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Diskussion zur Coronalage in Sachsen: Die Rückkehr der Krisentreffen

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    Viele dürften nach dem vergangenen Winter gehofft haben, dass die Zeit der Corona-Krisentreffen vorbei ist. Dass das Virus nicht so schnell besiegt werden kann, war klar, aber vor allem eine hohe Impfquote sollte dafür sorgen, dass das Problem künftig überschaubar bleibt. Diese Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Während die Impfquote in Sachsen brutal niedrig ist, schießt die Zahl der belegten Krankenhausbetten rasant in die Höhe. Am Montag, dem 1. November, fand deshalb ein Online-Krisentreffen mit Vertreter/-innen der Landesregierung, Expert/-innen und anderen Betroffenen statt.

    Ziel dieses Treffens war es unter anderem, in der Bevölkerung für die aktuelle Situation zu sensibilisieren. „Die Zunahme liegt deutlich über dem, was wir vor einem Jahr erlebt haben“, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zur Einführung. Er sei überzeugt davon, dass es mit den bisher beschlossenen Maßnahmen nicht zu schaffen sei, die Zahlen im Griff zu behalten.Das ist eine Einschätzung, die viele an diesem Nachmittag teilten. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach von einer „bedenklichen Entwicklung“ und Christoph Josten vom Uniklinikum Leipzig warnte: „Wir stehen vor einer Tsunamiwelle.“

    Krankenhäuser nicht mehr so leistungsfähig

    Ein großes Problem sei, dass die Krankenhäuser nicht mehr so leistungsfähig wie vor einem Jahr seien, erklärte Michael Albrecht von der Uniklinik Dresden. Zwar sei die Zahl der Betten nicht gesunken, aber die Zahl der „betriebsfähigen Betten“, vor allem im Intensivbereich. Grund dafür: ein hoher Krankenstand in der Pflege und im Laufe des Jahres große Abwanderung von Pflegekräften in andere Berufe.

    Albrecht prognostizierte, dass die Krankenhäuser bereits in zwei Wochen überlastet sein werden. Aktuell sind 776 Betten auf Normalstationen und 199 Betten auf Intensivstationen belegt. Beides gilt als „Vorwarnung“. Sollte auf Normalstationen die Zahl von 1.300 und auf Intensivstationen die Zahl von 420 erreicht sein, wäre von „Überlastung“ die Rede.

    Besorgniserregend ist vor allem der schnelle Anstieg: Vor einer Woche waren es noch 134 Patient/-innen auf Intensiv- und 461 Patient/-innen auf Normalstationen. Albrecht gab zudem zu bedenken: „Jede Maßnahme benötigt mindestens zwei Wochen, bis sie wirkt.“ Das bedeutet: Die Landesregierung müsste sofort handeln, um das Schlimmste zu verhindern.

    Forderungen nach 2G

    Allerdings scheinen die Möglichkeiten begrenzt, sofern man nicht erneut einen kompletten Freizeit-Lockdown mit Ausgangssperren und ähnlich drastischen Maßnahmen in Betracht ziehen möchte. Ein Ansatz lautet daher: 2G massiv ausweiten. Das forderten auch mehrere Expert/-innen in der Runde. Dann würden nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu vielen Einrichtungen erhalten. Gegenwind kam vor allem von Interessenvertretern der Wirtschaft.

    Auch die Impfquote müsse sich deutlich erhöhen, waren sich so gut wie alle einig. In Sachsen sind lediglich 57 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Damit liegt der Freistaat rund zehn Prozentpunkte hinter dem Bundesdurchschnitt. Als „beschämend schlecht“ bezeichnete Thomas Grünewald aus der Sächsischen Impfkommission diesen Wert.

    Impfungen helfen kurzfristig kaum

    Zwar gelten Impfungen langfristig als das beste Mittel, um die Pandemie in den Griff zu bekommen – kurzfristig helfen sie aber kaum, betonte Ministerpräsident Kretschmer. Schließlich würde mindestens ein Monat vergehen, bis der volle Impfschutz greift. Dann wären die Krankenhäuser nach aktuellem Stand bereits seit circa zwei Wochen überlastet.

    Häufig war in der Runde auch die Forderung zu hören, dass das Testen wieder massiv ausgeweitet werden müsse – auch für Geimpfte. „Das wird ein Thema auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz sein“, entgegnete Kretschmer. Er verwies auf Kosten von einer Milliarde Euro pro Monat. „Das ist ein gewaltiger Betrag. Aber falls er einen neuen Lockdown verhindern kann, sollte man es tun.“

    Die Diskussion zum Nachhören:

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