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Gil Ofarims Antisemitismus-Vorwurf gegen Westin-Hotel: Viele Unklarheiten und neue Fragen

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    Fast zwei Wochen ist es her, dass der bekannte Rockmusiker Gil Ofarim mit dem Vorwurf antisemitischer Ausfälligkeiten gegen einen Mitarbeiter des Leipziger Westin-Hotels für erhebliche Aufregung sorgte – auch über Deutschland hinaus. Laut mehreren Medienberichten gibt es nun aber einige Zweifel an der ursprünglichen Darstellung des Vorfalls bei Instagram.

    Am Dienstag, dem 5. Oktober 2021, hatte der Musiker Gil Ofarim, Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim (1937-2018), ein rund zweiminütiges Video auf Instagram veröffentlicht, in dem er sichtbar aufgewühlt angab, den Abend zuvor durch einen Mitarbeiter des Hotels „Westin“ am Einchecken gehindert worden zu sein.Der Angestellte namens „Herr W.“ habe ihm bedeutet, er solle vorher seinen „Stern einpacken“ – offenbar eine Anspielung auf die Halskette mit Davidstern, die der 39-jährige Künstler trug, so jedenfalls seine Darstellung.

    Ofarim soll keine Halskette getragen haben

    Laut übereinstimmenden Medienberichten gibt es nun aber gewisse Zweifel, ob sich der Vorfall, dem eine Welle der Solidarisierung und Aufmerksamkeit folgte – sogar CNN berichtete über das Geschehene – tatsächlich so zugetragen hat, wie von Ofarim in seinem Video erklärt.

    Denn möglicherweise ist auf der Videoaufnahme einer Überwachungskamera des Hotels von der Rezeption gar keine Halskette bei Ofarim zu erkennen – obwohl diese doch nach seiner Angabe der Anstoß des Vorfalls gewesen sein soll.

    Wie unter anderem Spiegel Online schreibt, sei Ofarim auf den Bildern sichtlich aufgeregt beim Check-In zu sehen. Aus Gründen des Datenschutzes hat das Videomaterial keine Tonspur, sodass nicht zu hören ist, was genau gesprochen wurde.

    Gegenüber der „Bild am Sonntag“ äußerte sich Ofarim auf Nachfrage dazu, es gehe nicht um die Sichtbarkeit der Kette, sondern darum, dass er antisemitisch beleidigt worden sei.

    Strafanzeige und Gegenanzeige

    Der Musiker hatte in der vergangenen Woche Strafanzeige gegen den Hotel-Mitarbeiter gestellt, er und ein weiterer Beschäftigter wurden beurlaubt. Der Angestellte hat Ofarim inzwischen seinerseits wegen Verleumdung angezeigt und schildert die Abläufe offenbar deutlich abweichend von Ofarims Version.

    Aus dessen Sicht sei Ofarim, laut unbestätigten LZ-Informationen, empört gewesen, weil andere Gäste beim Check-In vorgezogen wurden. Dies wiederum soll an einem Ausfall des Computersystems gelegen haben, aufgrund dessen Stammgäste zuerst bedient wurden, deren Daten bereits hinterlegt waren und die unkompliziert per Unterschrift einchecken konnten.

    Ofarim habe deswegen erregt diskutiert, woraufhin ihn der Mitarbeiter aufgefordert haben soll, sich zu beruhigen, andernfalls könne er ihn nicht einchecken. Dass das Wort „Davidstern“ oder ähnliche Begriffe je gefallen sind, bestreitet der angestellte Rezeptionist.

    Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen

    Welche Version nun stimmt, ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen sind. Dass Ofarim der Polizei gegenüber geäußert haben soll, er könne sich nicht mehr erinnern, ob er die Kette getragen habe, wirft allerdings ein gewisses Licht auf den Vorfall.

    Klar ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur, dass etwas passiert ist – jedenfalls wird dies von keiner der beteiligten Seiten abgestritten und das Bildmaterial der Kamera scheint zu eindeutig.

    Daher bleibt das weitere Geschehen abzuwarten. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der Vorfall wesentlich anders ablief, als zunächst von Ofarim geschildert, dürfte er ein massives Glaubwürdigkeitsproblem haben – auch dann, wenn tatsächlich Antisemitismus und Beleidigungen im Spiel gewesen sind. Davon abgesehen, welchen Kreisen so etwas in die Hände spielen würde.

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      10 KOMMENTARE

      1. Visionär ist G. O. Aussage, es ginge ja um Größeres. Ja das stimmt. Es geht um vorauseilendem Gehorsam, mediales Framing, Vorverurteilung, Opportunismus, letztendlich um die gesamtgesellschaftliche Scheinheiligkeit. Er hat letztendlich nur die kostenlose Eintrittskarte für eine bigottes Schauspiel geliefert und die meisten namen sie und gingen hin und klatschten.

