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Sonntag, 17. Januar 2021

Joachim-Ringelnatz-Verein schreibt einen Offenen Brief: Wie löst man den Gordischen Knoten am Ringelnatz-Haus in Wurzen?

Von Redaktion

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    Seit zwölf Monaten ruhen die Arbeiten am Ringelnatz-Geburtshaus aufgrund einer verfahrenen, scheinbar ausweglosen Situation in der Abwägung zwischen Denkmalschutz und zukünftiger Nutzung. Der Vorstand des Joachim-Ringelnatz-Verein e. V. sieht daher keinen anderen Weg mehr, als sich mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit zu wenden, in dem er sachlich den Stand der Dinge darlegt.

    Vielleicht hilft das, „einen Knoten zu lösen, der uns bisher noch von einer baldigen angemessenen Nutzung des Geburtshauses eines bedeutenden deutschen Literaten abhält“, sagt André Genedl, Vorstand des Joachim-Ringelnatz-Verein e. V.

    Der Offene Brief des Joachim-Ringelnatz-Vereins

    Zwölf Monate Baustille auf der Baustelle

    Mehr als ein Jahr ruhen die Arbeiten am Ringelnatz-Geburtshaus. Der Anbau für Fahrstuhl, Rettungstreppe und Behindertentoiletten – Grundbedingung für eine gerechte kulturelle Teilhabe und die touristische Vermarktung – fand nicht die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde.

    Diese plädierte vielmehr dafür, das Ringelnatzhaus als freistehendes Denkmal sichtbar zu machen. Dafür sollte auf die Nutzung des Dachgeschosses verzichtet werden, damit der Fahrstuhlschacht nur bis zum 1. Obergeschoss geführt werden müsse. Bis zur Lösung wurde ein Baustopp verhängt.

    Das Ergebnis für den Verein:

    Die für den Sommer 2020 zum Geburtstag von Ringelnatz geplante Eröffnung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun scheint auch für das Jahr 2021 die Eröffnung infrage gestellt. Noch immer gibt es keine baurechtliche Genehmigung. Dabei schien die Einigung bereits greifbar. Trotz der ersten Corona-Welle trafen sich im April alle Beteiligten im Stadthaus. Der Verein verließ das Gespräch mit der Zusicherung seitens der Bau- und Denkmalbehörde im Landratsamt, eine Lösung für die vollständige Betreibung aller Etagen und die dazu nötige Behinderten-Gerechtigkeit zu finden.

    Bis heute folgten dem keine positiven Entscheidungen. Dabei hatte die Stadt Wurzen im geforderten zweiten Bauantrag die Nutzung des Dachgeschosses für Aufgaben des Betreibers ausdrücklich beantragt. Dennoch geht die Untere Denkmalschutzbehörde im September wieder davon aus, dass das Dachgeschoss nicht genutzt werden soll und damit Fahrstuhl und Rettungstreppe für diese Etage unnötig sind.

    Die Folge: Es kann nicht weiter gebaut werden, denn weder die Stadt noch der Betreiberverein stimmen dieser Nutzungseinschränkung zu. Ein Treffen bei der Landesdenkmalpflege am 9. November fiel dem zweiten Lockdown zum Opfer. Auch zum Jahresende 2020 sieht der Joachim-Ringelnatz-Verein kein Einlenken, um Denkmalschutz und Behindertengerechtigkeit für die Betreibung des Hauses vereinbar zu machen.

    Wir sehen darin eine Geringschätzung der Arbeit der 130 Vereinsmitglieder, die mit enormem Einsatz ihrem kulturellen Auftrag treu bleiben. Schon seit Februar 2019 bietet der Wurzener Ringelnatz-Verein seine Veranstaltungsreihen und Projekte in einer alten Gaststätte am Kulturhaus Schweizergartenstraße 2 an.

    Veranstaltungen und Projekte wurden trotz der Corona-Einschränkungen weitergeführt, Hygiene-Konzepte umgesetzt, die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit ins Freie verlegt. Für diese Interims-Lösung ist der Verein dem Kulturbetrieb Wurzen und der Stadt sehr dankbar. Aber unsere vom Stadtrat an uns übertragene Aufgabe ist es, das Geburtshaus so mit Leben zu füllen, dass nicht nur das Wurzener Land einen neuen Anziehungspunkt hat, sondern Literatur- und Kunstfreunde aus ganz Deutschland deshalb nach Wurzen reisen. Das wird uns immer wieder erschwert.

    Wegen des Baustopps fand der RingelnatzSommer 2020 im Innenhof des Kulturhauses statt. Alle Ausstellungen und Konzerte zur Neueröffnung des Hauses fielen ersatzlos aus. Bei den Mitgliedern in ganz Deutschland stößt dies auf Unverständnis.

    Wir erwarten von den Denkmalschutzbehörden, dass sie sich öffnen für eine Lösung, die die Nutzung des Hauses auf allen drei Etagen, den Denkmalschutz und die Behindertengerechtigkeit verbindet. Sicher gibt es dafür in Sachsen Vorbilder, die zeigen, wie man den Denkmalwert achten und eine moderne Nutzung für alle möglich machen kann.

    Unterzeichner Dr. Viola Heß, Wurzen, VorsitzendeGerlind Braunsdorf, Wurzen, Stellvertreterin sowie die Vorstandsmitglieder Katrin Hanisch, Leipzig, Heinz Hilbert, Leipzig, André Genedl, Wurzen,Eva Maria Hänsel, Bennewitz, Harald Kretzschmar, Wurzen

    Stimmen zu Offenen Brief findet man auf der Homepage des Joachim-Ringelnatz-Verein e. V.

    Leipziger Zeitung Nr. 85: Leben unter Corona-Bedingungen und die sehr philosophische Frage der Freiheit

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