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Zwischen Lotterstraße und Runder Ecke: VTA prüft jetzt separate Fahrradstreifen auf beiden Seiten des Rings

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    Es rührt sich tatsächlich was in der Leipziger Radverkehrspolitik, mehr als in den Jahren zuvor, auch wenn man – etwa im Vergleich mit den großen Städten in Holland – das Gefühl hat, dass Leipzig jetzt endlich die Schwelle zum 21. Jahrhundert überschreitet. Aber auf dem westlichen Promenadenring will das Verkehrs- und Tiefbauamt jetzt tatsächlich die beidseitige Anordnung von Radfahrstreifen prüfen. Beantragt hatte das der Stadtbezirksbeirat Leipzig-Mitte.

    „Der Oberbürgermeister wird beauftragt zu prüfen, ob im Rahmen eines Verkehrsversuchs auf dem Dittrichring und im weiteren Verlauf auf dem Martin-Luther-Ring zwischen Gottschedstraße und Rudolphstraße auf der gesamten rechten Fahrspur ein Radweg eingerichtet werden kann. Dabei ist auch zu prüfen, ob die Kreuzung Dittrichring/ Gottschedstraße temporär so gestaltet werden kann, dass der rechte Fahrstreifen in Richtung Süden nur für den rechts abbiegenden Kfz-Verkehr und den geradeaus fahrenden Radverkehr freigegeben wird“, hatte der beantragt.Das VTA hat nun noch eins draufgepackt: Die östliche Fahrspur zwischen Lotterstraße und Runder Ecke soll ebenfalls geprüft werden.

    Bis zur Gottschedstraße hat das VTA ja schon einen Radstreifen geschaffen, womit endlich Bewegung kommt in die Umgestaltung des Promenadenrings, der vor 50 Jahren mehrspurig ausgebaut wurde, um den Kfz-Verkehr zu beschleunigen. In den letzten Jahren hat sich aber immer mehr gezeigt, dass der Ring für Radfahrer/-innen eher zum Hindernis geworden ist, wo sie auf oft viel zu kleinen Aufstellflächen an Ampeln warten, während sie den größten Teil der City tagsüber eigentlich nicht durchqueren dürfen. Doch obwohl seit über zehn Jahren versprochen, gibt es auch keinen funktionierenden Radring in der City, nur abschnittsweise ausgewiesene Fahrradstraßen.

    Das ist nicht nur unerquicklich, es behindert die umweltfreundlichste Verkehrsart massiv, obwohl Leipzig als „flache“ Stadt beste Bedingungen hätte, ein wirklich leistungsstarkes Radnetz auszubauen. Doch selbst das 2012 beschlossene Radnetzprogramm wurde zu einem großen Teil nicht umgesetzt. Und bei steigendem Radverkehrsaufkommen ist der Ring immer mehr zum Nadelöhr geworden.

    Um die Radverkehrsinfrastruktur in der Innenstadt jetzt ein weiteres Stück zu verbessern, prüft die Stadt deshalb die Einordnung eines Radfahrstreifens auf dem Promenadenring zwischen Gottschedstraße und Rudolphstraße sowie zwischen Lotterstraße und „Runder Ecke“. Das entsprechende verkehrsrechtliche Anhörungsverfahren soll jetzt beginnen und noch in diesem Sommer abgeschlossen werden. Kündigt das VTA an.

    „Dies entspricht klar den Zielen der Mobilitätsstrategie für Leipzig“, sagt Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes. Auf dem viele Jahre komplett für Radfahrerinnen und Radfahrer gesperrten westlichen Abschnitt des Promenadenrings ist das Radfahren seit Ende April wieder möglich, wenn auch teilweise nur im Mischverkehr.

    Aber weiter kommt man nur, wenn man dem Kfz-Verkehr Raum wegnimmt. Um den bestehenden Radfahrstreifen in Richtung Süden fortführen zu können, ist deshalb eine Fahrspurreduzierung ab der Höhe der Bosestraße erforderlich, betont das VTA.

    Diese Reduzierung soll jedoch nicht dazu führen, dass es sich an der Kreuzung Dittrichring/Käthe-Kollwitz-Straße staut und dadurch der Nahverkehr behindert und querende Fußgänger und Radfahrer gefährdet werden. Daher muss an der vorgelagerten Ampelanlage am Goerdelerring die Freigabezeit für den linksabbiegenden Kfz-Verkehr aus Richtung Hauptbahnhof reduziert werden. Dies wird jetzt im Rahmen eines Verkehrstests beobachtet und ausgewertet.

    Gleichzeitig wird geprüft, ob die Ampelanlage Dittrichring/Gottschedstraße mit einem verbleibenden Geradeausfahrstreifen leistungsfähig betrieben werden kann. Bei positiven Prüfergebnissen wird im nächsten Schritt der Radfahrstreifen bis in Höhe Rudolphstraße fortgeführt, kündigt das Verkehrsamt an.

    Gleichzeitig wird auch in der Gegenrichtung die Einrichtung eines Radfahrstreifens zwischen Lotterstraße und „Runder Ecke“ mit entsprechenden Markierungsänderungen an den Ampelanlagen Karl-Tauchnitz-Brücke und Martin-Luther-Ring/Lotterstraße geprüft. Die Prüfergebnisse sollen noch im Herbst 2021 vorliegen. Nur einen eigenen Runden Tisch zum Promenadenring, wie vom Stadtbezirksbeirat Mitte gewünscht, soll es nicht geben.

