Rodig reflektiert: Das Grauen „Geh rein und töte alles” + Video

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 72, seit 25. Oktober im HandelIhr Ministerpräsident in spe ist entsetzt. Von einer Tat, bei der nicht klar ist, ob die Dummheit des Angreifers oder die Hysterie der Menschen in den Stunden nach dem Anschlag das bedenklichere Moment darstellt.

„Geh rein und töte alles”

Der Täter von Halle, dessen Name unwichtiger ist, als die offensive Nennung desselben in den großen Medien von „Bild“ bis „Spiegel“ suggeriert, sei weltfern und sozial abgeschottet gewesen. Doch daran glaube ich nicht. Er besaß nur einen völlig anderen, für viele mittlerweile mythisch aufgeladenen Sozialraum, nämlich ein virtuelles Nahfeld von Menschen, die ihre Sozialität durch Tastendruck bedienen. Natürlich ist der Täter ein soziales Wesen, sicherlich entfremdet und enttäuscht durch das „Real Life“, aber dafür umso stärker verwachsen mit einer Szene, die ihre Anerkennung misst an der Zahl ermordeter Menschen.

Als der Täter feststellt, dass er sein Hauptziel, die Ermordung von mehr als 60 Menschen in der Synagoge von Halle, nicht erreichen wird, bezeichnet er sich selbst als Verlierer, wohl wissend, wie es abfällige Kommentare in der Hass-Community für seine mangelhafte Erfolgsquote hageln wird. Er wird kein neuer Christchurch-Held werden.

Gedenken in Leipzig am 10. Oktober 2019. Foto: Michael Freitag

Gedenken in Leipzig am 10. Oktober 2019. Foto: Michael Freitag

Am deutlichsten wird dieses gekränkte Ego, das sich Macht und Dominanz herbeigesehnt hat, an der Ermordung von Jana L. Eine 40-jährige Frau, die ihn antrifft, als er vor der Mauer des jüdischen Friedhofs steht und Sprengsätze zündet. Ob es denn gerade jetzt sein müsse, wenn sie hier langgeht, dass er seine Böller zündet. Die denkbar gelassenste Reaktion auf einen Menschen, der sich Ruhm und Größe ersehnt hatte, herbeigeführt durch sein mörderisches Tun.

Doch diese bewundernswert beiläufigen und doch so angemessen abschätzige Bemerkung im Angesicht eines selbst ernannten Kämpfers gegen die „New World Order“, lassen den Täter all seine Prinzipien vergessen. Sie war keine Jüdin, keine Muslima, keine Antifa-Aktivistin, sie war ein deutscher Schlagerfan. Und doch schießt ihr der Täter in den Rücken, denn er kann es nicht ertragen, dass er in seiner wichtigsten Stunde die denkbar tiefste Kränkung durch diese Frau erfährt: Ignoranz.

Er will die Welt in Flammen setzen, ein Reiter der Apokalypse sein, heldenhaft den Bürgerkrieg entfesseln gegen die, die das deutsche Volk, alle Völker, vermeintlich unterjochen und ausrotten wollen. Doch Jana L. ignoriert das, kann und will nicht erkennen, dass er mit seinem Tun Geschichte schreiben will. Aus Rache für diese Ignoranz erschießt er sie.

Our Motto: Apokalypse Now

„Das Grauen und der moralische Terror sind deine Freunde“, sagt Colonel Kurtz in Coppolas „Apokalypse Now“ (das „Motto“ das auf einer Tempelmauer seines Dschungellagers geschrieben steht). Es ist die Endstufe der Verrohung, die Ultima Ratio des Einzelkämpfers, der alle hergebrachten zivilisatorischen Standards fahren lässt. Es wird damit eine Situation der Notwehr konstruiert, die das Schlachten rechtfertigt. Es ist der Wunsch nach dem Ausnahmezustand, dem Endkampf, der endlich zeigen soll, wer wirklich wertvoll genug ist im Kampf um das Dasein, den Endsieg zu erringen.

