Berlin, Berlin, wir fahren …: Polizei gibt Auflösung der „Querdenken“-Demo bekannt + Update 23:28 Uhr

Für alle LeserWer geglaubt hatte, dass die Veranstalter um den Unternehmer Michael Ballweg und den Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig ihr zuletzt vom Oberverwaltungsgericht bestätigtes Hygienekonzept auch durchzusetzen, der war wohl noch nie auf einer Demonstration mit mehr als 10.000 Menschen. 20.000 sollen es derzeit sein, die heute dem Aufruf gefolgt sind, nach Berlin zum „Friedensfest“ zu kommen. Gegen 13 Uhr sah die Polizei Berlin jedoch den Zeitpunkt gekommen, die Auflösung der Versammlung einzuleiten. Zuvor waren Mindestabstände nicht eingehalten und der daraufhin polizeilich geforderten Nutzung von Mund-Nasen-Schutzmasken nicht nachgekommen worden.
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23:28 Uhr: Fazit, Schluss und Keilerei

Es ist dunkel in Berlin und nicht nur da. Die „Querdenkerbühne“ ist leer und so mancher findet sich nun im „Camp“ zum Verweilen ein. Da geht gerade das Gerücht, die Polizei würde es auflösen wollen …

Doch sie „sind gekommen, um zu bleiben und sie bleiben, um zu siegen“. Wie, das ist Lutz Bachmanns Spruch bei Pegida? Nein, auch hier ist er längst angekommen, wie auch das „Widerstand, Widerstand“-Rufen und kaum jemand der heute sicher 10 Millionen Teilnehmenden von Berlin (man achte auf die Zahlen in den kommenden Stunden, derzeit wird bereits eine Million gestreut) findet es anstößig.

Die einen, weil sie es nicht wissen, die anderen, weil es ihnen egal ist. Mal, weil es auch eine Art Sommerevent ist, mangels Alternativen zur Demo zu fahren, mal, weil es unter einem höheren „Volksempfinden“ summiert wird.

Distanzierungen von Rechtsextremen werden hier längst als „Spaltung“ deklariert, denn es gibt „kein rechts und links mehr“ – ein Biotop, wo sich sozial angehauchte Faschisten (Achtung, „National-Sozialismus“) schon immer am wohlsten fühlten. Denn freundlich können die auch sein, zumindest ist das auch von allen führenden Köpfen der einstigen NSDAP (als wohl Reinform der Querfront) bis hinauf zum „GröFaZ“ überliefert.

Entscheidend ist in die Nacht hinein, was aus einer Bewegung wird, die zunehmend in der selbstgewissen Anti-Aufklärung zu Hause ist, alles erkannt zu haben, „erwacht“ zu sein glaubt und in der noch immer überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung „Schlafschafe“ oder „Schlafe“ sieht? Die sich gern zu einem Medienkonsum bekennt, der aus Youtubevideos, Facebookposts und Telegramnews besteht?

Und die sogar glaubt, linksliberale Positionen derart unter Druck bringen zu können, dass diese zur Verteidigung einer CDU-geführten Bundesregierung oder eines deutlich überforderten SPD-Innensenators von Berlin übergehen müsste. Um dann „Teil des Systems“ zu sein.

Nein, warum auch – nur sollte man Regierungen und andere machtvolle Institutionen mit Fakten für die wirklichen Fehler kritisieren. Einer war (neben den unzähligen liegengelassenen Politikfeldern der letzten Jahre), die Demonstrationen heute nicht gleich als stationäre Kundgebung zu beauflagen. Unter steter Einforderung der Abstandsregelungen, wie durch „Querdenken“ an der Siegessäule erfolgreich durchgeführt.

Aber wie oft allein heute hinter wohlfeilen Wünschen nach Frieden und Liebe das Wort „Volk“ zu hören war und alles attackiert wurde, was nicht „Bewegungs“-Meinung ist, zeigt auch, welche Flüsse da gerade zusammenfließen. Hinzu kommt ein gehöriges Maß an unbegrenztem, schrankenlosem „Freiheit“sdenken, was in den USA gern mal in maßlosen Schusswaffenbesitz und entsprechende „Freiheitsrechte“ wie „stay your ground“ mündet.

Man hat (seit heute nachweislich) kein Problem damit, mit seit Jahren bekannten Rechtsextremen gemeinsam auf der Straße zu stehen. Menschen also, die unter dem vorgeblichen Kampf gegen „das Regime“ ein eigenes im Kopf haben – meist eher in die Richtung, bei der eine Demo wie die heutige spätestens 13:30 Uhr mit Schlagstock und Gasgranaten auseinandergetrieben worden wäre.

Es geht nicht mehr um Corona

Ja, auch demokratische Regierungen machen Fehler (in dieser Krise jedoch objektiv weniger, als autoritäre), Ärzte auch (was???), Busfahrer ebenso und so mancher Postbote schmeißt schon mal aus Frust das Paket einfach in den Hausflur, statt es da abzugeben, wo es hin soll.

Journalisten sind ebenso wenig fehlerfrei. Der heute maßgebliche Macher dieses für manchen „Querdenker“ vielleicht gar nicht so lustigen Tickers ist so frei „zu wissen, dass ich nichts weiß“. Und – wie soeben ein eher coronamaßnahmenskeptischer Twitteruser feststellte – sich auch noch eine eigene Meinung zu dem Schwäbisch-Berliner Theater der „Querdenker“ leistet.

