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Radfahrer in Not: Verkehrsdezernat fällt keine Lösung für die Lützowstraße ein

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    Wie die Probleme im Leipziger Radwegenetz teilweise aussehen, ist zum Beispiel in der Lützowstraße zwischen Georg-Schumann-Straße und Friedenskirche zu besichtigen. Ein betroffener Leipziger, der hier ständig mit dem Rad lang muss, hat versucht, für dieses Dilemma mit einer Petition Abhilfe zu bekommen. Aber nicht einmal die Verhängung von Tempo 30 ist aus Sicht der Stadt möglich.

    Das Problem formuliert die Petition so: „Der Teil der Lützowstraße zwischen Friedenskirche und Georg-Schumann-Straße wird durch PKW, Bahn und Fahrradverkehr exzessiv genutzt. Was vor allem für Radfahrer immer mal wieder zu gefährlichen Situationen führt (Bahnschienen, Autofahrer, die aufgrund der Enge der Straße knapp überholen). Das Fahren auf dem Fußweg ist schwer möglich, da dieser sehr schmal ist und auch von Kindern genutzt wird, die die anliegende Grundschule besuchen. Somit kommen sich alle Verkehrsbeteiligten in die Quere. Hier wird ein anderes Konzept benötigt, was vor allem für Radfahrer ein sicheres Benutzen der Straße ermöglicht.“

    Problem erkannt, meldete nun das Dezernat Stadtentwicklung und Bau zurück. Aber Lösung ist keine in Sicht. Denn hier wurde die Straßenbahn schlicht in eine sowieso schon zu schmale Straße hineinverlegt, weil eine andere Straßenführung nicht zur Verfügung stand.

    „Der betreffende Abschnitt der Lützowstraße ist sehr beengt. Aus diesem Grund müssen Kfz, Straßenbahn und Radfahrer jeweils eine Richtungsfahrbahn gemeinsam nutzen. Eingriffe in die anliegenden bebauten privaten Grundstücke und damit eine Verbreiterung des Straßenraums sind nicht möglich“, bestätigt das Planungsdezernat.

    „Gleichzeitig stellt die Lützowstraße sowohl für den Kfz-, ÖPNV und Radverkehr eine wichtige innergemeindliche Verbindung zwischen Gohlis und den Stadtzentrumsbereichen dar. Entsprechend der Richtlinie für integrierte Netzgestaltung (RIN) ist sie für den Kfz-Verkehr als Hauptnetzstraße der Kategorie HS IV und im Hauptnetz Rad als IR IV (innergemeindliche Radverkehrsverbindung) ausgewiesen. Die Straßenbahnlinie 12 verkehrt im 10-Minuten-Takt.“

    Aber genau das ist das Problem. Denn eigentlich muss man als Radfahrer hier zwischen den Gleisen fahren, wenn man nicht in wirklich gefährliche Situationen geraten will. Aber da hier Tempo 50 erlaubt ist, nehmen sich viele Autofahrer die Freiheit, trotzdem zu überholen.

    „Da sich ihr Querschnitt weder vergrößern noch anders aufteilen lässt und sie durch ihre Lage im Verkehrsnetz so weit absehbar dauerhaft ihre Funktion für alle Verkehrsarten behalten wird, können ,konzeptionelle‘ Ansätze nur noch unter dem Blickwinkel verkehrsrechtlicher Möglichkeiten betrachtet werden“, meint das Verkehrsdezernat.

    Möglich wäre hier eigentlich, die Richtgeschwindigkeit auf 30 km/h herabzusetzen. Aber da wäre Leipzigs Verwaltung nicht Leipzigs Verwaltung, wenn sie nicht erst einmal ein paar deftige Unfälle als Voraussetzung für amtliches Handeln erwarten würde.

    Nicht anders kann man die Ausrede dafür lesen, dass man hier kein Tempo 30 verhängen möchte: „Für Beschränkungen des fließenden Verkehrs – dazu gehört auch die Anordnung der Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit – muss zusätzlich eine besondere Gefahrenlage, wie z. B. eine Unfallhäufung, nachgewiesen werden. Solch eine Gefahrenlage ist in dem besagten Bereich der Lützowstraße (zwischen Kirchplatz und Georg-Schumann-Straße) nicht erkennbar. Insbesondere liegt der Verwaltung für diesen Straßenabschnitt keine Unfallmeldung der Polizei vor.“

    Auch so kann man mit dem Leben der Leipziger/-innen spielen. Oder Radfahrer/-innen dazu bringen, diese schmale Gasse weiträumig zu meiden, was viele auch schon tun und was auch etwas einfacher wäre, wenn es mehr Querungen über die Georg-Schumann-Straße gäbe und ein paar Nebenstraßen wie die Schorlemmerstraße einfach asphaltiert wären.

    So betrachtet, ist diese Stellungnahme der Verwaltung ziemlich gnadenlos. Oder gedankenlos. Aber das läuft in Leipzig meist auf dasselbe hinaus.

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      5 KOMMENTARE

      1. „Verkehrsberuhigter Bereich“ klingt schon ziemlich gut. Dann wäre auch der Kirchplatz ein schöner kleiner Stadtplatz, die es in Leipzig so gut wie gar nicht gibt. Ich weiß nur von diesem Eckplätzchen in der Georg-Schwarz-Straße, das etwas seltsam ausgefallen ist. Jenseits von Augustusplatz und Lindenauer Markt sind die „Plätze“, klein und weniger klein, durchgängig reine Stadtwüsteneien. Der Listplatz ist geradezu ein moderner Trümmerhaufen.

