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Chemnitz vs. Lok: Randbeobachtungen an einem denkwürdigen Abend

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    Nach 175 Minuten - inklusive Pausen - war Schluss und das Sachsenpokal-Halbfinale zwischen dem Chemnitzer FC und dem 1. FC Lok Leipzig entschieden. Ein Spiel mit zahlreichen Zweikämpfen, Zwischentönen und Zusätzen. Ein paar Randbeobachtungen.

    +++ Fans +++

    1.600 Karten hatte der 1. FC Lok für das Halbfinale erhalten. Die Tickets waren binnen weniger Tage vergriffen, neue erhielt der Verein nicht. Die Behörden hatten Sicherheitsbedenken, weil die Fantrennung dann nicht mehr geleistet werden könnte. In 12 Bussen reisten die meisten Lok-Anhänger an und letztlich haben sich noch mehrere hundert Fans in den Heimbereich gemischt.

    Schon vor dem Spiel suchte die Mannschaft die Nähe zu den mitgereisten Fans. Kapitän Robert Zickert animierte in nahezu jeder der drei Spielpausen die Fans noch einmal. Nach jedem der drei Tore kurbelten die Arme vieler Spieler Richtung Fans, um sich deren Unterstützung zu vergewissern.

    Die Mitgereisten taten über 120 Minuten alles, um den 12. Mann zu stellen. Und als dann Schinke verschoss, ließ sich niemand der rund 2.000 Fans zu einer Schandtat hinreißen. Im Gegenteil: Die Fans waren eher gefasst als die enttäuschten Spieler, feierten Benjamin Kirsten und den Unglücksraben Paul Schinke. Auf der Gegenseite trugen die Heimfans ihren Teil zu einem nicht nur sportlich hoch interessanten Duell bei.

    Auf beiden Seiten gab es nur eine Sache zu bemängeln. Als Matti Langer sein zweites Tor mit der gesamten Chemnitzer Mannschaft zu aufreizend vor dem Lok-Block bejubelte, flogen Bierbecher. Nach einer Rudelbildung im Anschluss an ein Foul wiederholte sich dies auf der Gegenseite. Ein Geschoss verfehlte die Disputanten nur knapp.

    +++ Schiedsrichter +++

    Der Schiedsrichter des Halbfinales, Alexander Sather, verfügt über 2. Liga-Erfahrung. Schon in den ersten Aktionen holte er sich mehrere Lok-Spieler zum Gespräch, um jegliche Diskussionen im Keim zu ersticken. Nach 20 Minuten ermahnte er zuerst Co-Trainer Ronny Surma und drohte, ihn auf die Tribüne zu schicken.

    Als sich Surma beruhigt hatte, mischte sich Joppe ein. Sather soll zu Joppe „Halt die Schnauze!“ gesagt haben. Der entgegnete: „Mit Arroganz kommt man auch nicht weit“ und traf damit den Nerv des Schiedsrichters, der schon vor drei Wochen von Greuther Fürths Trainer Stefan Leitl mit den Worten „Du bist so arrogant“ bedacht worden war.

    Joppe musste anschließend das Spiel von einem Sitzplatz auf der Chemnitzer Tribüne verfolgen. Der 32-Jähriger Sather pfeift für den FC Grimma und ließ dort vor elf Jahren in seiner Rolle als Funktionär schon einmal Medienvertreter abblitzen, die von einem Spiel des FC Grimma berichten wollten, verlangte 10 Euro Akkreditierungsgebühr und ließ sich auch von dem angekündigten Verriss in der Zeitung am Folgetag nicht beeindrucken.

    Im Halbfinale hatte er keine wirkliche Linie. Salewski kassierte eine berechtigte gelbe Karte und musste dann auf Anraten Sathers schon nach 18 Minuten runter, weil er ohne erkennbares Folgefoul kurz vor dem Platzverweis stand. Sascha Pfeffer foulte nach seiner gelben Karte binnen weniger Minuten zweimal und durfte draufbleiben.

    Nach einer harten Grätsche von Frahn gegen Pfeffer vor dem 3:2 beließ es Sather bei einer Ermahnung, wo zwingend Gelb hätte folgen müssen. Gleichzeitig bewertete Sather zahlreiche Duelle unterschiedlich. In der Anfangsphase ahndete der Grimmaer nahezu jedes Fallen von Frahn und Bozic, was er nach der Pause konsequent ignorierte, um gegen Ende der Verlängerung Lok zwei Freistöße zuzusprechen, denen kein klares Foulspiel voranging. Allerdings kam Sather nach dem Fehlschuss von Schinke zum Schützen, um ihn aufzubauen.

    +++Trainer+++

    Nach 20 Minuten war für Björn Joppe das Landespokal-Halbfinale in offizieller Funktion zumindest verkürzt. In der Halbzeit durfte er zur Mannschaft, ansonsten war jeglicher Kontakt strengstens untersagt. Joppe kam anfangs dennoch die Tribünentreppe hinuntergelaufen, um sich mit Surma – noch auf der Tribüne stehend – auszutauschen. Das unterband allerdings der vierte Offizielle Mirko Eckhardt recht schnell.

