Es ist nach 18 Uhr und in Sachsen wird gezählt. Jeweils die ersten Runden von über 190 Bürgermeister/-innenwahlen und in neun Landkreisen werden neue Amtsinhaber/-innen gesucht. In der ersten Wahlrunde werden unzählige Konstellationen erwartet, welche zu zweiten Wahlgängen zwingen. Hier sind die Ergebnisse des Abends in fortlaufender Aktualisierung, Links zu weiteren Infos und Übersichten.

Hier gehts zum 1. Liveticker vor 18 Uhr auf L-IZ.de

18:30 Uhr: Dresden hat erste Ergebnisse zur OB-Wahl

Aus Dresden trudeln nun nach und nach die Ergebnisse aus den einzelnen Stadtgebieten ein. Bislang ist nur ein Bruchteil da, aber vielleicht ergibt sich daraus schon ein erstes Bild. OBM Dirk Hilbert (FDP) führt mit etwas mehr als 30 Prozent, gefolgt von AfD-Kandidat Maximilian Krah mit rund 20 Prozent der Stimmen.

Die Kandidat/-innen von Linken, Grünen und SPD haben derzeit jeweils etwa zehn bis 15 Prozent. Die beiden „Querdenker“ kommen zusammen auf rund fünf Prozent.

Hilbert (FDP) in Dresden stärker als erwartet. Screen Dresden.de

Die Zwischenergebnisse & Ergebnisse aus Dresden
https://wahlen.dresden.de/2022/obw/index.html

Hier kann man die Ergebnisse zur Landratswahl auch selbst verfolgen
https://wahlen.sachsen.de/landratswahlen-2022-wahlergebnisse.php

Und hier die Ergebnisse zu den Bürgermeisterwahlen (Stadt eingeben)
https://wahlen.sachsen.de/buergermeisterwahl-wahlergebnisse-2022.php

18:50 Uhr: Grimma und Landkreis Leipzig – zwei Amtsinhaber marschieren durch

Grimma und der Landkreis Leipzig (Grimmaer Ergebnisse). Screen Grimma.de

Matthias Berger wird wohl Oberbürgermeister von Grimma bleiben. Der Abstand zu den beiden Mitbewerbern ist in den ersten Auszählungen um 18:45 derart groß, dass sich mit seinen 86 Prozent eine klare Richtung abbildet. Damit bleiben für Tobias Burdukat trotz beherztem Wahlkampf nur knapp über 6 Prozent.

Zumindest kann nun der für die rechtsextremen Freien Sachsen angetretene Gastwirt Rainer Umlauft weiter für jene Gäste Schnitzel braten, die gern bei ihm einkehren. Im Rathaus von Grimma wird er auch in den kommenden Jahren nichts zu sagen haben, er kommt auf knapp über 7 Prozent.

Landrat Henry Graichen (CDU) hat im Landkreis Leipzig hingegen erwartbar keinen ganz so extrem guten Lauf, wird aber – mit derzeit in mehreren Gemeinden wie Grimma, Borna, Wurzen und im Lossatal deutlich über 60 Prozent – im ersten Wahlgang gewinnen.

Das sieht also – wie vorhergesagt – eher schlecht für Jörg Dornau und seine AfD aus. Hier werden es wohl nicht mehr als die aktuellen 25 Prozent und der Platz 2. Aktuell (19 Uhr) steigt der Vorsprung Graichens noch weiter auf teils 70 Prozent in einigen Gemeinden.

19:15 Uhr: Hilbert in Dresden weiter vorne, spannender Kampf um Platz 2

In Dresden wurde mittlerweile mehr als die Hälfte der Gebiete ausgezählt. Die Stimmenanteile haben sich im Vergleich zum ersten Zwischenstand nicht allzu stark verschoben; kleinere Veränderungen gibt es aber schon.

Der bisherige Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) führt weiterhin komfortabel. Aktuell sind es 30 Prozent der Stimmen für ihn. Um Platz 2 streiten sich derzeit Eva Jähnigen von den Grünen und Maximilian Krah von der AfD mit jeweils 17 bis 18 Prozent. Krah hat also im Laufe der letzten Stunde einige Prozentpunkte verloren, als er noch deutlich vor Jähnigen lag. Chancen auf Platz 2 hat auch noch Albrecht Pallas (SPD) mit rund 15 Prozent.

Linke-Kandidat André Schollbach kommt derzeit auf etwa zehn Prozent. Etwas mehr als fünf Prozent haben die beiden „Querdenken“-Kandidaten Marcus Fuchs und Sascha Wolff zusammengerechnet.

