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Grüne beantragen fünf eigene Fluglärm-Messstellen für das Leipziger Stadtgebiet

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    Mit dem, was der Flughafen Leipzig/Halle von sich aus als Lärmmessung veröffentlicht, kann niemand wirklich etwas anfangen. Nicht einmal vernünftige Planungen sind damit möglich. Und wie viel Lärm die Nachfliegerei im Leipziger Stadtgebiet verursacht, erfährt man so auch nicht. Weshalb die Grünen-Fraktion jetzt die Anschaffung von fünf Lärmmessstationen für Leipzig beantragt. Vorbild: Frankfurt.

    Die einzige offizielle Messstelle auf Leipziger Gebiet befindet sich im Ortsteil Hohenheida. Als in Lützschena-Stahmeln eine temporäre Messstelle eingerichtet wurde, gab es gleich Ergebnisse, die so überhaupt nicht zu den Lärmberechnungen des Flughafens Leipzig/Halle passten. Aus Sicht des Flughafens: Ein nicht zu erklärender Ausreißer.

    Aus Leipziger Sicht wohl schlicht die Bestätigung dafür, wie stark der Flughafenbetrieb nachts tatsächlich ins Leipziger Stadtgebiet hineinlärmt, seit 2007 die Startbahn Süd eröffnet wurde, auf der über die 95 Prozent der nächtlichen Flugbewegungen abgewickelt werden.

    Also bezweifelt der Flughafen lieber die Messergebnisse.

    Aber die Erfahrungen aus Frankfurt/Main zeigen, dass die betroffene Großstadt erst belastbar mitreden kann, wenn sie über eigene Messergebnisse verfügt und nicht mehr darauf angewiesen ist, mit geglätteten Messergebnissen des eigentlichen Lärmverursachers arbeiten zu müssen.

    Dass der Fluglärm gerade im Nordwesten des Stadtgebiets hochgradig belastend ist, zeigen die Bürgerumfragen der letzten Jahre. In Lützschena-Stahmeln empfinden 59 Prozent der Einwohner den Fluglärm als stark bis sehr stark belastend, in Lindenthal sind es 49 Prozent, in Wahren immerhin noch 25 Prozent. Absoluter Spitzenreiter aber ist Seehausen mit 69 Prozent.

    In Wiederitzsch sind es auch noch 34 Prozent. Auch im westlichen Ortsteil Böhlitz-Ehrenberg fühlen sich 34 Prozent der Einwohner stark belastet. Der Ortsteil ist von der Südabkurvung besonders betroffen, ganz ähnlich wie Burghausen-Rückmarsdorf, wo 31 Prozent der Bürger die starke Fluglärmbelastung monieren.

    Und das sind nur die Rückmeldungen von 2018. Seither hat der Frachtflugverkehr noch einmal um ein Fünftel zugenommen. Mit dem Ausbau soll er noch einmal um 50 Prozent zunehmen.

    Da ist es schon verwunderlich, dass ausgerechnet die Stadt mit den meisten Fluglärmbetroffenen in der Fluglärmkommission nur einen Platz hat und mit all ihren Anträgen zur Lärmminderung immer wieder überstimmt wird.

    „Der Flughafen Leipzig/Halle betreibt keine Messstationen grade in diesen stark vom Fluglärm betroffenen Ortsteilen“, stellen deshalb die Grünen in ihrem Antrag fest, den sie zur Haushaltsplanung 2021/2022 geschrieben haben, damit die fünf Messstellen baldmöglichst angeschafft werden können.

    „Es ist von Kosten von etwa 20.000 Euro pro Standort auszugehen (inkl. Planungsmitteln). Eigentlich sollte der Verursacher der jeweiligen Umweltbelastungen für anfallende Kosten aufkommen, da aber die Bemühungen der Stadt Leipzig bezüglich Lärmschutz weder Unterstützung in der Fluglärmkommission des Flughafens Leipzig/Halle noch durch das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr erfahren, muss die Stadt, und zwar zum Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger (Fürsorgepflicht) die Initiative ergreifen, um die tatsächliche Belastung für die Bürgerschaft zu erfassen bzw. an die entsprechenden Prüfverfahren weiterzuleiten.“

    Denn ohne belastbare eigene Ergebnisse hat Leipzig selbst im SPD-geführten Verkehrsministerium schlechte Karten, wo die Ausbaupolitik des Flughafens bislang ohne Gewissensbisse unterstützt wird, weil man dort glaubt, damit wertvolle Arbeitsplätze zu schaffen.