So etwas ginge im Rahmen eines „Tickers“ nicht und wir hätten ja auch gute Redebeiträge von der „Querdenker“-Bühne ausgelassen. Böswillig selbstredend, um die Realität zu verzerren wahrscheinlich.

Das ruft eigentlich nach einem ganzen Schwall von Antworten, hier nur zwei davon. Wer sich Journalist/-innen ohne Meinung oder Haltung und nur pure Fakten wünscht und dann meterlange Meinungsvideos ohne Fakten von sogenannten „alternativen Medien“ konsumiert, sollte sich mal über das Wort „Waffengleichheit“ und gern auch die Wirkungsweisen von „Infotainment“ belesen.

Während der eine dem Affen Zucker gibt, stets attackiert und angreift, soll der andere möglichst dröge, defensiv und steif agieren – da würde ja nicht mal ein Boxkampf interessant werden.

Zweitens – Na und? Gegenfrage: wie viele Arbeitsstunden und wahrgenommene Details stecken wohl in diesem Ticker? Wir haben auch noch nicht erwähnt, dass heute eine Gruppe komplett irrer „Querdenker“ versucht hat, den Reichstag zu stürmen. Eine Reichskriegsflagge (es waren viele) und „Gott mit uns“ soll als Wehrmachtsslogan auch im Spiel gewesen sein. Man darf annehmen, dass die „Querdenken“-Anwälte da gerade nicht vor Ort waren und sich von diesem Auswuchs als nichtschuldig distanzieren werden.

Alles andere als diese Nicht-Verantwortungsübernahme für die Geschehnisse wäre eine Riesenüberraschung.

Was wohl als Rausschmeißer für heute gern die Schlussfrage sein darf: Wo ist eigentlich die Demut bei den „Querdenkern“ davor abgeblieben, dass es wirklich niemanden gibt, der „die Wahrheit“ besitzt? Oder anders gefragt: Was wäre wohl, wenn sich die so selbstgewissen Herren – ja, es sind fast nur Männer in der „Führung“ der „Querdenker“ – irren? Was dann?

Dass es heute angeblich nur darum ging, ob nun ein Nasen-Mundschutz zu tragen ist oder nicht, glaubt wohl niemand mehr. Dass alle „Querdenker“ nur Gutes im Schilde führen auch nicht.

Quelle: Youtube, Handy-Film einer mitstürmenden Person

Sidefact (Nebeninformation)

Janis Joplin hätte übrigens bei dem heutigen auch durch Künstler unterstützten Happening (hier, Tanzfest) mutmaßlich mit Mikrophonständern aus Gründen fehlender Textzeilen zugunsten ständig wiederholter Refrains und schiefer Töne ein Liedermacherhack aus manchen Liveacts gemacht. Aber das ist nur eine Stilfrage am äußersten Rand einer Debatte, die nun am Ende der Ära Merkel und inmitten von Veranstaltungsarmut auch eine Art Entladung geworden ist.

Oder kommen nur mir die Themen Bürgerbeteiligung in der Politik, Transparenz bei Entscheidungen und Nähe zum Bürger so bekannt vor? Kann nicht sein, es sei denn, man ist heute das erste Mal über die L-IZ gestolpert.

Die Quellen für den heutigen Liveticker (neben anderen Medien, Telegram, Twitter, Facebook und dem L-IZ.de-Archiv)

Der Livestream von RT Deutsch

Der Livestream der Veranstalter von „Querdenken“

Und weitere Livestreams von privaten Personen und „alternativen Medien“.

20:20 Uhr: Endspurt – fast!

Der Veranstalter ist sichtlich bemüht, auf die Abstände im Publikum zu achten. Somit wird „Querdenken“ die Versammlung wohl gegen 20:30 Uhr geordnet beenden können. Bis dahin soll dann auch Thomas Berthold gesprochen haben. Ihren Auftritt hinter sich gebracht haben bereits einige teils ehemalige, teils aktive Polizisten und Sportler/-innen, die alle einen Tenor haben: die Corona-Maßnahmen und die Begleiterscheinungen waren allesamt undemokratisch und meist sind sie auch der Meinung, sie könnten ihre Meinung nicht mehr sagen. Auf der Bühne, im Livestream und öffentlich.

Mancher hat auch schon berufliche Konsequenzen tragen müssen, weil er querdachte und die Coronamaßnahmen aktiv und in offenen Worten ablehnte. Meist nebst dem bereits unten vorgestellten Schimpfen auf alle „da oben“ und den ganzen mächtigen Rest.

Viele verwahren sich auch heute wieder, „rechtsradikal oder antisemitisch“ zu sein. Ganz so, als ob – wenn man beispielsweise feststellen muss, dass sich auf den quergedachten Demos auch und gern Rechtsextremisten herumtreiben – irgendwer sagen möchte, alle Teilnehmer/-innen wären rechtsextrem oder Antisemiten.

Gut – da wäre also noch die Frage nach dem schlechten Umgang aller anderen und das Feiern der Menschheitsfamilie unter einer Reichsflagge – aber lassen wir das mal so für alle zum überdenken im Raum stehen (ja, das geht auch, man muss nicht um jeden Preis Recht haben müssen).

Und kommen wir noch einmal abschließend zu jemandem, der irgendwie immer dann Pech hat, wenn er antisemitischen Äußerungen ausweichen will.