Eines ist damit klar: Es wird auf jeden Fall einen zweiten Wahlgang in vier Wochen geben, da niemand die nötige Mehrheit von über 50 Prozent erreichen wird. Würden alle Kandidat/-innen erneut antreten, wäre es im zweiten Wahlgang wohl ein Durchmarsch von Hilbert.

Denkbar wäre aber zum Beispiel, dass sich Grüne, Linke und SPD dann hinter einer Person versammeln. Vor allem unter diesem Gesichtspunkt ist es spannend, ob Pallas heute noch an Jähnigen vorbeizieht. Aktuell fehlen ihm drei Prozentpunkte. Sollte es eine solche Kooperation geben, würde dann wohl vieles von der AfD abhängen.

Geht sie erneut ins Rennen, könnten Hilbert die nötigen Stimmen für eine Mehrheit fehlen.

Die Dresdner haben Lust auf eine interessante zweite Wahlrunde. Auszählung nach der Hälfte der Wahlkreise und es wird enger. Screen: Dresden.de

19:30 Uhr: Platzende blaue Träume und eine kleine Sensation

Über den Landkreis Mittelsachsen gab es die meisten Spekulationen und nun kommt alles anders, als (von der AfD) gedacht. Der Kandidat des rot-rot-grünen Bündnisses Dirk Neubauer liegt mit über 40 Prozent da, wo ihn auch die CDU sicher nicht erwartet hat: an der Spitze. Der vorher bereits eher als Notkandidat eingeschätzte Sven Liebhauser von der CDU könnte nach jetzigem Stand sogar nur mit Platz 3 aus der ersten Wahlrunde hervorgehen, während sich die AfD mit Rolf Weigand (MdL) bei rund 30 Prozent einfindet.

Hier ist der Abstand nur wenige Promille zwischen AfD und CDU groß, doch die Mittelsachsen wollen offenbar als erste kleine Überraschung des heutigen Tages den tatkräftigen Augustusburger Bürgermeister als neuen Landrat.

Dirk Neubauer ist ein parteiloser Kandidat mit Unterstützung des „linken Lagers“, dessen Pragmatismus unter anderem in der Flüchtlingskrise nicht nur den Augustusburgern gefiel. Als ihr Bürgermeister erlangte Neubauer deutschlandweite Bekanntheit durch seinen offenen und bürgernahen Umgang mit gesellschaftlichen Ausnahmesituationen. Das scheint nun zu wirken.

Unterdessen zeichnen sich zwar teils knappe, aber dennoch von der CDU dominierte Rennen in den Landkreisen ab. Es sind erst 1/3 der Stimmen gezählt, aber überall liegen die Christdemokraten mit ihren Kandidaten vorn.

Die Landkreise nach etwa 1/3 bis Hälfte der Auszählung. CDU vorn und eine Überraschung in Mittelsachsen. Screen: Sachsen.de

19:50 Uhr: In Dresden gibt es nun Klarheit

Kurz vor 20 Uhr sind in Dresden fast alle Wahlgebiete ausgezählt. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) konnte seinen Stimmanteil wieder etwas erhöhen: auf 32,5 Prozent. Mittlerweile scheint auch klar, dass die Grünen-Kandidatin Eva Jähnigen mit rund 19 Prozent auf dem zweiten Platz landen wird. AfD-Kandidat Maximilian Krah wurde sogar noch auf den vierten Platz durchgereicht – hinter Albrecht Pallas von der SPD.

Wer im zweiten Wahlgang erneut antreten wird, ist natürlich noch offen. Aber schon jetzt scheinen eigentlich nur zwei Ausgänge denkbar: Hilbert bleibt OBM oder Jähnigen übernimmt das Amt. Vieles wird davon abhängen, wie sich Linke und SPD verhalten.

Die rechtsradikalen beziehungsweise querdenkenden Kandidaten kommen zusammen übrigens auf rund 20 Prozent der Stimmen.

Das vorläufige Ergebnis in Dresden. Screen dresden.de

20:10 Uhr: Zwei weitere Durchmärsche der CDU & eine Spekulation um Runde 2

Im Landkreis Nordsachsen zeichnet sich nun, wo fast alle Wahllokale auch bei der Landratswahl ausgezählt sind, mittlerweile ein ähnliches Bild wie im Landkreis Leipzig ab: die Wähler/-innen sorgen dafür, dass sie am 3. Juli 2022 nicht noch einmal an die Urnen müssen. Wie zuvor schon Henry Graichen (CDU) ist es auch Amtsinhaber Kai Emanuel (CDU) offenbar gelungen, klare Verhältnisse zu schaffen.

