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Initiative Kantatenweg 31 zeigt sich enttäuscht von der Reaktion der Stadt auf ihre Anfrage

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    Bürger haben meist ein gutes Gespür für die Chancen und Potenziale ihres Ortsteils. Nur: Kaum jemand redet mit ihnen darüber. Investoren und Grundstückseigentümer machen ihr Ding, ohne groß zu fragen. Oder auch nicht. Und die Stadtverwaltung tut sich auch nach jahrelanger Erfahrung mit „Bürgerbeteiligung“ schwer mit einem wirklichen Dialog auf Augenhöhe. Beispiel: das Schösserhaus im Kantatenweg in Kleinzschocher.

    In der Ratsversammlung am Mittwoch, 22. August, erfragte die Initiative für den Kantatenweg 31 die städtischen Prioritäten für das Gelände und kritisierte die Langwierigkeit der Planungen. Das Schösserhaus ist eines der letzten erhaltenen Gebäude des einstigen Schlossensembles in Kleinzschocher. Das Schloss selbst wurde im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört. Aber der Ort ist auch als Aufführungsort für Bachs „Bauernkantate“ bekannt. Diese wurde hier auf dem Rittergut Kleinzschocher am 30. August 1742 erstmals aufgeführt.

    Aber die Stadt hat noch immer keine Idee, wie sie mit diesem Erinnerungsort umgehen soll. Es gibt auch keinen Plan zum Erhalt des Schösserhauses, das für Kleinzschocher eine ähnliche Rolle spielen könnte wie das Körnerhaus in Großzschocher oder das Schillerhäuschen in Gohlis.

    Es droht weitere Jahre ohne sichernde Nutzung auf die zähe Entwicklung des restlichen Geländes warten zu müssen, denn die Stadt möchte für das alte Schlossgrundstück erst einmal einen Bebauungsplan aufstellen.

    „Dies ist das Todesurteil für die von der Stadt gerade erst vorgeschlagene, bezahlbare, soziokulturelle Nutzung. Wenn nicht gar für den Erhalt des Schösserhauses an sich“, kritisiert die Initiative Kantatenweg 31. Die Initiative bemängelte in der Ratsversammlung vor allem  den fortschreitenden Verfall des historischen Schösserhauses als Konsequenz der langen, bisher folgenlosen Planungen. Erst durch das Engagement seitens der Initiative sei es zu ernsthaften Gesprächen über die Zukunft des Geländes gekommen.

    „Seit zehn Jahren passiert nichts und es ist unklar, wann die LWB und die Stadt überhaupt etwas auf dem Grundstück machen werden. Warum braucht es immer erst den öffentlichen Druck und die Zuarbeit der Bürger, damit etwas geschieht?“, kritisierte Christiane Winkler, Sprecherin der Initiative.

    Planungsbürgermeisterin Dorothee Dubrau benannte am Mittwoch die schon länger bekannten Argumente der LWB, warum im letzten Jahrzehnt nichts passiert ist. Seit 2008 wurde die Chance verpasst, das Schösserhaus von der Entwicklung des restlichen Geländes zu trennen und endlich zu sanieren. Durch das Fehlen einer wenigstens den Bestand sichernden Zwischennutzung kam es in den letzten zehn Jahren zu steigenden Kosten bei der Sicherung und dem zunehmenden Verfall des Baudenkmals.

    Die LWB und die Stadt hätten zu verantworten, dass es jetzt gemäß der Baubürgermeisterin als „baulich unsicher“ gilt und eines erheblichen Sanierungsaufwands vor jeglicher Nutzung bedürfe.

    „Das Denkmal trotz dieser Entwicklung als nicht gefährdet darzustellen, erscheint fragwürdig. Nun wollen LWB und Stadt erneut einen Bebauungsplan für das gesamte Gelände erstellen. Dabei würde das Schösserhaus als separates Flurstück wieder einmal vernachlässigt“, stellt die Initiative fest.

    „Die Blindheit gegenüber den bisherigen Fehlern spiegelt sich in der Wiederholung derselben. Durch den Verzicht auf eine abgekoppelte, vorgezogene Entwicklung des Schösserhauses wird der fortschreitende Verfall des historischen Baudenkmals billigend in Kauf genommen. So kann die Stadt ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreichen und lässt sich von der LWB in die Irre führen“, betont Winkler.