    Wobei Leipzig jetzt in einen Zwiespalt gerät, denn Ministerium und Flughafen treiben das Planvorhaben zur Erweiterung des Frachtflughafens ungebremst voran. Wenn Leipzig kein Ausbaumoratorium erreicht, werden die Bauarbeiten beginnen, ohne dass Leipzig auch nur die ersten eigenen Messergebnisse in Händen hält. Denn vor 2022 wird man diese nicht haben.

    Der Antrag der Grünen: „Für den Aufbau und den Betrieb von 5 kommunalen Fluglärm-Messstationen (nach dem Vorbild von Frankfurt/Main) an Standorten in Lindenthal, Lützschena-Stahmeln, Böhlitz-Ehrenberg, Wiederitzsch und Seehausen werden Haushaltsmittel in Höhe von 100.000 Euro in 2022 zur Verfügung gestellt. Neben den berechneten Messdaten sollen endlich auch die tatsächlich gemessenen Lärmpegel (Lärmspitzen) für die Öffentlichkeit online dokumentiert werden und in regelmäßigen Zeitabständen analysiert werden.“

    Irgendwann muss auch Leipzig deutlicher werden bei der Benennung der negativen Folgen des nächtlichen Frachtflugverkehrs für seine eigenen Bürger. Denn was nutzt das Schaffen weiterer DHL-Arbeitsplätze, wenn zehntausende Leipziger/-innen gesundheitlich leiden unter der nächtlichen Frachtfliegerei mit schweren und lauten Flugzeugen, für die es im Leipziger Stadtgebiet so gut wie keine Schallschutzmaßnahmen gibt. Denn die gibt es nur, wo nachweislich erhöhte Lärmwerte gemessen werden.

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      3 KOMMENTARE

      1. Die Idee von (mehr) Messstellen im Stadtgebiet finde ich wichtig.
        Im Stadtteil Möckern/Wahren nahe der Elster habe ich in der von Christof angesprochenen Nacht zum 20.01.21 auch ab ca. 3 Uhr nicht schlafen können. Messungen am Bett bei geschlossenem Dachfenster haben Werte bis zu 60 dbA ergeben. Gemessen mit einem Schallpegelmessgerät SL-5868P.
        Die tieffrequenten Motorengeräusche beim Start sind hier dominierend und rauben Nachbarn und mir regelmäßig den Schlaf über längere Zeit hinweg.
        Tagsüber sind diese Lärmquellen ohne Diskussion, dem (noch) Stand der Technik bzw. staatlich gefördetem Stand des Transportwesens geschuldet, akzeptabel. Jedoch finde ich 2021 Ideen zur Vergrößerung des Frachtflughafens traurig und rückwärtsgewandt.

      2. Auch im Osten hört man abends bei entsprechenden Verhältnissen Lärm, der vom Flughafen kommt. Und ich meine keine Überflugemissionen. Wenn es die Stadt mit ihrer Stellungnahme tatsächlich ernst meint, sollten die beantragten Mittel nur Formsache sein. Zumindest für einige der beabsichtigten Standorte. Ansonsten wäre das unglaubwürdig.

      3. Leider muss man den Antrag der B90/ Grünen, den Fluglärm in den Ortsteilen zu ermitteln, beipflichten. Wenn man im Norden der Stadt wohnt, ist je nach Windrichtung, die Lärmbelastung sicher recht hoch. Der Lärm wird aber auch bis nach Schleußig hinüber getragen, da Schkeuditz höher liegt. So zum Beispiel wieder in der vergangenen Nacht vom 19. zum 20.01.2021 gegen 4-6.00 Uhr früh. Da kann man nur noch alle Fenster schließen und das Brummen der Motoren ist immer noch zu hören.

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