Am Montag, 30. Mai, vermeldete das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) jetzt endlich die Vollendung der grün markierten Radfahrstreifen auf dem westlichen Innenstadtring. Und es kam genau so, wie OBM Burkhard Jung ja schon im Februar angekündigt hatte: Die grün eingefärbten Radfahrstreifen erzeugen jede Menge Aufmerksamkeit. Die Stadt diskutiert. Und die Autofahrer sind empört.

Denn natürlich signalisieren diese Radwege eine Umverteilung des Verkehrsraums. Die Kraftfahrer mussten jeweils eine komplette Fahrspur abgeben, während Radfahrer/-innen jetzt tatsächlich auf einem Teilstück des Innenstadtrings direkt auf der Fahrbahn fahren können. Auf sattem Verkehrsgrün, das allen Verkehrsteilnehmern zeigt, dass sich hier etwas deutlich verändert hat.

Baubürgermeister Thomas Dienberg legte auf dem vorerst letzten Straßenabschnitt des Dittrichrings selbst Hand an und brachte mit der beauftragten Fachfirma ein Fahrradpiktogramm auf. Seit Ende April waren die separaten Fahrspuren markiert und anschließend im Farbton „verkehrsgrün“ eingefärbt worden – bei laufendem Verkehr.

Thomas Dienberg sagte bei der Gelegenheit: „Damit mehr Leipzigerinnen und Leipziger aufs Rad umsteigen und so den Umweltverbund stärken, muss dieser Umstieg attraktiv gemacht werden. Sichere, gut ausgebaute Radverkehrsanlagen führen dazu, dass es attraktiver wird, sich mit dem Rad durch die Stadt zu bewegen – insbesondere an diesem neuralgischen Punkt, dem Innenstadtring.“

Die grünen Radfahrstreifen sind nicht komplett durchgezogen.

Auf die Abschnitte des Dittrichrings mit gemeinsamer Nutzung der Fahrspur von Kfz und Radfahrern weisen nun neuartige Radpiktogramme hin. International sind diese Zeichen als Sharrows bekannt, eine Kombination aus „Teilen“ (Share) und „Pfeil“ (Arrow). Diese Piktogramme sollen, wie auch die Grünmarkierung, die Aufmerksamkeit auf die Radfahrerinnen und Radfahrer lenken und ihnen die Fahrlinie vorgeben. In Leipzig wurden sie jetzt erstmals im Straßenabschnitt vor der Rudolphstraße aufgebracht.

Die Sharrows kurz vor der Kreuzung Tauchnitzstraße. Foto: Ralf Julke
Die Sharrows kurz vor der Kreuzung Tauchnitzstraße. Foto: Ralf Julke

Und die Staus, die in den ersten Wochen die Argumentation gegen die neuen Radfahrstreifen bestimmten, sind inzwischen auch verschwunden.

Beginn eines Lernprozesses

Die in den letzten Wochen zu beobachtenden Stauerscheinungen vor der Kreuzung an der Karl-Tauchnitz-Brücke haben sich deutlich reduziert, nachdem die Sperrung der Käthe-Kollwitz-Straße aufgehoben wurde, teilt das VTA mit. Stockungen in den Spitzenstunden seien nun vergleichbar mit denen an anderen Stellen des Hauptstraßennetzes.

Aber was das Verkehrsamt beobachtet, ist eine alte Leipziger Untugend, die nicht nur auf der Kreuzung an der Tauchnitzbrücke zu beobachten ist: „Problematisch und auch verboten ist, wenn zu diesen Stoßzeiten Autos in den Kreuzungsbereich einfahren, obwohl der Verkehr bereits erkennbar stockt. Dadurch ergeben sich auch in den anderen Zufahrten Rückstaus und eine unübersichtliche Verkehrslage.“

Dass so eine deutliche Veränderung im Verkehrsraum einen Lernprozess auslöst, weiß auch Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes.