Denn unterdessen kristallisieren sich die Gründe heraus, warum Querdenker Attila Hildmann den Platz unter dem Arm eines Einsatzbeamten verlassen musste. Der „Goldene Aluhut“ meldet auf Twitter, er habe sich dahingehend geäußert, dass „die Juden Konzentrationslager für deutsche Kinder bauen“. Ob das stimmt, können wir derzeit nicht prüfen – naheliegend wäre es.

Denn wem das jetzt zu abseitig vorkommt, kann sich ja mal bei Gelegenheit mit der Verschwörungserzählung „QAnon“ befassen – weiterer prominenter Gläubiger ist Xavier Naidoo. Da kommen ganz viele entführte, missbrauchte und geschlachtete Kinder vor. Eine Erzählung, welche in den USA bereits zu einem Amoklauf in einer Pizzeria führte. Der Täter ging fest davon aus, dass im Keller des Geschäftes Hillary Clinton und andere Elitemenschen (?) Kinder gefangen halten, um ihnen „Adrenochrome“ abzuzapfen.

Natürlich erst nach diversen Vergewaltigungen (ist die L-IZ.de eigentlich ab 16 Jahren?). Das Oxydationsprodukt von Adrenalin kann man übrigens ganz normal im Netz kaufen – synthetisch hergestellt. Und verjüngend, wie die Fans der absurden Geschichte denken, ist es auch nicht. Wer den Ursprung für das wirre Gedankengut (oder wie es Sascha Lobo nennt „Angstporno“) sucht, wird zudem im Film „Fear and loathing in Las Vegas“ (hier Wiki als Quelle ist für Querdenker auch bäh, aber! es geht nur um eine Filmbeschreibung, keine Politik, also alle locker nehmen) fündig.

Da wird Adrenochrome von Hauptdarsteller Johnny Depp als „Nebennierenprodukt“ mit angeblich extrem rauschhafter (nicht belegter!) Wirkung konsumiert.

Da hat jemand die Nase voll vom "Querdenken" und spammt die Telegramgruppe der Bewegung. Screen Telegram

Da hat jemand die Nase voll vom „Querdenken“ und spammt die Telegramgruppe der Bewegung. Screen Telegram

Blöd, dass dieser Film wohl eine der weltbesten Darstellungen von Gonzojournalismus im Gewand eines heftigen Drogenmovies voller Anspielungen auf krude Ideenwelten bis hin zu mitsaufenden Echsenmenschen ist. Sozusagen ein Zirkelschluss: da stellt jemand bekloppte Sachen dar und manche sagen, ha! das gibt es also doch, sonst würden sie es ja nicht zeigen. Das lässt Böses ahnen – seit Jahren gehen (Virus)Zombifilme durch die Decke und das Buchleseverhalten nach unten (siehe auch, Bildung ist der Schlüssel, da gehört Literatur dazu).

Machen wir vor dem wirklichen Schlussteil des Tickers eine kurze Verschnaufpause (der Videostream im Netz bleibt ja noch bisschen da, das verschafft Zeit) und erinnern uns an einen schönen Satz aus dem Film, der heute auf so manchen „Querdenker“ zutrifft.

„Das Rennen ist vorbei“, wird Depp im Auto sitzend auf das real beendete Autorennen hingewiesen. „Nicht für mich“, ist seine Antwort, bevor er wie von Sinnen Gas gibt und davonrast.

Der letzte Tickerteil wird so ähnlich. Kurz und laut.

Ach so, zum Bild hier. Nun, auch bei Telegram läuft sozusagen ein PR-Krieg. Und auch die Gegner der „Querdenker“ haben Interessen. Hier ein gewisser „Jonas“, der gerade die Gruppe mit lauter alten, weißen Männern flutet.

Update 19:33 Uhr: Inhalte! Frieden, Abrüstung und Volksabstimmungen

Wer sich in den vergangenen Monaten mal mit der bewegungseigenen Propaganda-Zeitung des Widerstand 2020 namens „Demokratischer Widerstand“ aus Berlin befasst hat, stolperte unter anderem über einen Leitartikel zum 1. August 2020. In der von Anselm Lenz als kostenfreie Wochenzeitung im 8 bis 16-Seiten Umfang herausgegebenen „größten Wochenzeitung der Republik“ (Anselm Lenz) gab dieser bekannt, dass am 1. August 2020 1,3 Millionen Menschen zur Demonstration in Berlin waren und dies habe die Polizei so bestätigt.

Man darf also mit einigem Recht sagen, dass der Bühnengast Lenz zur Bekämpfung der „Lügenpresse“ eine Lügenpresse herausgibt. Denn auch mit ganz viel Phantasie fand niemand Bilder oder Videos nach dem 1. August 2020, auf welchen man über eine Million Menschen sah oder zählen konnte.

Auch die L-IZ-Zählungen und Schätzungen beliefen sich seither stets auf 25.000 bis 50.000, kurz gern 30.000 auf allen Veranstaltungen dieses Tages.

Zur Zeitung „Demokratischer Widerstand“ selbst fragte sich der „Lügensender“ WDR schon, was eigentlich mit den Spenden geschieht, zu denen die Macher um Lenz aufrufen. (Mehr zur Zeitung findet sich auch hier auf L-IZ.de)

Nun hat Lenz also seinen Werbeblock bei den „Querdenkern“, anmoderiert von Mitautor Hermann Proper, der nach dem „Zeitungen dem Publikum zeigen“ und zur Unterstützung aufrufen, einige Worte über die Ziele der Bewegung verliert. Endlich, möchte man sagen, nachdem Schrang derart vage blieb und erst einmal alles weghaben will.

