73 Prozent der Frachtflugbewegungen am Flughafen Leipzig/Halle fanden 2025 in den Nachtstunden statt. Hinzu kommen 352 Leerflüge nachts: Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage (Drs 8/6353) der Bündnisgrünen-Fraktionsvorsitzenden Franziska Schubert hervor. Der Staatsregierung lägen „keine entsprechenden Erkenntnisse“ für die Gründe der Leerflüge vor.
Aber die Auskunft der Infrastrukturministerin Regina Kraushaar zeigt noch etwas anderes: Seit 2022 geht die Zahl der Frachtflüge auf LEJ permanent zurück. Für einen Flughafenausbau gibt es schlichtweg keine belastbare Basis mehr.
Aber dass die Staatsministerin nicht weiß, warum die meisten Frachtflüge ausgerechnet in der Nacht stattfinden, wirft für Franziska Schubert, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, einige Fragen auf: „Der Blindflug der Staatsregierung ist inakzeptabel. Dass fast drei Viertel aller Flüge mitten in der Nacht stattfinden, ist eine enorme Belastung für die Menschen in der Region. Diese Dimension des Nachtfluglärms ist nicht zumutbar. Der Freistaat ist an der Mitteldeutschen Flughafen AG beteiligt und sollte sich hier nicht wegducken.“
Insgesamt wurden – wie der Antwort aus dem SMIL zu entnehmen ist – im Jahr 2025 49.634 Frachtflugbewegungen am Flughafen Leipzig/Halle registriert, wovon 36.289 Flüge auf die Nachtzeit zwischen 22 und 6 Uhr entfielen. Das entspricht über 73 Prozent aller Flüge. Das Verhältnis ist schon seit Jahren so.
Einziger Unterschied: Nach einem Spitzenwert im Jahr 2021 geht die Zahl der Frachtflüge am Flughafen Leipzig-Halle permanent zurück. Von einem Anstieg des Frachtflugverkehrs, der den teuren Ausbau des Frachtflughafens rechtfertigen würde, kann überhaupt keine Rede mehr sein. Die bislang veranschlagten 500 Millionen Euro wären einfach zum Fenster hinausgeschmissenes Geld.
2021 hatte es den Spitzenwert bei Frachtflügen am Flughafen Leipzig-Halle mit insgesamt 61.333 Starts und Landungen gegeben. Und obwohl die Zahlen auch 2023 zurückgingen, genehmigte die Landesdirektion Sachsen 2024 den Flughafenausbau, ignorierte aber sämtliche Kritik zur Umwelt- und Lärmbelastung, die von Umweltverbänden, Bürgerinitiativen und Anliegerkommunen vorgebracht worden war.
Noch im selben Jahr reichten der BUND Sachsen und der BUND Sachsen-Anhalt Klage gegen die Ausbaugenehmigung ein.
Waren 2023 noch 55.973 Starts und Landungen im Frachtflug gezählt worden, sackte die Zahl im Jahr 2024 sogar auf 50.879 ab. Und im Jahr 2025 unterschritt die Zahl der Starts und Landungen dann auch die 50.000er-Marke wieder. Da wurden nur noch 49.634 Starts und Landungen im Frachtverkehr gezählt.

Was natürlich auch Folgen für die Starts und Landungen im Nachtzeitraum hatte. War im Jahr 2021 mit 42.490 nächtlichen Starts und Landungen der Spitzenwert erreicht worden, sank auch die Zahl der nächtlichen Starts und Landungen von Frachtfliegern bald wieder unter die 40.000er-Marke und erreichte 2025 mit 36.289 einen Wert, der sich dem Vor-Corona-Wert von 2019 wieder annäherte.
Leere Flüge
Aber etliche Flugzeuge heben sogar völlig ohne Ladung ab, wie Franziska Schubert kritisiert. „Besonders alarmierend ist der Fakt, dass von rund 1.350 Leerflügen jeder Vierte in der Nacht stattfand. Für die Staatsregierung scheint das aber alles andere als bedenklich, denn sie sieht sich nicht in der Verantwortung, darüber Erkenntnisse zu haben.
Gleichzeitig pumpt der Freistaat jährlich Millionen von Euro in seine Flughäfen. Wo bleibt das Interesse an der Gesundheit der Menschen, die vom nächtlichen Fluglärm betroffen sind? Die Staatsregierung trägt eine Mitverantwortung und muss dieser endlich gerecht werden.“
Was das Phänomen der Leerflüge betrifft, fordert Franziska Schubert: „Leerflüge und ihre Notwendigkeiten sind systematisch zu erfassen, insbesondere nächtliche Positionierungsflüge kritisch zu überprüfen und zu reduzieren. Der Schutz der Bevölkerung vor Nachtfluglärm muss deutlich verstärkt werden. Gerade bei Leerflügen stellt sich die Frage, ob sie wirklich unvermeidbar sind – oder ob hier vermeidbarer Lärm in Kauf genommen wird. Die Staatsregierung darf sich dieser Verantwortung nicht länger entziehen.“
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Eine völlige Demontage und Offenbarungseid des Gesellschafters Sachsen; er ist zu 77% am Flughafengebilde beteiligt.
Die Kompensationszahlungen (ja – es ist ein Zuschussgeschäft) betragen für Sachsen (80%) und Sachsen-Anhalt (20%) zusammen geplant
2026 37 Mio Euro,
2027 28 Mio Eur,
2029 21 Mio Euro,
und ab 2030 angeblich nichts mehr.
Zusätzlich zahlt Sachsen jährlich 9 Mio Euro an den Flughafen Dresden.
Wie kann man sich als verantwortlicher Gesellschafter nur so ein Blöße geben, und nicht wissen, was in diesem Laden passiert, obwohl man die Mehrheit daran besitzt und obendrein jährlich Steuergeld! EINzahlt?