Aus dem Bekennerschreiben ist zu entnehmen: der Täter hielt mehr Gedanken zur Umsetzung der Tat fest, als zur Begründung derselben. Im „tl;dr“ („Too long; didn‘t read“, also eine Kurzzusammenfassung) spricht er von „Geh rein und töte alles.“, „Töte noch mehr. Wiederhole, bis alle Juden tot sind“.

Gedenkstätte auf dem Leipziger Richard Wagner Platz. Foto: Michael Freitag

Gedenkstätte auf dem Leipziger Richard Wagner Platz. Foto: Michael Freitag

Intellektuelle Brillanz sieht anders aus. Sicherlich ist diese Tat auch als Ausdruck einer Abwehr gegen das Komplexe, das Differenzierte, das Denken selbst zu lesen, ist die rechte Ideologie doch seit jeher von einer Feindlichkeit gegenüber Intellektualität bestimmt. Komplizierte Gedanken seien ja schon immer eine jüdische Erfindung: man muss nur einmal „Werke“ Alfred Rosenbergs, dem Chef-Ideologen der Nationalsozialisten, lesen.

Das Beängstigende daran ist die Verfänglichkeit dieser Überlegungen. Sicher, die Tat von Halle hat keinen Bürgerkrieg hervorgerufen, mehr eine Welle der Entrüstung, von ganz links bis sogar sehr weit rechts. Doch sagt der Täter selbst, er hätte sich schlussendlich zum Handeln entschlossen, als der Anschlag von Christchurch geschehen war. Es war seine Inspiration, seine Motivation, sein „Du kannst das auch!“.

Ein Begriff, der sich dafür bildet ist der stochastische Terrorismus. Dieser stellt die Entwicklungspyramide der Radikalisierung auf die Füße der diskriminierenden Sprache. Die Pyramide verjüngt sich nach oben hin, bis zu den einigen wenigen, die aus der Ideologie aus dem Internet Taten für das Internet werden lassen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, doch in Deutschland erkennt man durch diese erste Tat ihrer Art aus dem rechten Verschwörungsumfeld, dass einer aus Hunderttausend immer noch einer ist, der Mord und Terror auf die Straße trägt.

Ich möchte nicht in der Haut der Sicherheitsbehörden stecken, die solche Wahrscheinlichkeiten aufklären müssen.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 72, Ausgabe Oktober 2019. Foto: LZ (zum Vergrößern klicken)

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 72, Ausgabe Oktober 2019. Foto: LZ (zum Vergrößern klicken)

„Knistert alles nieder, was ihm vor die Flinte läuft“

Am Tag des Anschlages verfolgt ihr MP in spe a. D. die Medien. Aus einer nicht näher bekannten Quelle kommen Meldungen rein, mehrere Täter seien unterwegs, Unzählige seien angeschossen, ein Täter sei „gerade mit einem Taxi unterwegs durch Leipzig und knistert alles nieder…“. Durchaus, die Versuchung ist groß, in Situationen der Angst um Leib und Leben, den Falschmeldungen Glauben zu schenken, schlimmer noch, mehrere Falschmeldungen zu neuen, immenseren Falschmeldungen zu vermengen und in Form von Sprachnachrichten durch alle Verteiler zu jagen.

Die Hysterie ist hochansteckend und bläst die Wirkung der Tat auf zu einem Ballon der falschen Tatsachen. Jeder Informationsstrohhalm wird ergriffen, im Streben darum, am besten im Bilde über die Lage zu sein. Der Live-Ticker-Wettbewerb der großen Nachrichtenhäuser um die heißesten News ist der marktwirtschaftliche Ausdruck dieses Strebens. Es lässt sich von Glück sprechen, dass keine übereifrigen Bürgerwehren oder Prepper-Kollektive zu den Waffen griffen und anfingen, auf vermeintliche Terror-Taxis zu schießen. Ruhig Brauner, ruhig.

