellen Schuldnerquoten im SchuldnerAtlas 2019 veröffentlicht hat, hat die Leipziger Niederlassung jetzt auch die Zahlen und Karten für die Region Leipzig vorgelegt. Rund 109.000 Personen über 18 Jahre gelten aktuell im Raum Leipzig als überschuldet oder weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Die Stadt Leipzig bleibt, trotz rückläufiger Zahlen, mit 12,81 Prozent überschuldeter Haushalte Schlusslicht im Vergleich der Kreise in der Region und Sachsen. Und das hat Gründe.