Mit 63,9 Prozent ist er durch, einen AfD-Bewerber gab es nicht und zu konstatieren bleibt wohl eher, dass Uta Hesse für die „Freien Sachsen“ 19,7 Prozent geholt hat und sogar Torsten Pötzsch (Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen) mit 16,5 hinter sich ließ. Fast 20 Prozent haben damit eine Kandidatin einer stabil rechtsextremen Partei gewählt, die es im Wahlkampf mit linken Forderungen wie der personellen Verbesserung der Kitabetreuung versuchte. Die NSDAP lässt grüßen.

Ebenfalls sehr wahrscheinlich nicht noch einmal wählen müssen die Bürger/-innen in der Sächsischen Schweiz / Osterzgebirge. Hier holt Michael Geisler mit 54,2 Prozent aktuell für die CDU das Amt und verweist Ivo Teichmann (AfD) klar auf die Zwei (24,7 Prozent).

Spekulieren kann man nun in allen anderen Wahlkreisen. Allerdings nur darüber, was die Kandidat/-innen der Bündnisse von Linken, SPD und Grünen tun. Dabeibleiben und dennoch verlieren oder aussteigen und den Sieg im Wahlgang zwei für die in dieser Runde 1 meist etwa 10 Prozent vor der AfD liegenden CDU-Kandidaten „absichern“. Zu groß sind bis auf die Überraschung in Mittelsachsen die Abstände. Gemeinschaftskandidat Sylvio Arndt kommt beispielsweise in Görlitz auf gerade einmal 10 Prozent.

Als relativ sicher gilt jedoch schon heute: die AfD wird wohl kein einziges Landratsamt erobern und bleibt teils deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Zu den vorläufigen Wahlergebnissen der Landratswahlen nach etwa 2/3 der Auszählung

20:35 Uhr: Bis zu 36 Prozent für die Rechtsradikalen

In allen sächsischen Landkreisen, in denen heute gewählt wurde, hat mindestens ein Fünftel eine Partei vom rechten Rand gewählt: die AfD oder die „Freien Sachsen“. Während es rund um Leipzig dann tatsächlich auch „nur“ diese rund 20 Prozent sind, sieht es weiter östlich schon anders aus. Im Landkreis Görlitz und in der Sächsischen Schweiz kommen die rechtsradikalen Kandidat/-innen jeweils auf rund 35 Prozent der Stimmen.

Auch in Bautzen, in Mittelsachsen und im Erzgebirge dürfen sich diese Parteien über bis zu 30 Prozent Zustimmung freuen. Überraschend ist das in einem Bundesland, in dem die AfD rund 25 Prozent der Sitze im Landtag besetzt, natürlich nicht.

Nicht mit einberechnet sind dabei die Stimmen für die teils ebenfalls arg rechts fischenden „Freien Wähler“ und von jenen Personen, die CDU wählen, weil das schon immer so war, aber eigentlich ein Mindset haben, das eher zur AfD passt.

Will man nach Wahlerfolgen bei SPD, Linken und Grünen suchen, muss man schon die Lupe nehmen. Der gemeinsam von diesen drei Parteien im Landkreis Bautzen aufgestellte Alex Theile würde dann ins Blickfeld geraten. Er erhielt immerhin knapp 25 Prozent der Stimmen.

Ansonsten waren es allenfalls Einzelbewerber, die die konservativ-rechte Dominanz durchbrechen konnten. Allen voran Dirk Neubauer (Parteilos), der mit Unterstützung von rot-rot-grün zumindest die Chance hat, im zweiten Wahlgang in das Landratsamt Mittelsachsens einzuziehen.

21:10 Uhr: Hilbert gewinnt den ersten Wahlgang in Dresden

Das vorläufige Ergebnis für Dresden ist da. Nennenswert verändert hat sich nichts mehr. Dirk Hilbert (FDP) landet mit 32,5 Prozent auf dem ersten Platz, Eva Jähnigen (Grüne) folgt mit deutlichem Abstand, SPD auf 3, AfD auf 4 und Linke auf 5. Von den übrigen Kandidaten erhält „Querdenker“ Marcus Fuchs mit 3,4 Prozent die meisten Stimmen – aber auch deutlich weniger als beispielsweise Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling vor sieben Jahren. Sie holte rund zehn Prozent.

Das vorläufige Ergebnis in Dresden. Screenshot: dresden.de

21:45 Uhr: Erste Bündnisse nach dem 1. Wahlgang in Dresden – Alle gegen Hilbert?