Umso beeindruckender die Reaktion von Jana L.. Sie musste für ihre Gelassenheit mit ihrem Leben bezahlen. Sie hat an diesem Tag dem Täter von Halle den größten Schlag versetzt. Rodig rät: Man nehme sich ein Beispiel an dieser Heldin der Gleichmütigkeit. Macht diese abscheulichen Taten nicht größer als sie sind. Tut alles dafür, dass diese abscheulichen Taten bleiben, was sie sind. Die Tat eines kleinen, dummen Mannes.

Es verbleibt andächtig, Ihr MP in spe a.D.
Tom Rodig

Die Gedenkveranstaltung zu Halle am 10. Oktober 2019 in Leipzig

Video L-IZ.de (Bildqualität wird nach wenigen Einstiegssekunden besser).

Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt an allen bekannten Verkaufsstellen aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Oder einfach abonnieren und direkt im Briefkasten vorfinden.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

Ein Lichtfest im Schatten zweier Attentate: 30 Jahre Friedliche Revolution oder Wo lauert da noch Gefahr?

* Video *Rechtsextremismus* Kommentar ** Leserclub *Leipziger ZeitungHalleAntisemitismus
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Auch am 27. September ist ein Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg undenkbar
Fockebergmarkt im vergangen Jahr. Foto: Tine Zeiler

Foto: Tine Zeiler

Für alle LeserEs sollte der 29. Prix de Tacot werden am 10. Mai auf dem Fockeberg. Doch Corona machte auch diesem von der naTo veranstalteten Traditionsereignis den Garaus. Auch wenn man im Haus am Südplatz noch zuversichtlich war, dass man das Rennen im Herbst würde nachholen können, genauer: am 27. September. Doch auch das wird nichts. Weder ist Corona aus der Welt verschwunden, noch kann man bei so einem Rennen die berühmten AHA-Regeln einhalten.
Extreme Dürreperioden in Mitteleuropa werden zunehmen, wenn wir den Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken
Niedrigstwasser in der Elbe in Dresden im Jahr 2018. Foto: André Künzelmann / UFZ

Foto: André Künzelmann / UFZ

Für alle LeserEigentlich ist es seit über zwanzig Jahren bekannt, was die Klimaerwärmung speziell auch für Sachsen bedeutet, das neben den längeren Hitzeperioden auch besonders von zunehmenden Dürreperioden betroffen ist. Das dritte Jahr hintereinander erlebt Sachsen so ein Jahr. Und Entwarnung gibt es keine. Im Gegenteil. Das in Leipzig heimische Umweltforschungszentrum sieht noch mehr Dürren und Trockenzeiten auf uns zukommen. Denn den Treibhausgasausstoß haben wir noch immer nicht gesenkt.
Aus großer Wiese entsteht in Liebertwolkwitz ein neuer Park direkt vorm Seniorenheim
Der Entwurf für den neuen Park in Liebertwolkwitz. Grafik: Stadt Leipzig / Landschaftsplanungsbüro Köhler

Grafik: Stadt Leipzig / Landschaftsplanungsbüro Köhler

Für alle LeserBis jetzt war es immer nur eine große grüne Wiese an der Getreidegasse. Wenn man am Bahnhof Liebertwolkwitz ausstieg und die Getreidegasse hinunterging, kam man am Weiher vorbei, dahinter tauchte dann die Wiese auf. Doch die wird derzeit zu einem richtigen Park umgestaltet. Am 13. August soll der neue Park der Öffentlichkeit übergeben werden. Und besonders freuen wird das die Bewohner des benachbarten Seniorenheims.
Der Bambusspross wird zum Bambusstamm: Erstaunlich lebendige Spruchweisheiten aus Kambodscha
Gabriele und Ngen Yos: Der Bambusspross wird zum Bambusstamm. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserManchmal ist es wirklich nur die Sprache, die uns daran hindert, in den Kulturen fremder Völker uns selbst wiederzufinden, das Vertraute, das allen Völkern gemeinsam ist. Denn alle Menschen müssen für ihren Lebensunterhalt arbeiten, mussten Land urbar machen und miteinander klarzukommen lernen. Wären da nicht ein paar Tiere, die es nur in Südostasien gibt, die Sprichwörter, die Gabriele und Ngen Yos jetzt veröffentlicht haben, könnten manchmal auch aus deutschen Sammlungen stammen.
Freitag, der 7. August 2020: Von „Warnungen aus der Nachbarschaft“ zu „Weimarer Verhältnissen“
Im Vordergrund: ein schwarzer Block; im Hintergrund: ein schwarzer Block. Foto: Tim Wagner