      2. An diesem Fall sind ja wie so oft gleich mehrere Dinge seltsam; z.b. warum das beschuldigte Hotel statt der komischen Plakataktion nicht erstmal die eigenen Überwachungskameras überprüft hat, sondern die Zweifel erst zwei Wochen später und nun gerade von BLÖD aufgedeckt werden müssen – aber wie immer wird auch von dieser Twitteraufregung in max. drei Tagen kein Mensch mehr reden.
        Etwas gespannt bin ich ja nur, ob z.b. das MDR-Riverboat den Künstler anläßlich seiner nächsten Kunstproduktion mal wieder in die Talkshow einladen wird & und wie investigativ Herr Kachelmann dann nachhaken wird…

      3. Gibt es denn zu diesem heutigen Zwischenstand gar keine wichtigen Twittermeldungen einzublenden, so wie die circa 8 super relevanten Meinungen im Erstartikel? Hat Igor Levit, der an das komplette Hotel gerichtet „Shame on you Westin“ getwittert hat, nichts dazu gesagt? Hat Herr Dulig nicht vielleicht eine vorschnelle Äußerung geäußert, die man rot und artikelbreit einspiegeln könnte?

        Die Kommentare bei ZEIT.de zum entsprechenden Erstartikel waren, bis auf einen der mir aufgefallen war, alle vorverurteilend, fordernd („ich habe erst mal eine Mail an Mariott geschrieben, was sie dazu sagen“; „ich buche nie wieder in dieser Firmengruppe irgendein Hotelzimmer!“; „schon wieder Sachsen!!!“), genauso wie die Kommentare gestern abend weitgehend in die gegenteilige Richtung schossen, ebenso reflexhaft und mitunter unsinnig.

        Natürlich kann es sein, dass die Halskette gar nicht der sichtbare Anstoß war. Dass er es in der Aufregung, wissend über die Reichweite seines weinerischen Insta-Videos, so umformulierte, oder den vielleicht wirklich erlebten Vorfall in seiner Aussage noch etwas steigern wollte. Vielleicht sogar unbewusst, was weiß ich.
        Wenn man aber als Medium einfach „erst mal“ nicht reagiert auf ein Selfievideo von einem „bekannten“ Sänger (Entschuldigung, an der Stelle musste ich mal schmunzeln…), wenn das platznehmende Aktionsnetzwerk es vielleicht einen Tag aushält sich NICHT zu äußern, oder sich vorsichtig zu äußern und erst dann Platz zu nehmen, wenn mal NICHT jede Äußerung aus der Twitter- und Instagram-Blase in die Artikel gespiegelt wird, sondern vielleicht drei, vier Tage abgewartet würde, auch zurückhaltender berichtet würde, wäre schon viel geholfen.

        Es steht heute nicht fest, was passierte. Das Nichtvorhandensein der Kette im Video heißt nicht, dass es keine antisemitische Äußerung gab. Es entkräftet nur auf beträchtliche Weise das Empörungspotential der digitalen Blase und die Glaubwürdigkeit der Opferaussage. Beides bedauerlich.

        Aber ganz sicher können wir mal wieder lernen einen Gang herunter zu schalten. Selbst wenn der Vorfall den kompletten Wahrheitsgehalt von Herrn Ofarims Aussage wiederspiegelt, braucht sich weder das komplette Hotel „zu schämen“, noch ganz Sachsen. Es soll bitte ermittelt und aufgeklärt werden, gern auch bedauert oder sich für einzelne Verfehlungen entschuldigt. Das sind alles auch Aufgaben des Hotelmanagements.
        Aber wie genau die eilig herbeigeschafften Transparente des Hotels gestaltet sind, oder das „stundenlang“ keine Reaktion, oder keine die der digitalen Meute als außreichend erscheint, vom Hotel zu bekommen war, das sind Dinge, die kann man einfach auch erst mal weglassen in der eiligen Berichterstattung. Man hofiert hier seine Szene ein bißchen zu sehr, scheint es mir.

        Ellen:
        > Wie sollte er es anders verstehen, als in Bezug auf seine David-Stern-Kette und damit auch auf seine jüdische Herkunft bezogen?
        Es gibt diese These, kopiert von ZON:
        „Ein Zeuge (im Foyer des Hotels ausstellender Künstler) hat allerdings im TV berichtet, er habe beobachtet, wie sich Herr Ofarim aufgeführt habe und als Star bevorzugte Behandlung verlangte. Darauf habe jemand aus der Schlange geäussert, den Star könne er einpacken.“
        Stern und „Star“, quasi dasselbe, außer man weiß, dass Herr Ofarim jüdischen Glaubens ist. Wenn er die Kette tatsächlich nicht trug, dann wäre die verlangte Sensibilität eventuell etwas zu viel verlangt.

