Und noch ein Radweg wird Thema zur nächsten Ratsversammlung. Über den hat mittlerweile der Stadtbezirksbeirat (SBB) Mitte intensiv diskutiert. Denn auch die Eutritzscher Straße ist kein gefahrloses Pflaster für Radfahrer/-innen. Monatelang war ein ganzes Stück Radweg sogar gesperrt, die Radfahrenden wurden in einer riesigen Umleitung über die ebenso unsichere Kurt-Schumacher-Straße gelenkt. Und bei Beräumung der Baustelle zeigte sich, dass der Radweg dort für den Alltagsverkehr viel zu schmal ist.

Der Antrag wird dann zwar erst einmal ins Verfahren verwiesen. Aber eine Lösung will der Stadtbezirksbeirat eigentlich zeitnah, also noch im Jahr 2022, erreichen.

„Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Einrichtung eines permanenten Radfahrstreifens auf der Eutritzscher Straße stadteinwärts zwischen Ernst-Pinkert-Straße und Parthenstraße anstelle der rechten Kfz-Fahrspur zu prüfen und anschließend zeitnah, spätestens bis Ende November 2022 umzusetzen“. So lautet der erste Antragspunkt im Antrag aus dem SBB.

Die Beweggründe des Stadtbezirksbeirates

Den der Stadtbezirksbeirat auch sehr ausführlich erläutert: „Die Breite des Radweges im genannten Straßenabschnitt ist zu gering und entspricht nicht den erforderlichen Maßen und der hohen Bedeutung dieser Verbindung im HauptnetzRad als innergemeindliche Radschnellverbindung (‚IR II‘).

Gleichzeitig ist die Anzahl von drei Kfz-Fahrspuren unverhältnismäßig hoch vor dem Hintergrund, dass aus Norden kommend nur eine Kfz-Fahrspur von der Eutritzscher Straße über den Verkehrsknoten Roscherstraße geradeaus geführt wird. Signifikanter Kfz-Verkehr aus dem Wohngebiet über die Ernst-Pinkert-Straße auf die Eutritzscher Straße ist nicht messbar.

Insofern ist eine negative Beeinträchtigung des Verkehrsflusses mit nur zwei Kfz-Fahrspuren im Kreuzungsbereich Eutritzscher Straße/Parthenstraße Richtung Süden nicht zu erwarten. Die mehrmonatige Reduzierung der Kfz-Fahrspuren in diesem Bereich während der Baumaßnahmen in der Eutritzscher Straße 1 – 13 hat diese Einschätzung bestätigt.

Mit der Verlagerung des Radverkehrs auf einen gesicherten Radfahrstreifen auf die Fahrbahn gewinnt darüber hinaus der Fußverkehr in diesem Bereich an Raum und Sicherheit, denn allzu oft kollidieren dort momentan Radfahrende und zu Fuß gehende Menschen, hervorgerufen z.B. durch große Müllcontainer, die den Gehweg ganz oder teilweise versperren.

Zur weiteren Förderung des Rad- und Fußverkehrs, der Erreichung der Ziele des Nachhaltigkeitsszenarios und der angestrebten Umverteilung im Modal Split ist die Einrichtung eines permanenten Radfahrstreifens an der genannten Stelle eine sinnvolle und ressourcenschonende Maßnahme. Unter Berücksichtigung des ausgerufenen Klimanotstandes ergibt sich darüber hinaus eine Dringlichkeit zum Handeln.“

Der Abschnitt ist genauso schon länger in der Diskussion wie der folgende Abschnitt an der Gerberstraße, wo Leipzigs Umweltverbände eine Verlegung des Radwegs ebenfalls auf die äußere Fahrbahn fordern. Denn auf dem existierenden Radweg sind Radfahrer hinter dichtem Straßenbegleitgrün nicht zu sehen. Insbesondere an der Keilstraße kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Weshalb sich das Verkehrs- und Tiefbauamt im November 2021 genötigt sah, hier behelfsweise einen Verkehrsspiegel anzubringen.

Die Meldung der Stadt zum Verkehrsspiegel

„Um die Sichtbarkeit des Radverkehrs in der Gerberstraße an der Einmündung zur Keilstraße zu erhöhen, installiert eine Fachfirma dort am Donnerstag, 4. November 2021, einen Verkehrsspiegel. Hintergrund der Initiative im Auftrag des Verkehrs- und Tiefbauamtes ist, dass der Radverkehr um etwa vier Meter abgesetzt von der Gerberstraße (Zentrum Nord) geführt wird und von rechts abbiegenden Autofahrern im Rückspiegel kaum gesehen wird.

