Viele Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind, haben unter schwierigen Bedingungen ihre Haustiere mit in ihre ungewisse Zukunft gebracht. Etliche Tiere müssen nach der Ankunft in eine dreiwöchige Quarantäne, um auszuschließen, dass sie die Tollwut einschleppen. Doch da fangen die Probleme an. Denn in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Landesdirektion Sachsen ist die Unterbringung von Haustieren außerdem nicht erlaubt.

Die Tiere aber brauchen ebenso „ein Dach über dem Kopf“. Aktuell kümmert sich der Tierschutzverein Leipzig um etwa 30 Hunde, 20 Katzen und einige Kleintiere, die Ukraine-Flüchtlinge mit nach Leipzig gebracht haben. Aber auch private Tierarztpraxen und Ehrenamtliche engagieren sich mit eigenen Mitteln.

Der Verein schlug in den vergangenen Tagen Alarm, die Kapazitäten in Leipzig seien vollständig ausgelastet. Auch menschlich verlangt die Versorgung der Vierbeiner den Helfenden viel ab. Die Tiere werden teils tageweise in Pflegestellen untergebracht, um es ihren Besitzer/-innen zu ermöglichen, für eine Nacht Ruhe in der Erstaufnahmeeinrichtung zu finden.

„Für viele der Geflüchteten sind ihre Haustiere nach tage- und wochenlanger Flucht eine der letzten Verbindungen in ihre verlassene Heimat. Durch die Trennung von ihren Tieren steigert sich die psychische Belastung der Menschen zusätzlich. Und auch für die Tiere bedeutet die Situation ein hohes Maß an Stress“, erklärt Thomas Kumbernuß (Die PARTEI), der auch Mitglied im Tierschutzbeirat ist.

„Die Stadt Leipzig muss hier dringend handeln und Unterstützung liefern für anfallende Kosten von Futter und der veterinärmedizinischen Versorgung im Tierheim Leipzig. Die Vereine und ehrenamtlichen Helfer/-innen müssen entlastet und nicht zuletzt die geflüchteten Personen mit ihren Haustieren zusammen untergebracht werden.“

Die Linksfraktion, deren Mitglied er ist, hat deshalb eine Anfrage formuliert, um Hilfsangebote im Rahmen aller Möglichkeiten entwickeln zu können.

Darin fragt die Fraktion: „Wie viele Tiere sind schätzungsweise mit aus der Ukraine geflüchteten Personen nach Leipzig gekommen? Wie ist der Verfahrensablauf bei der Ankunft von Tieren? Wer sind die Ansprechpartner/-innen und wie können diese unterstützt werden? Welche Unterstützung kann die Stadt geben und inwieweit ist eine Beteiligung des Landes Sachsen zu erwarten?“

Die Antworten der Verwaltung erwartet die Linksfraktion zur kommenden Ratsversammlung am 13. April.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit über 16 Jahren sind alle Artikel und somit auch das gesamte Archiv mit über 80.000 Beiträgen auf L-IZ.de ohne Paywall oder Zugangsbeschränkungen frei lesbar.

Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements oder einem freiwilligen Beitrag sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Gab es denn, bevor Putins Russen die Heimat der geflüchteten Ukrainer durch Krieg zerstört haben, Tollwut-Ausbrüche vor Ort?
Ein Wohnungsmeerschweinchen muss sicher nicht in Quarantäne.
(Ein Wildschwein – davon hätte irgendeine Bilderzeitung berichtet.)
So ein Haustier, ob nun Katze, Hund oder langlebiges Lebewesen, ist wie ein Kind,
für das man verantwortlich ist.
Und das man liebt. Und vice versa.
Verstehen aber nur Menschen, die mal einige Jahre mindestens mit einem Kanarienvogel zusammengelebt haben.
Die anderen fragen, ob sie ein “neues” kaufen sollen.
Also, grundsätzlich müssen die Aufnahmebedingungen für staatliche Nothilfen überdacht werden,
einen Menschen von seinem liebsten zu trennen,
nicht nur für Obdachlose grausam.
Und auch nicht gut, für das menschliche Miteinander.

Solange es mit der deutschen Bürokratie allerdings nicht anders geht(?), muss allerdings das Tierheim für eine liebevolle Kurzzeit-Betreuung finanziell und personell unterstützt werden.
Bedenken sollte man aber auch, dass durch eine Trennung in jedem Falle eine weitere Traumatisierung stattfindet.

Bin auf die Antwort der Verwaltung gespannt. Und Dankeschön fürs Fragen.

Schreiben Sie einen Kommentar