    „Die Einrichtung eines gesonderten Runden Tisches nur für die Belange des Radverkehrs auf dem Promenadenring wird wegen der dafür notwendigen Bindung personeller Ressourcen bei ehren- wie hauptamtlichen Akteuren nicht für zielführend erachtet“, schreibt das VTA in seiner Stellungnahme.

    „Stattdessen wird das Thema auf dem turnusmäßig stattfindenden Runden Tisch Radverkehr bis Ende 2021 diskutiert und ausgewertet. Zudem werden in Fortsetzung des in 2019 stattgefundenen Arbeitstreffens unter Beteiligung des ADFC Leipzig, die dann coronabedingt nicht fortgesetzt werden konnten, wieder Arbeitstreffen stattfinden, um die Weiterplanung von Radverkehrsanlagen am Promenadenring abzustimmen. Die Ergebnisse werden in der AG Rad, im Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau sowie im SBB Mitte vorgestellt.“

    Und auch dem Wunsch des Stadtbezirksbeirates, „den neu eingerichteten Radfahrstreifen auf dem Dittrichring unverzüglich durch Poller oder Leitboys gegenüber der angrenzenden Kfz-Spur abzusichern“, folgt das VTA erst einmal nicht. Auch weil dies das gegenseitige Überholen von Radfahrern verhindern würde. „Mit Pollern oder Leitschwellen ist diese Möglichkeit nicht gegeben und sollte nur angewendet werden, wenn Radverkehrsanlagen mit einer Breite deutlich über Regelmaß eingerichtet werden.“

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      3 KOMMENTARE

      1. >Leipzig jetzt endlich die Schwelle zum 21. Jahrhundert überschreitet

        Danke, dass das auch mal jemand anderes schreibt.

        Das VTA ist in seiner vermeintlich fortschrittlichen Verkehrsorganisation immer so ungefähr 20-25 Jahre hinterher.

        Dieses Hinterherhinken habe ich schon im Jahre 2000 bemerkt: Man war urst stolz auf erste neue Radwege, die in dieser Menge es im gebrauchten Westen schon Ende der 1980er gab.

        Fahren die High Potentials des VTA denn nie mal in den Westen? Oder sind sie von da wegen zu hohem Benzingehalt im Blut verwiesen worden?

      2. @André das kann ich gut verstehen, momentan, auch mit dem bereits abmarkierten Radstreifen, ist das Sicherheitsgefühl sehr niedrig. Würden Sie Ihr Kind dort langfahren lassen? Ich nicht. Ich fahre zwar dort entlang, aber es sollte doch so sein, dass auch schwachen Verkehrsteilnehmern wie Kindern ausreichend sichere Möglichkeiten gegeben werden, sich fortzubewegen.
        Grundsätzlich sind auf der Straße geführte Radverkehrsanlagen aber erwiesen sicherer, da sie gerade an Kreuzungssituationen besser von Autofahrern eingesehen werden können. Eine nahe Führung an parkenden Autos ist natürlich gefährlich, da stimme ich zu, es sollte Abstand dazwischen geben. Aber das VTA hat ja auch erst eingesehen, dass die innere Jahnallee, auf der die RadfahrerInnen zwischen parkenden Autos und Schienen ~1m Platz hatten, gefährlich ist, als es zu schweren Unfällen kam.

        Zurück zum Text: an der beschrieben Stelle wäre es doch recht einfach, eine sichere Verkehrsführung herzustellen: Das VTA trollt wieder wunderschön, wenn es (völlig zurecht) schreibt, Abpollerung von Radwegen sei nur bei sehr breiten Radwegen sinnvoll. Allerdings ist an dieser Stelle der Platz ja vorhanden: aus der vormaligen Fahrspur (laut Google-Maps-Messung ~3,75m breit) wurden ~1,85 dem Radweg zugeschlagen, der Rest (~1,9m) verbreitert die noch bestehende Fahrspur. Wenn man stattdessen den Radweg 2,75m oder 3m breit gemacht hätte, wären immer ein Rest verblieben, den man der jetzigen einzigen Fahrspur zuschlagen könnte, um diese zu einer überbreiten auszubauen und deren Kapazität zu erhöhen. Und der Radverkehrsstreifen wäre breit genug, um ihn abzupollern.
        Es liegt also ganz in den Händen des VTA, die Gegebenheiten zu schaffen, um eine Abpollerung zu ermöglichen.

      3. Also freiwillig würde ich dort trotzdem nicht langradeln wollen.
        Ich bin froh, dass ich noch mit nur wenigen Hauptstraßen-Berührungspunkten in die Innenstadt radeln kann.
        Mir persönlich sind nicht auf der Straße geführte Radwege vom Sicherheitsempfinden auch deutlich lieber, als die abmarkierte Straßenvariante. Richtig gruselig wird es in meinen Augen, wenn links der Autoverkehr rollt und rechts noch Parktaschen sind, wo man auch jederzeit mit allem möglichen rechnen muss. Aber das ist ja die „aktuelle Mode“.

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