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Zeit zum Umdenken: Ökolöwe fordert die Umsetzung eines sicheren Radrings bis 2025

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    In der letzten April-Woche passierte endlich, was seit über zwei Jahren angekündigt war: Am Dittrichring und am Martin-Luther-Ring wurden Radfahrstreifen auf die Fahrbahn gemalt, die jetzt auch sichtbar machen, dass das Radfahren auf dem Ring nicht mehr untersagt wird. Aber beide Stücke sind eher Fragmente und lösen das Problem fehlender attraktiver Radwege am Ring nicht. Da muss deutlich mehr passieren, fordert der Ökolöwe.

    Denn auch mit diesen beiden Fragmenten stellt der Leipziger Promenadenring für Radfahrer/-innen eine erhebliche Barriere im städtischen Verkehr dar. Gleichzeitig stehen dem Kfz-Verkehr viel mehr Spuren zur Verfügung als nötig, findet der Ökolöwe. Und würde damit ganz bestimmt viel Gegenrede der Autofahrer bekommen.Aber Fakt ist: In den 1970er Jahren wurde der Ring nur für den Autoverkehr aufgeweitet. Radfahrer bekamen nur stellenweise Extrarouten an der Seite, auf dem größten Teil des Promenadenrings aber sind sie bis heute unerwünscht, können sich bestenfalls in den motorisierten Verkehr mischen.

    Der Ring wird zum Problemstück für die Zukunft des Stadtverkehrs. Er ist ja auch für Straßenbahnen zum Nadelöhr geworden. Und dem wachsenden Radverkehr in der Stadt wird er schlichtweg nicht gerecht. Im Gegenteil: Er wirkt wie eine Barriere mitten im Leipziger Radnetz.

    Das geht auch anders, findet der Ökolöwe und setzt sich jetzt für eine Umnutzung einzelner Autospuren auf dem Innenstadtring ein. Auf einem durchgängigen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn könnten Radfahrer/-innen in Zukunft sicher die Stadt durchqueren. Hier liegt auch der Schlüssel zur Verkehrswende.

    Die Verkehrsplaner der Stadt wissen das zumindest. Ob sie in den nächsten Jahren dafür eine wirklich zukunftsfähige Lösung vorlegen, ist offen. Der Kfz-Verkehr auf dem Promenadenring ist schon in den letzten Jahren teilweise um rund 20 Prozent zurückgegangen.

    „Die Fahrbahnaufteilung mit bis zu acht Autospuren ist hier nicht mehr zeitgemäß“, schätzt der Ökolöwe ein. „Die Spuren für den Kfz-Verkehr können daher an vielen Stellen reduziert werden, ohne dass es zu Engpässen auf dem Innenstadtring kommt. Wir Ökolöwen schlagen vor, neue Radwege auf den äußeren Spuren der Fahrbahn anzulegen. Der Leipziger Promenadenring wird so zu einem gut und sicher befahrbaren Knotenpunkt für den Radverkehr in der Stadt. Mit dem Ausbau des Fahrradnetzes steigen noch mehr Leipziger/-innen aufs Rad um und der Autoverkehr in der Innenstadt verringert sich weiter. Auch Fußgänger/-innen können den Ring schneller, sicherer und leichter überqueren.“

    Denn wenn es wirklich eine Verkehrswende in Leipzig geben soll, wird es ohne die Umwidmung von Kfz-Spuren nicht gehen. Das bricht mit den alten Gewohnheiten. Die heute lebenden Leipziger kennen keine Stadt mehr, in der das Fahrrad tatsächlich das dominierende Verkehrsmittel war. Sie haben die Rolle der An-den-Rand-Gedrängten verinnerlicht. Genauso wie das Gefühl, lieber erst mal allen Fahrzeugen mit Motor den Vorrang zu lassen, wenn man heil durchs Verkehrsgeschehen kommen möchte.