Inhalte, Inhalte, Inhalte

Der konkreteste Vorschlag dabei wohl, so auch Lenz: gewählten Abgeordneten soll – wenn sie nicht tun, was ihre Wähler wollen – wieder das Mandat entzogen werden können. Per was genau, bleibt unklar – vermutlich durch einen Basisentscheid. Solchen Ideen könnten übrigens Politiker wie Andreas „Andy“ Scheuer wirkungsvoll entgegentreten, indem sie nach einer regelrechten Desasterschwemme einfach zurückträten.

Den Entscheid zumindest fordert Proper für alle wichtigen Fragen der Zeit mittels Internet – da ginge das. Also zum Beispiel Basisentscheide über die Corona-Maßnahmen, Krieg und Frieden und zuerst will er „von den 83 Millionen Deutschen“ die Verfassung umschreiben lassen.

Das ist schon mal besser als die Idee, welche ebenfalls schon mal von Widerstand 2020 in Umlauf gebracht wurde, das deutsche Parlament einfach auszulosen. Kann man sicher machen, wenn man ernsthaft glaubt, dass alle Bundestagsabgeordneten korrupt oder inkompetent und gern beides in Kombination sind. Aber – ganz im Ernst – so eine geloste Außenministerin mit Jodeldiplom zu Gast bei Erdogan, das hätte was.

Spannend auch Propers Ideen zur Bündnislosigkeit und Friedfertigkeit des Landes im neuen System. Ja, möchte man rufen: raus aus der Nato, raus aus allen Konfliktgebieten, schließt Kraus Maffei und all die anderen Waffenfirmen – die Deutschen machen Frieden. Gut wäre dann sicher, wenn alle anderen auch mitmachen würden – aber diese Hoffnung ist tatsächlich ein positiver Traum. Und bei aller Verachtung für staatliche Institutionen, die auch bei Proper mitschwingt, ein eher „linker Traum“ (ja, links – rechts gibt es nicht mehr, ist klar).

Es ist also der ganz große Wechsel, den Proper ankündigt – auch wenn er ihn stets wie Schrang und andere Querdenker auf Youtube und hier auf der Bühne mit ziemlich heftigen Vokabeln für alles bisherige versieht. Aber so ist Revolution eben: sie verändert die Leben der Menschen, rasch und bald ist Himmel auf Erden.

Was hier deutlich wird, ist vielleicht wirklich die Essenz der Bewegung: sie traut dem Einzelnen alles zu, dem Staat nicht viel bis nichts und so ist die Ähnlichkeit dieses neuen Libertarismus mit dem Wunsch nach Freiheit in Anarchie zum Verwechseln hoch.

Zurück zu etwas anderem

Schauen wir Systemknechte doch derweil noch mal im Netz, ob es etwas Neues zum polizeilich mitgenommenen Attila Hildmann gibt …. Fast vergessen: Die „Querdenker“ haben laut Michael Ballweg nun abgeklärt, dass sie als Camp die kommenden Tage in Berlin verbleiben können, jetzt mit Bühnen und Redebeiträgen, damit es auch eine politische Versammlung ist. Obwohl „Tage“ fraglich ist: sie wollen so lange bleiben, bis die Regierung zurücktritt.

Spätestens nach der Bundestagswahl 2021 ist dann ja eine neue da …

Update 19:10 Uhr: Nebenschauplatz „Unter den Linden“

Für Attila Hildmann ist die Demonstration für heute wohl vorbei. Er befand sich bei der Gruppe „Unter den Linden“, welche den Aufforderungen den Platz zu räumen, nicht nachkam. Einerseits eine weitere Kerbe in Hildmanns Märtyrerpfosten, andererseits fordern die Beamten ihn und seine Fans nun schon seit Stunden auf, die polizeilich abgebrochene Versammlung zu verlassen.

Vermutlich hoffen die Polizisten, dass sich so der Rest der Ansammlung schneller auflöst: Auf Twitter kursiert nun ein Video mit Beamten, welche Hildmann ab- und vom Ort des Geschehens wegführen.

Update 18:26 Uhr: Mal noch mehr Demo-Inhalte

Heiko Schrang ist der nächste Youtuber der „Querdenker“-Szenerie, der mit einem Redebeitrag auf der Bühne an der Siegessäule für Freude im Publikum sorgt. Dabei teilt er heute mit, dass alle Politiker bereits abgedankt hätten, es nur noch nicht wüssten. Auch mit „Spiegel TV“ ist er nicht wirklich befreundet, offenbar wurde er heute von diesen um ein Interview gebeten, was er nicht geben wollte. Jedenfalls sind auch die Medien für ihn am Ende und würden sich bald verantworten müssen.

Und auch Angela Merkel solle doch nach Weißrussland gehen, wenn sie dort die Demonstrationsfreiheit verteidigen möchte.

Höhepunkt Schrangs Rede dürfte dann „das System“ sein, das – man ahnt es – auch am Ende sei. Nun käme etwas Neues – was genau sagt er an dem Tag, welcher laut ihm als „Straße des 29. August“ den Namen „Straße des 17. Juni“ ablösen wird, leider nicht. Es soll aber etwas mit Liebe und Frieden werden – nachdem alles andere weg ist, versteht sich.