„Das Verkehrsverhalten stellt sich erst nach und nach um, das kann durchaus ein Jahr dauern“, schätzt er ein. „Die Nutzungsfrequenz von neuen Verkehrsanlagen erhöht sich üblicherweise langsam und nicht schlagartig. Das hat sich auch an der Semmelweisbrücke gezeigt, die direkt nach der Verkehrsfreigabe nur in sehr geringem Maße befahren war. Heute will diese Verbindung keiner mehr missen. Den Radfahrerinnen und Radfahrern wird das mit den Radfahrstreifen auf dem Ring ähnlich gehen, wenn sie ihre Alltagswege auf das neue Angebot ausgerichtet haben.“

Noch im Juni geht es weiter – endlich auch am Hauptbahnhof

Die neuen Radverkehrsanlagen sollen perspektivisch auf der Harkortstraße in den Süden Richtung Floßplatz fortgesetzt werden. Zunächst werde jedoch bereits im Juni parallel zum Bau der Ampel an der Kreuzung Karl-Tauchnitz-Brücke/Friedrich-Ebert-Straße ein Radfahrstreifen vom Martin-Luther-Ring bis zur Karl-Tauchnitz-Straße angelegt, teilt das VTA mit.

Auch der nördliche Ring vor dem Hauptbahnhof soll eine Markierung erhalten, um die Dauerkonflikte mit dem Fußverkehr zu beseitigen. Dabei umfasst die Planung an dieser Stelle den ersten Abschnitt von der Brandenburger Straße bis zur Kurt-Schumacher-Straße, sowie einen zweiten Abschnitt von der Kurt-Schumacher-Straße über die Gerber- bis zur Löhrstraße.

2023 soll zudem im Abschnitt auf Höhe des Gewandhauses in Richtung Rossplatz auf der inneren Fahrspur ein Radfahrstreifen markiert werden. Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts war der Promenadenring vor knapp einem Jahr erstmals seit 1975 wieder für den Radverkehr geöffnet worden. Dies ist zudem ein Baustein, um die vom Stadtrat beschlossene Mobilitätsstrategie 2030 umzusetzen.

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Es gibt 7 Kommentare

Hallo Matthias,

Diese Fahrradstraße ist doch gar nicht “zugeparkt”! Immer diese Dramatisierungen, die nichts außer Empörung bringen.
Sie rufen laut “Unsinn!” zu dem, was ich schreibe, aber wie mache ich es denn seit nun 13 Jahren, wenn ich zu den von Ihnen genannten Orten fahren will? Ich, und die anderen Leute die über den grünen Zauber die Stirn runzeln, die nutzen diese “völlig zugeparkte” Straße doch oft. Sie funktioniert prima, und an der etwas unschönen Stelle an der Thomaskirche komme ich mit Sicherheit schneller über die Kreuzung, wenn ich über die Fahrradstraße fahre als wenn ich an der roten Ampel unten am Ring warte.
Richtung Zoo fahre ich jede Woche mit dem Rad, und ich werde garantiert nicht den Umweg über die Runde Ecke nehmen, nur weil Enthusiasten und der OBM “ein starkes Zeichen” setzen wollen.

Der Sommer kommt, damit auch die Zeit in der mehr Leute Rad fahren. Wir werden ja sehen wie es angenommen wird. Der Radweg stadtauswärts zur Rennbahn (an Kreuzung August Bebel Straße) wird weiterhin fast gar nicht genutzt, den gibts nun schon eine ganze Weile.

Da muss ich Matthias zustimmen. Die vorhandene “Radstraße” ist zwar eine nette Geste, aber weitestgehend zweckwidrig. Autos und Busse fahren dort herum und die Thomaskirchenquerung ist keine, sondern eine schlimme und gefährliche Kreuzung.

Nachdem man in der Innenstadt den Fußgängern zuerst das Vorrecht einräumte (mit Recht) und der Autolobby ebenfalls (Fahren bis in die tiefste Innenstadt möglich, neue öffentliche Tiefgaragen), ist es freilich schwer, im Nachhinein auch adäquate Bedingungen für Radfahrer zu schaffen, die genauso (und mehr als PKW-Fahrer) ein Anrecht darauf haben.
Nun ist gutes Rad teuer und schwierig.

