Dienstag, der 22. September 2020: Substanzverlust für die Kultur, Substanzgewinn für die Schulen

Für alle Leser/-innenEs war ein Dienstag mit sehr gegensätzlichen Nachrichten in Leipzig. Während einerseits die Kultur- und Gastroszene mit der „Substanz“ im Täubchenweg bereits nächste Woche eine feste Einrichtung verlieren wird, dürfen sich die Schulen über viele Millionen Euro vom Freistaat freuen. Außerdem: Linke und SPD wollen die Pistolendrohung eines Polizisten in Dresden im Landtag thematisieren. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 22. September 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
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Irgendwie schafft es dieses Jahr, so gut wie jeden Tag mit einer traurigen Nachricht zu überraschen – häufig auch aus Ecken, aus denen man überhaupt nicht damit gerechnet hat. So war es auch heute, als mit der Reudnitzer Kneipe „Substanz“ eine echte Institution seit den 90ern ihren Abschied verkündete.

Am 29. September will die „Substanz“ zum letzten Mal öffnen, heißt es in einer kurzen Mitteilung auf substanz-leipzig.de. „Zusammen trinken wir alles aus, was die Lagerbestände noch hergeben, und lassen es nochmal krachen im schönsten Biergarten des Täubchenweges.“ Mehr ist zu den Hintergründen nicht bekannt. Laut LVZ will sich Inhaber Jörg Staudt erst nach der Schließung dazu äußern. Diese sei überraschend und ein „Schock“.

Der Täubchenweg verliert damit innerhalb weniger Jahre eine weitere bekannte und beliebte Kultureinrichtung. Anfang 2018 musste bereits der Club „4rooms“ schließen. Aktuell hält am Täubchenweg noch die Kneipe „Atari“ die Stellung in einer Gegend, die unter dem mittlerweile Leipzig-typischen Aufwertungsdruck rings um die erweiterte Innenstadt steht.

Auch im Täubchenweg sind viele Neubauten entstanden, nach ersten Informationen sollen sich gar Nachbarn über die „Substanz“ beschwert haben. Dass es sich jedenfalls nicht um einen normalen Abschied oder gar Übergang der Kneipe in andere Hände handelt, drückt der Schlusssatz der scheidenden Betreiber aus: „Und bevor ihr fragt, wie es mit dem Täubchenweg 67 weiter geht…wir wissen es nicht!“, heißt es.

Millionen für Schulen

Immerhin gab es heute aber auch gute Neuigkeiten für Leipzig. Wie die sächsische SPD verkündete, soll die Stadt rund 31 Millionen Euro für Neubau und Sanierung von Schulen erhalten. Das Geld kommt aus einem 68-Millionen-Euro-Paket, das der Landtag vergangene Woche beschlossen hat. Laut SPD sollen in Leipzig fünf Einrichtungen davon profitieren.

Auf Landesebene erhitzt unterdessen der Fall eines Polizisten, der einem Demoteilnehmer mit seiner Pistole drohte, weiter die Gemüter. So ziemlich alle wichtigen Akteure – Polizeipräsident, Staatsanwaltschaft, Ministerpräsident – sehen keine strafrechtlich relevanten Fehler des Beamten. Sowohl Linksfraktion als auch SPD wollen den Vorfall mit einem Antrag beziehungsweise einer Kleinen Anfrage zum Thema im Landtag machen.

Schilder im Auwald und Straßenbahn quer durch die Stadt

Worüber die L-IZ heute berichtet hat: über den Kampf gegen schädliches Verhalten im Auwald, den das Amt für Umweltschutz künftig mit mehr Hinweisschildern führen möchte, und über Pläne für eine neue Straßenbahntrasse, die den Westen über den Süden mit dem Osten verbinden könnte.

Was heute außerdem wichtig war: Nachdem in der Erstaufnahmeeinrichtung in Dölzig am Freitag ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden war, wurden alle Bewohner/-innen unter Quarantäne gestellt – die nun wieder aufgehoben wurde, da kein weiterer Test positiv war.

Die zuständige Landesdirektion sieht dadurch ihr Hygienekonzept bestätigt, an dem es in den vergangenen Monaten immer wieder Kritik gegeben hatte.

Das Amt für Umweltschutz plant tatsächlich neue Schilder im Naturschutzgebiet Elster-Pleiße-Auwald

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Premiere am 29. Oktober in der Kinobar Prager Frühling: Drifter-Drama „FLUTEN“ von Georg Pelzer
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In dieser Woche beginnen die Bauarbeiten zur Öffnung des Deichs am Ratsholz
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Für alle LeserDie Bauzäune stehen, Stoppschilder untersagen das Betreten der Baustelle. In dieser Woche beginnt ein Projekt am Ratsholzdeich im Leipziger Süden, das zukunftsweisend ist. Zum ersten Mal wird ein Deich geöffnet, damit künftig auch kleinere Hochwasser ins Ratsholz im südlichen Leipziger Auenwald gelangen können. Im April hatte die Landesdirektion Sachsen das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen. Die Landestalsperrenverwaltung hat Baurecht und kann jetzt loslegen.
Erster Schreck überwunden: Leipziger Wirtschaft löst sich langsam aus der Corona-Schockstarre
Entwicklung der Stimmungslage im Kammerbezirk Leipzig. Grafik: IHK zu Leipzig

Grafik: IHK zu Leipzig

Für alle LeserNatürlich kann auch Leipzig die Corona-Panemie wirtschaftlich bewältigen. China schafft es ja auch. Nicht alle Branchen sind gleichermaßen betroffen. Und die Unternehmer in Leipzig sind nach dem Schreckmoment im Frühjahr mittlerweile deutlich zuversichtlicher, dass die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Denn auch mit Auflagen funktioniert Wirtschaft – nur nicht in allen Branchen.
Prozess gegen „Das Wunder von Mals“: Auch dem Geschäftsführer des Oekom Verlags droht wegen „übler Nachrede“ eine Anklage
Alexander Schiebel. Foto: Jörg Farys, Oekom Verlag

Foto: Jörg Farys, Oekom Verlag

Für alle LeserDer Oekom Verlag hatte 2017 schon den richtigen Riecher, als er Alexander Schiebels Buch „Das Wunder von Mals“ mit dem Untertitel versah: „Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet“. Auch wenn es jetzt ein Südtiroler Landesrat und 1.600 Südtiroler Obstbauern zu sein scheinen, die neben Alexander Schiebel auch Karl Bär, Agrarreferent im Umweltinstitut München, vor Gericht gezerrt haben. Nun wollen sie auch noch Oekom-Verleger Jacob Radloff anklagen lassen. Deutlicher kann die ach so stille Agarindustrie gar nicht zeigen, wie sehr ihr dieser Münchner Verlag ein Dorn im Auge ist.
Lesung: Mächtige Gefühle – Ute Frevert im Gespräch mit Jana Simon
Lesen schafft die Grundlage für komplexes Denken. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Am Samstag, 24. Oktober, geht es um „Mächtige Gefühle“. Die Autorin Ute Frevert stellt in Lesung und im Gespräch mit Jana Simon ihr neues Buch über die Gefühlswelt der Deutschen im 20. Jahrhundert vor.