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Gold für Deutschland

Kanu-Slalom: Andrea Herzog wird Weltmeisterin

Am letzten Tag der Kanuslalom-Weltmeisterschaften im spanischen La Seu d'Urgell kann das DKV-Team endlich jubeln. Die Jüngste im Kader, die 19-jährige Andrea Herzog aus Leipzig paddelte am im Canadier-Einer zu Gold. Mit einem fehlerfreien Finallauf setzte sie ihre Konkurrenz unter Druck.

So leistete sich die Australierin Jessica Fox eine Torberührung und landete damit auf Rang zwei. Bronze holte die Österreicherin Nadine Weratschnig. Bereits im Halbfinallauf sicherte sie den Olympia-Quotenplatz und konnte damit befreit in das Rennen gehen. In der zeiten Entscheidung am Sonntag verpasste Titelverteidiger Hannes Aigner aus Augsburg wegen seiner frühen Berührung an Tor drei nur ganz knapp den Finaleinzug.

Insgesamt musste das DKV-Team aber viele Niederlagen einstecken. So konnten Canadierfahrer den Olympia-Quotenplatz nicht sichern, damit steht auch noch kein deutsches Olympia-Boot in dieser Kategorie fest. Den ersten Quotenplatz für Deutschland sicherte Ricarda Funk im Kajak-Einer am Samstag. Im Finallauf landete sie auf Rang fünf. Bei den Mannschaftswettbewerben am Mittwoch blieben die Deutschen in allen Disziplinen medaillenlos.

Bereits im Halbfinale fuhr Herzog eine überragende Zeit, berührte aber zweimal einen Torstab. Im Finallauf sollte alles klappen. „Unglaublich. Ich hatte nie gedacht, dass es so gut ausgeht. Ich hatte gehofft, dass es vielleicht irgendwie für eine Medaille reicht, hätte aber niemals mit Gold gerechnet.“ Die lange Qualifikationsphase war für alle im Team nervenaufreibend.

„Ich bin jetzt einfach nur happy, das es jetzt vorbeit ist.“ Wie sie die Nerven behalten konnte, beschreibt die junge Athletin so: „Ich habe eigentlich immer nur gedacht, dass es um mich geht, dass ich meine Leistung hier zeige. Und nie versuche, daran zu denken, dass ich den Quotenplatz für Plympia rausfahren muss. Ich wollte einfach nur zeigen, was ich kann.“

Ihr Trainer, Felix Michel kann es noch gar nicht richtig glauben: „Ich freue mich riesig. Es ist ein Wahnsinnergebnis, was wir uns alle so nicht ausgemalt hatten, dass es wirklich schon so weit gehen kann. Herzog zeigte die ganze Saison über, dass sie in der Weltspitze mitfahren kann. „Es fehlte immer so das letzte Quäntchen, um wirklich vorzustechen und sie hat es heute wirklich einmal runtergebracht, von oben bis unten. Das macht mich unheimlich stolz“, sagte ihr Trainer. So war sie auch in der Lage, die kleinen Fehler aus dem Halbfinale nicht noch einmal zu begehen. Der Lohn: Gold.

Die beiden anderen C1-Halbfinalistinnen schafften es nicht in das Finale. Besonders Pech hatte Elena Apel aus Augsburg. Wegen eine unglücklichen Torstabberührung wurde die 21-Jährige Halbfinal-13, hatte sie 0,93 Sekunden Rückstand auf den letzten Finalplatz. Jasmin Schornberg (Hamm) schied als Halbfinal-18. aus.

Die Kanuslalom-Weltmeisterschaften im spanischen La Seu d’Urgell sind für die DKV-Athleten trotzdem nicht nach Wunsch verlaufen. Alle Olympia-Quotenplätze zu holen, war das Ziel. Zudem zwei Medaillen in den olympischen Disziplinen. DKV-Präsident Thomas Konietzko sagte: „Wir sind mit einer großen Erwartungshaltung hierhergekommen. Leider konnten wir nicht alles erreichen. Alles in allem haben wir noch einiges zu tun. Aber ich glaube, wir können hier mit einem guten Abschluss nach Hause fahren.“

Kajak-Männer scheitern im Halbfinale

Bei Hannes Aigner fehlten lediglich 0,81 Sekunden für den Finaleinzug. Als Halbfinal-Zwölfter erpaddelte er jedoch den Olympia-Quotenplatz. Die nationale Qualifikation um das Olympia-Ticket htte der 30-Jährige bereits schon vor der WM für sich entschieden. Mit der Titelverteidigung hat es allerdings nicht geklappt. Druck wegen der „Ich fühlte micht gut, war hier auch gut vorbereitet“, sagte Aigner.

„Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Es ist ärgerlich, dass ich nicht noch einmal versuchen kann, in die Medaillenränge herein zu fahren“, sagte er nach seinem knappen Halbfinalausscheiden. Auch für seine Mannschaftskollegen Tim Maxeiner (Wiesbaden) und Fabian Schweikert (Waldkirch) verpassten mit den Halbfinal-Rängen 30 und 39 den Finaleinzug.

Kein Olympia-Quotenplatz für C1-Herren

Völlig überraschend war der Finaltag am Samstag. Die Männer im Canadier-Einer holten keinen Olympia-Quotenplatz, Franz Anton aus Leipzig und Florian Breuer aus Augsburg scheiterten mit den Plätzen 19 und 21 bereits im Halbfinale. „Ich hatte einen gedeckten Tisch und musste mich nur noch dransetzen“, sagte ein enttäuschter Anton nach dem missglückten Halbfinallauf. „Es ist wie ein Schlag ins Gesicht und noch dreimal nachgetreten“, beschrieb Anton seine Gefühle nach dem Ausscheiden.“

So platzierten sich zwölf Nationen vor Deutschland, elf Quotenplätze wurden vergeben. Jetzt gibt es nur noch eine Chance für die deutschen Canadierfahrer: Einer muss sich zu den Europameisterschaften in London nächstes Jahr vor den Italienern und Russen platzieren. Wem das gelingt, der darf nach Tokio fliegen. Für den Augsburger Sideris Tasiadis waren schon die Qualifikationsläufe am Donnerstag Endstation.

Unglücklich ein Tor verpasst, musste er seine Chance in der Hoffnungsrunde nutzen. Im ersten Qualifikationslauf mit Führungszeit unterwegs, fuhr er aufgrund eines Fehlers an Tor 23 gegen eine Stange, stieß sie weit weg und bekam im Nachhinein eine 50-Sekunden-Strafe vom Kampfrichter. Auf Videobeweisen konnte weder das korrekte Befahren noch das Verpassen des Tores eindeutig festgestellt werden. Deshalb zählte die Aussage des Kampfrichters. So musste er, wie sein Augsburger Kollege Florian Breuer, im zweiten Lauf an den Start gehen, bei dem sich die zehn Besten noch für das Halbfinale qualifizieren konnten.

Doch die Entscheidung bekam Tasiadis nicht mehr aus seinem Kopf. „Ich hätte mir gewünscht, dass in so einem nicht eindeutigen Beweis für den Sportler entschieden wird. Diese ganze Situation fand ich voll gegen mich.“ Das Erlebte abzuhaken und einen guten zweiten Lauf zu zeigen, misslang, als Tasidis Tor acht berührte. Danach wollte der 29-Jährige auf Nummer sicher gehen, umfuhr die Stangen nicht eng genug und verlor damit zu viel Zeit und landete auf Platz 16. „Ich glaube, wenn man während des Laufs anfängt zu denken, dann ist es eignetlich schon zu spät. Da fährt man nicht mehr sein Ding runter“, erklärte Tasiadis. Am Ende fehlten 1,32 Sekunden auf Rang zehn.

Der Ausgang bei den Canadier-Herren hat die Planungen zur Olympia-Vorbereitung völlig über den Haufen geworfen. „Wir müssen uns jetzt ganz genau überlegen, wie wir die weitere Vorbereitung gestalten“, sagte Michael Trummer, Mannschaftsleiter bei der WM. Eigentlich hatte sich der DKV erhofft, in Richtung Olympia eine andere Vorbereitung zu haben. Mitte Oktober sollten die Olympia-Boote schon zum Training nach Tokio fahren.

„Doch für den Canadier-Einer gilt es jetzt erst einmal, in London den Olympia-Quotenplatz zu holen. Entsprechend denke ich, wird man jetzt andere Planungen aufstellen müssen. Und dann hoffentlich in London erfolgreich sein. Der Fokus für den Canadier-Einer kann jetzt nicht auf Tokio liegen.“

Einen Zweifel an der erstmals so vollzogenen nationalen Olympia-Qualifikation hegt Trummer nicht: „Sicherlich war die Saison mit diesen Olympia-Qualifikationen eine ganz besondere, aber das haben wir gewusst. Wir wissen auch, dass der Druck bei Olympia nochmal viel höher ist, als er jetzt hier gewesen ist. Jetzt müssen wir damit umgehen, müssen unsere Rückschlüsse ziehen und ganz in Ruhe mit den Trainern und Sportlern planen und die Strategie entwickeln, wie das noch alles funktionieren kann, dass wir auch im Canadier bei Olympia dabei sind.“

Kajakfahrerinnen solide

Im Kajak-Einer der Damen war der Olympia-Quotenplatz bereits vor dem Halbfinale den Deutschen sicher, da sich Sportlererinnen aus nur 18 Nationen qualifiziert hatten. Allerdings erhoffte man sich von Ricarda Funk (Bad Kreuznach) mehr als den fünften Platz. Zumal sie noch Schnellste im Halbfinale war. Die zweite Finalisten Elena Apel aus Augsburg war überglücklich: „Ich finde, besser hätte es nicht laufen können Es war schon krass, dass ich ins Finale gefahren bin.“ F

ür die 21-Jährige, die eigentlich im C1 zu Hause ist, war bereits der Finaleinzug ein großer Erfolg. Am Ende landete sie auf Platz acht. Aber auch Funk ist zufrieden. „Sicher hätte ich auch gern eine Medaille gehabt, aber so ist das in unserem Sport. Und mein großes Ziel habe ich erreicht“, sagte die Bad Kreuznacherin.