    Von echtem Fahrrad-Fahrkomfort kann auf 99 Prozent der Leipziger Straßen keine Rede sein. Schon gar nicht auf dem Promenadenring. Das würde sich erst ändern, wenn Radfahrer/-innen durchgängig sicher auf dem Promenadenring unterwegs sein können. Deshalb empfiehlt der Ökolöwe entlang der meisten Ringabschnitte neue Einrichtungsradwege. „Diese werden sowohl auf dem Innenring, als auch auf dem Außenring jeweils auf der äußeren Autospur angelegt. Wo nötig, werden die Radwege durch Betonerhebungen baulich vom Kfz-Verkehr abgetrennt.“

    Vor dem Hauptbahnhof sowie am Augustusplatz böte sich ein Zweirichtungsradweg auf der Außenseite des Rings an, der in beide Richtungen befahren werden kann, so der Ökolöwe: „Im Bereich des Georgirings, des Dittrichrings sowie des Martin-Luther-Rings reicht ein einfacher Radfahrstreifen auf der äußeren Spur aus. Da der Kfz-Verkehr hier dann nur noch einspurig geführt wird, ist eine bauliche Abtrennung nicht zwingend notwendig.“

    Aber das lange Zögern der Leipziger Verkehrsplaner, die Radfahr-Situation auf dem Promenadenring zu verbessern, macht auch deutlich, dass der Weg zu einem radfahrerfreundlichen Ring nur schrittweise begangen werden kann.

    Und so schlägt auch der Ökolöwe eine stufenweise Umsetzung der Verbesserungen am Innenstadtring vor. „Einige Ringabschnitte sind bereits mit einem guten Radweg ausgestattet. Entlang der alten Leipziger Hauptpost am Augustusplatz bis hin zum Bahnhof gibt es beispielsweise einen bestehenden Radweg. An diesen Stellen sind vorerst keine Änderungen nötig“, so der Umweltverband. „An bestimmten Ringabschnitten können sofort sichere Radwege markiert werden. Für andere Bereiche bedarf es baulicher Lösungen. Hier muss zügig mit konkreten Planungen begonnen werden.“

    Mit Pop-up-Radwegen könnte man die Vision schrittweise verwirklichen. Aber man kann es nicht mehr auf die lange Bank schieben, findet der Ökolöwe: „Besonders großer Handlungsbedarf besteht vor dem Hauptbahnhof und entlang des Augustusplatzes. Hier sind die Maßnahmen aufwendiger, denn die entsprechenden Ringabschnitte müssen mit einem baulich abgetrennten Zweirichtungsradweg ausgestattet werden. Bis 2025 kann und muss der Promenadenring aber rundherum sicher für Radfahrer/-innen befahrbar sein. Zügiges und entschlossenes Handeln auf dem Promenadenring macht Leipzig zu einer fahrradfreundlichen Stadt.“

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      6 KOMMENTARE

      1. Naja, Verkehrswende in Leipzig. Leipzig wird im Jahre 2040, wenn anderswo die MIVler fern außerhalb der Städte parken müssen, ein Motodrom mit wunderschöner Gründerzeitdekoration sein.

        In der Tat kann man völlig schmerzfrei auf dem Ostring locker je eine Spur vom MIV abklemmen. Das Verkehrsaufkommen ist wirklich so viel weniger geworden (schon seit ca 2015, die gezeigte Grafik bestätigt meinen langjährigen Eindruck nur noch), dass der Ostring schlicht überdimensioniert ist. Zwischen der berühmten Ringbebauung und St. Tetris könnte man mächtiggewaltigen Stadtumbau machen und ein tolles Stadtviertel „Neuer Rossplatz“ etablieren, durchaus mit MIV-Durchfahrt. Das Gewandhaus wäre mittendrin, und das Ring-Café florierte wieder.

        Zur Verkehrswende nochmals: Sie hat erst stattgefunden, wenn die neuralgische Ost-West-Querung der Innenstadt für Radfahrer möglich geworden ist. Das VTA drückt sich seit Jahrzehnten um dieses Problem.

        Diese neuen Radwege jetzt sind nur Chichi, egal wo, selbst die in der inneren Jahnallee. Lasst Euch nicht blenden.

      2. @György&Sebastian
        Nun, solche Wegebeziehungen erwähnte ich ja bereits („nur für die Verteilung in bestimmte Richtungen“).

        Fahren Sie aber mal vom Augustusplatz zur Gottschedstraße / Thomaskirche. Also quer hindurch.
        Das „flutscht“ keineswegs so wie am Passagekino vorbei.
        Entweder Sie qälen sich – nach Slalom am Uni-Riesen – durch die Schillerstraße und dann durchs Burgstraßenviertel oder Sie nehmen den größeren Umweg Goethestraße runter, Brühl entlang und dann wieder „den Berg hoch“ Richtung Thomaskirche. Alternativ schieben Sie.

        Für viele Wegebeziehungen ist der Ring schon in Ordnung, die Autofahrer wissen es.
        Warum dann nicht auch für die Radfahrer?
        Ein aufgepinselter Radweg wäre natürlich auch nicht mein Ziel.
        Der Ring ist so, wie er ist, da jahrzehntelang der MIV forciert wurde. Nun wird halt korrigiert.