Update 17:45 Uhr: Versammlung auf Straße des 17. Juni läuft

„Gehen Sie umgehend in Richtung Brandenburger Tor. Alle Personen, die hierbleiben, begehen eine Ordnungswidrigkeit“. So versucht die Polizei Berlin derzeit die Umgebung des Versammlungsplatzes im Tiergarten freizubekommen. Unterdessen läuft dort das Bühnenprogramm bei „Querdenken“ ohne Störungen. Angekündigt ist – nach einem Videogrußwort von Youtube-Querdenker Ken Jebsen – als nächster prominenter Redner der ehemalige Fußballweltmeister Thomas Berthold (er spricht später noch).

Wie sich der Spiegel seinen Weg in die „Querdenker“-Szenerie erklärt, kann man bei Gelegenheit hier nachlesen.

Nachtrag: Unter den Versammelten vor dem Tiergarten „Unter den Linden“ befindet sich auch der vegane Koch Attila Hildmann, welcher in letzter Zeit durch krude Botschaften und Drohungen auffiel. Die Menschen skandieren „Wir wollen den Friedensvertrag“ (siehe weiter unten).

Nachtrag 18:05 Uhr: Unter lautem Protest hat die Polizei begonnen, „Unter den Linden“ erneut aufzufordern, das Gelände zu verlassen. Die Menge skandiert „Wir sind friedlich, was seid ihr.“ Die Polizei verkündet erneut, dass die Versammlung bereits seit 12:53 Uhr aufgelöst und der Platz zu verlassen sei.

Update 17:11 Uhr: Es geht wieder los

Soeben hat die Berliner Polizei in einer ersten Durchsage erneut begonnen, Versammlungsteilnehmer (nicht an der Straße des 17. Juni) aufzufordern, den Platz zu räumen und Maßnahmen angekündigt. Im Falle von Widerstand gegen die Beamten wird angekündigt, dass diese als Straftaten verfolgt würden. Offenbar handelt es sich hierbei um Orte, für die nach wie vor die Auflösung der Demonstration gilt. Im Tiergarten gilt offenbar noch die Anmeldung von „Querdenken“, während die Auftaktdemonstration als aufgelöst gilt.

Dazu haben Beamte eine Kette gebildet und vollziehen bereits vereinzelte Ingewahrsamnahmen, um durchweg Männer von der Straße zu führen oder wegzutragen. Ein Einsatz größerer Gerätschaften wie Wasserwerfer unterbleibt weiterhin.

Update 16:39 Uhr: Keine Räumung

Die Berliner Polizei verfolgt nun offenbar den Plan einer Auflösung nicht mehr weiter und geht stattdessen einzelnen Straftaten nach. Eine durchaus interessante Entscheidung, welche wohl andere Demonstrationsfreudige genau beobachten werden. Offenbar (und auch zum Glück) hat die Menge der Teilnehmer und die überwiegende Friedlichkeit die Polizeiführung davon abgehalten, Wasserwerfer und Räumpanzer einzusetzen (und somit schreckliche Bilder zu produzieren).

Erneut hat sie jedoch den Veranstalter der Versammlung nun auf der Straße des 17. Juni (mutmaßlich Querdenken und Matthias Ballweg) darauf hingewiesen, dass die Mindestabstände der Teilnehmer nicht eingehalten werden. Ein Hubschrauber der Beamten befindet sich seit geraumer Zeit in der Luft.

Letztlich ist das Verhalten der Beamten natürlich auch für die „Querdenker“ ein innerer Widerspruch: Während Teilnehmer und auch Versammlungsanmelder Nils Wehner heutige Zeiten gern auf Leipziger Demos mal mit der Gleichschaltungspolitik der NSDAP ab 1933 gleichsetzen und der eine oder andere gern von „Diktatur“ schwadroniert, zeigt die Polizei Berlin gerade auch, dass ihr Verhalten in einem demokratischen Rechtsrahmen stattfindet. Überzogene Gewaltanwendung vermeidet sie damit.

Nachtrag 17 Uhr: Ein Redner auf der Hauptbühne verkündet wie nebenbei erstmals eine Art Teilnehmerschätzung. Heute seien es also 2 Millionen. Nun geht das Spiel mit den Fakezahlen also erneut los.

Update 16:25 Uhr: Mal ein paar Demo-Inhalte

Was man derzeit auf einem der wenigen durchweg funktionierenden Livestreams bei RT Deutsch erleben kann, ist quasi auf die Straße getragene Verschwörungserzählung. Mit Bannern wie „Danke HaJo“ (gemeint ist der selbsternannte ehemalige DDR-Bürgerrechtler und rechter Youtuber Hans-Joachim Müller aus Leipzig, Zeit.de) und „Wir wollen einen Friedensvertrag“ stehen Menschen der Polizei gegenüber und rufen „helft uns“. Die Verschwörungserzählung hinter dieser Gruppierung ist, dass Deutschland noch immer nach 1945 unter Kriegsrecht stehen würde und somit kein vollwertiges Mitglied der Staatengemeinde, sondern vor allem von den USA „besetzt“ sei.

Wie das mit der vollwertigen UN-Mitgliedschaft und der Einbindung in alle möglichen weiteren Verbünde wie Nato und EU zusammenpasst, könnte man fragen. Doch zuhören würde hier wohl keiner. Ab hier ist der Übergang in die revanchistische Szenerie und Deutschland in den Grenzen des Kaiserreichs (siehe Reichsflaggen) fließend.

Apropos fließend: Mittlerweile läuft die Versammlung wie eine ganz normale Demo an der Straße des 17. Juni. Soeben haben erste Redebeträge auf der Hauptbühne im Tiergarten begonnen.