Foto: Tim Wagner

Für alle Leser/-innenAls vor drei Jahren einige hundert Antifaschist/-innen in Wurzen demonstrieren wollten, reagierten Einwohner/-innen, indem sie Geschäfte verbarrikadierten. Ähnlich unverhältnismäßig fielen nun die Reaktionen auf die Ausladung einer Kabarettistin in Hamburg aus, gegen die angeblich Linke gewaltsam vorgehen wollten. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 7. August 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Einkommenstatistik 2018: Sachsen ist kein gutes Pflaster für Selbstständige
Primär- und Verfügbare Einkommen 2018. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für alle Leser„Verfügbares Pro-Kopf-Einkommen stieg im Jahr 2018 in Sachsen um 3,3 Prozent bzw. 646 Euro“, meldete am Donnerstag, 6. August, das Statistische Landesamt. Das klang erst einmal gut. Denn wenn die Sachsen 2018 mehr Einkommen hatten, mussten sie sich ja weniger vor Armut fürchten, oder? Aber tatsächlich erzählt die sächsische Statistik von einer nicht gerade unwichtigen Entwicklung bei den Beschäftigten – nämlich dem schleichenden Verlust an Selbstständigen.
LVB wollen Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz demontieren und dafür die Haltestelle deutlich vergrößern
Gleiskurve am Wilhelm-Liebknecht-Platz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit einigen Wochen ist in den Straßenbahnen, die von der Eutritzscher Straße her die Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz ansteuern, die Ansage zu hören: Vorsicht! Die Haltestelle ist nicht barrierefrei! – Das überrascht, den eigentlich hat die Haltestelle Hochborde, die ein Einsteigen auch mit Rolli und Kinderwagen problemlos möglich machen. Aber eine Stadtratsvorlage zeigt jetzt, wo das Problem liegt: Die Bahnsteige sind zu kurz.
Mutmaßlicher Komplize will auspacken: Mammut-Mordprozess um verscharrten Geschäftsmann am Landgericht geplatzt
Er soll den Mord in Auftrag gegeben haben: Hüseyin D. (51, r.), hier 2018 bei seiner Vorführung am Landgericht. Er kam nun aus der U-Haft frei. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserEin ebenso spektakuläres wie zähes Verfahren um die Tötung eines Geschäftsmannes im Leipziger Norden vor fast sechs Jahren wird komplett neu aufgerollt. Dabei schien der Prozess nach über zwei Jahren seinem Ende nahe. Doch nun meldete sich überraschend ein mutmaßlicher Mittäter zu Wort, der seit Jahren untergetaucht ist. Bringt er eine Wende in den verworrenen Fall?
Trödelei bei sächsischen Regionalplänen macht das neue Klimaprogramm zum zahnlosen Tiger
Windräder am BMW Werk im Leipziger Norden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Sächsische Energie- und Klimaprogramm ist ein Thema, bei dem nicht nur Marco Böhme, Energie- und Klimaschutzpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, wie auf Kohlen sitzt. Im Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen wurde zwar ein schnellerer Ausbau von Photovoltaik- und Windenergieanlagen beschlossen. Aber tatsächlich stockt der Ausbau, während die Landesregierung ganz offiziell für den Weiterbetrieb der schmutzigen Kohlekraftwerke gekämpft hat. Bremst da jemand?
In diesem Buch stirbt jeder: Die lustvolle Demontage des Romaneschreibens in einem Roman von Beka Adamaschwili
Beka Adamaschwili: In diesem Buch stirbt jeder. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVor ein paar Jahren hat der georgische Autor Beka Adamaschwili seinen Helden Piere Sonnage in die Literatenhölle geschickt. Das Buch gefiel nicht nur den Georgiern. Vielleicht auch, weil Adamaschwili sie nicht mit den Malaisen der gegenwärtigen georgischen Politik oder der jüngeren Geschichte konfrontierte. Im Gegenteil: Augenzwinkernd nahm er sie mit in die großen Bücher der Weltliteratur. Denn nichts öffnet Horizonte so sehr wie große Literatur. Auch wenn der Autor darin seltsame Dinge anstellt.
Haltungsnote: „Jump, you Fuckers“ – Eine Kolumne über Börsencrash und Steuergerechtigkeit
Autor, Leipziger und Kolumnist David Gray. Foto: Erik Weiss Berlin