Der Weg über den Ring ist fast die einzige Möglichkeit, dem nachzukommen. Und auch nicht die schlechteste, allerdings mit Umwegen für Radler verbunden, was sehr kritikwürdig ist. Aber die Ring-Radspur habe ich vorhin auch genutzt, und das ging prima!
Es wird eine Weile dauern, bis dieser Weg angenommen und gefunden wird. Angewohnheiten ändern sich nur langsam.
Aber ob sich diese “Sharrows” bewähren… warum nicht mindestens Beschilderung 50/50, so wie jetzt vegetiert das Radsymbol etwas vor sich hin.

So ein Unsinn, Sebastian! Der obere “Radweg” (zugeparkt und als Abkürzung für Autofahrer aus Parkkellern der Innenstadt) ist total dysfunktional, was man spätestens an der verkorksten Querung am Thomaskirchhof merkt. Danach ist er eine Sackgasse, wenn man gerade nicht in die Fleischergasse möchte. Will ich ins Naundörfchen, ins Theater oder zur IHK, muss ich über den Wagnerplatz durch Fußgängermassen. Und seit dem Abriss der großen Brücke am Goerdelerring ist auch die Kreuzungsquerung Richtung Zoo oder Jahnallee vom Wagnerplatz aus vollständig sinnlos. Radverkehr gehört auf die Straße!

Hallo Steffen,
Das Auto links neben der Radfahrerin hat eine unscharfe Felgenkontur, fährt also nicht nur Schrittgeschwindigkeit. Das, zusammen mit der Position auf der Straße und dem nicht eingeschlagenen Lenkrad sagt mir, dass es nicht abbiegen möchte, sondern geradeaus fährt. Ob die Autos links auf der Gegenrichtung über die Kreuzung rollen oder dort stehen vermag ich nicht auf dem Bild zu erkennen, aber man sollte natürlich acht geben nicht die Kreuzung zu blockieren.
Ob, oder ob sie nicht blockieren, hat allerdings nichts mit der Frage zu tun, ob dieser grüne Streifen auf der Innenseite des Ringes gebraucht oder angenommen wird.
Meine Beobachtungen sehen das bisher eher anders: die vorhandene “innere” Fahrradstraße wird rege benutzt. Und auch was ich von Kollegen oder Sportfreunden höre, darunter durchaus auch grüne oder Fahrradenthusiasten… Ein Symbol, mehr nicht. Und genau dafür steht dieses Bild oben ganz wunderbar. 🙂

@S.:
Alles was du nicht verstehst, ist es nicht wert zu existieren, wa?
Okay, noch mal:
*die Stadt hat den Autobahnring auch für Radfahrer zu öffnen.
*aufgrund der Verkehrsbelegung sind Maßnahmen für die Führung des Radverkehrs vorgeschrieben.
Deshalb die Radstreifen, die m.M.n. noch viel zu zögerlich aufgetragen werden, wenn man die selbst vorgetragenen Argumente mit der Realität abgleicht.
Hoffe ich konnte helfen.

@ Sebastian

Und das gleichzeitig mit dem nach links abbiegenden PKW, blockiert von den im Kreuzungsbereich wartenden Autofahrern der Gegenrichtung. Dass Radler in Richtung Innenstadt nur kurze Abschnitte nutzen, ist durchaus logisch. In die Rudolphstraße kommt man aber genauso gut über die Friedrich-Ebert-Straße. Wenn man den fahrzeugleeren Ring in nördliche Richtung sieht, hätte man noch ein, zwei weitere Fahrstreifen streichen können.

Witzig zu sehen, dass die Radfahrerin auf dem ersten Bild oben dabei ist den gefeierten Streifen zu verlassen.
Nach rechts, in Richtung existierende Fahrradstraße. Eine kürzere Kommentierung dieses Artikels könnte es kaum geben 🙂

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