Der Verkehrsspiegel soll nun helfen, dass Radfahrerinnen und Radfahrer für Rechtsabbieger besser erkennbar und so sicherer unterwegs sind. Dies wird entsprechend evaluiert. Um die Unfallhäufungsstelle zu entschärfen, wird zudem die Radwegemarkierung im Kreuzungsbereich rot eingefärbt.

Zuletzt hatte das Verkehrs- und Tiefbauamt im Mai im Ranstädter Steinweg in der stadtauswärtigen Zufahrt der Jacobstraße einen Verkehrsspiegel installiert, weil Radfahrerinnen und Radfahrer hier ebenfalls weit abgesetzt auf einem Radweg geführt werden und es immer wieder zu Unfällen gekommen war. Auch München hat in einem Pilotprojekt Verkehrsspiegel an 100 Problemstellen getestet. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen in den Leipziger Versuch mit einfließen. Der Stadtrat hatte im Februar einen entsprechenden Beschluss gefasst.“

Radfahrer müssen gesehen werden

Das löst aber die Probleme für den Radverkehr nicht wirklich. Gerade an vielen Radwege-Lösungen der 1990er Jahre wird jetzt sichtbar, dass sie weder den heutigen Ansprüchen genügen noch wirklich sicher sind. Und der ein oder andere Planer im Verkehrsdezernat weiß sehr wohl, dass die meisten dieser alten Radwege schon längst auf die Fahrbahn gehören. Was aber eben auch deutlich zeigen würde, dass der motorisierte Verkehr Verkehrsraum abgeben muss.

Beim Abschnitt ab der Ernst-Pinkert-Staße hat der Stadtbezirksbeirat freilich auch die aktuellen Baunormen für Radwege auf seiner Seite. Der Radweg auf dem Hochbord ist schlicht zu schmal. Und wenn sich so schnell keine Dauerlösung findet, dann müsste hier eben das eingerichtet werden, was Leipzigs Verwaltung schon in der Corona-Zeit so ungern umgesetzt hat: ein Pop-up-Radweg.

„Da mit einem nicht unerheblichen Zeit- und Planungsverzug bei der Umsetzung der Maßnahmen unter Punkt 1) zu rechnen ist, wird die sofortige Einrichtung eines temporären Radfahrstreifens an gleicher Stelle gefordert“, stellt der Stadtbezirksbeirat Mitte fest.

„Damit erfüllt die Stadtverwaltung zugleich die Forderung aus dem beschlossenen Antrag VII-P-02725-DS-02-ÄA-01 (‚Pop-Up Radwege für Leipzig‘) und beweist entschlossenes und pragmatisches Handeln. Eine Überarbeitung der Lichtsignalanlage wird in seiner Bedeutung für den Verkehrsfluss als nachrangig eingestuft gegenüber den positiven Effekten einer unverzüglichen Lösung für den Radverkehr.

Gerade die Baustelle vor der Eutritzscher Straße 1 – 13, die in den vergangenen Jahren die rechte Fahrspur beansprucht hat und damit den Kfz-Verkehr bereits auf zwei Fahrspuren reduziert hatte, konnte eindrücklich vermitteln, dass die rechte Fahrspur für einen reibungslosen Kfz-Verkehr nicht benötigt wird – auch unter der aktuellen Steuerung der Lichtsignalanlage.“

Jetzt kann man gespannt sein, ob Leipzigs Stadtverwaltung bei Radwegen so langsam den Mut zu „entschlossenem und pragmatischem Handeln“ hat.

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Keine Kommentare bisher

Die andere Straßenseite/ etwas weiter Richtung Innenstadt darf auch gerne aufmerksamer betrachtet werden:
hier gibt es die “Interims”lösung, daß der Radverkehr zusammen mit den Fußgängern im Baustellenbereich auf einen viel zu schmalen und unübersichtlichen Weg geworfen wurde, während der Autoverkehr auf völlig überdimensioniertem Raum vor sich hin ballern darf.
Der eindeutige Beweis, daß die Stadtverwaltung in puncto moderner Verkehrsgestaltung einfach ÜBERHAUPT NICHTS kapiert hat!

Da gibt es wie immer den Autoverkehr – und Ende der Durchsage.

M.M.n. wird sich das offenbar auch nicht mehr ändern in diesem Jahrhundert, also muß sich die Kommunalpolitik mühsam jedem Meter Straße im Detail widmen, so ärgerlich das auch ist.
Anders wird das nichts!

PS:
wird der grundsätzlich vorfahrtsberechtigte Radweg in der Gerberstraße/ Ostseite eigentlich immer noch gegenüber dieser lausigen Parkplatzzufahrt durch ein “Vorfahrt beachten”-Schild ausgebremst, während der Autofahrer dort wiederum ein Stoppschild vorfindet?

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