Kaum sind die Ergebnisse in Dresden da, gibt es auch schon erste neue Allianzen. So hat der Drittplatzierte Albrecht Pallas (MdL, SPD, 15,2 Prozent) via Twitter angekündigt, Eva Jähnigen (18,9 Prozent) im zweiten Wahlgang am 10. Juli 2022 zu unterstützen. Er sei überzeugt, dass die Chance anhand der Gesamtergebnisse realistisch sei, „gemeinsam für einen Politikwechsel im Rathaus zu sorgen. Wie ich auch im Wahlkampf immer betont habe: Dieser Wechsel ist bitter nötig, damit Dresden nicht weiter zurückfällt.“

Dirk Hilbert (FDP) steht mit 32,5 Prozent im Wahlgang 1 zwar an der Spitze, könnte aber in Bedrängnis kommen, wenn Linke, Grüne und SPD gemeinsam für Jähnigen werben würden. Zusammengerechnet haben die Kandidaten inklusive André Schollbach (Linke, 10,3 Prozent) 44,4 Prozent auf sich versammeln können.

Beim zweiten Wahlgang gewinnt derjenige mit der einfachen Mehrheit aller Wählerstimmen.

Apropos Bürgermeisterwahlen. Der AfD ist es neben den 1. Wahlgängen bei den Landratswahlen auch bei den heutigen Bürgermeisterwahlen nicht gelungen, in eine wirklich aussichtsreiche Position zu kommen. Soweit die LZ bislang ermitteln konnte, ist es kaum wahrscheinlich, dass es in Sachsen demnächst einen AfD-Bürgermeister geben wird.

In den rund 190 Wahlen setzten sich entweder CDU-, SPD- oder FDP-Kandidaten durch oder es verteidigten Wählerbündnisse wie „Zittau kann mehr“ die OB-Position, hier sogar besonders eindrucksvoll: Amtsinhaber Thomas Zenker landete in der Oberlausitzer Stadt heute bei 71,8 Prozent und legte damit noch einmal deutlich gegenüber seiner Erstwahl im Jahr 2015 gegen den AfD-Herausforderer Jörg Domsgen (28,2) zu.

Möchte man zur Stunde ein Fazit ziehen, so haben sich die Sachsen in Zeiten einer auspendelnden Pandemie, von Ukrainekrieg und Inflation in großer Mehrheit besonnen und nicht für rechten Krawall entschieden. So sehr die AfD, „Freie Sachsen“ und NPD mit ihrem Antikurs gegen nahezu alles bei einem gewissen Prozentsatz zu punkten vermögen – für eine verantwortliche Position reicht das nicht.

22:05 Uhr: Die sächsische CDU-Vorherrschaft wackelt

In neun Landkreisen fanden heute Landkreiswahlen statt und in drei davon steht bereits nach dem ersten Wahlgang das Ergebnis fest: CDU, CDU, CDU. Den deutlichsten Erfolg konnte Henry Graichen mit mehr als 70 Prozent der Stimmen im Landkreis Leipzig landen. Kai Emanuel folgt mit knapp 63 Prozent im Landkreis Nordsachsen. Ebenfalls die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang holte Michael Geisler mit 54 Prozent in der sächsischen Schweiz.

Bedeutet auch: In drei Wochen wird in sechs Landkreisen ein zweiter Wahlgang stattfinden. Als klare Favoriten dürften die CDU-Kandidaten in den Landkreisen Görlitz und Bautzen sowie im Vogtlandkreis ins Rennen gehen – ihr Vorsprung auf den zweiten Platz war im ersten Wahlgang deutlich.

Ganz anders ist die Situation im Landkreis Zwickau und im Erzgebirgskreis, wo die CDU-Kandidaten nur wenige Prozentpunkte vor den „Freien Wählern“ landeten. Sollten hier beispielsweise AfD und/oder „Freie Sachsen“ zurückziehen, könnte es für die CDU-Kandidaten eng werden.

Eine nochmal auf ganz andere Art spezielle Konstellation zeigt sich im Landkreis Mittelsachsen. Das ist der einzige Landkreis, in dem kein CDU-Kandidat, sondern der Einzelbewerber Dirk Neubauer vorne liegt – und das deutlich; mit rund 42 Prozent der Stimmen. Dahinter folgen CDU und AfD mit jeweils knapp 30 Prozent. Sofern hier kein Kandidat zurückzieht, könnte die CDU-Vorherrschaft tatsächlich fallen – aber anders, als das viele erwartet hätten.

22:30 Uhr: Die Redaktion bedankt sich für die große Aufmerksamkeit und sagt für Heute und hier auf Wiederlesen. 

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