Foto: Erik Weiss Berlin

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelAls 2008 die Finanzkrise begann, forderten Demonstranten, dass die Banker, die die Krise verursacht hatten, gefälligst aus ihren Bürotürmen springen sollten. So, wie das einige der Bankrotteure am Schwarzen Freitag 1929 getan hatten. Es sagt viel über den Fortschritt der Zivilisation aus, dass beim Bankencrash 2008 kein einziger Banker zerschmettert auf dem Büropalasthofpflaster landete. Stattdessen betonte die Bankerelite nur kurz nachdem der erste Staub sich gesetzt hatte, wie gefährlich es sei, jetzt etwa die Boni einzufrieren.
Donnerstag, der 6. August 2020: Die Kurve steigt wieder an
Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz kritisiert die Kritik an den Kritikern der Corona-Maßnahmen. Foto: Arnold Vaatz

Foto: Arnold Vaatz

Für alle Leser/-innenDie Tage, an denen in Sachsen kein einziger neuer Coronafall dazu kam, sind offenbar vorläufig gezählt. Allein seit Montag hat es 45 neue Fälle gegeben. Zu den Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen hat sich der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz geäußert – und klingt dabei nicht viel anders als jene, die auf der Straße waren. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 6. August 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Eine Line ziehen macht glücklich und gesund: Slacklinen in Leipzig
Slackline-Romantik vorm Stelzenhaus. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelSie sind unter uns, man kann sie sehen – jeden Mittwoch im Clara-Park oder sogar auch schon am Karl-Heine-Kanal: Slackliner. Diese Menschen, die über ein schmales Seil balancieren und dabei die komischsten Verrenkungen machen, um nicht herunterzufallen. In Polen werden die Lines sogar an Kirchtürme und Rathäuser gespannt, in Tschechien hängen sie zwischen Felsen. In Leipzig versucht der Verein Slacknetz Leipzig e. V., den Sport prominenter zu machen. Vielleicht klappt das ja bald zum Stadtfest? Ruthger Fritze gehört dem Verein an und erklärt die Faszination des Sportes.
Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (5): Der offizielle Antifaschismus in der DDR
März 1966: Der vor dem Obersten DDR-Gericht angeklagte Auschwitzer Lagerarzt Horst Fischer zeigt an einer Tafel die Krematorien des Vernichtungslagers. Fischer wird im Juli 1966 hingerichtet. © Bundesarchiv

© Bundesarchiv

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im Handel„Wir bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Lande.“ Ernüchternde Worte, mit denen sich Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer, im April 1990 an die Öffentlichkeit wendet – und das Selbstverständnis der DDR als antifaschistisches Vorbild zerlegt.
BachOrgelFestival in der Thomaskirche Leipzig

©Son

Am kommenden Samstag, 8. August, wird das bisher gut besuchte BachOrgelFestival in der Thomaskirche Leipzig mit zwei identischen Konzerten um 15:00 und 17:00 Uhr fortgesetzt. Die Kirchgemeinde St. Thomas schätzt sich glücklich, dass dem berühmten Organisten der Kathedrale Notre Dame von Paris – Olivier Latry – die Anreise aus Frankreich möglich ist. An der Bach-Orgel, die dieses Jahr Ihr 20. Jubiläum feiert, erklingen Werke von Johann Sebastian Bach und Bert Matter.