Wie schön, dass Träume keine Grenzen haben und letztendlich die Kraft zum Handeln geben. Bis vor ein paar Jahren waren meine Träume etwas, von dem ich davon ausging, ich könnte es ansatzweise realisieren, umsetzen.

Doch seit 2019 träume ich anders. Ich wusste schon lange: Wir belasten unsere Erde zu sehr, da muss sich was ändern. Doch erst die krassen, geballten Fakten seit 2019 zeigten mir die Dringlichkeit des Handelns und sie zeigten mir die ernüchternde und schockierende Realität, dass wir unsere Lebensgrundlage, diese wunderschöne Erde seit Jahrzehnten wissentlich zerstören, damit die Aktienkurse und Dividenden noch für wenige Jahre steigen, damit die Wirtschaft noch ein paar Jahre am Laufen bleibt nach dem Motto „nach mir die Sintflut“. Unsere „Gier nach mehr“ zerstört uns.

Diese Erkenntnis machte mich fassungslos, ich hielt es für unmöglich, dass unsere Politiker und Wirtschaftsvorstände für kurzfristigen Wohlstand (denn das sind 40 Jahre in der Geschichte der Menschheit und seit den 80er Jahren liegen die Erkenntnisse vor) unsere Erde opfern. Fassungslos.

Und je tiefer ich hinschaute, umso mehr erkannte ich, wie krank unser System ist: Wir erkranken an unserem Wohlstand – an mangelnder Bewegung – an unserer Ernährung: 70 % der Patienten sitzen in den Wartezimmern, weil sie an ihrer Ernährung krank geworden sind. In einem der reichsten Länder der Erde essen wir uns krank: zu viel Fleisch, zu viel Zucker (Fertigprodukte), zu viele Zusatzstoffe, Chemikalien, Antibiotika, Pestizide. 180.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich vorzeitig daran. Mit mangelnder Bewegung, Rauchen und Alkohol verdoppelt sich die Zahl. Jahr für Jahr.

Ich brauchte lange, um die Chance zu erkennen, die in der Krise für uns alle liegt. Denn in jeder Krise steckt eine Chance, in jeder. Und seitdem ist aus mir ein Rebell geworden, mein Herz hat mit über 60 Jahren angefangen, politisch zu schlagen und ich träume größer denn je.

Cordula Weimann, Gründerin von Omas for Future. Foto: Wolfgang Schmidt
Cordula Weimann, Gründerin von Omas for Future. Foto: Wolfgang Schmidt

Ich träume von einer Welt, in der die Menschen nicht geboren sind, um Geld zu verdienen, sondern um in Freude, mit Vertrauen und Liebe ihr Leben zu leben. In der nicht diejenigen die meiste Macht und Anerkennung haben, die Geld zu ihrer Religion erhoben haben, sondern die, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Wir sprechen von Naturschutz und meinen die Wälder, die Flüsse, Pflanzen und Tiere. Doch ich bin auch Natur – und du auch. Wir können uns von der Natur da draußen nicht trennen. Was wir ihr zufügen – das fügen wir uns zu.

Ich träume von einer Welt, in der wir diese Verbundenheit mit der Natur, die die meisten von uns (zumindest in vielen Vorstandsetagen) nicht mehr spüren können, wiederentdeckt haben.

Ich träume von einer Welt, in der es um Glücklichsein und Liebe geht – denn letztendlich sehnen wir uns alle danach. Beides kann ich nicht kaufen. Mit keinem Geld der Welt. Glückliche Momente haben bei mir immer etwas damit zu tun, dass ich mich eingelassen habe. Eingelassen auf die Natur – eingelassen auf die Liebe. Glück kann ich nicht bestellen, leasen oder buchen – auch wenn das die Werbung verspricht.

Was die Werbung verspricht, befriedigt das Ego – es macht mich stolz, gibt mir ein Gefühl, wichtig zu sein. Gefühle des Glücks und der Liebe entstehen im Herzen – das Herz wird offen und weit – weil ich mich einlasse. Auf die Liebe, auf den Moment, auf die Natur, auf das, was gerade ist. Letztendlich macht mich Fühlen glücklich – und nicht haben.

Wir sind technisch in der Lage, energieneutral zu leben, vollständig umweltverträgliche Produkte zu produzieren. Die Planetary Health Ernährung macht uns gesund und 10 Mrd. Menschen satt, ohne dass es die Erde belastet.

Es ist alles da für ein Leben in Glück und Liebe – ich träume davon, dass alle Mächtigen dieser Erde, vor allem die Werbeindustrie und die Medien dies erkennen, handeln, es verbreiten, allen Menschen sagen und unsere Erde und damit unsere Lebensgrundlage doch noch gerettet werden kann. Für immer.

Darum habe ich die Omas for Future gegründet.

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„Wenn Leipziger/-innen träumen: I have a dream“ erschien erstmals am 16. Dezember 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 109 der LZ finden Sie unter anderem in Großmärkten und Presseshops sowie bei diesen Szenehändlern.

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