    Und dass jetzt ein neuer Bebauungsplan gebraucht werde, bezweifelt Christiane Winkler: „Das Schösserhaus braucht keinen neuen Bebauungsplan. Im Gegenteil wird es durch eben diese Vorgehensweise in seiner Entwicklung gebremst und in seinem Bestand bedroht. Die Ziele der Stadt für eine soziokulturelle Nutzung können einfacher, preiswerter und schneller realisiert werden. Wie das geht, haben wir in unserem Konzept schon im Frühling durch unsere Architekten darlegen lassen.“

    Die Verbindung des Teilflurstücks des Schösserhauses mit dem restlichen Areal des Kantatenweg 31 werde auch durch eine vorgezogene Entwicklung in keiner Weise infrage gestellt. Im Gegenteil werde der von der Stadt gewünschten weiteren Planung samt Bürgerbeteiligung dadurch erst die nötige Ruhe und Zeit verschafft. Auch stiegen so die finanziellen Spielräume für weitere soziale Einrichtungen auf dem restlichen Gelände, da im Falle einer Vergabe an die Initiative die finanzielle Belastung durch die Sanierung des Schösserhauses ausgelagert wird.

    „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass die Stadt für den Neubau eines Kindergartens auf dem Gelände eine vorgezogene Entwicklung in Betracht zieht, während sie dies für das Schösserhaus ausschließt. Hier widerspricht sie sich selbst. Eine Sanierung des Schösserhauses beschränkt in keiner Weise die Entwicklungsmöglichkeiten auf dem restlichen Gelände. Zumal es sich beim Schösserhaus nur um die Sanierung eines Bestandsgebäudes handelt“, beschreibt Christiane Winkler die Kritik der Initiative.

    Bleiben als Argument noch die im Gelände vorhandenen Mineralöl-Altlasten. Laut wiederholten Aussagen des Amtes für Umweltschutz der Stadt Leipzig betreffen die Altlasten aber nicht das Teilflurstück des Schösserhauses. Die diskutierten Bodensanierungsarbeiten sind Maßnahmen zur Verbesserung der Belastungen im Grundwasser und betreffen lediglich die Entwicklung der nördlichen Flurstücke des Geländes. Denn nur dort seien entsprechende Belastungen nachgewiesen.

    „Durch die weitere Altlastensanierung im Norden des Geländes wie auch durch die absehbar notwendigen archäologischen Rettungsgrabungen könnte es noch weitere 5 bis 10 Jahre dauern, bevor das letzte Flurstück des Kantatenwegs bebaut wird. Wir sorgen uns, was bis dahin vom Schösserhaus noch übrig sein wird“, formuliert die Initiative ihre Besorgnis. Auch der bisherige Umgang der LWB mit den Bürgern im Stadtteil gebe nicht viel Hoffnung auf eine sinnvolle Form der Bürgerbeteiligung im weiteren Prozess.

    Christiane Winkler jedenfalls zeigt sich erst einmal enttäuscht: „Welche der von der Stadt benannten sozialen Ziele für das Gelände erreicht werden können ist für uns fraglich. Eine sinnvolle und faire Form der Bürgerbeteiligung müsste schon dieses Jahr bei der Erstellung der Nutzungskonzepte und damit im Vorfeld des neuen Bebauungsplans ansetzen. Nichts deutet bisher darauf hin, dass dies angestrebt wird. Bisher hat sich die LWB konstruktiven, direkten Gesprächen verweigert.“

    In der Initiative Kantatenweg 31 engagieren sich der benachbarte Waldkindergarten, die Bürgerinitiative Kleinzschocher, eine Hebammenpraxis, die Ökumenische Sozialstation, der soziale Träger Fairbund und viele weitere Akteure, welche das ehemalige Rittergut zu einem am Gemeinwohl orientierten „Stadtgut“ für ganz Leipzig machen wollen. Im Mai 2018 legte unsere Initiative ihr Konzept für den Erhalt des Schösserhauses als historisches Baudenkmal vor. Darin wird eine am Gemeinwohl orientierte Bebauung des gesamten Grundstücks vorgeschlagen. Sollte die LWB dies nicht leisten können, bot die Initiative an es als Pächter selbst zu realisieren.

    Die komplette Stellungnahme der Initiative Kantatenweg 31.

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