Der Planungsbeschluss wurde 2019 gefasst. Ab 2026 sollen bis zu 616 Schüler die neue Wilhelm-Busch-Grundschule in der Reichpietschstraße besuchen können. Einige sogar mit historischem Erlebnis, denn das einstige Empfangsgebäude des 1874 erbauten Eilenburger Bahnhofs wird Teil des neuen Schulkomplexes, der an der Ecke Gerichtsweg/Reichpietschstraße entstehen soll.

Die Entkernung von Bäumen und Sträuchern ist schon im Februar passiert, sodass das Gelände zur Bebauung freigeräumt ist. Jetzt muss der Stadtrat noch die Mittel bewilligen, damit losgebaut werden kann. Als Baubeginn ist der Januar 2023 geplant, als Fertigstellungsmonat der Dezember 2025. Wobei die Schule einige Besonderheiten hat.

Und das betrifft nicht nur die Einbeziehung des historischen Empfangsgebäudes in den Schulkomplex an der Reichpietschstraße.

„Am Standort Gerichtsweg/Reichpietschstraße sollen der Neubau einer 5-zügigen Grundschule für 616 Schüler/-innen, eine wettkampftaugliche 6-Feldsporthalle mit 199 Zuschauerplätzen sowie die erforderlichen Sport- und Freiflächen entstehen“, heißt es in der Vorlage der Dezernate Stadtentwicklung und Bau und Jugend, Schule und Demokratie. „Das Kulturdenkmal, die ehemalige Empfangshalle des Eilenburger Bahnhofs wird in den Grundschulneubau integriert.“

Eine neue Eingangssituation für den Lene-Voigt-Park

Und das wird auch die Eingangssituation zum Lene-Vogt-Park völlig verändern. „Die Schule und die Sporthalle sind Teilobjekte der im nördlichen Bereich des Lene-Voigt-Parks geplanten Großbaumaßnahme, zu der auch eine Kindertagesstätte für 185 Kinder gehört. Der Baubeschluss für den Neubau der Kindertagesstätte (VII-DS-06520) wurde bereits eingebracht.“

Die auch für die öffentliche Nutzung vorgesehene Sporthalle wird nicht direkt auf dem Schulcampus stehen, sondern südlich davon, dort, wo Besucher des Parks jetzt noch eine große Wiese begrüßt. Heute macht der Weg in den Park hier noch einen Schlenker.

Künftig wird der Parkweg geradlinig direkt an der Außenseite des Schulgeländes in den Park führen, sodass mit der Schule linkerhand und der Sporthalle rechterhand eine neue Entréesituation entsteht.

Und noch etwas musste geklärt werden: Wohin mit der Nebenfernwärmeleitung, die direkt an der Reichpietschstraße entlangführt?

„Die vorhandene oberirdische Nebenfernwärmeleitung entlang der denkmalgeschützten Gebäude stellt ein wesentliches Entwicklungshemmnis dar. Um die Entscheidungen für die Gesamtentwicklung des Areals vorzubereiten und eine konzeptionelle Grundlage zu schaffen, wurde Anfang 2018 eine Flächen- /Machbarkeitsstudie mit städtebaulichen Varianten für die geplanten Nutzungen Schule, Sporthallen, Kindertagesstätte und Abschluss Lene-Voigt-Park erarbeitet“, heißt es in der Vorlage.

„Dabei war ein wesentlicher Aspekt der Umgang mit den bestehenden Fernwärmeleitungen. Im Ergebnis wurde eine unterirdische Umverlegung der Nebenfernwärmeleitung unter wirtschaftlichen, funktionalen und städtebaulichen Konsequenzen befürwortet. Eine Umverlegung der Hauptfernwärmeleitung DN 600 ist nicht vorgesehen. Die Umverlegung der Nebenfernwärmeleitung ins Erdreich ist Teil der Maßnahme.“

Patenbäume müssen umziehen

Und dann ist da noch der Fakt, dass die Stadt lange Zeit gar nicht daran dachte, hier eine Schule hinzusetzen. Mit dem Ergebnis, dass auf dem Baufeld eine ganze Reihe Patenbäume stehen.