Update 16 Uhr: Unklare Lagen

Was auch immer die Berliner Polizei mit dem Auflösungsversuch vorhatte – wirklich vollzogen hat sie die Auflösung nicht. Zwar gab es mehrfache Durchsagen, einige Festnahmen und erste Androhungen von Maßnahmen, doch die Demonstration findet im noch rechtlich unklaren Rahmen statt. Die Beamte sehen letztlich dabei zu, wie sich der Versammlungszug ungestört Richtung Tiergarten bewegt.

Ob es noch eine juristische Auseinandersetzung im Hintergrund gibt, ist unklar. Ersten Behauptungen nach bemühen sich die Anwälte der „Querdenken“-Initiative und des „Bewegung Leipzig“-Mitgliedes und Anmelders der Demonstration Nils Wehner um eine Gerichtsentscheidung auch zum Versuch der polizeilichen Auflösung und der juristischen Bewertung derselben. Auch dies können Gerichte zeitnah prüfen und entscheiden.

Unterdessen gibt es einen Druck des Faktischen: 20.000 (oder 30.000, genau kann das wohl derzeit überhaupt niemand sagen) sind auf den Beinen Richtung Tiergarten, am Brandenburger Tor und auf der Straße des 17. Juni und wollen die Versammlung auch nicht verlassen.

Nach eigenen Angaben bereits vor der Demonstration ist die Polizei mit 3.000 Einsatzbeamten und teils schwerem Gerät wie Wasserwerfern und Räumpanzern vor Ort.

Update 15:17 Uhr: Per Lautsprecher wird „Widerstand“ angekündigt

Derzeit ruft mindestens ein Sprecher auf einem Lautsprecherwagen dazu auf, dass man sich nicht „teilen lasse“ und sich nun geschlossen zur Straße des 17. Juni, also zum Tiergarten und damit an die Siegessäule begeben wird. Noch immer stehen viele Menschen auf der ehemaligen Demonstrationsroute und haben das Ziel der mittlerweile von der Berliner Polizei untersagten Versammlung nicht erreicht.

Immer wieder skandiert die Menge „Widerstand, Widerstand“. An vielen Stellen ist die Menge der Reichsflaggen überaus beeindruckend groß, jedenfalls deutlich mehr, als noch am 1. August 2020. Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali musste unter den Plakaten mittlerweile ihr Gesicht entdecken und äußerste sich auf Twitter entsetzt über die Art und Weise, wie hier die Meinungsfreiheit ausgeübt wird.

Nachtrag um 15:29 Uhr: Die Menge von der Versammlungsstrecke hat sich von der Friedrichstraße Richtung Siegessäule in Bewegung gesetzt. Unterdessen machen unzählige User bei Youtube in Livekommentaren Werbung für die AfD.

Update 14:59 Uhr: Die Polizei kündigt Maßnahmen an

Während der Anmelder der Auftaktdemo Nils Wehner und mit Markus Haintz ein weiterer Querdenken-Anwalt von gezielten Absperrungen der Polizei zum Beginn der Demonstration und somit vorgeblich gewollten Verengungen des Geländes berichteten und ein juristisches Nachspiel ankündigen, hat mittlerweile die Berliner Polizei ihrerseits erste polizeiliche Maßnahmen vor Ort angekündigt, sollten sich die verbliebenen Versammlungsteilnehmer nicht entfernen. Dies bedeutet, dass Identitätsfestellungen möglich sind und auch Festnahmen bei Widerstandshandlungen.

Die Demonstranten reagieren darauf nicht und gerade findet eine gemeinsame Meditation mit Tonverstärkung statt. Das „Friedensfest“ ist nach der Beendigung durch die Polizei zu einem beidseitigen Geduldsspiel geworden.

Update 14:20 Uhr: Polizei noch immer bei Durchsagen

Derzeit verkündet die Berliner Polizei noch immer die Auflösung der Versammlung und ist bei der vierten Durchsage angekommen. Für gewöhnlich sind es drei Durchsagen, welche juristisch genügen, einen Räumungseinsatz zu rechtfertigen. Das heißt auch, dass es die Einsatzbeamten nach wie vor mit friedlichen Mitteln versuchen, die Teilnehmer/-innen der „Querdenker“-Demo zum Gehen zu bewegen. Vereinzelt kommt es zu Festnahmen.

Die Mischung ist erwartbar kurios. Mal werden die Polizeibeamten als „SED-Büttel“ bezeichnet, dann wieder rufen die Versammelten „schließt Euch an“.

Unterdessen hat der Dokumentations-Verein „democ. Zentrum Demokratischer Widerspruch e. V.“ (zur Webseite) bekannte Gesichter auf der Demonstration entdeckt. Mit André Poggenburg und Alexander Kurth ist sozusagen mitteldeutsches Spitzenpersonal der rechtsextremen Szenerie in Berlin vertreten. Einige Hintergründe dazu findet man hier auf L-IZ.de.

Bereits im Vorfeld hatten neben Pegida und der AfD auch die NPD, der „III. Weg“ und zuletzt am gestrigen Abend Björn Höcke in Grimma nach Berlin mobilisiert.

13:30 Uhr: Eine Auflösung mit Anlauf

Die Anbahnung des Theaters konnte man bereits in den Stunden zuvor in diversen Telegramgruppen verfolgen. Dort teilen derzeit die Teilnehmer der Berliner Versammlung selbst diverse Videos und Fotos, die dicht gedrängte Menschen zeigen, welche ohne Mund-Nasen-Schutz an verschiedenen Orten in Berlin sitzen oder stehen.

