Diese Fahrbahnmarkierung wird noch für jede Menge Diskussionen sorgen, bis sich Leipzigs Autofahrer daran gewöhnt haben werden, dass es auf dem westlichen Promenadenring nur noch eine Fahrspur in jede Richtung für sie gibt. Obwohl vorerst nur die westliche Seite ummarkiert wurde. Hier wird die Mobilitätswende sichtbar.

Auch wenn es noch dauern wird, bevor hier viele Radfahrer/-innen die neu geschaffenen Möglichkeiten nutzen. Denn was ihr gutes Recht ist, bedeutet eben noch lange nicht, dass sie sich dort auch sicher fühlen. Denn die wütenden Töne, die in den autoverliebten Medien dieser Stadt angeschlagen werden, zeugen eben auch von einer Aggression der Stärkeren, die sehr wohl bereit sind, ihr Straßenrecht mit mehr PS auch durchzusetzen.

Und die liebgewordenen komfortablen Zustände auf den Straßen mit aller Kraft zu verteidigen. Denn natürlich ändert sich in den Köpfen der Leipziger etwas, wenn der Straßenraum neu aufgeteilt wird und eben nicht mehr davon erzählt, dass überall Kraftfahrer Vorrang haben.

Mobilitätswende bedeutet: Umverteilen

Wenn Leipzig eine umwelt- und klimafreundliche Stadt werden will, kommt die Stadt um die Umverteilung des Straßenraumes gar nicht herum. Und auch nicht um den Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten.

Denn um nichts anderes geht es, wenn Autofahrer entsetzt sind über Veränderungen im Straßenraum.

Und die sind mit dem, was jetzt auf dem westlichen Promenadenring Stück für Stück umgesetzt wird, eben nicht mehr nur kleine Korrekturen am Rande, die am gewohnten Straßenbild nicht groß etwas ändern. Schon die in der vergangenen Woche aufgetragenen grün unterlegten Signets machen sehr deutlich, dass hier eine Zeitenwende beginnt. Und dass die Verwaltung hier auch schon über das kurze Stück bis zur Karl-Tauchnitz-Brücke hinaus gedacht hat.

Das war auch der wesentliche Inhalt einer Anfrage, die die SPD-Fraktion im Stadtrat gestellt hat:

„Im Zuge der Bauarbeiten am Martin-Luther-Ring wurde auch die Verkehrsführung an der Kreuzung zur Karl-Tauchnitz-Straße geändert. Vorher gab es an der Kreuzung zwei Linksabbiegerspuren, eine Geradeausspur sowie eine Spur, die sich Rechtsabbieger und Fahrzeuge, die geradeaus auf Harkortstraße fahren wollten, geteilt haben. Nach Beendigung der Bauarbeiten wurde die Verkehrsführung an der Kreuzung dahingehend geändert, dass nun zwei Linksabbiegerspuren, eine Geradeaus- und eine reine Rechtsabbiegerspur abmarkiert sind. Gerade in der Hauptverkehrszeit ist zu beobachten, dass das Fehlen der Spur, die sich der Verkehr geradeaus in Richtung Harkortstraße und rechts in die Karl-Tauchnitz-Straße geteilt haben, dazu führt, dass längere Staus auf dem Martin-Luther-Ring in südlicher Fahrrichtung entstehen“, beschrieb die SPD-Fraktion das ungewohnte Bild, das seit Mittwoch auch noch durch grüne Signalfelder auf dem Pflaster verdeutlicht wird.

Platz für den Umweltverbund

„Die Förderung des Umweltverbundes entsprechend der vom Stadtrat beschlossenen Mobilitätsstrategie 2030 ist wesentliches Ziel in der Verkehrspolitik Leipzigs. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Radverkehr, wie z. B. durchgängige Radverkehrsanlagen auf den Hauptverkehrsstraßen, ist dabei eine der Maßnahmen, um die Attraktivität des Radverkehrs zu erhöhen und dieses Ziel zu erreichen“, erklärt nun das Verkehrs- und Tiefbauamt die veränderte Aufteilung der Fahrspuren.

„Wie bekannt, wurde Ende März damit begonnen, einen Radfahrstreifen auf dem Dittrichring zwischen Bosestraße und Rudolphstraße zu markieren. Radfahrende können dann nach der Rudolphstraße entweder den Gehweg (Radverkehr frei) nutzen oder im Mischverkehr zum Knoten Karl-Tauchnitz-Straße fahren.“

Ab Gottschedstraße geht es für den Kfz-Verkehr einspurig weiter. Foto: Ralf Julke
Ab Gottschedstraße geht es für den Kfz-Verkehr einspurig weiter. Foto: Ralf Julke

Die knallgrünen Felder auf der Fahrbahn zeigen jetzt vor allem den Autofahrern, dass sie hier jetzt mit Radfahrern rechnen müssen, die sich in den motorisierten Verkehr einordnen. Einige jetzt auch auf völlig ungewohnter Position, denn erstmals geht es für Radfahrer hier auf der Fahrbahn geradeaus, wie das VTA mitteilt:

„Nach dem Knoten wird auch in der Harkortstraße in stadtauswärtiger Richtung im vorderen Bereich als erster Schritt ein Radfahrstreifen markiert. Im späteren Schritt ist beabsichtigt, in der Harkortstraße beidseitig durchgängige Radverkehrsanlagen einzuordnen, sodass dort auch nur noch eine Kfz-Spur zur Verfügung stehen wird. Die Ummarkierung der ehemals vorhandenen Geradeaus-/Rechtsabbiegespur an der Lichtsignalanlage (LSA) Karl-Tauchnitz-Brücke in eine reine Rechtsabbiegespur erfolgte daher als Vorgriff aus wirtschaftlichen Gründen bereits im letzten Jahr mit der Gleisbaumaßnahme im Martin-Luther-Ring.“

Irgendwie war die Antwort aus dem VTA ziemlich lange auf Rathausfluren unterwegs. Weshalb der nächste Satz dann schon nicht mehr stimmt: „Derzeit ist der Dittrichring noch vollständig zweistreifig befahrbar.“

Das ist er auf der westlichen Seite des Dittrichrings bis zur Rudolphstraße nämlich nicht mehr. Für Radfahrer ist hier ein ganzer Fahrstreifen abmarkiert. Erst ab der Rudolphstraße müssen sie sich einordnen.

Auf der östlichen Seite des Dittrichrings stehen tatsächlich noch beide Fahrspuren zur Verfügung. Hier haben die Abmarkierungen noch nicht begonnen.

„Mit der Markierung des Radfahrstreifens und dem Entfall einer Kfz-Fahrspur ist davon auszugehen, dass sich die Verkehrsbedingungen in der nördlichen Zufahrt gegenüber dem jetzigen Zustand verändern werden“, stellt das VTA noch fest. „Mit der Fertigstellung der Markierungsarbeiten im Dittrichring werden Verkehrsbeobachtungen durchgeführt und bei entsprechender Erforderlichkeit Anpassungen bzw. Optimierungen an der Lichtsignalanlage (LSA) Karl-Tauchnitz-Brücke geprüft.“

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