Schwarwels Fenster zur Welt

Guten Appetit

Für alle LeserSo eine Drehtür hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Türen. Man kann sich in ihr im Kreis bewegen und verbleiben. Besonders beliebte Varianten sind die, wo man dazu nicht einmal selbst laufen muss. Man wartet einfach ab, bis man selbst bereit ist, aus- und in einen schönen neuen Posten einzusteigen. Ich hätte einen Vorschlag zu dieser Tür und einem Mann, der gerade 500 Millionen Europäer und ne Menge mehr Bienchen unter heimlicher Zustimmung von Mutti weitere 5 Jahre mit einem schönen Pestizid namens Glyphosat versorgt hat: Steigt der feiste Schmidtie demnächst oder später Richtung Chemie- oder Agrarindustrie aus, sollte er vor Gericht gestellt werden. Und Ihr alle gleich mit! Warum? Nun, die Ilse ist sauer, 180 Puls! Wegen Euch!

Denn höret Ihr dummen Menschen, wollte der weise Landwirtschaftsminister eigentlich sagen: Ihr fresst doch gern mit allerlei sattem Grün, Roggen, Hafer und Gerste gemästete Kuh, Lamm und Schredderschwein? Zum Schnitzel noch ne fette Sättigungsbeilage, Salat auch im Winter wie gemalt und jeden Tag bis zur Besinnungslosigkeit Enten, Gänse, Hühner und anderes Flattertier? Kartoffeln – aber nur die ganz runden – Tomaten auch an Heiligabend, Gurke gefälligst ohne Druckstelle und natürlich Fische, Fische, Fische – an jedem Tag, den der Herr werden lässt!

Und ist es nicht die chemische Industrie, die Euch das täglich Hauptgericht, die Nachspeise und auch Euren schnellen Burger zwischendurch organisieren muss? Warum werdet Ihr nicht satt? HUNGER ruft es aus den wachsenden Städten der westlichen Hemisphäre, in denen man echten Hunger nicht mehr kennt. HUNGER schreit es aus den vollkommen entseelten Hirnen, denn Essen ist der neue Sex: Schatz, ich liebe Dich und schenke Dir ein letztes Abendmahl. Zum Ficken gehen wir ins Internet.

Die Kochsendung ist Euch der Gottesdienst und unser täglich Bratenstück gib uns heute und immerdar! Denn „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“ und wer will schon wissen, was das Schwein gefressen hat, bevor es sich hinter fensterlosen Wänden auf wundersame Art in Wurst verwandelte?

Deshalb auch mal was zu den Bienen

Dann lebt auch damit, dass wir Politiker, Lobbyisten und so mancher Journalist eben besser wissen, was für Eure adipösen Leiber und Euren Blutdruck gut ist und der Industrie nützt. Denn wenn der Quartalsbericht an die Börsen dieser Welt geht, ist Showdown angesagt. Und schließlich bezahlen, Stopp! spenden Monsanto, Bayer, die chemische Industrie und die ganzen anderen agrawirtschaftlichen Verbände so viel Geld an die Politik. An alle übrigens (außer der Linken), man muss ja vorbereitet sein auf Dummheiten.

Das hält uns wach, ist also auch gut für unsere Obacht auf die vielen, vielen Arbeitsplätze. Gut, auch wir wissen, dass die Maschinen in der Agrarindustrie längst automatisch rumfahren, aber es klingt so schön. Horcht: Aaaarbeiitsplääätze! Und hier: Kann man Bienen etwa essen? Biene an Rotwein, schon mal auf irgendeiner Karte gesehen? Bienenfilet auf Salatbeet? Na also.

Vertraut uns: Genfood kommt. Die Biene geht. Weil Ihr es so wollt. Guten Appetit allerzeiten und immer ein Spanferkel unterm Buslenkerarsch. Denn Eure Gier ist uns Politik genug.

Es grüßen aus der Drehtür Eure CDU/CSU. Und Euer lieber Christian Schmidt, noch gewählter Landwirtschaftsminister auf Abruf. Die Jobangebote sind bereits sondiert.

Postscriptum

Seid doch mal ehrlich. Ihr wollt die Wahrheit doch gar nicht wissen. Sonst würdet Ihr doch längst Schrumpeläpfel vom Bio-Bauern kaufen, Euch wenigstens ab und zu statt einer Fertigpizza oder einem fetten Stück Fleisch ein paar gebackene Kartoffeln ins Gesicht drücken. Oder mal wirklich Kochen lernen und Euch bescheiden. Stattdessen fresst Ihr, als ob es kein Morgen gäb und hasst jeden, der Euch fragt, ob das gutgehen kann. Dann lebt halt mit der Vernichtung der Natur, ihr habt uns doch dafür gewählt und noch immer gilt: Auch in der Politik ist der Kunde König!

Was uns zur Drehtür zurückbringt. Die steht uns zu, bei all dem, was wir Politiker mit Euch ertragen müssen. Und das ist echt nicht leicht: Genfood, Pestizide, Insektentod, Vogelsterben, Fischausrottung und damit das Verschwinden von ganzen Tierarten liegt einem ja auch ab und zu auf der Seele (und im Magen) – wenn man so in der Nacht schweißgebadet unter einem Wohlstandsranzen aufwacht. Das braucht einfach einen gewissen finanziellen Ausgleich nach all dem Stress auf einem ruhigen Aufsichtsratsposten.

Wen interessiert da bitteschön Eure Frage nach einer großen Koalition?

Hier kann man eine Petition für den Rauswurf von Christian Schmidt unterschreiben. Was immer es nützt.

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