        Vielleicht warten wir einfach noch ein, zwei Wochen ab? 🙂

      4. Nun, da zeigt ein Mensch in einem sehr emotionalen Video, dass er soeben beleidigt wurde.
        Durch die Worte von hinten „steck deinen Stern ein“ und deren Aufnahme und Wiederholung (vermutlich) von vorn.
        Wie sollte er es anders verstehen, als in Bezug auf seine David-Stern-Kette und damit auch auf seine jüdische Herkunft bezogen?
        Auch wenn er sie, beim Einchecken alleine, nicht öffentlich trug.
        Und zeigt im Video seine öffentlich bekannte Kette, zum Verständnis anderer, worauf sich die Äußerungen für ihn bezogen.

        Und die Äußerung mit dem „Stern“ scheint ja unstrittig zu sein.
        Mindestens wenn man sich das Westin-Banner anschaut, wo dann eine Relativierung des „Sternes“ als Israel-Fahne bzw. „Stern“ im türkischen Halbmond stattfindet.

        Persönlich würde ich ja von einem x-Sterne-Hotel mehr Professionalität erwarten.
        Vor allem unter Stress. Und 20 Minuten am Check-In?
        Ohne erkennbare Beruhigung der (potentiellen) Gäste.. Nunja.

        Und spekulierend würde ich denken, mindestens der „erste Rufer“ wusste, was er tat.
        Und meinte es genauso antisemitisch, wie Gil Ofarim es verstanden hat.

      5. @Saschok: es gibt Momente im Leben, da ist es besser, einfach mal leiser zu treten. Und damit ist explizit Ihr zweiter Kommentar gemeint.

        Zuerst einmal hat Ofarim mit dieser „Kettennummer“ allen (inkl. vermutlich sich selbst) geschadet, die von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit betroffen waren, sind oder betroffen sein werden. Richtig, sehe ich ganz genauso schon jetzt, da dieses „ich erinner mich nicht, ob ich die Kette getragen habe“, ist wirklich heftig. Und genau da sollte man innehalten, denn ob und wie sich Ofarim beledigt gefühlt hat, ist damit nicht abschließend geklärt (in dubio pro reo, immer und in jede Richtung, wie auch beim Hotelangestellten).

        Denn hinzu kommt stets vor Ende einer eventuell noch folgenden Gerichtsverhandlung: So sicher sich nun solche Menschen wie Sie sind, die Wahrheit bereits zu kennen, so sicher bin ich mir, dass man das erst mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer Gerichtsentscheidung sagen kann.

        Es sei denn, wir nehmen auf einmal an, dass die Presse und hier auch explizit die BILD mittlerweile die Gerichtsbarkeit in diesem Land darstellt. Übrigens 😉 als „objektiv“ empfinden Sie stets nur Artikel, die Ihr Weltbild bestätigen. Ist Ihnen das schon mal selbst aufgefallen? ^^

      6. Der von Ofarim produzierte antisemitische Vorfall bedarf der Aufarbeitung. Alle Politiker, die redliche Menschen als Antisemiten und Rassisten beleidigt haben müssen um einigermaßen glaubwürdig zu bleiben sich öffentlich entschuldigen, weil sie nun offensichtlich den Antisemitismus gefördert haben.

      7. Immerhin gibt es eine andere Version (Computerausfall), die dieses ominöse Vorziehen aus der Warteschlange plausibel machen.

        Ehrlich, ich fand es schon am Abend des Vorfalls sehr „verdächtig“, dass nur so zwei-drei Details (Davidstern, Warteschlange, allgemeine Erregung,…) bekannt wurden und es einfach nicht mehr wurde, auch nicht am nächsten Tag.

        Normalerweise prasseln von einem Vorfall erstmal viele Kleinigkeiten, auch falsche, in die Nachrichten. Es ist durchaus nicht so, dass alle gleich ganz professionell „dichthalten“ und nichts „sagen“.

        Die Ermittler machen sowieso ihr Ding. Mal sehen, was da herauskommt… :-/

      8. Na schön. Wie ich schon vor Tagen schrieb und aus Interna wusste bleibt kaum was vom antesesemitischem Vorwurf übrig. Danke Ofarim Du hast uns einen Bärendienst erwiesen. Aber jetzt noch schnell bevor die Wahrheit offiziell wird die Bigotterie zurücknehmen kokott dulig und die anderen Möchtegern. Die Danke an die einigermaßen objektiven Artikel der Liz.

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