      3. Vom Zoo nach Connewitz kann man doch heute schon super fahren. Ich überquere einfach die Kreuzung am Naturkundemuseum, fahre rüber zu den Höfen am Brühl und nutze völlig gefahr- und frustlos die Fahrradstraße am Passagekino, Thomaskirche, neues Rathaus. Ohne eine einzige Ampel übrigens. Die Richard-Wagner-Straße ist nutzbar, überall kommt man ohne zu schieben durch. Diese erzwungene Zeitgeist-Klage mit den Fahrradwegen auf dem Ring ist so überflüssig wie sie lästig ist. Dabei kommt dann ein aufgepinselter Radweg heraus, der genau in der Rechtskurve endet. Schnell noch umsetzen, eh die „Umwelthilfe“ wieder mit Klage droht…

      4. @Christian:
        Unter „die Stadt durchqueren“ fällt nach meinem Verständnis auch so etwas wie z.B. vom Listplatz zum Waldplatz über den Ring am Hauptbahnhof fahren. Oder vom Zoo zum Connewitzer Kreuz. Das ist dann auf dem Ring deutlich kürzer und schneller als durch die INNENStadt. Der neue Radweg am Dittrichring und die jetzt freigegebene Strecke am Lutherring hab ich auch schon genutzt und es ist sehr viel besser um weiter auf der Harkortstraße zu fahren, als wie zuvor durchs Kolonnadenviertel und den Bürgersteig am Dittrichring zu gurken.

        Das sich viele Menschen nicht sicher dabei fühlen, ist ja sehr nachvollziehbar und deshalb fordert ja der Ökolöwe und der ADFC eine bessere Führung. In der momentanen Variante wird ja geradezu erzwungen, dass KFZ-Fahrer den Sicherheitsabstand von 1,5m unterschreiten. Damit auch Sie irgendwann gern auf dem Ring fahren. Und Schulkinder auch.

      5. „Auf einem durchgängigen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn könnten Radfahrer/-innen in Zukunft sicher die Stadt durchqueren.“

        Wenn ich mit dem Rad die Stadt -durchqueren- möchte (was außerhalb Corona immer für mich notwendig war und wieder wird) , ist ganz bestimmt die Fahrt auf dem Ring die letzte Wahl. Dort fahre ich weit über die doppelte Strecke!
        Eine vernünftige Querung durch die Stadt muss für Verkehrsmittel wie dem Rad unbedingt im Auge behalten werden.
        Und hierfür ist der Ring keine Alternative. Nur für die Verteilung in bestimmte Richtungen.

        Und da evtl. die Argumentation kommt, na „für Autos müsste das ja dann auch möglich sein“:
        Nein! Fußgänger und Radfahrer bewegen sich mit eigener Muskelkraft.
        Dies sollte gefördert und nicht be- /verhindert werden!

        Da gehören umständliche Fahrradstraßen im Übrigen auch dazu, welche Umwege für Radfahrer bedeuten.

      6. Dass es zwei Jahre dauert, ein paar simple Linien zu ziehen, einige andere Linien zu versetzen und ein paar Schilder abzumontieren, vor allem: keine bauliche Änderung! …

        Verstehen könnte man es, wenn die neuen Radverkehrsanlagen besonders ausgefuchst geführt wären, also man merkt, dass da viele Gedanken reingeflossen sind. Bei der jetzigen Umsetzung wurde aber die offensichtlichste, einfachste und in diesem Fall auch noch ziemlich gefährliche Variante gewählt.
        Das lässt für mich nur den Schluss zu, dass im VTA / der Verwaltung der Wille nicht da ist.

        Neulich im Stadtbezirksrat Mitte, Herr Jana aus dem Gedächtnis zitiert: „Wenn wir etwas umsetzen, dann machen wir es ordentlich.“, sowie „Radverkehrsanlagen, die einfach aufhören machen wir nur sehr ungern“. Hat beim Georgiring dann anscheinend keine Rolle gespielt.

        Nebenbei: Das VTA sagt immer, es müssten viele Ampelschaltungen des Ringes angepasst werden, aufgrund der längeren Räumphase durch Radfahrer, weshalb die Umsetzung so lang dauert. Aber kann man nicht die jetzigen Ampelschaltungen so beibehalten? Man muss doch eh zusätzliche Fahrradampeln montieren, und die haben dann halt einen Vorlauf und schalten eher wieder auf Rot.

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