Ein einminütiges Video zeigt bereits von 13 Uhr einen Durchbruch einer Menschengruppe an einer polizeilichen Absperrung. Weitere Sequenzen zeigen eine erste Festnahme am Brandenburger Tor durch behelmte Beamte, der Grund ist nicht zu erkennen.

Für die vor Ort Versammelten kommt die Information zur Auflösung der Versammlung im Moment zeitversetzt an, entweder per Mund-zu-Mund-Propaganda oder über ihre Mobiltelefone, dass ihre Versammlung polizeilich aufgelöst wird. Diese hatte die Polizei Berlin zirka 13 Uhr auch auf Twitter kommuniziert und parallel einen auch da verbreiteten Text entlang des Demonstrationszuges verlesen.

Auflösung stößt erwartbar auf wenig Gegenliebe

Während die Polizei Berlin an verschiedenen Orten wie der Straße des 17. Juni und entlang der Versammlungsstrecke Schleusen öffnet, um die Versammelten zum Gehen zu bewegen, ist in diversen Livestreams vom „Geisel-Drama“ (nach dem Berliner Innensenator), „Diktatur“ und einer von langer Hand vorbereiteten Aktion die Rede. Gehen möchte man nicht.

Zur Stunde kann man jedoch auch sagen: das von Ballweg und dem Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig gerichtlich durchgesetzte Hygienekonzept konnte bei genauer Auslegung kaum funktionieren, angesichts der Menschenmengen sind Abstände von 1,50 Meter kaum zu gewährleisten und die Mund-Nasen-Schutzmasken wollen die Teilnehmer ja eben gerade nicht mehr tragen.

Die seit 13 Uhr verbreitete, offizielle Ansage der Polizei Berlin. Screenshot von Polizei Berlin, Twitter

Die seit 13 Uhr verbreitete, offizielle Ansage der Polizei Berlin. Screenshot von Polizei Berlin, Twitter

Ganz gleich, wie der heutige 29. August 2020 in Berlin endet – auch die Teilnehmerzahl wird erneut heftig debattiert werden. Schon jetzt mutmaßen bereits Teilnehmer vor Ort erneut ein paar 100.000 Teilnehmer, während die Berliner Polizei am heutigen Vormittag von 17.000, Tendenz steigend, auf Twitter schrieb.

Die Versammelten skandieren derzeit „Wir bleiben hier“ und warten weitere Maßnahmen der Einsatzbeamten ab. Mehrere Bilder zeigen Wasserwerfer und Räumpanzer in der Hauptstadt. Die ersten Verschwörungserzählungen einer ungesetzlich handelnden Polizei machen die Runde.

Freitag, der 28. August 2020: Protest gegen Björn Höcke in Grimma und hitzige Debatten über Berlin-Demo

Berlin, Berlin – Wir fahren …: Wie die „Bewegung Leipzig“ zu einer treibenden Kraft der „Querdenker“ wird

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Für alle LeserDas ist Leipziger Bescheidenheit, so ein Buch ganz einfach „Historische Ornamentschablonen aus Leipziger Wohngebäuden“ zu nennen. Und nicht „Farbrausch in Leipziger Treppenhäusern“ oder „Komm rein und staune!“ Oder: „Leipzigs gerettete Farbenpracht“. Warum stapeln Leipziger/-innen eigentlich immer so tief? Selbst wenn sie so ein Prachtwerk von Buch vorlegen, das weltweit seinesgleichen sucht.
1. FC Lok Leipzig vs. Energie Cottbus 1:1 – Drittes Remis in Folge
Wieder mal Remis für Lok, in einer hart umkämpften Partie gegen Cottbus. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserAuch im dritten Spiel der englischen Woche bringt der 1. FC Lok eine Führung nicht ins Ziel. Beim 1:1 (1:1) vor 2.257 Zuschauer im Plache-Stadion, fiel der Ausgleich allerdings nicht in der Schlussphase. Schinkes frühe Führung nach vier Minuten, glich Max Kremer per Elfmeter aus. Schiedsrichter Daniel Bartnizki aus Erfurt hatte in der 30. Minuten nach einem Cottbusser Freistoß auf den Punkt gezeigt. Anschließend hatten beide Teams noch Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden. Am Ende hätte wohl Lok den Sieg eher verdient gehabt.
Mehr als Musik: Die SKiLLZ! Awards geben der HipHop-Szene Leipzigs eine Bühne
Tobias Bieheim. Foto: Antonia Weber

Foto: Antonia Weber

Für alle LeserHipHop ist mehr als nur Rap. Hinter dem Genre versteckt sich eine Kultur, die verschiedene Künstler/-innen vereint und auch in Leipzig präsent ist. Seit 2015 rollen die SKiLLZ! Awards für diese Szene den roten Teppich aus. Im Interview mit der Leipziger Internet Zeitung erzählt Gründer Tobias Bieheim über die Geschichte der Awards, die pandemiebedingte Absage der diesjährigen Veranstaltung und wie es um die Zukunft der Kulturbranche steht.
Gut verdienende Akademiker haben die Leipziger OBM-Wahl 2020 überproportional beeinflusst
Die Leipziger Wählergruppen nach Einkommen. Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 1 / 2020

Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 1 / 2020

Für alle Leser„Wer ging wählen und wer nicht?“, fragt Falk Abel in seinem Beitrag zur Auswertung der beiden Befragungen zur Leipziger Oberbürgermeisterwahl am 2. Februar und 1. März. Mit denen wollte das Amt für Statistik und Wahlen tatsächlich herausbekommen, welche Bevölkerungsgruppen in Leipzig eigentlich OBM-Wahlen besonders stark beeinflussen. Die sind ja nicht ganz unwichtig, auch wenn sie nur alle sieben Jahre stattfinden.
„Den Saisonstart haben wir uns anders vorgestellt.“: Eintracht Leipzig-Süd und FC Phönix warten noch auf ersten Sieg
Die Frauen-Regionalliga Nordost ist mit einem neuen Modus in die Saison gegangen. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 83, seit 25. September im HandelInzwischen rollt auch in der Frauen-Regionalliga Nordost wieder der Ball. In Sachen Spielmodus gab es hier allerdings gravierende Änderungen. Denn die bisher eingleisige Nordost-Liga wurde nun in zwei Staffeln geteilt: Nord und Süd. Jeweils sieben Vereine spielen dort untereinander. Die vier erstplatzierten Teams aus Nord und Süd treffen anschließend in der Meisterrunde aufeinander und spielen die Plätze 1-8 aus.
Stadtbezirksbeirat Altwest beantragt eine Stadtteilverbindung zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg, die auch die S-Bahn-Steige mit erschließt
Die untersuchten Varianten für eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer von Leutzsch nach Böhlitz-Ehrenberg. Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserNein, Leipzigs Verwaltung muss sich nicht wirklich darüber wundern, dass Ratsfraktionen und Stadtbezirksbeiräte immer ungeduldiger werden und sich mit Prüfaufträgen nicht mehr abspeisen lassen. Die verschieben wichtige Entscheidungen in der Regel wieder nur um mehrere Jahre in die Zukunft, während Zustände, die alle Seiten längst als inakzeptabel empfinden, einfach erhalten bleiben. So wie bei der Verbindung von Leutzsch nach Böhlitz-Ehrenberg, wo der Stadtbezirksbeirat schon mehrmals fast verzweifelt ist.
Wo man mit deterministischen Bevölkerungsvorausberechnungen herauskommt, wenn man die Störfaktoren einfach ignoriert
Bevölkerungsvorausberechnung für die sächsischen Kreise. Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 1 / 2020

Grafik: Stadt Leipzig / Quartalsbericht 1 / 2020

Für alle LeserStatistiker sind kühle Rechner, aber keine Hellseher. Sie wissen nicht, wie sich die Welt in den nächsten Jahren verändert. Aber trotzdem wünscht sich die Politik immer neue, möglichst belastbare Prognosen für die Zukunft. Obwohl diese Prognosen tückisch sind. Sie suggerieren eine Aussage über die Zukunft, die aber nur aus Daten der Vergangenheit geschlussfolgert wird unter der seltsamen Annahme: Es geht immer so weiter.
Schluss mit der chaotischen sächsischen Asylpolitik: Endlich eine Bleibeperspektive für geflüchtete Menschen schaffen
Demo gegen Abschiebungen. Foto: René LochDemo gegen Abschiebungen. Foto: René Loch

Foto: René Loch

Für alle LeserLasst sie doch einfach arbeiten! Lasst sie eine Ausbildung machen! Und gebt ihnen einen sicheren Aufenthaltstitel, wenn sie Arbeit haben! Sachsen ist schon längst auf Zuwanderung angewiesen. In allen systemrelevanten Branchen fehlen Arbeitskräfte. Aber erst allmählich verteilen sächsische Behörden Arbeits- und Ausbildungserlaubnisse, geradezu widerwillig. Auch wenn die Botschaft inzwischen lautet: Die Zahl der Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse von Geflüchteten in Sachsen steigt.
Teilung als Lebensthema: Am 29. September beginnt das Leipziger Uwe-Johnson-Festival „Eine Reise wegwohin“
Auf dem Naschmarkt wird das Uwe-Johnson-Festival "Eine Reise weghohin" am 29. September eröffnet. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist schon ein pfiffiger Schachzug, ein Leipziger Festival, das sich dem am 3. Oktober anstehenden 30. Jahrestag der Deutschen Einheit widmet, motivisch einem Autor zuzuordnen, der diese Einheit nicht erlebte, weil er zu früh starb – im Exil. Kaum einer hat mit seinem ganzen Leben die deutsch-deutschen Widersprüche so durchgemacht wie Uwe Johnson.
Post aus Paidonesien: Ein Inselbriefroman mit einem sehr unheiligen Ende
Oriol Canosa: Post aus Paidonesien. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOriol Canosa ist nicht nur Kinderbuchautor aus Barcelona, er hat auch eine eigene Kinderbuchhandlung. 2017 veröffentlichte er „L'illa de Paidonèsia“. Kristin Lohmann hat diese Insel-der-Kinder-Geschichte jetzt aus dem Katalanischen ins Deutsche übersetzt und Meike Töpperwien hat sie mit witzigen Bildern illustriert. Am Anfang stand ein kleiner großer Ärger, den viele Kinder kennen.
UNIKATUM-Ausstellung vermittelt in Leipzig Wert und Wege von Lebensmitteln
Gisela Reetz © Pawel Sosnowski

© Pawel Sosnowski

Was essen wir, wie essen wir und wie kommt unser Essen auf den Tisch? Diesen und weiteren Fragen geht die Mitmachausstellung „Nimmersatt? - Was uns auf den Teller kommt“ im UNIKATUM Kinder- und Jugendmuseum in Leipzig nach.