    Fortan saß Joppe in der 1. Reihe und konnte Surma nur noch erreichen, wenn dieser die Coachingzone zur anderen Seite verließ. Auf Joppes freigewordenen Stuhl setzte sich Rainer Lisiewicz, der sofort dem neben ihm sitzenden Co-Trainer Surma deutlich machte, dass bei diesem Schiedsrichter oberste Vorsicht geboten ist. Lisiewicz kennt Sather und dessen Vater, ebenfalls Schiedsrichter, aus seiner Grimmaer Zeit.

    Der Einfluss von „Lise“ auf das Spielgeschehen war allerdings nicht erkennbar. Stattdessen lastete die enorme Verantwortung für Ansprachen und Anweisungen auf den Schultern des kürzlich erst 31 Jahre alt gewordenen Ronny Surma. „Er hat das gut gemacht, auch wenn ich ihn im Spiel nicht wirklich verstehen konnte“, so Schinke später.

    Dass Lok nach einem 0:2 zurückkam und sich auch das schnelle 3:3 einstellen konnte, daran hat Co-Trainer Surma, der selbst letzte Saison noch für Lok spielte, seinen Anteil und auch Teamchef Björn Joppe, der zusammen mit Surma die Mannschaft hervorragend auf das Spiel und die zahlreichen Szenarien eingestellt zu haben scheint.

    Sein Gegenüber David Bergner, selbst DFB-Fußball-Lehrer, zollte Joppe Respekt für seine Arbeit: „Er hat das Potenzial dieser Mannschaft geweckt.“ Der 40-Jährige hat bewiesen, dass Trainer-Lizenzen nur deklaratorischen Charakter haben können, denn so gesehen hätte B-Lizenz-Inhaber Joppe gegen den Fußball-Lehrer eigentlich klar verlieren müssen.

    Surma und Joppe haben aber den Beweis angetreten, dass Lizenzen gar nicht wichtig sein müssen, weil Fachkenntnis mehr ist als DFB-Lehrgänge zu besuchen. Sein Vorgänger Heiko Scholz, ebenfalls Fußball-Lehrer, saß übrigens ebenfalls auf der Tribüne.

    +++Torhüter+++

    Die Partie verschmolz zum Ende hin und erst Recht mit dem Elfmeterschießen immer mehr zu einem Duell der Torhüter. Kirsten war bei beiden Gegentoren der Chemnitzer in der ersten Halbzeit machtlos und hatte Glück, dass ihm Sather nicht übel nahm, dass Kirsten ihm die gelbe Karte aus der Hand schlagen wollte. Die hatte er bekommen, weil er vor dem 0:2 der Chemnitzer ein Foulspiel von Frahn gegen Urban gesehen hatte. In der zweiten Hälfte zeigte der Dresdner eine Unsicherheit bei einem hohen Ball, parierte aber in der 85. Minute gleich zweimal erstklassig gegen Bozic aus kürzester Distanz.

    Jakub Jakubov im Chemnitzer Tor zeigte große technische Fähigkeiten, mit denen er sich mehrmals aus engen Pressing-Situationen befreien konnte. Den ersten ernsthaften Ball auf sein Tor konnte auch er nicht halten und war auch bei den weiteren Leipziger Treffern machtlos.

    Im Elfmeterschießen hatte Jakubov bei Pommer den richtigen Riecher. Dessen Schuss war allerdings zu platziert – und stand dann bei Schinke richtig. Einen Schuss zuvor zögerte Kirsten zu lange, in die Streckung zu gehen. Hoheneders Versuch hätte er sonst haben können. In der richtigen Ecke war er. Pech hatte der Mann mit der 31 zudem bei Karsanidis Elfmeter, der ihm unter dem Körper durchrutschte.

    +++Funktionäre+++

    Sichtlich angeschlagen kam Lok-Präsident Thomas Löwe nach dem Spiel in die Katakomben. Das hatte nur bedingt mit dem Spielausgang zu tun. „Ich gratuliere beiden Teams zu diesem fantastischen Spiel. Mehr will ich gar nicht sagen“, so Löwe, der auch nicht mehr sagen konnte, denn Löwe wird von einer Erkältung geplagt. Nach den lauten und anstrengenden 135 Fußball-Minuten hatte seine Stimme ihren Dienst fast versagt.

    Neben der sportlichen Niederlage schmerzte die Funktionäre des FCL auch die finanzielle. Durch den verpassten Finaleinzug freut sich nun Chemnitz über rund 100.000 Euro Zusatzeinnahmen. Geld, was nicht nur die klammen Chemnitzer, sondern auch der 1. FC Lok gut gebrauchen könnte, denn die Vision 2020 steht.

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