„Auf dem Baufeld befinden sich Patenbäume. Der Erhalt dieser Bäume durch Verpflanzung hat hohe Priorität, da die Bäume vital und gesund sind. Nach derzeitiger Einschätzung können 28 Bäume durch Umpflanzung erhalten werden“, betont die Vorlage.

„Die Verpflanzung der Gehölze kann nach Rücksprache mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer im Lene-Voigt-Park sowie im Reudnitzer Park oder anderen in der Nähe befindlicher Anlagen erfolgen.“

Das einstige Empgangsgebäude des Eilenburger Bahnhofs wird Teil des Schulgebäudes. Foto: Ralf Julke
Das einstige Empfangsgebäude des Eilenburger Bahnhofs wird Teil des Schulgebäudes. Foto: Ralf Julke

Und auch ein paar kleine Biotope im Gelände werden erhalten: „Durch die Untere Naturschutzbehörde wurden Gehölze als gesetzlich geschützte Biotope bestätigt. Durch die vorliegende Planung wurde der Sachverhalt der Biotopbäume ausreichend miteinbezogen, weshalb eine Befreiung gem. § 67 BNatSchG für die Fällung der im Entwurf festgelegten vier Biotopbäume durch die Naturschutzbehörde in Aussicht gestellt wurde.“

Fehlende Fassadenbegrünung und zu viele Stellplätze

Schwieriger wird es, mit zwei ähnlichen Anträgen von den Grünen und aus dem Stadtbezirksbeirat Südost umzugehen. Denn die Vorlage betont, dass eine Begrünung der Sporthalle – unter anderem aus brandschutztechnischen Gründen – zu teuer und aufwendig und nicht möglich wäre.

Was ja einem ganzen Paket von Beschlüssen des Stadtrates völlig widerspricht. Wenn die Begrünung öffentlicher Gebäude aus den in der Vorlage aufgeführten Gründen nicht möglich ist, sind sämtliche Stadtratsbeschlüsse dazu hinfällig. Da ist jetzt schon abzusehen, dass es da einigen Klärungsbedarf in der Ratsversammlung geben wird.

„Mit einer Fassadenbegrünung würde sich die Sporthalle in den Lene-Voigt-Park nahtlos einfügen und damit den Charakter der Grünanlage aufnehmen“, hat der Stadtbezirksbeirat sein Unverständnis dazu geäußert, dass er dazu nicht mal beteiligt worden ist.

„Neben einer gestalterischen, freiraumbezogenen Funktion haben Fassadenbegrünungen auch eine ökologische Funktion. So wirken sich Fassadenbegrünungen positiv auf das Gebäudeklima (z. B. Wärmedämmung des Luftpolsters zwischen Pflanze und Fassade, Kühlwirkung bei Sonneneinstrahlung durch Wärmeverbrauch durch Verdunstung) aus, führen sie insbesondere in der Nähe zu verkehrstechnisch stark belasteten Bereichen zu einer Verbesserung der luft-hygienischen Situation durch z. B. Ausfiltern von Staubpartikeln aus der Luft und Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Ferner können sich Fassadenbegrünungen verbessernd auf den Schallschutz durch Schallabsorption auswirken.“

Und ein ebenso klimarelevantes Thema greift die SPD-Fraktion mit einem Änderungsantrag auf, worin sie sich darüber wundert, dass die Stadt für die Schule gleich mal 16 Pkw-Stellplätze eingeplant hat, obwohl nach den Satzungsbedingungen der Stadt acht Stellplätze völlig genügen würden.

„Die Anzahl der PKW-Stellplätze wird von 16 auf 8 halbiert“, beantragt die SPD-Fraktion. „Darüber hinaus prüft der Oberbürgermeister, ob eine weitere Reduzierung der PKW-Stellplätze möglich ist.“

Denn immerhin ist das eine Grundschule. Die Kinder kommen aus dem umliegenden Wohngebiet. Da sollten eher Passagen in so einer Vorlage auftauchen, in denen die Qualität von Fußwegen, Überwegen und Radwegen eingeschätzt wird.

Doch dergleichen sucht man vergeblich. Dafür findet man den dezenten Hinweis, dass die Reichpietschstraße noch ein uraltes, sehr marodes Pflaster hat und das Straßenstück vor der Schule im Anschluss an die Baumaßnahme erneuert werden sollte.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar