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Leserbeitrag zu Coca-Cola Weihnachtstrucks und ein paar Fragen an den Leipziger OBM

Von Reinhard Wylegalla: Sehr geehrter Herr Jung, in der Windmühlenstraße parkten am vergangenen Sonnabend, dem 10.12., nach Einbruch der Dunkelheit fünf jeweils 16 Meter lange Trucks. In der Erwartung, dass im rot illuminierten plüschig-puffigen Innern gleich ein paar sparsam kostümierte Table-Tänzerinnen eine heiße Nummer abziehen würden, holte ich flugs mein Opernglas aus der Schublade, um das Spektakel vom Balkon aus zu beobachten. Meine Erwartungen wurden allerdings enttäuscht: Hier ging es gar nicht um eine mobile Erotic-Show, sondern der „Coca-Cola-Weihnachtstruck“ hatte Leipzig erreicht, um auch hier die Bevölkerung zu beglücken.

Beglücken? Ich habe gar nichts dagegen, wenn jemand Coca-Cola trinkt. Das Erfrischungsgetränk mit dem aus ernährungsphysiologischer Sicht bedenklich hohen Zuckergehalt ist einst in den USA durch einen drogensüchtigen Pharmazeuten mit kaufmännischer Kompetenz (oder war es ein Kaufmann mit pharmazeutischer Kompetenz?) entwickelt worden und wird seitdem bis in die entlegensten Winkel der Welt vertrieben.

Eine offene Gesellschaft muss es zwar aushalten können, wenn solch ein multinationaler und marktbeherrschender Konzern mit einem an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietenden „Weihnachtstruck“ versucht, die Konsumgewohnheiten der Menschen zu seinen Gunsten zu manipulieren. Kein Verständnis habe ich aber dafür, dass die Kommune unter Verwendung von Steuermitteln solch einem scheußlichen Werbefeldzug auch noch den Weg ebnet. Oder wurden die Kosten für das Abschleppen parkender Fahrzeuge in der Windmühlenstraße, den Einsatz zahlreicher Ordnungs- und Sicherheitskräfte sowie die Polizei etc. durch „Coca-Cola“ finanziert?

Ich glaube nicht. Die Einkommen- und Umsatzsteuer, die ich als Ruheständler aus freiberuflicher Arbeit generiere und an den Fiskus entrichte, wüsste ich lieber für den Bau bezahlbarer Wohnungen und Kindertagesstätten, Bildung und Kultur und viele andere Zwecke, die uns nach vorn bringen, verwendet. Ich lasse mich aber gern korrigieren. Vielleicht habe ich ja übersehen, dass dieser Truck die sogenannten abendländischen Werte verkörpert, die wir unter allen Umständen verteidigen müssen.

Ich habe einen Migrationshintergrund und bin erst seit sechzehn Jahren sehr gern in Leipzig zu Hause. Deshalb weiß ich nur vom Hörensagen, dass es hier „in grauer Vorzeit“ Massenveranstaltungen gegeben haben soll, auf denen der Sozialismus verherrlicht wurde. Nun muss ich Zeuge von „Events“ werden, auf denen dem Turbokapitalismus und dem Marktfetischismus gehuldigt wird. Ich frage mich: Wo ist der Unterschied?

Mit freundlichen Grüßen

Reinhard Wylegalla

Coca Cola rollt durch Leipzig / Video Youtube, Privat

* Video *MelderCoca Cola
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Foto: courtesy of the National Museum of Health and Medicine, Armed Forces Institute of Pathology, Washington, D.C., United States

Für FreikäuferLZ/Auszug aus Ausgabe 60, seit 19. Oktober im HandelDer 19. Oktober 1918. In drei Wochen ist der Krieg vorbei. Im Osten ist er seit dem 3. März 1918 vorüber. Der Friede von Brest-Litwosk beendete die Kampfhandlungen zwischen Russland und dem Deutschen Reich. Für die Leipziger bleibt es ein seltsam ferner Krieg, denn im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg ist Deutschland nie selbst Schauplatz, auch in Prag, was damals noch zu Österreich/Ungarn gehört, wird nicht gekämpft. Es verwundert daher nicht, dass sich das Leipziger Gewandhausorchester auf den Weg in die heutige tschechische Hauptstadt gemacht hat, um bei den Verbündeten einen Beweis seines Könnens zu liefern.
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