Seit Jahren fordern Umweltverbände und Stadtratsfraktionen, am Connewitzer Kreuz vor dem Rewe-Markt endlich einen Radstreifen auf die Fahrbahn zu legen, denn auf dem überhaupt nicht normgerechten Radweg neben dem Fußweg kommen sich Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen immer wieder in die Quere. Der Ökolöwe schlägt deshalb schon länger vor, den Radweg dort auf die Straße zu verlegen.

Denn die Karl-Liebknecht-Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen dem Leipziger Süden und der Innenstadt. Der Fahrradweg verläuft hier zumeist neben der Kfz-Spur auf der Straße, doch es gibt Ausnahmen: Am Connewitzer Kreuz kommt es vor Rewe immer wieder zu gefährlichen Begegnungen zwischen Radfahrer/-innen und Fußgänger/-innen, denn hier liegt die Radspur direkt auf dem Fußweg.

Vor Rewe herrscht hier reger Fußverkehr durch Schüler/-innen der nahen Schule, Fahrgäste des ÖPNV und Kund/-innen der vielen Geschäfte. Doch das ist nicht alles, denn eng an den vielen Passant/-innen fahren Radfahrer/-innen vorbei. Beide Verkehrsteilnehmergruppen müssen sich hier die Gehwegbreite von vier Metern teilen.

„Wir Ökolöwen wiesen bereits 2012 – bevor der Supermarkt fertiggestellt war – gemeinsam mit der SPD-Fraktion auf das Problem hin. Die beantragte Änderung der Radverkehrsführung wurde nie umgesetzt“, beschreibt der Ökolöwe die Situation.

Im Dezember wurde durch den Stadtratsantrag von Juliane Nagel (Die Linke) ein neuer Anlauf unternommen.

Die Forderung, den Radweg am Connewitzer Kreuz auf die Straße zu verlegen, wird durch die Straßenverkehrsordnung gestützt: Eine Doppelnutzung des Gehweges wird laut StVO nämlich ausgeschlossen, wenn eine ÖPNV-Haltestelle in der Nähe liegt, der Weg durch besonders schutzbedürftige Passant/-innen wie z. B. Schüler/-innen genutzt wird oder durch anliegende Geschäfte viel Laufkundschaft unterwegs ist. Auf den Abschnitt vor dem Rewe treffen alle drei Kriterien zu.

Trotzdem teilen sich Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen hier den Weg, der Fußweg alleine ist nur 2,6 Meter breit. Doch in Hauptgeschäftsstraßen ist der Fußweg in der Regel vier Meter breit – alleine für Fußgänger/-innen. Zusätzlicher Platz muss für die Sitzflächen der ansässigen Bäckereien, Bäume sowie Fahrradständer eingeplant werden. Durch die Verlegung des Radweges auf die Straße kann diese Breite auch vor dem Rewe am Connewitzer Kreuz erreicht werden.

Und das macht eigentlich nicht viel Mühe. Nur in den Leipziger Amtsstuben tut man sich schwer. Denn wie auch an anderen Stellen der Karl-Liebknecht-Straße kann der Radweg hier durchgängig als Radfahrstreifen abmarkiert neben dem einspurigen Kfz-Verkehr verlaufen. Denn auf der rechten Fahrspur fahren normalerweise nur Kfz, die an der Scheffelstraße rechts abbiegen wollen – meist um auf den Parkplatz des Rewe-Marktes zu gelangen. Manchmal wollen hier trotzdem Autofahrer geradeaus und müssen sich dann nach links einfädeln, was selten ohne großes Hupkonzert vonstatten geht.

Deshalb schlagen die Ökolöwen vor, die Straßenführung vor der Ampelanlage an der Arno-Nitzsche-Straße einspurig geradeaus zu führen und die zweite Spur zur reinen Rechtsabbiegerspur umzubauen. Die vorgeschlagenen Änderungen der Fahrbahnmarkierungen sind ohne großen Aufwand möglich. An der Ecke von Karl-Liebknecht-Straße und Scheffelstraße muss die Verkehrsführung des Radweges ebenso angepasst werden. Die Litfaßsäule an der Ecke Scheffelstraße kann im Zuge der Baumaßnahmen versetzt werden, so gewinnt der Gehweg an Raum und Nutzungskonflikte werden auch hier verringert.

Steht wieder mitten in allen Sichtachsen: die Litfaßsäule an der Scheffelstraße. Foto: Ralf Julke
Steht wieder mitten in allen Sichtachsen: die Litfaßsäule an der Scheffelstraße. Foto: Ralf Julke

Auch diese Litfaßsäule war schon mehrfach Thema im Stadtrat. 2015 war sie sogar schon einmal abgebaut worden. Doch während die Stadt eine solche Litfaßsäule auf der Westseite der KarLi sogar deutlich versetzte, damit Fußgänger und Radfahrer, die über die Haltestelleninsel wollen, den ankommenden Kfz-Verkehr wieder einsehen können, hat man die ebenso alle Blickrichtungen verstellende Litfaßsäule einfach wieder an dieselbe Stelle gesetzt.

„Wir Ökolöwen fordern die Stadtverwaltung auf, die Situation für Fußgänger/-innen und Fahrradfahrer/-innen am Connewitzer Kreuz jetzt zu entspannen und noch in diesem Jahr Radwege auf die Straße zu bringen“, fordert der Umweltverband, der auch an weiteren Stellen im Stadtgebiet mehr Platz für Fußgänger/-innen und separate Radfahrstreifen fordert.

Und tatsächlich besteht Handlungsdruck, gerade auch wegen der Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie. Die werden möglicherweise nach den Osterferien gelockert. Aber sie werden garantiert nicht in Gänze aufgehoben. Viele Beschränkungen werden uns noch über Monate begleiten und werden vor allem dazu führen, dass viele Leipziger/-innen weiterhin mit dem Rad ihre Wege erledigen. Schon die repräsentative Verkehrserhebung für 2018 hat ja einen deutlichen Anstieg des Radverkehrs in Leipzig auf fast 19 Prozent aller Wege belegt. Und dieser Zuwachs wird nicht aufhören.

Er wird in Leipzig nur durch eins gebremst: Das eklatante Fehlen wichtiger und sicherer Radwege durch die Stadt. Das Radwegekonzept ist um sechs Jahre überfällig. Das Netz ist gespickt mit Gefahrenstellen und Schikanen für Radfahrer/-innen. Und Leipzig ist gerade dabei, seinen Ruf als radfahrerfreundliche Stadt komplett zu verspielen. Gerade die Corona-Auszeit wäre die beste Gelegenheit, einige der fehlenden Stücke endlich umzusetzen.

Grüne schlagen temporäre Fahrradstraßen, Öffnung der Radläden und freie Fahrt in der City vor

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