        Im speziellen: Eine Tram-Haltestelle an dieser Stelle wurde im Nahverkehrsforum Leipzig mal länger diskutiert. Ist im Kurvenbereich schwierig und vielleicht auch gar nicht so attraktiv, wenn da so Fahrgasthäuschen im „Bild“ stehen.

        Eher vielleicht kurz vor der Kurve eine neue Haltestelle einrichten… das wäre dann aber nahezu der alte Standort der Hst. Fritz-Seger-Straße, die vor einigen Jahren eigens Ri. Prellerstraße verlegt wurde. Aber von den LVB braucht man keine Kreativität zu erwarten, für den Kirchplatz wird da nix kommen. Erstmal müssen die bekannten LVB-Geschäftsführer in den Ruhestand treten.

      2. Das Konzept, dass hier benötigt wird heißt Verkehrsberuhigter Bereich durch den auch Straßenbahnen fahren können. Solche Bereiche gibt es in Leipzig schon vor dem Wintergartenhochhaus und demnächst am Lindenauer Markt. Outos haben auf dem Abschnitt von der Berggartenstraße bis zur Eisenacher Straße realistischerweise nichts zu suchen. Der Kirchplatz würde so wieder zu einem Platz, das Wohngebiet würde an die Kirche rücken, Radfahrende und zu Fußgehende wären neben der Bahn (warum nicht noch eine weitere Haltestelle in dem Bereich einfügen?) gern gesehen. Und die motorisierten Outos können gerne Umwege über die Georg Schumann Straße machen.
        Aber stimmt schon: dazu müßten in verwantwortlicher Stelle im VTA andere Menschen sitzen und planen dürfen – und der Rad- wie Fußverkehrsbeauftragte in Leipzig müssten Stabstellen sein, die direkt an den Baubürgermeister berichten und bei offentichtlich rad- und fußverkehrsunfreundlichen Vorlagen und Stellungnahmen des VTA vetoberechtigt sein.

      3. Das ist genau der Zynismus des Leipziger Verkehrsamts, den ich seit Jahrzehnten anprangere:

        Das Leipziger Verkehrs- und Tiefbauamt möchte Schwerverletzte und Tote sehen. Vorher tut es nichts.

        Eine Gefahrenlage, die nach menschlicher Erfahrung (Autoverkehr gibt es seit über hundert Jahren!) als erhöht oder hoch zu bezeichnen ist, reicht dem Verkehrsamt nicht.

        Ihm ist es nicht einmal peinlich, dass letztes Jahr es mehr tote Radfahrer gab also im Vorjahr.

        Tempo 50 allein in dieser Straßen“ecke“ ist schon für sich absurd.

        Aber das Verkehrsamt will… ich schreibe es nicht noch einmal. Mir fällt gerade der tot gefahrene Junge aus der Jahnallee ein…Kerzen und Bilder sind auch nach Jahren noch da.

        Werte Amtsleiter des VTA: Sie sollten sich in Grund und Boden schämen!

      4. @Steffen
        Offensichtlich betrifft die Petition nur den Abschnitt zwischen Berggartenstraße und Richterstraße. Mit konsequentem Wiehern und Scheuklappen dürfte hier das Amt Recht haben.
        Genau dort ist nämlich nichts passiert.
        Das bedeutet, liebe Verkehrsteilnehmer: baut Unfälle, damit das Amt dort sinnvoll agieren kann.
        Denn der Schutz der Bürger ist ihm egal.

        Das Amt ist, wie immer, äußerst unkreativ. Es tut nur, was es tun muss.
        Bürger nerven und Petitionen werden abgebügelt. Eigentlich sollte das Amt dankbar für Hinweise sein.
        Die Situation in der Lützowstraße würde einem gesunden Menschen- und Amtsverstand sehr wohl Handlungsbedarf signalisieren.

        Eine Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ist auch möglich zum „Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen“ (Quelle UBA).
        Wer sich die Lärmkarte Leipzig ansieht, bemerkt, dass wir dort sehr wohl im Bereich von überhöhten Lärmpegeln liegen.
        Der Antrag bei der Straßenverkehrsbehörde wird als Ermessungsentscheidung behandelt. Es müsste also im Amt niemand Verantwortung übernehmen.

        Möglich, dass der Luftreinhalteplan hier auch noch eine Möglichkeit bietet.

        Man muss nur wollen.

      5. „Insbesondere liegt der Verwaltung für diesen Straßenabschnitt keine Unfallmeldung der Polizei vor.“

        Gemäß Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes (https://unfallatlas.statistikportal.de/) gab es im Erfassungszeitraum 2016 bis 2019 im Jahre 2016 fünf Unfälle (2 x PKW-Rad, 2 x PKW-Krad, 1 x Rad) und 2018 ebenfalls fünf Unfälle (1 x Rad-Fußgänger, 1 x PKW-Fußgänger, 1 x PKW-Rad und 2 x PKW). Warum diese zehn Unfälle der Stadtverwaltung nicht bekannt sind, obwohl sie von den Polizeidienststellen gemeldet wurden, ist sonderbar, zumal die Daten öffentlich zugänglich sind.

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