„Mich hat das Ganze mit der Quotenplatzregelung mit den Doppelstartern ganz schön beschäftigt“, sagte Funk. Hintergrund: Hätte Apel den Quotenplatz auf sich verbucht und am nächsten Tag im C1 auch, hätte Deutschland in einer der beiden Disziplinen einen Olympia-Platz zurückgeben müssen. „Deshalb wollte ich heute unbedingt bestes deutsches Boot werden, damit die Mädels morgen komplett alle Optionen offen haben.“

Deutsche verpassen Medaillen in Team-Wettbewerben

Den WM-Auftakt am Mittwoch hatten sich die Deutschen auch anders vorgestellt. Zwar stimmten die Laufzeiten, aber zu viele Fehler kosteten drei von vier Teams die Medaillen. Bestes deutsches Team wurden die Männer im Kajak-Einer mit dem sechsten Platz. Die K1-Herren mit Weltmeister Hannes Aigner (Augsburg), Tim Maxeiner (Wiesbaden) und Fabian Schweikert (Waldkirch) leisteten sich zwar nur eine Torstangenberührung, der Rückstand von 6,65 Sekunden auf Weltmeister Spanien war für einen Podestplatz trotzdem zu groß. Silber und Bronze gingen an Tschechien und Polen.

Dennoch war Aigner nicht unzufrieden: „Wir sind so das erste Mal zusammengefahren und hatten in der Vorbereitung zu wenig Zeit, um das Fahren im Team ausreichend zu üben“, sagte er. Zur EM in Pau dieses Jahr konnten Tim Maxeiner und Fabian Schweikert berufs- und verletzungsbedingt nicht antreten.

Die  K1-Damen mit Ricarda Funk, Jasmin Schornberg und Elena Apel paddelten mit zwei Torstabberührungen auf Platz sieben, mit 3,45 Sekunden Rückstand auf Weltmeister Großbritannien. Silber und Bronze holten an Tschechien und Russland. Die C1-Herren mit Sideris Tasiadis, Florian Breuer und Franz Anton belegten mit drei Torstangenberührungen am Ende Platz acht. Es gewinnt die Slowakei vor Tschechien und Russland.

Und bei den C1-Damen mit Andrea Herzog (Leipzig) und den Doppelstarterinnen Apel und Schornberg kostete ein verpasstes Tor die Medaille. Sie landeten damit auf dem zehnten Rang. Weltmeister wurde Australien vor Spanien und Tschechien.

DKV-Präsident Thomas Konietzko spricht über die natinale Qualifikation –  War sie richtig?

Die Planungen zur Olympia-Vorbereitung sind über den Haufen geworfen. Die Männer im Einer-Canadier konnten keinen Olympia-Quotenplatz holen. Die nationale Entscheidung ist damit hinfällig. Wie geht es nun weiter. Eigentlich sollten alle Olympia-Boote bereits Mitte Oktober nach Tokio zum Training fahren. War das

DKV-Präsident Thomas Konietzko sagte: „Fakt ist, dass wir ein sehr hartes Qualifikationssystem in diesem Jahr erstmals eingeführt haben. Die Sportler haben sich damit zu allererst darauf konzentriert, den internen Teamwettbewerb zu gewinnen. Und vielleicht kommt daher auch der Sapnnungabfall in den Finals und die fehlenden Medaillen. Jetzt müssen wir die Situation analysieren.“ Trotzdem, laut Konietzko sollten Canadierfahrer auch mit nach Tokio fahren, weil ich fest der Meinung bin, dass wir im nächsten Jahr den kontinentalen Quotenplatz holen. Und darüber doch noch einen Canadier nach Tokio bringen.

An der Art der Qualifikation zweifelt der DKV-Präsident nicht: „Ich glaube, dass wir vielles richtig gemacht haben. Wir wollten den besten und auch nervenstärksten Sportler haben. Diese Kombination finden wir nur, indem wir einen harten Qualifikationsprozess eingeführt haben. Deshalb denke ich, spricht das Ergebnis für sich. Was wir neu überdenken müssen, dass es nach der Entscheidung bei einer WM keinen Spannungsabfall mehr geben darf, weil die Medaillen für uns auch wichtig sind.“

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