Die offizielle Mitteilung steht noch aus. Vorerst hat Oberbürgermeister Burkhard Jung erst im „Leipziger Gespräch“ der Stiftung der Leipziger Sparkasse am 17. Januar angekündigt, dass bis März Radfahrstreifen zwischen Gottsched- und Rudolphstraße und zwischen Lotterstraße und Dittrichring bis Runde Ecke aufgebracht werden sollen. Und das auch noch in für Leipzig neuem Grün. Eine Idee aus Berlin. „Das wird ein Aufstand“, sagte Jung im Gespräch.

Aber den verbalen Aufstand gab es ja dann schon fast postwendend in der LVZ – mit den alten Argumenten und den alten Befürchtungen. Obwohl das Thema sicherer Radfahrstreifen auf dem Ring spätestens seit 2018 auf der Tagesordnung steht, als das Oberverwaltungsgericht das Radfahrverbot auf dem Leipziger Innenstadtring kassierte.

Seit 2021 hat die Stadt dazu einen vom Stadtrat beschlossenen Prüfauftrag. Denn natürlich geht es nicht nur dem Stadtrat zu langsam mit dem Bau sicherer Radwege.

Paris als Vorbild?

Das „Leipziger Gespräch“ kann man online anschauen. Die entscheidende Stelle findet man zwischen Minute 36 und 41, in denen die mittlerweile weltweit für Aufsehen sorgende Politik der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo Aufhänger wird zu der Frage, ob ein Leipziger OBM die Bürgermeisterin von Paris um dieses Tempo nicht beneide.

“Leipziger Gespräch” vom 17. Januar 2022

Und gewissermaßen tut er das auch. Aber Paris ist – so wie Berlin – eine eigene Verwaltungseinheit. Anne Hidalgo kann Veränderungen wie den deutlichen Ausbau des Radwegenetzes in ziemlich kurzen Fristen mit ihrem Stadtparlament umsetzen.

Aber – so Jung: Noch könne Paris Leipzig um den hiesigen Modal Split beneiden.

Und den will er unbedingt anheben. Eigentlich ist es ja seit 2018 mit dem nachhaltigen Mobilitätskonzept beschlossen. Von (damals 18 Prozent) soll der Anteil des Radverkehrs auf 25 Prozent steigen. Heute, so Jung, läge dieser Anteil bei 20 Prozent.

Eine kleine Revolution in Grün

Was jetzt am Martin-Luther-Ring und Dittrichring passieren soll, wäre schon eine kleine Revolution. Noch im ersten Quartal sollen beidseitig Radstreifen markiert werden – und zwar mit grün eingefärbtem Asphalt. Dafür verlieren die Autofahrer jeweils eine Fahrspur. Und während die LVZ schon wieder das große Ojemine anstimmte, geht Jung davon aus, dass die Sache klappt.

Der Ökolöwe wurde im Gespräch auch erwähnt. Und natürlich ist der Umweltverbund begeistert von der Ankündigung, gab es vor dem Stadtratsbeschluss ja nicht nur einen Antrag aus dem Stadtbezirksbeirat Mitte, sondern auch eine Petition des Ökolöwen für Pop-up-Radwege.

Tino Supplies, Verkehrspolitischer Sprecher der Ökolöwen, begrüßt diesen ersten, kleinen Schritt für sicheren Radverkehr auf dem Innenstadtring und betont zugleich, dass dem Ökolöwen die geplanten Radwege trotzdem noch nicht weit genug gehen.

„Wir erwarten, dass die Radwege auf dem westlichen Ring weiter in die benachbarte Harkortstraße und in die Karl-Tauchnitz-Straße gezogen werden. Auch auf diesen Wegen müssen sich Leipzigs Radfahrerinnen und Radfahrer sicher fortbewegen können. Hier klafft eine riesige Lücke im Radnetz der Stadt“, erklärt Supplies. Und natürlich werden die neuen Radstreifen die Misere auf dem Innenstadtring noch nicht beenden. Da fehlen noch ein paar Stücke.

Ökolöwe fordert weitere Radwege auf dem Promenadenring

Um den Radverkehr auf dem Promenadenring langfristig sicher zu gestalten, fordert der Ökolöwe deshalb schnell weitere Radwege. In dem entsprechenden Konzept habe der nördliche Außenring zwischen Hauptbahnhof und Naturkundemuseum die höchste Priorität. Aktuell müssen Radfahrende in diesem Bereich den Fußweg nutzen.

Aber, so Supplies: „Radverkehr hat auf dem Fußweg nichts zu suchen. Damit Leipzigerinnen und Leipziger sicher auf dem Innenstadtring unterwegs sein können, braucht es Radwege. Das wird alles schon Jahre diskutiert. Jetzt muss endlich gehandelt werden!“

Auch für einen langfristigen Umbau des Innenstadtrings hat der Ökolöwe Pläne. Konkret soll die komplette innere Ringseite autofrei gemacht und dafür das Promenadengrün bis zu den Straßenbahngleisen erweitert werden. Für den Autoverkehr verbleibe der Außenring.

„Die Zielperspektive für den Promenadenring muss sein, dass Leipzigerinnen und Leipziger an der Straßenbahnhaltestelle aussteigen und direkt, ohne eine weitere Straße queren zu müssen, in einem autofreien, grünen Park stehen. Dieser deutlich vergrößerte, autofreie Bereich schlängelt sich dann einmal um die gesamte Innenstadt“, schildert Supplies die durchaus machbare Zukunft des Promenadenrings, der damit auch endlich so etwas wie ein Fahrradring werden würde.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Empfohlen auf LZ

- Anzeige -

Es gibt 2 Kommentare

Was mir noch zum Thema “die ewig alten Argumente” einfiel: Sind die Argumente der Fahrradbefürworter denn neu? Und falls ja, ab wann gehören die auch zu den alten, dann ebenfalls als Solche zu diskreditierenden Argumenten?

Na Mensch! Da kann die Fahrradstraße, welche aktuell die gleiche Route führt, ja dann bestimmt wieder den normalen Status bekommen 😉

“Grün, aber normal.” wäre für die nächste Stadtratswahl ein schöner Slogan.

Schreiben Sie einen Kommentar