Da wusste auch FDP-Stadtrat Sven Morlok nicht so recht, was das sollte. Im Juni hatte das Leipziger Kulturdezernat eine Flächenanalyse für den Bildungs- und Markthallencampus Wilhelm-Leuschner-Platz vorgelegt. Da hing dann auch großspurig eine Tragfähigkeitsanalyse der Fürther Beratungsfirma Steinbauer Strategie mit dran, die aber nicht das Geringste darüber aussagte, ob sich eine Markthalle am Ort nun trägt oder nicht.

Dass das Fürther Unternehmen nicht mal daran glaubt, dass eine reine Markthalle sich tragen könnte, weil genug Händler aus Leipzig und Umgebung hier ihre regionalen Produkte anbieten würden, wird freilich mehr als deutlich. Es ist auch nicht die erste Tragfähigkeitsanalyse für die Markthalle. Auch die erste hatte schon zum Ausdruck gebracht, dass Leipzigs Verwaltung sich nicht wirklich mit einer funktionierenden Markthalle anfreunden kann. Man will irgendwie wirtschaftlich auf Nummer sicher gehen.

Und weil man nicht weiß, welche Händler aus der Region sich hier fest einmieten würden, versucht die Analyse über einen großen Ankermieter die Wirtschaftlichkeit herzustellen.

Die Tragfähigkeitsanalyse zu Bildungscampus und Markthalle.

In der neuen Analyse wird sogar ein Bio-Markt favorisiert, obwohl ein zuvor favorisierter Supermarkt den Vorteil hätte, nicht so stark mit den in der Markthalle angebotenen Produkten zu konkurrieren. Auch eine Drogerie wird ins Spiel gebracht. Und trotzdem kann die Stadt nicht sagen, ob sich das Projekt rechnet.
Wie auch? Dafür fehlt bis heute eine umfassende Marktanalyse zu regionalen Produkten. Und der Glaube daran, dass man die regionalen Erzeuger hier puschen könnte, sowieso.

Modell von Baustrukturen.
Die Baustrukturen für die Bebauung am Wilhelm-Leuschner-Platz. Lediglich der Global Hub (das hölzerne Gebäude in der Bildmitte) hat schon seine architektonische Ausformung. Foto: Stadt Leipzig

Und so erklärte dann Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke dem durchaus skeptischen FDP-Stadtrat Sven Morlok, dass das neue Papier eben genau diese Frage nicht klären könnte. Tatsächlich klärt das Papier erst einmal nur, dass die von der Stadt hier in einem Bildungscampus gewünschten Nutzungen mit Musikschule und Volkshochschule in einem Gebäude und der Markthalle im Erdgeschoss machbar sind. Erste Skizzen dazu hat das Büro Hentsch Architekur schon gezeichnet.

Die Flächenstudie zu Bildungscampus und Markthalle.

Womit aber eben nur klar ist, dass die Vision der Stadt von diesem Gebäude auf dem Gebiet der historischen Markthalle vom Platzbedarf her machbar ist. Der Rest ist offen. Und so konnte Skadi Jennicke Sven Morlok auch nicht sagen, wie teuer das Ganze wird. Das werde dann erst in der nächsten Planungsstufe prognostizierbar, vertröstete sie.

Auch wenn die Tragfähigkeitsanalyse schon von hypothetischen 12,3 Millionen Euro an Normalherstellungskosten spricht. Was aber dann, wenn hier irgendwann gebaut wird, bei den rasant steigenden Baupreisen ganz bestimmt zu wenig sein wird.

Sodass es eigentlich nichts groß zu diskutieren gab zu dieser städtischen Vorlage, die letztlich nur bestätigt, dass alle gewünschten Nutzungen in das Gebäude passen. Wirklich belastbare Kostenberechnungen gibt es erst in der nächsten Planungsstufe, so Jennicke.

Die Vorlage wurde dann ohne Diskussion mit 34:7 Stimmen angenommen, sechs Stadträte enthielten sich.

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